Springer möchte iPhone-Nutzer aussperren

Wie disqualifiziert man sich selbst?

springer.jpg

Für eine sterbende Industrie, die sich aufgrund ihrer Zukunftsangst nie 100-Prozent auf globale Veränderungen einstellen konnte, und dadurch mittlerweile eine Online-Randposition beschreitet, scheinen radikale Kurswechsel etwas Undenkbares.

Nachdem Mitte August Springer-Chef Mathias Döpfner mit seiner expliziten Aussage „Bild.mobile auf dem iPhone muss bezahlt werden“ einen weiteren Unternehmens-Sargnagel ansetzte, bestätigte jetzt ein Konzernsprecher gegenüber DWDL.de, dass die Textangebote von bild.de und welt.de in Zukunft ausschließlich über eine kostenpflichtige App Store-Anwendung zu konsumieren sind.

Dabei fallen die gleichen ‚Argumentationsstränge‘, die bereits Döpfner über den ‚Kampf gegen die Kostenlos-Kultur‘ im Internet äußerte. Betroffen seien sollen zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich Apple-Geräte, da für die ‚anderen‘ Mobilfunkanbieter noch keine entsprechenden Software-Angebote vorhanden sind.

Für andere Smartphones, zum Beispiel der Hersteller Nokia und Blackberry, gelte diese Beschränkung nicht, so lange es noch keine entsprechende Anwendung gebe.

Ob sich diese Aussage auf die entsprechenden Verkaufsplattformen oder die interne Programm-Entwicklung bezieht, lasse ich einmal dahingestellt.

Im Trauergesang um Qualitätsjournalismus und böse Suchmaschinen, der sich in unzähligen Beispielen grandios kommentiert bei Herrn Niggemeier verfolgen lassen, bedarf es einer humoristischen Art wenn man daran denkt wie Döpfner im Juli 2008 den Axel Springer-Verlag zum größten Apple-Firmenkunden erhob und dies in einem YouTube-Video erklärte.

„Apple steht für Kreativität, Innovation, Ästhetik und Kompetenz und ist damit der ideale Partner für Axel Springer“, sagte Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG. „Die Umstellung auf Apple ist für uns nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern wichtiger Beschleuniger der kulturellen Modernisierung im Unternehmen.“

via axelspringer.de

Wieviele der Springer-Mitarbeiter dieser Tage mit iPhones herumlaufen sei ebenfalls dahingestellt. Es bleibt jedoch die Frage unbeantwortet, ob die werten Angestellten für den Zugang ihrer eigens erstellten Inhalte jetzt auch bezahlen sollen?

Am Ende verbleiben Döpfners- (und die des unbenannten Springer-Sprechers wiederholten) Aussagen nur der letzte ‚mediale‘ Aufschrei eines verzweifelnden Konzernchefs, der seine Kundschaft als aktiven Feind betrachtet und für keinerlei Veränderung bereits ist.