Springer möchte iPhone-Nutzer aussperren

von alex olma | 6 November 2009 | 14:54 Uhr

Wie disqualifiziert man sich selbst?

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Für eine sterbende Industrie, die sich aufgrund ihrer Zukunftsangst nie 100-Prozent auf globale Veränderungen einstellen konnte, und dadurch mittlerweile eine Online-Randposition beschreitet, scheinen radikale Kurswechsel etwas Undenkbares.

Nachdem Mitte August Springer-Chef Mathias Döpfner mit seiner expliziten Aussage „Bild.mobile auf dem iPhone muss bezahlt werden“ einen weiteren Unternehmens-Sargnagel ansetzte, bestätigte jetzt ein Konzernsprecher gegenüber DWDL.de, dass die Textangebote von bild.de und welt.de in Zukunft ausschließlich über eine kostenpflichtige App Store-Anwendung zu konsumieren sind.

Dabei fallen die gleichen ‘Argumentationsstränge’, die bereits Döpfner über den ‘Kampf gegen die Kostenlos-Kultur’ im Internet äußerte. Betroffen seien sollen zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich Apple-Geräte, da für die ‘anderen’ Mobilfunkanbieter noch keine entsprechenden Software-Angebote vorhanden sind.

Für andere Smartphones, zum Beispiel der Hersteller Nokia und Blackberry, gelte diese Beschränkung nicht, so lange es noch keine entsprechende Anwendung gebe.

Ob sich diese Aussage auf die entsprechenden Verkaufsplattformen oder die interne Programm-Entwicklung bezieht, lasse ich einmal dahingestellt.

Im Trauergesang um Qualitätsjournalismus und böse Suchmaschinen, der sich in unzähligen Beispielen grandios kommentiert bei Herrn Niggemeier verfolgen lassen, bedarf es einer humoristischen Art wenn man daran denkt wie Döpfner im Juli 2008 den Axel Springer-Verlag zum größten Apple-Firmenkunden erhob und dies in einem YouTube-Video erklärte.

“Apple steht für Kreativität, Innovation, Ästhetik und Kompetenz und ist damit der ideale Partner für Axel Springer”, sagte Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG. “Die Umstellung auf Apple ist für uns nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern wichtiger Beschleuniger der kulturellen Modernisierung im Unternehmen.”

via axelspringer.de

Wieviele der Springer-Mitarbeiter dieser Tage mit iPhones herumlaufen sei ebenfalls dahingestellt. Es bleibt jedoch die Frage unbeantwortet, ob die werten Angestellten für den Zugang ihrer eigens erstellten Inhalte jetzt auch bezahlen sollen?

Am Ende verbleiben Döpfners- (und die des unbenannten Springer-Sprechers wiederholten) Aussagen nur der letzte ‘mediale’ Aufschrei eines verzweifelnden Konzernchefs, der seine Kundschaft als aktiven Feind betrachtet und für keinerlei Veränderung bereits ist.

  • charly
    Find ich gut, Klopapier kostet schliesslich auch Geld ... ;)
  • tantetrudeausbuxtehude
    da iphone-Besitzer nie "BILD" lesen, ist es nicht nur KEINE Nachricht, sondern nur für "Journalisten" interessant....
  • robur
    Ich sehe auch nicht den Grund für den negativen Unterton in diesem Post. Wenn etwas gut ist, dann sollte auch dafür gezahlt werden. Journalisten müssen auch irgendwie die Miete zahlen und den Kühlschrank füllen.

    Hier in den USA kostet eine Zeitung zwischen fünf und acht Dollar die Woche - online gibt's aber alles umsonst. Das passt nicht. Wenn, sollte das auch online ein paar Dollar kosten, meinentwegen auch billiger als die Print-Ausgabe.

    Denn, mal ehrlich: Wenn es Nachrichtenagenturen und Zeitungen nicht gäbe, worauf würden die Wohnzimmerblogger denn dann ihre Ergüsse basieren? Eben.
  • Von 'kostenlosem Konsum' ist im Beitrag keine Rede - ich zahle gerne für gute Inhalte. Aber bitte nicht 'kostenlos' und 'werbefinanziert' verwechseln.

    Aber warum geht's den gerade überall steil bergab? Eine 'richtige' (Zukunfts-) Einstellung wird's wohl nicht sein...?

    http://www.austinat.de/blog/archives/804
  • Couldn´t care less, wen kümmert schon die Bild?
  • michael
    oh, da werden wir iphone kunden wieder ausgesperrt! auf jedem anderem telefon und computer wird der dienst weiterhin kostenlos zur verfügung stehen.
    schade, damit machen die (erst telekom mit thesering) die plattform iphone eher kaputt. ich kann das iphone mittlerweile nicht mehr weiterempehlen, da es zu viele einschränkungen gibt die ünnötigerweiße aufgestellt werden.

    warum sind wir iphone kunden anders als nokia, blackberry oder android kunden? warum wird uns selbstverständliches verwährt oder nur per extra zahlung gestattet, mit jedem anderen sch*** smartphone geht die modemnutzung, kann ich das dattenvolumen verbrauchen wofür ich es gerne benutzen möchte, nur nicht auf dem iphone.

    da wird gerade die beste mobile plattform zerstört und alle schauen zu!!!!
  • Abdas Bein
    Sehr schön ist der Satz: "“Apple steht für Kreativität, Innovation, Ästhetik und Kompetenz und ist damit der ideale Partner für Axel Springer” – ideal, weil Axel Springer genau die genannten Eigenschaften noch fehlen?
  • inkOne
    Wenn ich ehrlich bin ist es mir egal! Für Journalismus der es wert ist bezahle ich auch gerne! ... Ach Moment ! Es geht hier ja nicht um Journalismus! Es geht hier ja um Volksverblödung...finden sich bestimmt genügend die das bezahlen werden, LEIDER!
  • moodo
    Herrlicher geschriebener Artikel, dem ich voll zustimme. Bild als vorreiter gegen die "Gratis-Kultur" im Internet... Ha, dass ich nicht lache!
  • motu90
    Echt, das allerdümmste was ich seit langem gehört habe... und ich höre schon viel Mist jeden Tag :D

    Aber das passt zu meiner Meinung zur Bild, kann mir also alles nur recht sein ;)
  • Vermutlich wird das einer der Kardinalfehler sein, dass Springer-Mitarbeiter auf "ihre" App kostenlos zugreifen werden dürfen und dadurch möglicherweise gar nicht erahnen werden, wie wenig wertvoll deren Content eigentlich ist.

    Und darauf können wir uns dann vermutlich auch verlassen: Wenn der Axel-Springer-Verlag durch ihre iPhone-App nicht sofort reich wird, sind die pösen Hacker Schuld. Oder die Raubkopierer. Oder die Piratenpartei. Oder, wie immer, die Blogger.
  • blubalu
    "Am Ende verbleiben Döpfners- (und die des unbenannten Springer-Sprechers wiederholten) Aussagen nur der letzte ‘mediale’ Aufschrei eines verzweifelnden Konzernchefs, der seine Kundschaft als aktiven Feind betrachtet und für keinerlei Veränderung bereits ist."

    Von welcher Veraenderung ist denn hier die Rede?
  • The Spirit
    AMEN!!!
  • seppel
    sb settings --> UAFaker --> Problem gelöst! :)
  • Grundsätzlich sehe ich das nicht als problematisch an, wenn für journalistische Leistungen auch gutes Geld verlangt wird. Wofür der Axel Springer-Verlag allerdings Geld haben möchte, verstehe ich nicht.
  • Oliver
    Na ja, jeder Anbieter wird wohl von seinen Leistungen überzeugt sein. Ob er damit erfolgreich ist, entscheiden letztendlich die Kunden.
  • Oliver
    Grundsätzlich sehe ich das nicht als problematisch an, wenn für journalistische Leistungen auch gutes Geld verlangt wird. Warum aber gleich "Kampfansagen" gegenüber dem Internet daraus entstehen, begreife ich nicht. Es wäre doch viel sinnvoller, die moderne Verbreitungsmöglichkeit intelligent zu nutzen. Es gibt bestimmt viele potenzielle Kunden, die bereit sind, auch etwas für Artikel zu bezahlen. Gäbe es zum Beispiel eine App für "Die Zeit", würde ich die sofort kaufen.
  • Ikarus90
    Epic Fail! Naja ich hoffe mal Das die Menschen deren Gehirn noch nicht ganz rausgepustet wurde durch die "Medien die jeder brauch!" sich nicht die Bild kaufen/glauben was da drin steht! Also ich habs noch nie und werds auch nie! Gibt glaubwürdigere Tageszeitungen!
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