[update] Bezahlte Rezensionen

von alex olma | 18 Januar 2010 | 12:30 Uhr

Jetzt: Krisen-PR oder die Füße stillhalten. Welche Strategie fahren wir?

Die Süddeutsche Zeitung bucht sich beim Werbedienstleister Trigami (Social Media Marketing) ein, um bezahlte Testberichte für ihre SZ Gold-Anwendung (1.59 €; App Store-Link) zu bekommen. Dies berichtet am heutigen Morgen das Upload-Magazin und verweist auf bereits durchgeführte Buchungen, was nun die große Ehrenrunde in der Twitterphäre antritt.

17 € soll es für ein Review gegeben haben, das als Bedingung eine positive App Store-Kritik verlangt und entsprechende Formulierungen für den Artikel bereits mitliefert. Jetzt folgt eine ganze Menge schlechter Presse…

Eigentlich schade, weil es komplett unnötig ist. Das 1.59€-starke Monatsabo der ‘Gold-Anwendung’ gestaltete sich gegenüber der kostenfreien ‘Silber-Version’ (App Store-Link) sehr fair. Wer auf die Zusatzfunktionen wie Push-Benachrichtigungen und Offline-Nutzung verzichtet, und ein paar Banner verträgt, findet ein durchaus attraktives Zeitungsangebot. Aber eine solche Dummheit bekommt leider kein Nachsehen.

Wer Qualitätsjournalismus (“App in die Zukunft!“) proklamiert, und dann Anzeigentexte in eine (zumindest) ‘undurchsichtige’ Bezahl-Verpackung steckt, bekommt zurecht den Kopf gewaschen.

netzpolitik.jpg

An eine virale Marketingkampagne glaube ich übrigens nicht. Zur Erinnerung: Die SZ-Redaktion verkauft immer noch Kommentarzeiten für ‘Diskussionen mit Qualität‘…

Update

Trigami nimmt im eigenen Blog Stellung zur Kampagne der Süddeutschen Zeitung.

1. Wir als Trigami haben grossen Mist gebaut! Punkt.

Demnach war es nicht beabsichtigt, das Informationen [über die Vergabe von App Store-Kritiken] ins öffentliche Blogger-Briefing rutschten. Die Kampagne ist auf Kundenwunsch ab sofort gestoppt.

via trigami.com/blog


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Gekaufte Reviews bleiben jedoch ein Thema.

Jack McKenna schreibt über eine E-Mail-Korrespondenz zwischen TechCrunch-Redakteur Robin Wauters und dem vermeintlichen iPhone-Entwickler ‘Jon Atherton’, der für seine Anwendung ‘Wobble iBoobs’ einen Testbericht auf dem bekannten Technologie-Blog lancieren möchte.

$1.000 US-Dollar ist ihm dies wert (“The Wobble iPhone App Guy Really Wants On TechCrunch, And Is Willing To Pay (Updated)“.

Inbox (8 messages).jpg

Kurze Zeit später folgt die öffentliche Stellungnahme eines Kommentators, der sich als der ‘The Real Jon Atherton’ (Glentwood pty ltd) ausgibt. Er behauptet die Anschuldigungen seien falsch, er habe keine E-Mail an die Redaktion verfasst. Im gleichen Atemzug beschwert er sich darüber, das Robin Wauters lediglich auf die empfangene E-Mail-Adresse des Absenders (wobbleapp@gmail.com) geantwortet hat und die Geschichte nicht anhand der anderen Kontaktdaten überprüfte.

Mittlerweile wurde der Artikel um den angesprochenen Kommentar ergänzt und findet sich auch in unveränderter Form im Firmenweblog des Entwicklers.

Ich habe am gestrigen Sonntag den TechCrunch-Autor kontaktiert und mir die komplette E-Mail-Konversation weiterleiten lassen. Warum? Auch das iPhoneBlog empfing Ende November 2009 eine E-Mail mit ähnlichem identischem Inhalt, jedoch von einer anderen Absender-Adresse (glentwood@gmail.com).

All Mailboxes (Found 44 matches for search).jpg

Nach meiner Antwort auf das Schreiben, und dem Verweis auf eine klar gekennzeichnete Werbeschaltung, endete der Kontakt. Chris DeVore erhielt ebenfalls eine E-Mail. Genau wie iLounge oder The Portable Gamer.

Ein Spam-Verweis findet sich hier. Ein ‘Happy End’ der Geschichte gibt es bislang leider nicht.

  • Jon Atherton is a scammer
  • Also ja doch ziemlich schwach irgendwie...
    Wenn man so wenig Vertrauen in seine App steckt, dass man statt einer Review Bitte einen bezahlten Positiv-Artickel will..
    Mit Promocode und einer halbwegs tauglichen App sollte da doch viel mehr zu erreichen sein. Grad bei größeren Blogs.
    Was er natürlich dadurch erreicht hat: Jetzt wurde doch über Wobble geposted, auch wenn nicht positiv. Vielleicht war das ja seine Hoffnung, wer weiss.
  • image
    deine signatur kommt mir bekannt vor
  • Domi
    Der Appstore sollte es zulassen eine zweite Kategorie an Bewertungen einzufüren: In dieser werden dann Bewertugen von objektiven Blogs wie iphoneblog, touch-mania, benm.at, ifun, etc. aufgenommen werden. In den Bewertungen der übrigen Nutzer sollten dnn auch nur richtig Stellung bezogen werden und z.B. beschrieben werden warum man ein App schlecht findet. Das würde den Appstore bedeutend aufwerten!!!!!!!!!!!!
  • Domi
    löschte den kommentar bitte ich habe den Post nicht gesehen und habe ihn deshalb neu abgeschickt
  • Domi
    Tja man sieht, dass ihr ihm nicht so viel wert seit!
    Von 300$ auf 140$ LOL

    Der Appstore sollte es zulassen eine zweite Kategorie an Bewertungen einzufüren: In dieser werden dann Bewertugen von objektiven Blogs wie iphoneblog, touch-mania, benm.at, ifun, etc. aufgenommen werden. In den Bewertungen der übrigen Nutzer sollten dnn auch nur richtig Stellung bezogen werden und z.B. beschrieben werden warum man ein App schlecht findet. Das würde den Appstore bedeutend aufwerten!!!!!!!!!!!!
  • es gibt keine objektiven blogs
  • Ich finde diese ganze Aufregung ja schon ein wenig albern. Immerhin verpflichtet Trigami seine Teilnehmer ja dazu, bezahlte Blog-Artikel ausdrücklich mit einem entsprechenden Hinweis samt Trigami-Logo und Link zur Trigami-Webpräsenz einzuleiten.
    Zumindest war es vor knapp 2 Jahren so, als ich das Modell mal für mein Blog angetestet habe. Größtes Problem war damals weniger die Glaubwürdigkeit (immerhin steht den Autoren frei, sich auch negativ über ein Produkt zu äußern, solange es fundiert belegt werden kann), sondern vielmehr der nachzuvollziehende Umstand, dass Blogleser sich nur ungern mit redaktionell gekauftem Content berieseln lassen. Außerdem nervten die laufenden Mails, dass man sich wieder um X neue Angebote bewerben konnte.
    Dass die SZ vorgefertigte (positive) Reviews mitliefert, ist nicht weiter verwunderlich, sondern schlicht Marketing. Im Zweifelsfalls währen sie aber, wie gesagt, mit der Zahlung auch bei negativer PR durch den Autor dran gewesen.
    So wie es nun gekommen ist, dürfte es für die PR-Strategen in München aber wohl besser gar nicht laufen können, immerhin haben sie jetzt eine Riesen-Publicity - und wir alle wissen ja: es gibt keine schlechte PR.
  • Es wird jedoch zum Problem, wenn eine positive App Store-Bewertung verlangt wird: "Nach dem Runterladen der Gold Applikation müsst Ihr bitte einen möglichst positiven Kommentar im App Store hinterlassen"
  • Ja, das ist ein Problem, aber kein unlösbares, weil der Blogger bei Abgabe eines (fundierten) negativen Kommentars einfach auf die Trigami-Geschäftsbedingungen pochen könnte und trotzdem bezahlt werden müsste (wobei sich die Frage stellt, ob man für 17Euro den Ärger auf sich ziehen möchte).
    Allerdings wäre es hier an Trigami gewesen, den ausgeschriebenen Job zu prüfen, bevor er an die Blogger durchgereicht wird, und entsprechend schon frühzeitig gegenzusteuern. Hier haben sie ganz klar versagt.
  • Oh, jetzt erst gesehen, dass sich die "positive Bewertung" auf den App-Store bezieht. Macht aber nichts, dürfte als Klausel so auch nicht zulässig sein, müsste also vom Blogger auch verweigert werden können.
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