Bestandsaufnahme: Google Voice + GV Mobile

von Alex Olma | 24. Januar 2010 | 14:07 Uhr

Carta.info verfasste mit dem Artikel ‘Google-Bashing: Zur politischen Ökonomie einer Suchmaschine‘ in der letzten Woche eine sehr gelungene Übersicht zum derzeitigen Software- und Dienstleistungs-Stand des Wirtschaftsunternehmens aus Mountain View. Während seine Gründer Larry Page und Sergey Brin laut darüber nachdenken bis 2014 etwa 17-Prozent ihrer Aktienanteile zu verkaufen, und damit ihre Stimmmehrheit verfallen zu lassen, könnte der Zeitpunkt nicht besser gewählt sein, dessem ‘Voice’-Service einmal genauer zuzuhören.

Ich habe mir am heutigen Sonntagmorgen einmal die Zeit genommen, eine Google Voice-Einladung abzuarbeiten, die sich seit Juli ’09 in meinem Postfach festgesetzt hat. Die US-Pressestelle wies bei der damaligen Zusendung zurecht darauf hin, dass der Service derzeit nur in den USA angeboten wird. Das macht den Aufbau der Testumgebung nicht gerade einfach. Trotzdem konnte ich einige spannende Praxiserfahrungen sammeln, die insbesondere (iPhone-)Mobilfunkbesitzer interessieren dürften.

Anmeldung

Um sich bei Google Voice anzumelden und den Telefondienst mit seinem Gmail-Account zu verquicken, bedarf es einer ‘Einwahl’ aus den USA. Zumindest muss man den Browser denken lassen, er würde sich auf dem nordamerikanischen Kontinent befindet. Das funktioniert beispielsweise mit – dem für OS X grauenhaften – Hotspot Shield. Der VPN-Dienst wird drolligerweise jedoch nur zur (Erst-)Anmeldung benötigt. Danach lässt sich auch ohne ‘IP-Umwege’ auf die Webseite https://www.google.com/voice zugreifen.

Ebenfalls notwendig: eine US-Telefonnummer. Wer mit dem Google Voice-Konzept bereits vertraut ist weiß, dass dessen Motto lautet: “One number to rule ring them all!”

Google navigiert ein eintreffendes Gespräch auf der zentralen Rufkennziffer, an alle eingetragenen Sprechapparate – egal ob Mobilfunk-, Privat- oder Arbeitsnummer. Es klingelt bei Bedarf überall. Außerdem möglich: Individuelle Anrufbeantworter-Ansagen, Transkription der aufgezeichneten (Sprach-)Nachrichten in Text, kostenloser SMS-Versand oder günstige Auslandsgespräche.

Für den Anmeldungsprozess und zum Erhalt der ‘Master’-Rufnummer, muss eine amerikanische Zahlenkombination hinterlegt werden. Da ich die Freunde und Kollegen in den USA zu späten Nachtzeiten nicht wecken wollte, habe ich mir eine SkypeIN-Nummer (Affiliate-Link) für den Zeitraum von drei Monaten bestellt. Bei der Bestellung ist es (logischerweise) notwendig, diese in den USA anzusiedeln.

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Die Anmeldung schließt mit einem erster Testanruf von Google auf der US-Nummer, die mit einer zweistelligen Zahlenkombination autorisiert werden muss.

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Wenig überraschend: Google Voice ähnelt optisch der verbrüderten E-Mail-Anwendung aus gleichem Hause. Wer eine schicke Chrome-Extension für die ‘schnelle Einwahl’ benötigt, findet die gerade aktualisierte Erweiterung aus offizieller Hand an dieser Stelle.

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Was funktioniert, was nicht?

In den USA genießt der Dienst bereits viele lobende Stimmen und ein breites Leistungsspektrum. Da außerhalb den USA die Anmeldung – insofern man überhaupt eine Einladung bekommt – nur mit den oben beschriebenen Kniffen möglich ist, schränkt dies die Funktionsvielfalt ein. Ist man jedoch angemeldet, fallen die Einschränkungen (zu meiner Verwunderung) sehr niedrig aus. Eigentlich funktioniert alles, bis auf das Hinterlegen von internationalen Telefonnummern für eine Anrufweiterleitung. Leider ist dies natürlich eine der Hauptfunktionen.

Wenn Freunde und Verwandte auf der (US-)Google Voice-Nummer anrufen, klingelt in meinem Fall Skype. Ein Anrufer, den Google Voice noch nicht kennt, wird darum gebeten (s)einen Namen einmalig einzusprechen. Diese Stimmaufzeichnung wird ab dann vor jeder Gesprächsannahme angesagt. Man darf also entscheiden, Gespräche von der Freundin anzunehmen und den Chef zum Anrufbeantworter zu schicken. Oder umgekehrt.

Über Sprachbox-Aufzeichnungen wird per E-Mail informiert. Google Voice überträgt die eingesprochene Nachricht dabei in Text. Das führt teilweise zu großen Schnitzer, aber auf jeden Fall zu Lachern: “And yeah let’s see if this test drugs out. Thanks.”

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Nach ein paar vereinzelten Versuchen würde ich dem Dienst durchaus attestieren, englische Sprachaufzeichnungen hinreichend genau zu ‘übersetzten’, um die Rückruf-Wichtigkeit einschätzen zu können.

Telefon-Gespräche lassen sich über den Webbrowser unkompliziert aufbauen. Innerhalb der USA sind diese kostenfrei. Internationale Rufnummern ins Festnetz kosten $0.02 Cent pro Minute. Das entspricht einer ähnlichen Gebührenstruktur wie Skype. Google Voice informiert euch vor dem Aufbau wieviele Telefonminuten noch mit eurem Guthaben möglich sind. Deutsche Mobilfunknummern ließen sich nicht anwählen.

GV Mobile

Ein weitere Grund, über Google Voice zu berichten ist natürlich die Geschichte mit und rund um die iPhone-Anbindung. Im Sommer 2009 bekam die offizielle Google-Anwendung keinen App Store-Fahrschein. Im gleichen Atemzug flogen bereits zugelassene Programme wieder aus dem Apple-Verkaufsgeschäft heraus. Daraufhin entbrannte neben der wortreichen Diskussion auch eine Untersuchung der FCC, die Stellungnahmen von Apple, Google und AT&T einforderte. Soweit bis jetzt bekannt, stellt sich Apple weiterhin auf den Standpunkt das die Anwendung nie offiziell abgelehnt wurden und sich weiterhin im Genehmigungsprozess befindet. Ziemlich absurd.

Einer der Software-Drittanbieter für Google Voice, der als Verlierer nach zweimonatiger Aufenthaltszeit wieder aus dem App Store entfernt wurde, nennt sich GV Mobile von Sean Kovacs. Seine Reaktion?

Looks like Apple/AT&T pissed off a lot of people…lol. Anyway, I’ll be releasing GV Mobile v1.2 on Cydia for free today or tomorrow, with an update coming in a couple weeks.

GV Mobile ist in der letzten Woche auf Version 2.0 aktualisiert worden, kostet mittlerweile $2 US-Dollar und darf auf iPhones mit Jailbreak seine Benutzer suchen und finden.

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Da sich aus unseren Landen noch keine internationalen Nummern bei Google Voice hinterlegen lassen, beschränkt sich der GV Mobile-Client auf kostenfreie SMS und das Abhören des Anrufbeantworters. Zumindest dachte ich das! Anstelle meiner Mobilfunknummer klingelt bekanntlich Skype, und Skype gibt es (kürzlich auf Version 1.3 aktualisiert) auch auf dem iPhone (kostenlos; App Store-Link).

Mit ein paar (Jailbreak-)Zusatzprogrammen lässt sich Skype aktiviert in den Hintergrund verschieben und funkt auch über eine UMTS-Verbindung. Skype-Gesprächen auf dem iPhone sind derzeit offiziell nur über WLan möglich. Initiiert man jetzt über Google Voice den Gesprächsaufbau, darf man zum klingelnden Skype wechseln und dort sein IP-Telefonat annehmen.

Nicht ganz unkompliziert, in der Praxis aber auch nicht unmöglich.

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Verlosung

Laut der Google Voice-Benutzeroberfläche habe ich drei Einladungen für den Web-Service zu vergeben. Wer den ‘Ausprobier-Stress’ nicht scheut, ist herzlichst zu einer kleinen Verlosung eingeladen.

Sprecht mir doch dazu eine Nachricht auf den Anrufbeantworter unter meiner neuen Google-Nummer (415) 894-5606 auf. Ich suche dabei die am lustigsten übersetzten Texte heraus und verschicke später die Einladungen per E-Mail.

  • http://twitter.com/Eardi Ferdinand Leinbach

    Die Google-Nummer zählt zum angerufen werden schon als US-Festnetz Nummer, oder?
    Bin mal gespannt, wann Google Voice auch in andere Länder kommt..

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Yep. Ziemlich abgedreht, wie das dort schon auf den Android-Telefonen funktioniert.

  • Sommertag

    Apple sollte diese Dienste mal in das Betriebssystem integrierbar machen. Dann wird das auch benutzbar.

    Wie schon erwähnt habe ich seit einigen Wochen ein Nokia n900 mit Linux drauf und bin beeindruckt, wie dort alles integriert ist. Die normale Telefonanwendung telefoniert auch mit Skype, SIP, Google Talk, Voice usw. raus. Weitere Plugins können installiert werden.

    Die Chat-Anwendung ist für SMS und Chats über Skype, SIP, Google-Talk usw. zuständig.

    Kommt eine Textnachricht rein, öffnet sich die Chat-Anwendung; ruft jemand an, öffnet sich die Telefon-Anwendung. Die Verbindungen werden zentral eingerichtet und sind im Hintergrund aktiv. Obwohl das Handy Multitasking unterstützt wird es dafür gar nicht benötigt.

    Das wäre eine tolle Lösung für das iPhone, auch ohne Multitasking!

  • http://twitter.com/cmdrcool cmdrcool

    Danke für den guten Beitrag.
    Habe den GV Test mit Skype auch gemacht (vor 2 Wochen).

    Muss zugeben, dass es für mich keinen Mehrwehrt gibt, solange es keine internationalen Nummern gibt. Mal schauen, wann Google sich etwas bewegt.

    Sonst empfehlenswert mal auszuprobieren. Könnte sehr spannend werden wenn man es auch in DLand nutzen kann. Vor allem das Voice-To-Text Mailbox Email feature.

    Viel Spaß beim ausprobieren.

  • Tui

    mal ne frage wo ist google voice eigentlich gut bzw was sind die vorteile..?

  • http://twitter.com/pscht henning

    Hey Alex, du hast mich angespornt meine Einladung vom Juli letzten Jahres auch mal wieder rauszukramen und tatsächlich klappt das auch ohne eine Weiterleitung einrichten zu müssen. Hab es an der Stelle abgebrochen und dennoch meine Nummer zugewiesen bekommen. Lustige Sache irgendwie zum Ausprobieren, wäre mir den Aufwand einer Skype-In Nummer aber auch irgendwie nicht wert gewesen.

  • Pingback: Tweets die Bestandsaufnahme: Google Voice + GV Mobile erwähnt -- Topsy.com

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Schluss mit SMS-Gebühren; tolle Übersicht was Anrufslisten angeht und die separaten Anrufbeantworteransagen gefallen mir.

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Es ist schon viel Umstand, der sich eigentlich nur mit dem Credo rechtfertigen lässte: “Because we can” :)

  • Pingback: [KlimBim] Google Voice WebApp, Tagesschau-Mobilecast, Final Fantasy I & II angekündigt, Flight Control-Verkaufserfolg, die Ezison 100-Elektrogitarre und der Konami Code

  • metes

    wahrscheinlich eine dumme frage aber wie sieht es aus mit den kosten für die skype nutzung mit umts. wird doch sicher angerechnet oder? für leute ohne flat wäre dies eher nicht zu empfehlen

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Nee, ist gar keine dumme Frage. Es entstehen durch den Anruf, den man entgegennimmt, natürlich UMTS-Daten.

  • Flo

    Hat jemand eine Einladung für mich?

  • Pingback: Überarbeitete Entwickler-Richtlinien: Die App-Store-Hoffnung stirbt zuletzt - - TKX

  • Peter

    eine light version gibt es bei ringring.net

  • Pingback: Mit Facebook telefonieren – iPhoneBlog.de

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