M! Games-Kolumne / Februar 2010

von alex olma | 6. Februar 2010 | 16:02 Uhr

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HANDHELD-GRAND PRIX

Der App Store von Apple für iPhone und iPod touch startete im Juli 2008 ein Wettrennen, bei dem seine Konkurrenten nicht einmal wussten, dass sie überhaupt herausgefordert werden. Während Nintendo mit seinem Download-Verkaufsgeschäft seit der DSi-Einführung auf dem Standstreifen herumeiert, bewegte sich auch die PSP nur auf der lahmen rechten Spur. Ist die angezogene Handbremse Absicht? Ohne Vorwarnung flitzte das iPhone-Betriebssystem im vergangenen Jahr mit einem voll besetzten Entwickler-Reisebus auf der Überholspur an den etablierten Handhelds vorbei.

Die Anzahl der weltweit verfügbaren Anwendungen steigerte sich alleine von Januar bis Dezember 2009 um über 1.000 Prozent. Von den derzeit geschätzten 130.000 Programmen entfallen zirka 25.000 auf die Kategorie ‚Spiele‘. Das schaffte niemand zuvor und ist mittlerweile schlicht konkurrenzlos. Der App Store benötigte eineinhalb Jahre, um als ernstzunehmende Videospielplattform Fuß zu fassen. Das ist jetzt geschehen.

Das Apple-Telefon bedient sich schamlos dem Erfolgsrezept der Konsoleros: Über drei Hardware-Generationen hinweg findet sich hunderprozentige Abwärtskompatibilität, ein konsequent identisches Betriebssystem sowie ein homogenes Steuerungskonzept. Kein Vergleich mit dem Chaos der 25 unterschiedlichen Tastaturlayouts, den verschiedenartigen Java-Laufzeitumgebungen und den in Blei gegossenen Firmware-(Ab-)arten der Konkurrenz-Sprechapparate.

Wilder Westen

Das iPhone, derzeit nur als Silhouette am Renn-Horizont für seine Rivalen zu erkennen, verdankt den Erfolg über 125.000 registrierten Entwicklern. Unabhängige und kleine, teilweise nur ein Mann starke Studios profitieren von niedrigen Einstiegshürden für ihre Wochenend-, Monats- oder Halbjahres- Projekte. 80 Euro und ein Computer ermöglichen einen Platz im weltweiten Digital-Verkaufsregal. Durch diese zentrale Schnittstelle für Produzenten und Konsumenten erreicht auch der Freizeitprogrammierer aus dem hinteren Saarland seinen Spielefan im japanischen Tokio. Triviale Konzepte wie „Doodle Jump“, bei dem ein grotesk gezeichnetes Männchen in himmlische Höhen klettert, erzielt an nur einem Weihnachtstag 80.000 Verkäufe. Für 79 Cent pro Download. Team17 verschnarchte für lange Zeit eine „Worms“-Umsetzung, was der Ein-Mann-Entwicklung ‚iShoot‘ – mit angelehntem Spieldesign – über eine halbe Million US-Dollar einspielte. Innerhalb eines Monats.

Inzwischen erkennen auch namhafte Publisher wie Sega, EA oder Konami die hervorragende Kurvenlage des mobilen Reisebegleiters mit lukrativem Micropayment-Kraftstoff. Sony und Nintendo dagegen trödeln wie zwei ausgemusterte Oldtimer über die frisch geteerte Hochgeschwindigkeitsautobahn. Auf hohem Ross verlangt man weiterhin für die Befahrung ihrer (Spiel-)Straßen eine Mautgebühr von mehreren tausend Euro. Pedantische Qualitätsprüfungen und halsabschneiderische Umsatzbeteiligungen schrecken die Pferdestärken einer ganzen Entwicklergeneration ab.

Man mag argumentieren, dass die iPhone-Spiele noch nicht so ausgereift, so allumfassend oder so komplex sind. Dabei wird jedoch übersehen, dass die gebotene Unterhaltung allgegenwärtig ist. Jung und Alt kaufen Download-Software. Wetter- und witterungsunabhängig, zu jeder Tageszeit und an jedem Ort. Auf über 50 Millionen iPhone- und iPod touch-Geräten überbrücken Menschen mit kurzen Spielchen Wartezeiten. Und ist es nicht das, wofür mobile Gaming-Plattformen ursprünglich antraten?


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Die M! Games – vormals MAN!AC – ist die älteste noch am Markt befindliche Videospiel-Zeitschrift Deutschlands. Ab dieser Ausgabe (Nummer: 197 – 3/2010) verfasse ich eine monatliche Kolumne für die langjährigen Kollegen aus alten und neuen Videospieltagen. Zumindest so lange, wie meine auf Papier gebrachten Gedankenergüsse zum Thema iPhone jemand lesen möchte. Und ja, ich darf ganz böse Worte zwischen die Klebebindung druücken…

Anregungen für nächsten Themen, und Kritik am aktuellen Einseiter, sind herzlichst willkommen. Sowohl in unseren Kommentaren, als auch mit einer E-Mail an leserpost (ät) maniac.de. Es würde mich und die restliche Redaktion freuen, wenn ihr einmal am Kiosk ins Heft reinblättert.

  • Pingback: uberVU - social comments

  • DrillerPiller

    Auf der Suche nach einem multiformat Magazin (gamesTM ist ja leider tot) habe ich mich an die MANIAC erinnert und wider gekauft.
    Als mir deine Kolumne ins Auge stach habe ich gleich die Redaktion angeschrieben und gefragt ob Du jetzt jede Ausgabe was schreibt.
    Nach der erfreulichen Antwort habe ich die M! Games gleich abonniert :-D

  • http://twitter.com/eardi Ferdinand Leinbach

    Da werd ich wohl mal am Montag seit langem einen Kiosk aufsuchen :) .

    Alex, du hast doch auch schon mit Google Sync und MobileMe und so rumgespielt.. Kennst du da ne Lösung, wie man Google und MobileMe unter einen Hut bringen kann? Das wär doch mal Stoff für nen eigenen Artikel hier :) Der Letzte Stand dazu kam doch glaub hier: http://www.iphoneblog.de/2009/02/10/google-sync…
    Oder hast du gar nicht erst Versucht, das irgendwie Zusammen zu stecken?
    (Ich würde gerne Stufenweise von Google umziehen. Mir liegen da zur Zeit zu viele Daten von mir Gleichzeitig. Meine Hoffnung wäre, die Google Kontakte und Kalender nach MobileMe zu bekommen. Mails am liebsten ja irgendwie zwischen Google und MobileMe gesynct, zumindest vorerst mal.
    Aber ich glaube, meine Träume gehen so schnell da nicht in Erfüllung… :( )

  • http://twitter.com/woodleader Gregor

    Toller Artikel Herr Olma^^
    Aber bist du das wirklich da auf dem Photo 'im' iPhone?

  • yup

    sehr interessantes thema – würde mich auch interessieren!

  • Sommertag

    Verstehst du dich eigenlich inzwischen als Werbeplattform für Apple-Produkte? Die “Artikel” klingen nach reiner Werbung. “Über drei Hardware-Gernerationen”… in nicht einmal drei Jahren… reflektierst du davon irgendwas noch?

  • Pingback: M! Games-Kolumne / Februar 2010 | Free PSP Games

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Na klar, kann man mir das iPhoneBlog als Werbeplattform auslegen. Trotzdem glaube ich immer noch Artikel zu generieren, die kritisch genug ausfallen um das Fanboy-Image ein wenig zu verstecken.

    Was die Kolumne in der M!Games angeht muss ich sagen, das man natürlich auch immer zielgruppenspezifisch schreibt. Und unter (Hardcore-)Videospielern findet das iPhone (mit seinen App Store-Umsätzen) noch wenig Beachtung. Deshalb klingen die oben aufgeführten Formulierungen für diese Zielgruppe sicherlich (und hoffentlich) “herausfordernd”.

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Das freut! Mit diesem Feedback, muss man mich ja quasi weiter beschäftigen :) Danke!

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Ich betreibe mit BusyCal (http://goo.gl/dvt8) ein paar Kalender in Google. Meine Kontaktdaten habe ich in MobileMe. Aufgaben sind mit 'Things' wieder separat. Man kann das bestimmt alles irgendwie zusammenstecken, kommt jedoch sehr darauf an, was man wo haben möchte.

  • Sommertag

    Mir war ehrlich gesagt entgangen, dass das der unveränderte Beitrag aus der Zeitschrift ist.

  • Mailinator

    Ich finde Deine Artikel immer etwas zu bildsprachlich. Für mich persönlich stört dies extrem den Lesefluss, da sich das Gedankenbild immer erst manifestieren muss bis man verstanden hat was gemeint ist.
    Für gute Unterhaltung mag das der richtige Weg sein, aber ich möchte mich in erster Linie informieren. Mich würde auch mal interessieren wie andere das sehen.

  • Alexander

    Dito

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Point taken!

    Definitiv sollen die Beiträge hier auch unterhalten. Manchmal klappt das mit den Gedankenbildern, manchmal nicht. Ich versuche die 'News' in einen Kontext einzuarbeiten, der nicht nur stumpf wiedergibt, was gerade eine US-Seite schreibt.

  • Faris

    Hey Alex! Schön, dass sich deine Zeilen nun auch auf totem Holz finden lassen. Im Gegensatz zu Mailinator empfinde ich deine Artikel sehr angenehm zu lesen. Nach meinem Gusto gibt deine Bildsprache dem Artikel genau die richtige Würze.

    Auf die Resonanz bin ich auch sehr gespannt. Ich finde es gut, dass du Dich nicht komplett umstellst. Die Leserschaft ist zwar eine andere, dass ändert jedoch nichts an Apples bisherigen Erfolgen in der Mobile-Gaming-Branche.

  • http://twitter.com/eardi Ferdinand Leinbach

    Find ich auch gut so. Hatte ich dir schonmal wo drunter geschrieben. Das hebt dich von den anderen (“Info”)Blogs ab und macht deinen zu einem meiner am liebsten gelesenen Blogs. Hier gibt es Artikel, die nicht einfach nur die Topinfos kurz durchschleusen, sondern eben Artikel, die mit Hintergrundwissen und eigenen Tests aufgewertet und schön verarbeitet sind. Bitte nichts dran ändern ;)

  • Pingback: iOS wildert (weiter) im Spielewald – iPhoneBlog.de

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