ZDF kündigt ‘App-Offensive’ an / Verleger stecken aber noch im Kampf um bessere Abo-Konditionen

von alex olma | 17. Februar 2011 | 17:57 Uhr

IPhoneBlog de ZDF

Keine leichte Woche für Verleger: Nach Spiegel-Informationen plant das ZDF eine große “App-Offensive“. Nachdem die kostenlose Tagesschau-Anwendung mittlerweile die Download-Marke von einer Million durchbrochen haben soll – 740.000 Klicks standen bereits am 10. Januar auf dem Kontostand – soll noch dieses Frühjahr die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt mit einer Online-Mediathek starten. In den Sommermonaten ist eine native Software für die Sendung “heute” geplant. Anfang 2012 steht nach Meldung des Spiegels “der Start einer Sport-App” auf dem Programm.

Diese Informationen stoßen in einer Woche an die Öffentlichkeit, in der Verleger ohnehin schon staatstragend mit der Apple-Abo-Ankündigung zu kämpfen haben. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BVDZ) sprach gegenüber der DPA von einem “Preisdiktat” und ‘aufgebrochenen Schleusen, die in der Praxis so nicht funktionieren werden‘.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bemüht sich daher “weiter um Gespräche“, da der Eindruck von einem leichten Entgegenkommen von Seiten Apples besteht – “aber die bis dato klare Forderung der Verlage nach freiem Zugang zu den Kundendaten so nicht erfüllt wird“. Das ist eine durchaus spannende Aussage, was die derzeitige ‘Datenverarbeitung’ für die aktuelle Kundschaft angeht. Zur Erinnerung: Apples Modell sieht vor, dass der Kunde darüber eigenständig entscheidet, ob er seine E-Mail-Adresse, seinen Namen und seine Postleitzahl an das Verlagshaus übermittelt.

DirektOnePass

Und ob die Woche nicht schon aufregend genug wäre, schlägt auch Google noch einmal in die Kerbe. Die zeitlich geschickt platzierte Ankündigung über ihren ‘One Pass‘ verspricht den Inhaltsanbieter 90-Prozent der Einnahmen sowie erweiterte Zugriffe auf die Kundendaten. Noch ist das System jedoch nicht praxiserprobt oder mit konkret abgestecktem Leistungsumfang. Das hält jedoch die Burda-Gruppe und den Axel-Springer-Verlag nicht davon ab, bereits von einer Partnerschaft zu sprechen.

Einen sehr schönen Abriss der gesammelten Kritik an Apples Modell liefert Jason Kincaid auf TechCrunch mit “Why are you people defending Apple?“.

I like being able to watch Netflix and Hulu from my iPad, but who knows if they’ll be able to operate now if they’re handing over 30% of subscription fees. Not to mention all the applications that Apple doesn’t compete with, but will get pushed out of the ecosystem anyway because of the 30% fee. How exactly are users winning here?

Man mag es nicht glauben, aber es gibt auch positive Stimmen aus US-Verlagskreisen. “Mit der aktuellen Preisstufe leben” können die Publisher der Magazine ‘Popular Science’ (kostenlos; App Store-Link) und ‘Elle’ (kostenlos; App Store-Link).

The cost of developing our own e-commerce platform is not economically viable. Apple is offering a great turnkey tool that allows us to test with little to no financial risk. [...] In today’s consumer marketing environment, we feel a 70 percent remit directly to the publisher is a sustainable and reasonable model we can work with.

Aus deutschen Gefilden heißt es dagegen: “Der Einzelverkauf spielt zumindest bei vielen regionalen Zeitungen verglichen mit dem Abonnement eine eher untergeordnete Rolle.“. Der Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger hält daher “für langfristige Abos das (Apple-System) als keineswegs akzeptabel und angemessen.“.

Das Weblog ‘Brian s hall‘ fragt passend für sein Subscription-FAQ: “Is 30% a lot? Or a little?

Apple built the store from the ground up and, with the App Store, which works only for iOS devices, Apple built these from scratch as well. They have also heavily marketed the benefits of the store. And they are providing the billing, the discovery process, secure payments processing, the entire backend process. Plus, they have a good 100 million or so users. For me, this 30% is a steal.

Die Verleger kämpfen daher in den nächsten Wochen an zwei Fronten. Einerseits geht es um mehr Finanz-Beteiligung sowie den Nutzerdaten am Apple-Abo-Modell. Andererseits steht verstärkter Lobbyismus auf der ToDo-Liste: Die eingezogenen Rundfunkgebühren sollen vorzugsweise zum Depublizieren verwendet werden und nicht dafür, eine digital-lebende Generation zu erreichen.

Und wer sich wundert, wer bei all diesen abzuarbeitenden Aufgaben noch Zeit zum Schreiben von Artikeln findet, braucht nur eines der hier verwendeten Verleger-Zitate bei Google eingeben. Klick. Der DPA-Wortlaut führt zu einem Schwarm annähernd identischer Qualitäts-Beiträge.

  • Sebastian

    Hehe ich könnte für TechCrunch schreiben.

    Jetzt glaubt mir wieder keiner, dass ich das hier nicht gelesen habe, bevor ich meinen Kommentar verfasst habe gestern Abend aber es ist schön zu sehen, dass ich mit der Meinung nicht alleine bin.

    Wie gesagt ich habe nichts dagegen, dass Apple für eine reine Bezahlplattform einen Obulus verlangt, genau so wie jede Kreditkartenfirma (ich zahle ja in Deutschland meine iTunes-Rechnung nicht per Kreditkarte). Es muss aber in den USA wie ein Treppenwitz anmuten, wenn man dort 30% des Kaufpreises an Apple abdrückt und diese Bezahlung per Kreditkarte erfolgt, weshalb im Prinzip vom Gesamtkaufpreis 2-4% an die Kreditkartenfirmen gehen und dann vom Rest der Übrig bleibt 25% an Apple gehen und 70% an den Hersteller der App. Wenn das Modell dann auf Deutschland übertragen wird, ist es noch behämmerter.

    Nochmal: die Kosten müssen vom Verkaufspreis gedeckt werden. Wenn Apple und die Kreditkartenfirmen sich einen so großes Stück vom Kuchen abschneiden, und die CD tatsächlich einfach ein Ausreißer war (siehe das was Gruber heute schrieb) dann steht doch mit einer quasi nunmehr im Raum stehenden Erhöhung der Kosten um über 20% durch die Gebühren von Apple Ideen wie Musik-Streaming quasi schon vor dem Start vor dem Aus. Oder aber Apple drückt damit einfach die Konkurrenz aus dem Markt. Gruber schrieb ja auch schon mehrfach, dass er davon ausgeht, dass Apple am Musikverkauf quasi nichts verdient. Jetzt möchten sie gerne verdienen. Sollen sie von mir aus auch gerne, nur wie gesagt wenn es um ein reines Bezahlmodell geht, dann reden wir hier von Bereichen von Einmalbetrag im Centbereich + einen einstelligen Prozentbetrag vom Kaufpreis. Nicht ein Drittel (!).

    Was die Kundendaten angeht finde ich die Argumentationskette nahegrade wahnsinnig. Was dabei rauskommt, wenn die Sparkassen versuchen, Einkauf per Unterschrift abzuschaffen, hat man ja jetzt mit dem Datenskandal letztes Jahr herausgefunden. Die Supermarktketten setzen sich hin und machen es einfach alleine, indem sie ihre Kunden auf dem Bon eine Klausel unterschreiben lassen, dass alle Kundendaten die über die EC-Karten abgefragt wurden, an en NEUES Unternehmen geliefert werden, die dann einen Sofort-Check auf Bonität durchführen, und den Kunden wenn dieser negativ ausfällt zum teureren Bezahlen per PIN auffordern (teurer für den Supermarkt, PIN-System kostet irgendwas mit 45 Cent, das alte und mittlerweile abgeschaffte Lastschriftverfahren über die Sparkasse mit Unterschrift lief irgendwo im Bereich von 15 Cent). Und dann kommen so lustige Sachen raus wie dass die Firma, die den Bonitäts-Check durchgeführt hat (Europay oder wie die da hießen) auf einmal Bewegungsprofile für Einkäufer als zusätzlichen “Service” anbieten und diese Profile fröhlich an die Supermärkte und andere Einzelhändler verkaufen (wollten). Bis der Bundesdatenschützer eingreift.

    So. Und da hängt nämlich bei mir die Kritik. Im Moment geht es darum, dass anstatt dass alle meine Daten an deutsche Firmen gegeben werden, die von meinem Land reguliert werden können (dem Bundesdatenschutzbeauftragten) jetzt nunmehr alle Daten an Apple nach Cupertino gehen – wo ich keinen Zugriff mehr drauf habe. Da hab ich so erstmal nichts gegen. Apple passt ja auf meine Daten auf. Fragt sich nur was passiert, wenn Steve morgen den Löffel abgibt und dann genau das Gleiche passiert wie bei Europay (oder wie die heißen).

    “Wir haben da diese Daten, unsere Umsätze sind im Keller weil der Steve-Faktor weg ist und unser neuestes iPad keiner kauft – wie machen wir unsere “Assets” jetzt zu Geld?”

    Oder anders ausgedrückt: die Daten sind erst einmal da. Genau wie bei Fotos die man nicht ins Internet stellen sollte. Wenn Apple JEDEN, absolut JEDEN Einkauf auf der iTunes-Plattform verfolgen kann, dann ist das nichts Anderes als Payback. Und da mache ich nicht mit. Warum kann man gerne beim Foebud nachlesen.

    Bei Android gibt es die Möglichkeit, dass jeder Anbieter seinen eigenen “Market” bzw. “AppStore (c pending)” aufmachen kann. Apple will das jetzt für iTunes verhindern.

    Dagegen MUSS Sturm gelaufen werden.

    Statt dessen wird sich an dem Scheinargument aufgehangen, dass ja die bösen bösen Verleger an die Daten wollen.

    Das ist aber überhaupt nicht der Punkt. Klar ist das schön, wenn Apple die Adressdaten behält. Schön. Der Punkt ist aber vielmehr, dass über die Adressdaten hinaus BEZAHL- und EINKAUFS-Daten anfallen, die Vorlieben abbilden und monetäre Verhältnisse, die von Apple aufgrund der anderen Datenschutzgesetze in den USA auf genau die gleiche Art wie Europay verarbeiten könnte – und dann dafür nicht einmal vom Bundesdatenschutzbeauftragten bestraft werden könnten. Bei Google hat dieser ja im Moment auch gesagt “so nicht” was Streetview angeht, als Reaktion hat Google eine “Goodwill”-Aktion durchgeführt, über die wir allen den Kopf schütteln weil 25% der Häuser jetzt verpixelt sind, aber wer sagt denn dass das bei den Bezahldaten dann auch in “Goodwill”-Manier passieren wird?

    Im Gegenzug ist mir ist natürlich bekannt dass fast jede Android-App aufgrund dessen dass sie unkontrolliert ist nach dem “Ok das lass ich zu” Knopfdruck, den eh jeder bedenkenlos macht, Daten sammeln kann so viel sie will (das ist auch nicht gut).

    Ergo liegt die Ideallösung ist im Moment irgendwo dazwischen. Apple darf weder die Schlüssel für alle meine Einkaufsdaten bekommen NOCH darf es Markets geben, wo jeder einfach alles einstellen kann, was er will wie bei Android.

    Klar sollten Apps kontrolliert werden. Klar darf Apple gerne ein Bezahlsystem haben und dafür Geld verlangen. Von mir aus auch 30%. Nur sollte es nicht DAS Bezahlsystem sein sondern nur EIN Bezahlsystem. Wenn ich mein Zeitungsabo gerne per Abbuchung bezahlen will direkt an meine lokale Zeitung, dann MUSS das möglich sein, und wenn diese Abbuchung den Verlag nur 10 Cent kostet, dann möchte ich gerne für meine 250 Euro Abogebühren im Jahr 250,10 Euro bezahlen und nicht über Apple 325 Euro – oder besser gesagt dass der Verlag nur noch 325 Euro verlangen kann darf und muss, sprich alle die das Ding auf Papier bekommen auch 325 Euro bezahlen müssen für ihr Abo ab demnächst weil man ja kostend arbeiten muss und digital die Zukunft ist und bla bla bla.

    Hier treten Effekte auf die eventuell den schnelleren Tod der Zeitungen bedeuten, Dienste wie Pandora kategorisch verhindern bzw. nur von Apple angeboten werden können etc. pp. Durch dieses Bezahlsystem entsteht eine Marktmacht für Apple über die Hintertür. 30% vom UMSATZ ist eine verdammt große Summe dafür, dass Apple NICHTS tut. Gar nichts. Sie machen keinen Reviewprozess für ein gestreamtes Lied, für eine abgerufene Webseite oder die neueste Ausgabe von “The Daily”. Es wird einfach ein riesen Batzen Geld verlangt ohne irgendeine Gegenleistung dafür zu bieten AUSSER die Abrechnung über die ebenfalls schon Gebühren kostende Kreditkarte abzuwickeln (oder Click&Buy oder whatever) und das kann es echt nicht sein.

  • Pingback: Apple is Evil « Wir sind Blog

  • 6ofeight

    Hier noch ein recht guter Artikel, der Apples App Subscription, Googles OnePass und Amazons Kindle Subscriptions beleuchtet (vorallem was es für die Contentanbieter bedeutet). Einfach mal lesen und dann nochmal weiterdiskutieren.

  • Pingback: Die ‘App-Offensive’: ZDFmediathek findet Apples App Store – iPhoneBlog.de

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