Offen aber überwacht: Google strebt zu mehr Android-Kontrolle

von alex olma | 31. März 2011 | 08:46 Uhr

IPhoneBlog de AndroidPR

Nur um Missverständnisse auszuräumen: @AndroidPR ist ein mehr als eindeutiger Fake-Account. Mit gleicher ‘Ernsthaftigkeit’ ist das zweiseitige Blog ‘Fugly Android‘ zu betrachten, dass “arguments for closed systems” liefern möchte und extrem unreflektiert diversen Retweet-Beifall in den letzten Tagen einheimste.

Für ein bisschen mehr als Schenkelklopfen sorgt ein aktueller BusinessWeek-Bericht. “Do Not Anger the Alpha Android” beschreibt Googles (angebliche) Bemühungen, weniger Diversität in den Markt für das mobile Betriebssystem zu bringen.

From now on, companies hoping to receive early access to Google’s most up-to-date software will need approval of their plans.

Nach Informationen “diverse(r) Führungskräfte unterschiedlicher Partnerunternehmen” soll Google bei der Ausgabe neuer Android-Versionen wählerischer werden und mehr Regulierung einfordern. Sowohl Hardware-Produzenten als auch Mobilfunkanbieter ‘experimentierten’ mit ‘angepassten’ Benutzeroberflächen und vorinstallierten Apps, stolperten dann jedoch über die Auslieferung grundlegender Betriebssystem-Updates.

Over the past few months, according to several people familiar with the matter, Google has been demanding that Android licensees abide by “non-fragmentation clauses” that give Google the final say on how they can tweak the Android code—to make new interfaces and add services—and in some cases whom they can partner with.

Auch der Source-Code für ‘Honeycomb’ (Android 3.0 für Tablets) wartet vorerst unter Verschluss wie das Unternehmen vor wenigen Tagen bestätigte. Anscheinend hat man wenig Interesse daran, dass das Tablet-OS auf Smartphones auftaucht. Genau anders herum verlief es im vergangenen Jahr, als die iPad-Konkurrenz die Smartphone-Version (Android 2.1 – 2.3) auf ihre ‘Slates’ packte.

Genau aus diesem Grund lässt sich unter Bezug auf 2010 sowie den Beginn des Jahres 2011 festhalten, dass noch keine ernsthafte iPad-Konkurrenz besteht. Bislang waren das alles nur Quasi-Vertreter einer Branche, die in diesem Jahr boomen dürfte. Selbst die Statistiker von Gartner sehen das mittlerweile ein und zählen die neue Produktkategorie zu “computing hardware“.

IPhoneBlog de Horace Dediu

Aus Gartners Zahlen für 2010 (!) lässt sich folgendes Schaubild anfertigen, das Gizmodo (!) sehr passend illustrierte.

IPhoneBlog de NoContest

Die Hardwarebasis ist jedoch lediglich der Brutkasten für Software. Und dieser Markt ist im Moment sehr interessant. RIM verkündete kürzlich, dass auf ihrem PlayBook – dessen Veröffentlichung scheinbar am 19. April erfolgt – Android-Apps laufen. Die eigenständigen Bemühungen eine Entwicklergemeinde aufzuziehen, scheinen nicht sehr fruchtbar. Amazon mailt und telefoniert sich gerade durch (App-Store)-Entwicklerkreise, ob man das eigene iOS-Programm nicht für den Kindle portieren möchte (entsprechende E-Mails liegen mir vor).

Google hingegen ist dieser Tage bemüht, den Download-’Market’ ‘sauber‘ zu halten. Gestern setzte man ZodTTDs ‘PSX4Droid’ PlayStation-Emulator, der sich dort über sechs Monate befand, vor die Tür: “We remove apps from Android Market that violate our policies.“. Eine Beteiligung von Sony, die gerade an mehreren Fronten Amok laufen, erscheint nicht ausgeschlossen; ist aber auch nicht bestätigt.

Eine ebenfalls drollige Randgeschichte: Wer sich in Piraten-Gewässern mit ‘Walk and Text‘, einer Fake-App mit gleichnamigem Android-Market Brüderlein versucht einzudecken, findet sich seines Namens, Telefon- und IMEI-Nummer beraubt. Der Nutzer erhält außerdem diese nette Textnachricht.

IPhoneBlog de Steal

Symantec erklärt, die vom Entwickler-Trojaner modifizierten Zugriffsrechte:

  • Access all of the contacts in the address book
  • Access network information
  • Access the phone in a read-only state
  • Access the vibrator on the phone
  • Check the license server for the application
  • Find the phone’s location
  • Initiate a phone call without using the interface
  • Open network sockets to access the Internet
  • Read low-level log files
  • Send SMS messages
  • Turn the phone on and off

Die ausschweifende Betonung rührt daher, dass ich mir manchmal nicht sicher bin, ob die undifferenzierten Rufe nach “Downloads aus unbekannter Quelle zulassen” oder einem Jailbreak ihre Reichweite abschätzen. Manchmal gilt es, auch nur den Tobsuchtsanfall eines einzelnen Entwicklers in seine Schranken zu verweisen.

  • http://twitter.com/SPeitsch Sebastian Peitsch

    Danke für den Artikel. Ich weiß ich hör mich wie ein gesprungene Schallplatte an: es ist schön, dass Du nicht der Polemik von Gruber anheim fällst, sondern differenziert über diese Dinge berichtest.

    Ich finde die Schritte von Google positiv. Man kann es ja auch so sehen: “offen” hat zu einer unglaublichen Fragmentierung geführt und dazu, dass z.B. Sony das XPeria X10 vor 6 Monaten mit Android 1.6 drauf auslieferte, obwohl schon 2.2 verfügbar war – und dann allen Ernstes irgendwann der Meinung war, man könnte den Käufern sagen “2.1 gibt es nicht, wir haben Probleme es zu portieren” – sprich “die gleiche, schön von uns angepasste Oberfläche nochmal für 2.1 für dieses Gerät zu programmieren war uns zu teuer, wir kriegen von Euch ja eh kein Geld mehr, ihr habt ja schon gekäuft, hähähähähä”. Aus diesem Grunde kann ich z.B. nachvollziehen, dass Zottdds Programm rausfliegt, dafür aber Millionen von Käufern 2.2 auf dem X10 bekommen (!) weil Google gegenüber Sony gesagt hat “Ok Jungs, entweder ihr schafft es, X Monate/Jahre zu portieren, oder aber ihr bekommt kein Android mehr in den Hintern geschoben”.

    Da geht meiner Ansicht nach auch die Schere auf bei Gruber. Die ganze Zeit dieses geätze nach dem Motto “Offen ist scheiße, offen ist scheiße, hahaha, ist gar nicht offen” wie ein Dreijähriger, und jedes Mal wenn es um irgendwelche Themen geht, bei denen dann die Android-Jünger auf die gleiche Art gegenüber iOS ätzen kommt nur ein “I don’t know… I don’t know” was so viel bedeutet wie “I know, but I’m not going to admit it” bedeutet.

    P.S.: gut informierter Führungskräfte (zur Not mit “informierte(r)” in Zitatform)

    • dermattin

      Vielleicht hört auch das Geschrei der Andriod Fanboys auf. Die wurden spätestens jetzt von der Realität eingeholt. Ein wenig mehr Unaufgeregtheit wäre angenehm.

      • http://twitter.com/SPeitsch Sebastian Peitsch

        Du ich würd mich freuen. Es ist nur halt so: wenn mich jemand aus dem Android-Lager mit irgendwelchen kindischen Argumenten vollsülzt oder eine Diskussion nach dem Schnittmuster “Bist Du nicht” anfängt, heule ich nicht mit “Bist Du doch” zurück sondern setze mich vernünftig mit ihr auseinander oder sage gar nichts. Man muss sich nicht auf das Niveau dieser ganzen Möchtegern-”Free Software” Hohlfrüchte begeben. Ich hab ein HTC Legend, ich weiß genau wo die Schwachpunkte des Ganzen liegen und ich kann nicht verstehen dass wenn Apple sich vornehm durch Zurückhaltung gegenüber (zensiert)-Journalisten wie die von Gizmodo hinwegsetzt, dann brauch ich keinen @gruber der sich hinstellt und quasi an Apples statt mit genau den gleichen Misthaufen zurückwirft. Das Schlimme ist glaube ich dass er mittlerweile gar nicht mehr merkt, wie ätzend er rüber kommt. Da ist ein wenig die Bodenhaftung verloren gegangen seitdem der Apple-Aktienkurs einige Schallmauern durchbrochen hat und er laufend “Recht” hat. Es macht langsam keinen Spaß mehr, sich mit jemandem zu freuen, der die ganze Zeit rumläuft als hätte er ein Ed Hardy T-Shirt an. Denn bisher hielt ich die Leute mit Android-Telefonen für diejenigen, die überall Glitter und Totenköpfe mit rosa Rosen brauchen ;-)

  • http://www.potatocows.com/ ChiefPotato

    And the winner is:.. Microsoft!
    Bei der Nokia und Intel Coop gehts nicht so recht voran, genauso auch wie mit Nokias anderen Dingen, da entschließt sich der Nokia Leiter alles eigene abzulegen und Win Phone 7 zur neuen Hauptlinie zu machen.
    Google meint sie könnten ein OS als open source darstellen, frei erhätlich und modifizierbar von allen, da haben sie aber nicht mit Carriern und Manufakturen gerechnet, die ihr eigenes geskinntes Android auf die Geräte klatschen wollen, teilweise ohne die Google Apps und stattdessen mit Bing als Standardsuche.
    Spätestens bei der Meldung, dass einige Android Geräte Bing als Standardsuchoption eingestellt kriegen, da war mir klar, dass demnächst Schluß ist mit der nach außen vorgetragenen Methodik von Google den Lizenznehmern soviele Freiheiten zu lassen.
    Hätte es Google so weiterlaufen lassen wie vorher hätten Microsoft und andere profitiert, weil sie ein OS für lau nutzen können und da ihre Dienste drauftun und diejenigen von Google eben nicht, die sie nicht wollen; so wies jetzt stattdessen läuft, dass Google mehr Kontrolle will gewinnt auch zumindest kurzweilig MS und die Konkurrenz, weil Google als der große Buhmann da steht.

    Mitleid hab ich in dem Fall trotzdem nicht mit Google, weil die “Don’t be evil” und “we´re open source, the others not” Nummern halt leider doch schon ne ganze Weile mehr PR als wahrheitsgemäß waren (passt z.B. nicht so gut zu “don’t be evil” zu versuchen Net Neutrality einzuschränken und re Open Source: Wie open source ist das denn, wenn der Hauptstrang immer nur von Google bearbeitet wird und alle anderen den auch erst zu Gesicht kriegen, wenn Google ne ganze Weile später meint nen guten Teil des Quellcodes jetzt freizugeben oder eben nicht oder nur an bestimmte Leute).
    Die Aktionen jetzt machen es nur offizieller, und egal ob man es jetzt gut findet oder nicht dass da mehr Regulierung stattfindet, ich finds doch schon viel besser, wenn mit offenen Karten gespielt wird.
    Je nach Nutzertyp kann das nun entweder heißen, dass man weniger Freiheiten hat als vorher, oder dass man sogar mehr Freiheiten hat als vorher (falls man z.B. als Nutzer jetzt weniger Bloatware vorinstalliert kriegt und dafür bei nem nicht-wenig Custom geskinnten OS dann Updates sofort verfügbar hat, wenn Google die Stammversion freigibt).
    Mal kucken, mit vievielen Anbietern es sich Google dadurch verscherzt, kommt nie gut an, wenn die Daumenschrauben auf einmal viel stärker angezogen werden.

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