von Alex Olma
7. Februar 2012 – 07:27 Uhr

Die App-Store-Ökonomie

In einer kurzen Entwickler-Notiz erinnert Apple dran, Manipulationen von App-Store-Bewertungen mit der Kündigung des Developer-Accounts zu strafen.

IPhoneBlog de Apple Developers

Ein Statement in dieser öffentlichen Form dient natürlich nur als mediales Platzpatronen-Feuerwerk, das für Außenstehende die Problematik bewusst machen soll. Nichtsdestotrotz stehen hinter den (bestenfalls) unschönen ‘Werbemethoden‘ im App Store (“Bewerte diese App jetzt!“), mehrere reale Probleme. Unter anderem gibt Apple seinen Entwicklern keinerlei Statistiken, wie ein Kunde zum Download gelang. Das macht es (fast) unmöglich, seinen Marketing-Mix (Werbeschaltungen, Promo-Aktionen, Pressebetreuung, etc.) richtig zusammenzustellen.

Die App-Store-Bewertung scheint dermaßen dominant für die Kundenentscheidung, dass sich ein ganzes Netz aus zumindest fragwürdigen Techniken strickt, das peu à peu wieder aufgedröselt wird. Online-Händler Amazon kämpft im Versandhandel mit ähnlichen Problem:

In the brutal world of online commerce, where a competing product is just a click away, retailers need all the juice they can get to close a sale. Some exalt themselves by anonymously posting their own laudatory reviews. Now there is an even simpler approach: offering a refund to customers in exchange for a write-up.

Zum (allgemeinen) Thema ‘App-Store-Ökonomie’ sind kürzlich zwei (Video-)Podcast-Ausgaben im Netz aufgeschlagen, die ich empfehlen kann.

  • http://www.potatocows.com/ ChiefPotato

    Da stimme ich dir absolut zu, diese Warnung von Apple ist nichts als Medien Wischwasch und den schwarzen Peter an die Entwickler weiterreichen.
    Was Apple machen sollte wäre z:b den Entwicklern mehr Möglichkeiten geben die Apps ordentlich im Store zu promoten
    (mit eingebetteten Videos, verlinkbaren oder direkt runterladbaren Demos oder dadurch dass alle Ihre App Store Verkaufsseite aufhübschen dürfen, nicht nur handverlesene Apps, bezahlten Upgrades etc etc, da gäb es endlos Möglichkeiten).
    Wenns so ist wie jetzt, wo eben Entwicklern extrem viele sinnige Möglichkeiten eine App zu vermarkten oder zumindest mehr Einblick darin zu kriegen welche Vermarktung wie gut funktioniert etc (wie du ja auch schon angemerkt hast) nicht zur Verfügung stehen, stattdessen aber eben User Reviews einen extrem großen prominenten Teil einer jeden Verkaufsseite einnehmen, dann ist Apple da mindestens genauso sehr Schuld dran wie Entwickler wenn dann mit den Reviews Schindluder getrieben wird.

    Was man übrigens genauso oft sehen kann wie dass manche Apps extrem viele komisch wirkende positive Reviews kriegen ist auch dass Apps von Konkurrenz Entwicklern runter bewertet werden.

    Alles extrem unschön (vor allem wenn einem das mal selber passiert re dem runter bewertet werden), aber ja, wie gesagt, solange Apple den Entwicklern nicht die Vielzahl an sinnigen Möglichkeiten offeriert brauchen sie sich nicht wundern wenn das so weitergeht.

  • Anonymous

    Ich bin der Meinung, dass man dringend eine Einstellung benötigt, die es einer App nicht mehr erlaubt, irgendeine externe Aktion zu triggern.
     
    Hast Du Dir schon mal in letzter Zeit AngryBirds (Seasons) angeschaut?
    Da gibt es in der App mehr Links zu Externen Angeboten oder AppStore Kaufangeboten als Level.
    Meine Kinder haben das gerne gespielt, aber ich musste es löschen, denn man kann zwar den In App Kauf unterbinden, aber nich das dauernde Springen in den Browser oder den Store. Schade drum, den Bogen bei weitem überspannt.
     
    Der AppStore und die Apps haben dahingehend ihre Unschuldigkeit verloren, und der Erfolg, der auf der Einfachheit des ganzen Systems bestand, ist lange dahin. Jetzt haben wir es mit ausgeklügelten Business-Strategien zu tun. Und damit stirbt zumindest für mich ein Teil der AppStore-Seele.
    Selbst mir als Geek und Fanb0y passiert es immer öfter, dass ich plötzlich wieder im Safari lande, weil ein unbedarfter Touch in einer App dazu geführt hat.
     
    Eine Lösung wäre hier ein Aspekt, der mich bei der XBOX positiv aufgefallen ist: Zu jedem Spiel kann der Entwickler eine kostenlose Demo bauen. Das Spiel selber muss man dann kaufen. Das ist eine klare Strategie.
     
    Eine zweite Einstellung würde helfen:
    Allow In App puchases (on/off)
    Allow links to external content (on/off)
    Allow links to App Store content (on/off)

    Damit wäre die “Bewerte mich” Dinger auch unterbunden.
    Es passiert leider zu schnell, dass BWL Business Experten oder Marketing Profis jedes noch so gute Konzept ruinieren.

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

    Sehr gut. Das Thema hatte ich heute morgen noch im Gespräch mit meinem Vater (auch in anderer Richtung). Früher ging man zum Arzt und bekam gesagt “Sie sind krank. Nehmen Sie diese Pillen”. Daher auch der Ausspruch “Doktor, seien Sie ehrlich zu mir”. Damit man gesagt bekam, was man wirklich hatte. Nachfolgende Generationen gingen zum Arzt und bekamen gesagt “Sie haben Krebs. Den behandeln wir wie folgt”. 

    Heute muss sich der Arzt über Drittleistung nebenbei finanzieren. Man geht also zum Arzt und bekommt gesagt “Sie haben Krebs. Die AOK bezahlt das hier. Sie können alternativ das hier nehmen, das kostet 10% Zuzahlung. Oder Sie gehen in diese Klinik von der ich Ihnen hier gerne die Hochglanzprospekte hinlege, und zahlen selbst. Ihre Entscheidung”.

    Ich weiß das klingt jetzt alles erst einmal nach Off-Topic aber wie gelangt der Arzt an diese Prospekte? Wer entscheidet bei der AOK, was als zugelassene Behandlung komplett bezahlt wird? Wie gelangen die Herstellerfirmen der Pillen (Behandlungsmethoden) an die AOK-Mitarbeiter und an den Arzt? Wie macht eine Firma Werbung in einem Umfeld das zunehmend durch das Internet “demokratisiert” wurde?

    Und wieso entscheide ich auf einmal als Patient, wie ich behandelt werde? Wie war das noch mit dem schlechteren Gefühl nach der Kaufentscheidung als früher wo man nur die Wahl hatte das eine Produkt das es gibt zu kaufen oder halt nicht? Heute kann man zwischen 20 Produkten wählen und am Ende denkt man “Ja es hat aber nicht Feature X, Y und Z und ist nur ein Kompromiss zwischen allen Alleinstellungsmarken aller Produkte in der Kategorie in der ich eingekauft habe”

    Bezüglich des Artikels in der NY Times habe ich gelesen dass Belkin vor einige Zeit Leute bezahlt hat, um positive Rezensionen über eigene Produkte auf Amazon zu verfassen. Wobei mir diese Geschichte mit dem “Refund” noch trennen muss zwischen positiven Erfahrungsbeschreibungen zum Produkt und zum Versender. Die Grenzen verschwimmen auf Amazon ja auch zusehends. Da wird oftmals ein Review mit zwei Absätzen geschrieben worin gesagt wird dass der Marketplace-Händler super schnell geliefert hat. Oder dass Amazon das Produkt zurück genommen hat, “deshalb trotzdem 5 Sterne”.

    Und dann gibt es natürlich das Thema Blogger und Unabhängigkeit für den Erhalt von kostenfreien Testmustern. Wo fängt journalistische Ethik an wenn man gar kein Journalist ist? Gruber hat keine Apple-Aktien (nur indirekt über einen Fonds). Modelleisenbahnmagazine müssen bisweilen ihre Eisenbahnen selbst kaufen, weil es von Arnold für die N-Spur keine Testmuster gibt (heute morgen noch ein Editorial zu gelesen). Computerspielemagazine bekommen keine Vorab-Testmuster mehr (siehe Star Wars: The Old Republic) oder dürfen nur vor Ort beim Hersteller spielen aus Angst vor Leaks.

    Und dann liest man von Leuten die aus dem Google AdSense-Programm rausgeworfen werden ohne stichhaltige Informationen warum. “Sie haben unsere Kunden Geld gekostet” sprich Ausschüttungen für Werbung erhalten die Sie nicht hätten bekommen dürfen aber wir sagen Ihnen nicht wieso. Und auf PandoDaily habe ich eben gelesen dass eine Firma 4,8 Millionen Dollar an Yahoo zurück zahlt weil sie Yahoo-Werbung auf Seiten eingeblendet haben die “minderwertige Inhalte” gewesen sind. Sprich Blogs produziert nach dem “1000 Affen Prinzip” (man kennt das ja von Suchergebnissen in Google die Webseiten zu Tage fördern wo nur Schwachsinn steht garniert mit den Buzzwords).

    Das Thema ist sehr sehr vielschichtig und eine Folge des Internets. Ehrlich gesagt weiß ich nicht so genau, was meine Meinung dazu ist. Ich hab nur mal meine Mindmap hier reingeschmissen ^^;

    • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

      So, ein wenig Follow-Up. Hatte noch etwas Zeit nachzudenken.

      Worauf ich hinaus will ist das Folgende: meiner Ansicht nach sind die heutigen User von Informationen so überwältigt, dass sie so oder so nur auf die Sterne achten. Ich selbst möchte mich da gar nicht ausnehmen.

      Am Ende des Tages (*grins*) zählt dann wirklich nur, wie viele 5-Sterne-Wertungen man bekommen hat. Und wie man die bekommt ist dann wieder so eine Sache. Wobei wir vom 1-Stern-geben-weil-die-App-Geld-kostet noch gar nicht angefangen haben.

      Klar wissen wir alle, dass es nicht ok ist wenn man Leute für positive Bewertungen bezahlt. Umgekehrt muss man Fragen bezüglich der Transparenz der Gewichtung in der Appstore-Rangliste stellen. Wie schwer wiegen Leute die nölen dass das Programm 99 Cent kostet und nicht umsonst ist? Ist es da nicht vielleicht legitim wenn man sich genau die gleiche Clientel mit einem Euro kauft, damit sie 5 Sterne geben? (Antwort: nein ist es nicht, aber die Frage ist ob Apple Dich bestraft wenn Du es tust und ob Du nicht schon lachend am Bankschalter die Kontoauszüge holst wenn Dein Konto dann gesperrt wird – und selbiges kostet nur 99 Dollar im Jahr, machste halt nen neues auf mit ner anderen Kreditkarte nach dem Umzug woanders hin).

      Das Thema ist so vielschichtig es ist schwer darüber eine klare Aussage zu treffen.  

  • Alex

    Als Entwickler bekommt man doch mehr oder weniger regelmäßig dubiose Angebote, für Geld eine gewisse Anzahl AppStore Reviews, Kommentare in Blogs usw. zu kaufen. Die angebotenen Pakete fangen bei $50 an und gehen bis in die tausende von Dollar. Ich habe erst letzte Woche wieder eine solche Mail als SPAM markieren müssen.

    Ich nehme an, dass das genau das ist, auf was sich Apple hier u.A. bezieht.

  • Martin

    Apple könnte das Problem einfach lösen: Ausprobieren von Apps erlauben!

    Heute kann man Apps nicht ausprobieren. Ich bin, wie viele andere, nicht bereit, für das Ausprobieren von Apps Geld auszugeben, denn ich empfinde das als Verschwendung. So muss ich aufwendig versuchen, mittels Bewertungen, Reviews und anderen Tipps in Erfahrung zu bringen, ob eine App taugt … Apple könnte durch das sowieso verwendete DRM problemlos das Ausprobieren von Apps erlauben. Wieso bietet Apple diese bewährte Funktion nicht an?

  • Marco

    Auf diese Bewertungen sollte man grundsätzlich nicht so viel geben. Von den meissten Apps findet man eh z.B. auf youtube Videos, wo man sich anschauen kann, ob einem das zusagt, oder nicht. So sieht man wenigestens gleich, woran man ist.

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