von Alex Olma
27. März 2012 – 08:55 Uhr

“Es gibt keinen Bewertungszwang!”

Apps, die Extra-Funktionen bei Abgabe einer guten Bewertung versprechen, lügen! Ein Credo, das man nicht oft genug wiederholen kann. Die Hoffnung, damit jemanden zu erreichen, dem dies noch nicht zu 100-Prozent klar war, stirbt zuletzt.

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Screenshot: Cut the Rope: Experiments

Beim qualvollen Streifzug durch die App-Store-Charts stolpert man über diese Gauner in Hülle und Fülle. Eine in diesem Zusammenhang sinnvolle Sortierung der Kommentare: “Kritischste Rezensionen” zuerst. Ich finde es persönlich schwierig weiter kommentarlos mit anzusehen, wie einige schwarze Entwickler-Schafe die Unwissenheit ihrer Kunden ausnutzen und Apple obendrein keine Aufmerksamkeit investiert. Einmal geprüft, immer genehmigt?!

Bewegt sich eine App-Store-Software innerhalb der zulässigen Bestimmungen, erfahren Entwickler keine persönliche Merkmale über ihre Kunden. Die Abrechnung listet lediglich auf, wie viele Programme verkauft wurden und welcher Betrag dafür ausgezahlt wird. Das ‘wer, woher und warum’ bleibt für die Software-Inhaber komplett intransparent. Das ist aus Perspektiven wie Marketing oder Kunden-Korrespondenz extrem problematisch (ab Minute 31). Gleichzeitig kann man sich jedoch sicher sein, dass die Abgabe einer Bewertung nie im persönlichen Zusammenhang mit dem Programm-Angebot steht. Ein Entwickler, der daher behauptet, eine entsprechende Sternchen-Vergabe zu belohnen, schwindelt.

Eine ‘Punktevergabe’ unter falschen Voraussetzungen wertet nicht nur einseitig Apps auf sondern verwässert das gesamte System. Die Motivation, eine überdachte und möglicherweise ausführliche Rezension abzugeben, tendiert gegen Null wenn dem gegenüber ein Schwall von “Kundenrezensionen” steht, die aufgrund einer Täuschung erfolgten.

Das System ist für die Kaufentscheidung zu wichtig, um hier nicht zweimal hinzuschauen. Pop-ups, die ein ‘App-Store-Rating’ nach einer gewissen ‘Ausprobierphase’ anfragen, finde ich persönlich nicht schön, verstehe allerdings deren Motivation. Der Hinweis dient als Erinnerung und funktioniert mit seinem direktem Draht ‘zurück’ an den Wertungstisch. Es ist bedauerlich, wenn die so investierte Kundenzeit durch erschlichene Noten entwertet wird.

Warum kein zweiter Blick? Niemand greift die App-Store-Diktatur an! Nach der ersten individuellen Apple-Prüfung wäre eine Begutachtung der Kommentare und deren Bewertungen im Live-System, vier Wochen später, kein großer Aufwand – zumindest wenn man sich auf die Top 100 beschränkt.

Solange dies nicht der Fall ist, bleibt lediglich zu wiederholen: Apps, die Extra-Funktionen bei Abgabe einer guten Bewertung versprechen, lügen!

  • Markus (motu90)

    Ein sehr guter Artikel! Ich stimme dir in allen Punkten zu – so kann es nicht laufen. Klar ist: Wo Geld umgesetzt wird, wird auch besch*ssen. Menschen sind manipulierbar, das System sollte es aber möglichst nicht sein.

    Es bedarf einer grundlegenden Überarbeitung, damit dieser Sumpf nicht immer größer und tiefer wird. Eine Idee meinerseits wäre, dass eine Bewertung erst nach einer gewissen Nutzungsdauer abgegeben werden kann. Zumindest Apple sollte einen Teil seiner Reserven hierfür investieren, damit die “Revolution innerhalb des Systems” keine Nahrung erhält und diese Betrügereien keinen Erfolg mehr haben. Abschaffen können wird man es nie, aber vielleicht begrenzen…

  • Leif81

    Bei der Flut an Apps ist doch überhaupt kein aufwendiger Review Prozess mehr möglich. Auch bei Apple wird inzwischen sicher einiges automatisiert ablaufen und sich eine Person das ganze nur noch näher anschauen wenn irgendwelche Systeme anschlagen.

    Die App Einreichungen dürften sich bei 350-400 Apps am Tag bewegen + die unzuählige Updates. Wo sind wir dann…vielleicht 700-800 täglich? Einfach unmöglich – hier stoßen derartige Systeme dann an ihre Grenzen. Da sollte der Markt lieber von den Nutzern reguliert werden und Apple in bestimmten Verdachtsfällen oder Missbrauchsmeldungen von Usern reagieren. 

  • Jan

    Japp, diese Versprechungen auf Extra-Inhalte sind zum kotz*n!

    Damit wurde ich auch verarscht, aber nicht weil ich selbst ein Rating abgegeben habe, sondern weil ich unter Zeitdruck mir die TVDeutschland-App gekauft habe, da extrem viele 5 Sterne Bewertungen vielversprechend klangen. Also die App geladen und sofort festgestellt, dass man 100% Müll bekommt und man ja noch mehr Müll bekommen würde, wenn man 5 Sterne im Appstore hinterlässt…

    Aber warum sollte Apple daran in nächster Zeit etwas ändern? Mehr Geräte >> Mehr dumme Kunden >> Mehr Appstore Umsätze >> Mehr Gewinn! 

    Aber sobald Apple für ihr neues iOS nicht mehr viel einfällt oder es wieder weniger Kunden werden sollten, dann werden alte Baustellen endlich mal fertig gestellt. 

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

    Was her muss sind Bewertungen von Kommentaren und daraus abgeleitet die “am besten bewerteten” Kommentare zuerst, mit dem best bewerteten, positiven Kommentar und dem best bewerteten negativen Kommentar nebeneinander ganz oben.

    Spätestens seit dem iPad mit Retina-Display ist genug “Screen Real Estate” vorhanden.

    P.S.: ich habe diesen Kommentar nur abgegeben weil mir Alex 5 Sterne versprochen hat.

  • Ingo

    Sowohl dem Artikel als auch Sebastians Kommentar kann ich mich auf ganzer Linie anschließen. Während ich, bei mich nach einer Bewertung fragenden, lockenden oder erinnernden Apps die zitierte Vorgehensweise Ed Zitrons vertrete und mit einem “nö, jetzt erst recht nicht” reagiere, stören mich in den Kommentaren diese ewigen Einzeiler wie z. B. “Beste App!” oder “Absolute Kaufempfehlung!”, da ich sie mühsam und ohne scheinbares Ende scrollen muss, bis ich nützliche und seltene Rezensionen finde, die meine Kaufentscheidung beeinflussen können. 

    Wahlweise könnte ich mir auch ein detaillierteres Formular vorstellen, das einzeln “abgearbeitet” werden muss, wenn man eine Rezension schreibt. Die Fülle an informationslosen Kommentaren nervt mindestens genauso wie die Frechheit, Boni gegen 5 Sterne zu versprechen. 

  • misfit

    Yeah Right! Dass Apple kein wirkliches Interesse an einem fairen und objektiven Bewertungs-Habitat zeigt, sieht man auch an dem JunoWallet Spam. Der breitet sich wie eine Seuche im gesamten Store aus, was den von dir angesprochenen „persönlichen Zusammenhang mit dem App-Angebot“ einer Rezension gänzlich ad absurdum führt.
    Was anfangs nur kostenlose Apps betraf, trifft nun auch immer mehr auf Bezahl-Apps zu. Da ist es dann auch egal ob die Nutzer vorher die App „bewertet“ haben oder den Spam einfach mit nem 1-Sterne Rating versehen. Inzwischen geben ja sogar Leute Bewertungen von einem Stern ab, weil sich so viel JunoWallet Spam in den Rezensionen befindet, was fast noch unfassbarer ist.
    Nun ja, und wo die sinnvolle Sortierung der Kommentare durch den Filter „Kritische Rezension“ auf dem Mac noch funktioniert, gibt es diese Möglichkeit auf dem iPhone schlicht nicht.
    Wenn Apple da nicht bald was unternimmt, spielt die Punktevergabe unter falschen Voraussetzungen was Pop-ups angeht in Zukunft eher eine untergeordnete Rolle.   

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