von Alex Olma
1. März 2013 – 19:10 Uhr

Dokumente, Dateien und Daten

IPhoneBlog de Journal dayone

Seit Day One schreibe ich Tagebuch – ganz entgegen meiner ersten Erwartung. Obwohl es eine Dropbox-Anbindung gibt, verlasse ich mich beim Sync zwischen dem Mac (8.99 €; MAS-Link) sowie iPhone und iPad (4.49 €; universal; App-Store-Link)* auf iCloud. Das funktioniert für die Logbuch-App reibungslos. Für viele andere Programme bleibt Apples Cloud-Dienst trotzdem oft nur die zweite Wahl.

Dropbox is the best of the best right now, however, Dropbox is not likely the best for the future. Future technology is going to look more like iCloud than it does Dropbox — we know this already because tablets and smartphones are far more popular than computers and when is the last time you popped open Finder on your iPhone? This, understandably, worries many geeks.

Ein Aspekt, der mir in der breitgetretenen Diskussion ‘Dropbox vs. iCloud‘ fehlt, ist die Unterscheidung zwischen den Dateitypen und den inhaltlichen Daten. Einerseits schlagen bei jedem von uns universelle Dokumente wie Texte oder Bilder auf, die gewöhnlich mehrere Anwendungen anfassen (können). Dem entgegen stehen Einstellungen und Datenbanken, für die der Paradigmenwechsel bereits stattgefunden hat. Die iCloud ist hier konzeptionell bereits ein Paradebeispiel.

Das App-Ökosystem in dem wir uns mittlerweile wie selbstverständlich bewegen, grätscht unter iOS der Trennung jedoch in die Parade. Der Datensatz von Day One ist ein solches Beispiel. Eigentlich handelt es sich um (einzelne) Dokumente, die ich zwischen meinen Geräten im Sync wissen will. In der Praxis editiere ich hier jedoch nie separat und nie mit einer anderen Software.

Genauso verhält es sich mit dem Timer-Logbuch in Due (4.49 €; universal; App-Store-Link) oder dem Literaturverzeichnis Bookends (11.99 €; universal; App-Store-Link). In der täglichen Praxis verschwimmt die Grenze zwischen einer isolierten Datei und einem gesammelten Datensatz, der wohlmöglich noch einem Service zugeordnet ist.

Verliert ein Instagram-Foto ohne ‘Like’ und Kommentare an Qualität?

Apple kämpft gegen den klassischen Dateibaum unter iOS mit harten Bandagen. In vielen Bereichen wirkt das übermotiviert, fast radikal. Mit der intransparenten und unzuverlässigen Umsetzung erschwert sich Apple die eigene Argumentation. Niemand meckert über ein fehlendes iCloud-(Sharing-)Feature wenn die Kernfunktionalität problemfrei läuft. Das tut sie aber nicht. Ein verlorener Kontakt, einen überschriebener Kalendereintrag oder ein verschlucktes Byword-Dokument baut Vertrauen ab. Unabhängig davon welche Entwicklungsstufen iCloud dieses Jahr noch vor sich hat (Stichwort: WWDC): Die oberste Priorität liegt auf der Zuverlässigkeit beim Datenabgleich.

Dropbox ist in seiner Handhabung zwar komplizierter, wirkt aus alter Gewohnheit jedoch vertraut und erarbeitete sich seinen Vertrauensvorschuss über mehrere Jahre. Der Status quo führt deshalb zu Apps wie Files (0.89 €; universal; App-Store-Link), die nach klassischem DateiCommander-Konzept Brücken zwischen beiden Welten bauen.

Das ist eine (hübsche) Hilfe gegen akute Schmerzen aber keine Antwort auf die Frage wie wir zukünftig mit unseren Dokumenten, Dateien und Daten umgehen.

iCloud could be that better thing, if Apple can nail it. It could be the iPad-style car to the old file system truck. So could something else, including a new version of Dropbox. But nothing and no one is there yet. So, as iPhones and iPads and other appliances bring computing to a broader user base than ever before, the services that bind them remain stuck between the best-ever version of the past, and a still sputtering and stammering future.

* Das aktuelle Update 1.10 exportiert das eigene Journal stilvoll als PDF.

  • Markus (motu90)

    Toller Beitrag Alex, wirklich! Komischerweise habe ich genau über dieses Thema gestern noch mit meiner Mutter gesprochen, als sie mich nach “Dateiverwaltung” auf einem iPad fragte…

  • http://thosch.blogsite.org Thomas Schewe

    “Einerseits schlagen bei jedem von uns universelle Dokumente wie Texte oder Bilder auf, die gewöhnlich mehrere Anwendungen anfassen (können). Dem entgegen stehen Einstellungen und Datenbanken, für die der Paradigmenwechsel bereits stattgefunden hat.”

    Mich stört hier die Formulierung “Paradigmenwechsel bereits stattgefunden hat”. Für mich gibt es – wie Du so schön und zutreffend formuliert hast – universelle Dateien wie Texte und Bilder, die ich absolut nicht mit einer App untrennbar verb[a|u]ndelt haben möchte, also wo überhaupt keine Paradigmenwechsel sehen möchte.

    Sofern es um App-spezifische Konfigurationen oder Dateiformate geht, ist die iCloud für mich ein gangbarer Weg – solange sie tut, was sie tun soll. (Anderseits kann es auch von Vorteil sein, wenn derartige Daten plattformoffen in der Dropbox lagern, sofern es die jeweilige App für andere Plattformen gibt und man mal die Plattform wechseln will.)

    Ich kann mir jedoch absolut nicht vorstellen, dass ich ein Tagebuch, sofern es mehr als nur ein Spaß ist, in dem höllischen Dreieck aus App, Plattform und proprietären Storage einsperren möchte.

    • http://www.iphoneblog.de/ iphoneblog

      Export und Backup stehen außer Frage (und sind hier selbstverständlich möglich). Trotzdem möchte ich auf einer täglichen Basis in der App verbleiben.

      • http://thosch.blogsite.org Thomas Schewe

        Kann ich verstehen, weil die App ja auch klasse aussieht und coole Features bietet.

        Ich würde sie ja sofort kaufen und einsetzen, wenn ich nicht den doppelten Lock-In der Daten (Plattform, App-spezifisches Datenformat) sehen würden. (Der PDF-Export löst den Lock-In in das proprietäre Format nur teilweise: Man kann die Daten zwar sehen aber nicht mehr bearbeiten.)

        Aber vielleicht wer ich Day One eine Chance geben und kleben bleiben… ;-)

  • http://twitter.com/oli61 Oliver Eichhorn

    Ich fände es ja nett von Apple, wenn es (als Parallele zum Fotoalbum) auch einen Sammelplatz für andere App-übergreifende Dateiformate gäbe. Ich denke da an Texte und PDFs.

    • Alex

      Tja, dann bist du aber sofort wieder dabei, ein Dateisystem zu implementieren.

      Wer bisher schon mal versucht hat, aus dem Fotoalbum mit vielen 1000 Fotos das passende zu finden, wird auch gleich die Notwendigkeit einer Unterteilung in Ordner oder einer ähnlichen Struktur sehen…

      Und wenn man Dateien nicht exklusiv mit einem einzigem App bearbeiten will, der braucht eine Möglichkeit, mit dem Original zu arbeiten. Bisher muss man ja jedesmal mit einer neuen Kopie anfangen, was spätestens bei Video-Bearbeitung nervig wird, wenn man erst mal gigabyteweise Daten kopieren muss, bevor man etwas am Video ändern kann.

      Und schon wären wir schon im Prinzip beim Dateisystem, wie wir es kennen.

      Es sagt sich zwar so schön, dass ein Dateisystem antiquiert und nicht mehr zeitgemäß sei, aber solange es nichts besseres gibt, sollte man es nicht einfach abschaffen. Das Rad ist auch uralt, aber dennoch können wir nicht drauf verzichten.

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

    Die Schizophrenie ist doch im Prinzip, dass Dateiaustausch mit iCloud am besten funktioniert, aber das was ein dateiloses arbeiten darstellen würde, nämlich Core Data, eben nicht.

    Im derzeitigen Stadium ist iCloud NICHT besser als die Konkurrenz Dropbox. Das war und ist aber immer die Methode gewesen, mit der Apple ein Marktfeld erobert hat.

    Darüber hinaus fehlt mir ein entscheidender Aspekt, den Du bisher nicht angesprochen hast: walled gardens.

    Dropbox funktioniert mit fast allen Platformen, iCloud nur mit Mac/iOS.

    Ein weiterer Aspekt sind Backups. Wenn man auch nur einen einzigen vernünftigen Artikel zu Backups gelesen hat, weiß man dass ein gutes Backup nur ein solches ist das redundant ist. Das vollständige Verlassen darauf, dass die Dateien schon irgendwie im iTunes Backup drin sind, ohne dass man es _wirklich_ kontrollieren kann (auf Datei-Basis) oder dass es wenigstens wie bei Time Machine eine Möglichkeit gibt, dass man “rein guckt” um “nachzusehen” ob die Datei wirklich da ist, gepaart mit dem probeweisen Wiederherstellen einer Datei (bei Dropbox ganz einfach über das Kontextmenü im Dateimanager möglich mit Weg auf die Webseite, wo man den zusätzlichen Dienst “alle Versionen für immer behalten” abonnieren kann) macht aus iCloud eigentlich eine mittelschwere Datensicherheits-Katastrophe.

    Wie befinden uns in dem Zustand den viele User hatten bevor es Time Machine gab. Alle Dateien existieren jetzt anstatt auf der eigenen Festplatte nur noch in der Cloud. Anstatt des einfachen Headcrashes kann nun z.B. ein einfaches verlieren des Passworts, der Diebstahl eines iOS-Geräts das nicht genügend gesichert ist, oder das Hacken des iTunes-Accounts zum absoluten Daten-Gau führen.

    Ich weiß ich klinge in dem Moment wie jemand mit dem Weltuntergangs-Schild auf dem Gehweg in NY aber wer von uns hätte z.B. gedacht dass das Playstation-Network mal so extrem gehackt wird?

    Alleine die Tatsache, dass der Wegfall des Dateisystems dazu führt, dass ich nie weiß, was wann wo ein backup erfahren hat, lässt mich vor dem Tag erschaudern an dem die Mehrheit aller User denkt, sie müsse nie wieder Backups machen und dass die eigenen Dateien immer in der App vorhanden sein werden.

    Ich meine schön wär’s ja. Mir wär nichts lieber als nie wieder ein Backup machen zu müssen. Die größte Zeitverschwendung die man sich vorstellen kann.

  • morpheusmorph

    Ich muss mich hier kurz einklinken: Ich benutze DayOne auch seit der Erscheinung und habe am Anfang auf iCloud gesetzt. Allerdings sind bei mir mindestens 10 lange Einträge komplett verschwunden, nachdem ich auf den “Done” Button gedrückt habe. Lange geschrieben, fertig, Eintrag im Nirvana verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Das ist mir beim Dropbox-Sync mit DayOne noch nie passiert. Es mag sein, dass DayOne dabei den Fehler verursacht, allerdings ist der Ärger trotzdem da. Somit schreibe ich nun fleißig mit dem Dropbox-Sync und werde, alleine schon aus Vorsicht vor Frust, in absehbarer Zukunft nicht wieder auf den iCloud-Sync umsteigen.

  • Stefan

    Seit man sich mit einem beliebigen Passwort bei Dropbox anmelden konnte, ist mein Vertrauen in diesen Dienst doch merklich gewichen.

    Und es gab ja noch die Aussage, niemand Drittes hätte Zugriff auf die Daten, die dann auf ‘andere Dropbox-Nutzer’ reduziert wurde.

    Ich kann die stete Begeisterung von Alex für diesen Dienst nicht nachvollziehen.

  • MaxMoore7

    Bin ich zu dumm oder versteht noch jemand nicht den Zusammenhang des Artikels mit dem Satz im Artikel? :S

    “Verliert ein Instagram-Foto ohne ‘Like’ und Kommentare an Qualität?”

  • Pingback: ‘Daedalus Touch’ – ein Texteditor mit Seele – iPhoneBlog.de

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