von Alex Olma
9. Juli 2013 – 11:26 Uhr

Instapaper <-> Readability

Vor einem Jahr fegten furiose 'Read it Later'-Fights durch die Branche. Innerhalb der letzten 12 Monate ereigneten sich einige fundamentale Stellungswechsel, die mich nach fünf Jahren von Instapaper (3.59 €; universal; App-Store-Link) zu Readability (kostenlos; universal; App-Store-Link) übersiedeln lassen.

Ausschlaggebend dafür sind a) der Verkauf von Instapaper an Betaworks und b) Readability's Rückzug aus dem (kostenpflichtigen) 'Publisher-Payment-System'.

Möglich macht mir den nahtlosen Umschwung Pinboard.in, der unabhängige (Backup-)Bookmarkdienst, der sich aus jeder Leseliste eine komplette (Offline-)Kopie aller vorgemerkten Artikel zieht – egal ob ich die Texte zuvor archiviert, gelöscht oder geliket hatte.

IPhoneBlog de Readability

(Readability | iPad)

Mit dem Verkauf von Instapaper an die Inhaber von Bit.ly und Digg habe ich kein religiöses Problem. Es fehlt nun allerdings das Argument, einen einzelnen Indie-Entwickler mit dem bezahlten Download seiner App zu unterstützen.

Ein Redesign von Marco Arment's ursprünglichen Aushängeschild ist überfällig, genau genommen schon seit einem Jahr. Wie schnell Betaworks hier in den Tritt kommt, will ich nicht (mehr) abwarten.

Readability wirkt derzeit insgesamt lebendiger und in seiner Aufbereitung moderner. Beispielsweise zeigt das iOS-Programm die verbleibenden Leseminuten dezent beim Scrollen durch den Artikel in der Randspalte an. Das sind zwar nur grob bestimmte Werte1, bei Artikeln in romanartiger Länge hilft diese Art von 'Standortbestimmung' aber ungemein.

Instapaper fehlt in dieser Ansicht ein solches Feature. 'Fast Pagination' behilft sich mit kleinen Indikatoren, die optisch den iOS-Homescreen-Punkten nachempfunden sind. Nicht selten stimmt diese Angabe jedoch nicht. Um davon nicht überrascht zu werden, muss man sich erst durch alle Einzelseiten blättern. Die Bestimmung der tatsächlichen Textlänge ist für mich ein ausschlaggebender Aspekt welchem Beitrag (in welcher Situation) ich mich zuwende.

Gegenüber Instapaper fehlt der Readability-Software ein Lesestandsabgleich innerhalb von Artikeln. Das bedeutet: Readability springt beim Wechsel auf andere Geräte nicht in den identischen Absatz. Ein legitimer Kritikpunkt auch wenn ich (persönlich) nicht wieder in angelesene Artikel, die ein paar Tage brachlagen, einsteige (einsteigen kann).

IPhoneBlog de Instapaper

(Instapaper | iPad)

Readability testete in seiner Vergangenheit verschiedene Konzepte. Eine der größten (geänderten) Stoßrichtungen war ihr Publisher-Ansatz. Hier wurde Geld von Lesern eingesammelt und prozentual an Autoren ausgespuckt. Die Verteilung erinnerte an eine Kombination aus Spotify und Flattr2.

Konzeptionell unterscheidet sich Readability damit heute nicht mehr von Instapaper. Das gilt auch für die (unklare) Finanzierung, bei denen ich beiden Firmen skeptisch gegenüberstehe (und deshalb besonders das Pinboard-Backup schätze).

Eindeutig zu wenig Erfahrung besitze ich bislang mit dem aktuellen Text-Parser von Readability. Seit zirka einer Woche speichere ich Artikel (über ein Bookmarklet, das beide Dienste anbieten) und vergleiche das Resultat der extrahierten Auszüge. Aufgefallen sind mir lediglich Kleinigkeiten. Readability findet bei SPON-Artikeln teilweise nicht das Beitragsende und erfasst Text-Spagetti aus Menüs oder Werbung am Seitenende. Instapaper zieht sich gerne mal den Namen eines Blog-Kommentators und trägt ihn als Verfasser des Textes ein. Artikel, die bewusst über mehrere Webseiten gestreckt sind, grasen oft beide Dienste erfolgreich ab.

IPhoneBlog de Readability iPhone

(Readability | iPhone)

Beide Webservices bieten einen ePub-Download und den Versand von Artikeln zu einem Kindle (beziehungsweise der Kindle-App) an. Technisch besteht hier kein wesentlicher Unterschied. Readability punkte jedoch erneut mit einer frischeren Webseite; Instapaper fühlt sich diesbezüglich dezent abgestanden an.

Und genau darauf läuft mein 'Read it Later'-Transfer wohl auch hinaus. Auf ein simples: "Einfach mal was Neues."

  1. Readability erklärt mir auf Nachfrage, dass es sich hier nicht um Einzelberechnungen oder einen lernenden Algorithmus handelt sondern nur um eine durchschnittliche Lesezeit.
  2. Meinen ersten (und einzigen) Scheck über 28 US-Dollar erhielt ich zur Einstellung des Dienstes im Frühjahr diesen Jahres.
  • Jens

    Sehr schöner Artikel! Ich will ja nicht ständig rumnörgeln!

  • karlimann

    Hast du Dir im Vergleich auch Pocket angesehen? In Pocket kann man zumindest die Instapaper Artikel importieren oder Umwege über einen dritten Dienst.

  • Jens

    Das Interface von Readebility ist ein Traum! So hätte ich mir iOS7 gewünscht!!!

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

    Bitte die ‘s aus dem Artikel entfernen. Sebastians Wunsch. Danke :-)

    Ich benutze auf Android Pocket, das ist besser als Instapaper (welches ich gekauft hatte) damit ich über den von @truhe erfundenen IFTTT Export nach Evernote mitzählen kann, wie viele Artikel ich im Monat lese.

    Das mit dem Bookmarklet ist natürlich für mich amüsant dann wegen Android Share-Menü :-)

  • http://www.mrqs.de/ Markus Schumacher

    Sehr guter Artikel, sowas lese ich ausgesprochen gerne auf deinem Blog! Vielen Dank für diesen Beitrag!

  • http://mcflash99.tumblr.com/ mcflash99

    Ich nutze auch Pocket, unter anderem intensiv mit diversen Tags und damit verbunden IFTTT-Rezepten. Readability bietet dort bisher leider nur einen einzigen Trigger.

  • http://www.semmler.pro/ Sebastian Semmler

    Ich bin jetzt schon seit über einem Jahr bei Readability, ich wollte zwar Marco Arment unterstützen, aber Instapaper sah auch schon damals altbacken aus. Auch ist der Parser von Readability meiner Meinung nach bedeutend besser! Neben dem Bookmarklet kann ich auch noch die Extensions für Chrome oder Safari empfehlen.

    Die gute Integration in Reeder ist auch nicht zu verachten

  • Florian Schmitt

    Ist einfach schön zu lesen! Weiter so.
    Ich bin auch schon seit längerem auf Readability umgestiegen, anfangs wegen den Tags. Geblieben bin ich auch wegen der schönen iOS-App.

  • http://www.maybebuggy.de/ Sascha Vogt

    Falls der ein oder andere ohne Pinboard eine Lösung für die Datenmigration sucht: Bei mir hat http://importability.herokuapp.com/ ganz wunderbar funktioniert. Allerdings habe ich nicht überprüft wer dahinter steckt und wer sich die Daten da zwischendrin abgreift ;) Und noch dazu hatte ich vielleicht 100 Artikel in meinem Instapaper Archiv + 10 ungelesene Texte…

    • http://niebegeg.net/ Dirk Rüdiger

      Danke für den Tipp, die Importability app hat super funktioniert. So kann man gut testen. :)

  • zettt

    Was mir an Instapaper immer noch gefällt ist die Integration mit anderen Apps. Was ich am meisten benutze ist QuickReader. Da war Instapaper immer sehr “offen”. Mal schauen wie das noch weiter geht.

  • Dan

    Ich nutze nur noch Pocket. Die Bookmarklets in Safari speichern bisher jede Seite einwandfrei, auch im mobilen Safari. Möchte ich die Artikel am Mac lesen, nutze ich App.

  • http://niebegeg.net/ Dirk Rüdiger

    Sehr schöner Artikel! Auch bei mir schwindet der Unterstützungswille für Instapaper.
    An Instapaper stört mich derzeit das auffallend schlechte Parsen der texte, besonders wenn sie Programmcode-Samples enthalten. Was mich dort hält, ist der Export eines Beitragsstapels als ein ePub, welches dann im (Nicht-Kindle) Reader landet. Das habe ich weder bei Pocket, noch bei Readability gefunden.

    Meinst Du in Deinem Text den ePub-Export einzelner Artikel oder ganzer Artikelstapel?

    • http://www.iphoneblog.de/ iphoneblog

      Soweit ich’s richtig verstanden habe exportiert Instapaper nur alle Artikel als ePub und Readability lediglich einzelne Beiträge. Daher mag ich: ‘Readlists':

      http://www.iphoneblog.de/2012/05/22/readlist-erstellt-ebooks-aus-urls/

      • http://niebegeg.net/ Dirk Rüdiger

        Und so ist eben alles Schöne nicht beisammen. Readlists muss scheinbar manuell befüllt werden. Da reicht das Klicken des Readability-Share-Buttons in den anderen Apps nicht aus.

        Tja, es wird wohl erstmal bei Instapaper bleiben.

  • Pingback: Readability 2.0 – iPhoneBlog.de

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