WriteRoom, TaskPaper und Simplenote: Text- und Notizprogramme mit Fokus auf Inhalt
von alex olma | 10 März 2010 | 12:38 Uhr
Jesse Grosjean ist ein wahrer Text-Fetischist. Tintenschwarze Buchstaben vor einem weißem Hintergrund scheinen ihm Glück zu bescheren. Interessante Perspektive, die in dieserer modernen ‘klicki-bunti’ Welt unbedingt einmal Erwähnung finden darf.

Aufmerksam geworden bin ich auf sein Entwickler-Studio Hog Bay Software durch das Mac-Programm WriteRoom. Dieser ‘Wörter-Produzent’ öffnet sich in einer Vollbild-Darstellung. Ohne irgendwelche ablenkenden Layout-Masken, Textformatierungen oder Design-Optionen blinkt in mittiger Position ein schlichter Curser für die ablenkungsfreie Texteingabe.
Ohne Vorlagen, Schriftarten oder gestalterische Merkmale darf von nun an Text produziert werden – wie damals in den guten alten Schreibmaschinen-Zeiten. Die antike Idee wird durch ein Plugin aufgewertet, mit dem sich eure Texterzeugnisse in jede Applikation übernehmen lassen. Wer sich mit voller Konzentrationskraft an eine E-Mail für die Verwandtschaft arbeitet, kann in der ungestörten WriteRoom-Atmosphäre seinen Text verfassen und diesen dann mit dem favorisierten eMail-Programm abschicken.


WriteRoom ist auch in einer iPhone-Version erhältlich. Die Besonderheit erstreckt sich über den Sync-Service SimpleText. Wer seinen Google-Login benutzt und sich auf dem Online-Dienstleister damit einwählt einloggt, sichert an dieser Stelle seine Textdokumente vom iPhone. Auf dem Mac ist der Synchronisationsdienst leider nicht direkt in WriteRoom integriert und muss separat installiert werden. Danach gleichen sich jedoch Heimrechner, iPhone und Online-Datenbank ab. Sogar simples Konfliktmanagment beim gleichzeitigen Bearbeiten eines Dokumentes versteht das Programm.
Mit TaskPaper weitet Grosjean seine Leidenschaft für eindeutig formatierte Buchstaben auf eine ToDo-Software aus.


Die Bedienung ist sehr eigentümlich; der Screencast empfiehlt sich zum ersten Verständnis. Grundsätzlich arbeitet der Benutzer auch hier nur mit einem einzigen Stück Papier, das mit drei unterschiedlichen Formatierungen Projekte, Aufgaben und Schlagwörter auseinanderhält. Durch SimpleText.ws kommt der einheitliche Abgleich zwischen Web-Service, Mac und iPhone zustande.
Wie bereits mehrfach betont: das HogBay-Konstrukt weicht komplett aus den Philosophiesträngen der gängigen Text- und Aufgabenprogramme ab, ist nicht gerade günstig (Mac-Software-Bundle: $39.99 US-Dollar), aber ein durchaus frischer, simplifizierter Blick auf Textverarbeitung.


Zum Thema passend soll am Ende noch kurz Simplenote (kostenlos; App Store-Link) (s)eine Erwähnung finden. Die App Store-Software ist werbefinanziert, kommt ebenfalls sehr aufgeräumt daher und gleicht sich mit den unterschiedlichsten Desktop-Programmen ab. Darunter finden sich spendenfinanzierte Programme wie JustNote oder DashNote, preisgünstige Shareware namens Nottingham oder der OpenSource-Vertreter Notational Velocity.
Insgesamt also genügend Möglichkeiten, das unsägliche Apple-Standardprogramm ‘Notizen’ auf eine iPhone-Homescreen-Seite ganz weit nach hinten zu verfrachten.
Update-Prozess für App Store-Anwendungen umgestellt – mehr ‘Klicks’ für die doppelte iTunes-Staatsbürgerschaft
von alex olma | 9 März 2010 | 00:25 Uhr

Apple schraubte in der letzten Woche hinter der großen App Store-Bühne am Prozess der Software-Aktualisierung, unter dem nun vornehmlich Kunden mit zwei iTunes-Accounts zu leiden haben. Wer beispielsweise ein US- und ein DE-Konto sein Eigen nennt, bekam vor der Umstellung in iTunes die Anzahl der insgesamt verfügbaren Updates angezeigt. Die kleine Zahl neben der ‘Programm-Bibliothek’ bezog sich auf Neuerungen des gesamten Anwendungsverzeichnisses, egal aus welchem Land das Programm geladen wurden.
Mit einer Bestätigung auf “Download All Free Updates” ließen sich diejenigen Anwendungen aktualisieren, mit dessen Account man eingewählt war. Die Software-Neuerungen aus den anderen Ländern blieben als kleine Nummern-Anzeige erhalten, um diese jedoch herunterzuladen, musste man sich in dem entsprechenden Land einwählen.

Die jetzige Update-Übersicht listet auch ‘ausländische’ Anwendungen auf, die jedoch mit der oben abgebildeten Fehlermeldung nicht geladen werden können. Beziehungsweise ist der deutsche iTunes-Account nicht über den Erwerb der ‘identischen’ Anwendung aus dem US-Store im Bilde (oder umgekehrt) und bietet daher einen erneuten Kauf (im jeweiligen Land) an. Bei nur wenigen zu aktualisierenden Anwendung mag das erneute Aus- und Einwählen in den jeweils anderen Store noch problemlos möglich sein. Nervig wird es, wenn mehr als eine Anwendung auf den neusten Stand gebracht werden soll, diese unkonkrete Meldung erscheint und der “Download All Free Updates”-Button nicht mehr funktioniert.

Wer beispielsweise 25 neue Software-Versionen angezeigt bekommt, drückt im anstrengendsten Fall 24 Mal gesondert auf den Knopf “Get Update”.
Trotz großem Frühlingsputz finden sich in meinem App Store-Ordner immer noch 430 Anwendugnen, dessen Prozess der Aktualisierung zu einem echten Nervenkrieg ausartet. Am gestrigen Sonntag war der App Store für mehrere Stunden nicht verfügbar, brachte bezüglich des hier dokumentieren Problems jedoch keine Besserung.
Auch wenn ich die Einrichtung eines anderssprachigen Kontos aus den genannten Ursachen gerade überhaupt nicht empfehlen kann, gibt es hinreichend gute Gründe auch einen US-Account sein Eigenen zu nennen. Die Promo-Codes, welche als Testmuster für die Presse oder in Verlosungen ausgeteilt werden, können weiterhin nur über den US-Store eingelöst werden. Genauso lassen sich länderspezifische Unterschiede in puncto Jugendschutz feststellen. Bestimmte (Videospiel-)Titel stehen daher im deutschen Store nicht zum Verkauf.
Die nach Land unterschiedlich charakteristische Auslieferung eckt dabei nicht zum ersten Mal an: Als ein hierzulande indiziertes Videospiel aus den 90ern-Jahren im deutschen App Store eintrudelte, und wenige Tage danach wieder entfernt wurde, starb für die frühen Käufer damit auch jegliche Update-Fähigkeit. Beim genannten Titel war die Steuerung in Version 1.0 ordentlich vermurkst, was ein Update (nur für die US-Kunden) wieder behob.
Wer sich – aus welchen Gründen auch immer – in diese interkontinentale App Store-Spirale begeben möchte, bekommt von Apple höchstpersönlich erklärt, wie das Anlegen eines US-Accounts ohne Kreditkarte funktioniert.
iPad-Werbepause während den Oscars
von alex olma | 8 März 2010 | 03:31 Uhr
Steve Jobs vertreibt sich drei Wochen vor der iPad-Veröffentlichung die Zeit auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung, in dessen Werbepause Apple eine entsprechende iPad-Werbungschaltung gebucht hat.
via apple.com
Der verwendete Song in der Reklame findet sich im iTunes Store unter: “There Goes My Love / The Blue Van / Man Up“.
Apple verklagt HTC aufgrund von iPhone Patent-Verletzungen
von alex olma | 4 März 2010 | 16:41 Uhr
Apple gibt in einer Pressemitteilung vom vergangenen Dienstag bekannt, dass sie Patentklage gegen den Hardware-Hersteller HTC eingereicht haben. Konkret geht es um Verletzungen von 20 Patenten, die den Mobilfunkbereich des iPhones betreffen.
Nach Apples Aussage beschreiben die Patente das “iPhone user interface, underlying architecture and hardware”. Direkte Nennungen sprechen von Technologien wie “Unlocking A Device By Performing Gestures On An Unlock Image”, “Scrolling And Document Translation, Scaling, And Rotation On A Touch-Screen Display” oder “Object-Oriented Event Notification System With Listener Registration Of Both Interests And Methods”.
Eingebettet ist an dieser Stelle die komplette Klageschrift. Eine ‘verständlichere’ (mit Bildern unterlegte) Erklärung findet sich bei Engadget.
via digitaldaily
Die Situation ist aus zweierlei Perspektive brisant: HTC produziert im Auftrag von Google unter anderem das Android-Mobilfunktelefon ‘Nexus One’. Einen indirekten Angriff auf den Smartphone-Konkurrenten – über den Umweg seines Hardware-Produzenten – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Unter besonderer Beobachtung würde hier grundsätzlich das Thema ‘Multitouch’ stehen. Google schaltete dies in einem Nexus-Update kürzlich frei; Apple beansprucht die Technologie weiterhin für sich. Die HTC-Klageschrift verliert darüber keinen expliziten Hinweis.
Ein Google-Sprecher äußerte sich gegenüber TechCrunch mit dem kurzen Statement: “We are not a party to this lawsuit. However, we stand behind our Android operating system and the partners who have helped us to develop it.”

Photo: TechCrunch
HTC gab ebenfalls kurz angebunden zu Protokoll: “HTC is not only an innovator in mobile technology but also an owner of many patents. We take American and international patent rights protection seriously.”
via etaiwannews
Den zweiten Aspekt läutet Mac-Entwickler Wil Shipley mit einem offenen und emotionalem Brief an Steve Jobs ein:
If Apple becomes a company that uses its might to quash competition instead of using its brains, it’s going to find the brainiest people will slowly stop working there. You know this, you watched it happen at Microsoft. Enforcing patents isn’t a good long-term play: it’s the beginning of the end of the creative Apple we both love.
Apple beschreitet für das iPhone damit erstmals den Weg der selbst initiierten Rechtsstreitigkeit – zumindest soweit mir bekannt. Zuvor waren Patent-Ärgernisse außergerichtlich oder auf Initiative der anderen Partei erfolgt. Die Streitigkeiten mit Cisco, die ein IP-Telefon unter der Marke ‘iPhone’ bereits im Jahr 2006 anboten, regelte man stillschweigend hinter verschlossenen Türen. Ein aktueller Rechtsstreit betrifft den finnischen Mobilfunkanbieter Nokia, der Ende 2009 versuchte den Verkauf des Apple-Telefons zu unterbinden. Apple erhob Gegenklage. Der (noch ausstehende) Anwaltsfeldzug erfolgte jedoch als Reaktion auf den Nokia-Entschluss.
Die jetzige – offensiv angestrebte – Rechtsstreitigkeit wirkt nicht nur untypisch, sondern von einer externen Beobachterperspektive auch reichlich rüpelhaft. Steve Jobs lässt sich mit einem persönlichen Zitat in der Pressemitteilung zitieren:
“We can sit by and watch competitors steal our patented inventions, or we can do something about it. We’ve decided to do something about it,” said Steve Jobs, Apple’s CEO. “We think competition is healthy, but competitors should create their own original technology, not steal ours.”
Innerhalb der letzten 1.5 Tage habe ich allerlei Meinungen studiert, mich mit Leuten ausgetauscht und versucht diese Entscheidung in irgendeine Schublade zu stecken. 1.5 Tage später bin ich noch genauso verwirrt wie davor. Meine ersten Reaktionen waren eine drollige Mischung aus ‘Unverständnis’ und ‘Ratlosigkeit’. Eine Klage wirkt so verdammt ‘unnütz’.
Den großen Themenkomplex der ‘Software-Patente’, welchen John Gruber exzellent beschreibt, möchte ich gar nicht aufmachen. Inwieweit die aufgezeigten Patente als ‘trivial’ eingestuft werden, überlasse ich ebenfalls den Fachleuten.
Generell sollte jedoch festgehalten werden, das die Anwendung von Patenten Innovationen aufhalten. Ehemals dazu gedachte, die Idee des ‘kleinen Entwicklers’ vor der unrechtmäßigen Verwendung des großen Konzerns zu schützen, werden heutzutage Patente als Geisel gehalten. Paul Graham verwendet für die Beschreibung der Druckmittel eine Metapher mit Nuklearwaffen:
Like nuclear weapons, the main role of big companies’ patent portfolios is to threaten anyone who attacks them with a counter-suit.
Mein Gefühl sagt mir, dass ich die jetzige Position nicht mag. Ich mag die damit verbundene Einstellung nicht. Ich mag hingegen Konkurrenz und finde, dass jeder Mitbewerber einen Markt belebt. Apple hat sicherlich einige wirklich wertvolle Ideen zu der heutigen Smartphone-Situation beigetragen. Der gesamte Markt ist dadurch besser geworden. Trotzdem gibt es ihnen nicht das Recht, andere Einflüsse aufzuhalten.
Das ‘Nexus One’, dessen iPhoneBlog-Artikel in den nächsten Tagen folgt, ist ohne Frage geprägt von dieser Entwicklung. Das Gerät steuert jedoch auch selbst viele wertige Ideen bei. Insgeheim hoffe ich, dass wir dieses Thema zu sehr aufbauschen, wobei mir aufgrund der Wichtigkeit jeglicher Hohn und Spott der Android-Fraktion lieb und recht ist.
Gute Ideen verwirklichen sich nur durch eine erfolgreiche Umsetzung – Konzepte in Schubladen verkaufen sich nicht. Das versteht Apple vielleicht besser als viele andere Anbieter. Über eine perspektivlose Marktakzeptanz kann man sich jedenfalls nicht beschweren. Für andere Anbieter gilt es jetzt aufzuholen. Aber man muss sie auch aufholen lassen.
Augmented Reality Browser ‘Layar’ kehrt in den App Store zurück
von alex olma | 4 März 2010 | 11:22 Uhr


Der ‘Augmented Reality Browser’ Layar (kostenlos; App Store-Link) erreichte im Herbst 2009 den App Store, verzog sich jedoch kurz darauf für (stark benötigte) Wartungsarbeiten wieder in seiner Entwickler-Werkstatt.
Mit Version 3.0.2 und den kürzlich akquirierten 2.5 Millionen Euro Risikokapital im Rücken, wagt das niederländische Start-Up jetzt einen neuen Anlauf. Auf der Android-Plattform ist der Browser, welcher das reale Kamerabild mit virtuellen Ebenen überzieht, bereits sehr erfolgreich. Die neue Version soll nach Aussagen ihrer Entwickler über 400 dieser Informationsschichten (’Layars’ genannt) bereithalten – von Staumeldern, über Umgebungs-Tweets bis zu nahegelegenen Supermärkten.
Seitdem Apple im letzten Jahr das ‘Go!’ für den (Video-)Kamerazugriff auf dem iPhone 3GS gab, tummeln sich unzählige Anbieter auf diesem Software-Markt. Die Zukunftsperspektive von Wikitude (kostenlos; App Store-Link, der Volkswagen Händlersuche (kostenlos; App Store-Link), Peaks (2.39 €; App Store-Link), Gunman (kostenlos; App Store-Link), oder Tweet 360 (0.79 €; App Store-Link) scheinen dynamische Werbeeinblendungen.
Auch wenn Programme mit Augmented Reality-Funktion derzeit einem vorzüglichen Präsentationszweck dienen, lassen sie in vielen Situationen eine Praxistauglichkeit vermissen.










