Blogsy 3.4 spuckt Feuer im Bloggerwald

Noch benutze ich Blogsy (3.99 €; App Store-Link), die iPad-Blogger-App, nicht. Zumindest nicht regelmäßig. Mit jeder neuen Aktualisierung, die seit dem initialen Start im April 2011 regelmäßig eintrudeln und bei großen Versionssprüngen sympathische Codenamen wie ‘Phoenix’, ‘The Minotaur’ oder ‘Centaur’ mitbringen, steigt jedoch der Reiz.
Am heutigen Morgen ging ‘Dragon’, Version 3.4 mit Tumblr- und Vimeo-Support in Retina-Verpackung, im App Store live. Alle Update-Details erklärt sein Entwickler auf knapp sieben YouTube-Minuten.
Beeindruckend ist, wie schnell sich das WordPress-, Blogger- und TypePad-Werkzeug, um nur einige der unterstützten Dienste zu nennen, vom konfusen UI-Chaos zu einem aufgeräumten Publishing-Backend verwandelt hat.
‘MagicPlan’ – die Vermessung des Eigenheims
Jeder von uns stand bestimmt schon einmal bei Ikea und fragte sich kopfkratzend welche Länge seine Schlafzimmerwand hat oder ob der neue Schreibtisch noch zwischen Fenster und Tür passt. MagicPlan (kostenlos, universal; App Store-Link) bietet Hilfe ohne Metermaß und Zeichenkünste: Das Programm vermisst die einzelnen Räume einer ganzen Wohnungen über die iPhone- und iPad-Kamera.
Wem grobe Angaben ausreichen, ‘fotografiert’ bereits möblierte Zimmer. Richtig effektiv wird es jedoch, wenn man sich in Vorbereitung eines Domizilwechsels ein paar Minuten für die Grundrisserfassung im noch leeren Zuhause gönnt. Professionelle Makler dürften für die Erstellung ihres Datenblattes, inklusive Orts- und Adress-Angaben, ordentlich Zeit sparen. Aber auch wer öfters Möbel verschiebt, profitiert von der einmal angelegten Bauzeichnung.
MagicPlan, seit dem gestrigen Montag in Version 2.0, bildete zwei von mir erfasste Zimmer überraschend präzise und obendrein verdammt schnell ab.
Die Software bleibt allerdings eine UI-Katastrophe, die nicht nur geschmacklos aussieht sondern sich auch so bedient. Hinzu kommt ein kundenunfreundlich integriertes Geschäftsmodell: Nach der Wohnraum-Ablichtung fordert die App für den Export der Pläne (PDF, JPG, HTML, DXF) die Erstellung eines Benutzerkontos. Es ist überhaupt kein Problem, für die Ausgabe ohne Wasserzeichen und die Option zur Weiterverwendung der Daten, beispielsweise in SketchUp, Geld zu verlangen. Dann aber bitte per In-App-Kauf und ohne Lockangebote, die für einen ‘Facebook-Like’ den kostenlosen Skizzen-Download versprechen.
iPod-App-Ersatz: ‘Groove 2′ wühlt sich durch die iOS-Musikbibliothek
2007 feierte Steve Jobs das iPhone als “besten iPod, den wir jemals hergestellt haben“. Seitdem ist die iOS-Musik-App optisch nahezu unverändert. Mit iOS 3.0 erhielten Entwickler den Zugang zur iPod-Schnittstelle um die lokale Sound-Bibliothek in ihre eigene Anwendung einzubinden. Diverse Programme positionierten sich darüber bereits als Alternative zur Apple-Anwendung, die andere Schwerpunkte für die Hör- und Abspielgewohnheiten setzen.
Groove 2 (1,59 €; universal; App Store-Link) ist ein weiterer Anwärter, der speziell die manuelle Erstellung von Wiedergabelisten bekämpft.
Groove for iPad erschien bereits im vergangenen Jahr – Groove 2 läuft als Universal-App auch auf iPhone und iPod touch. Insbesondere am kleineren Bildschirm fällt die überschaubare Anzahl der Fingergesten positiv auf. So lässt sich beispielsweise die Lautstärke des aktuell angespielten Titels mit nur einem senkrechten Fingerzeig – an beliebiger Bildschirmposition – verändern.
Groove ‘arbeitet’ genau wie Apples Musik-App auch mit iTunes-Match-Titeln, die sich nicht lokal auf dem Gerät befinden. In den App-Einstellungen lässt sich festlegen ob auf die Cloud-Songs nur bei verfügbarem WiFi-Netz oder auch mit dünner Mobilfunkleitung zugegriffen werden soll. Auf Wunsch ignoriert das Programm Songs und Alben, die noch nicht heruntergeladen wurden.
Wie sinnvoll die Software Musiktitel zusammenwürfelt, gilt es selbst zu beurteilen. Die UI, inklusive das automatische Nachladen von Künstler-Infos sowie Cover-Artworks, ist insgesamt ein hübscher Gegenentwurf zu Apples Standard-Programm, auch wenn das Interface zu Beginn konfus wirkt.
Totgesagte leben länger
Die internationale Apple-Presse widmet sich dem Thema iTunes (1, 2 und 3). Friedvoll geht es zu: niemand verteidigt die Desktop-Software noch. In der Diskussion gibt es lediglich Meinungsunterschiede wie fortgeschritten die Zeit bereits für einen Wechsel ist. Das ‘Multimedia-Verwaltungsprogramm’, wie Wikipedia die Anwendung liebevoll nennt, pfeift aus dem letzten Loch – seit mehreren Versionen. Darüber sind sich alle einig.

Screenshot: Sony Pictures Television
Und auch ich möchte nicht mit der schönen Tradition von iTunes-Beschimpfungen brechen, frage mich allerdings ernsthaft ob Apple sein ‘Problem’ vielleicht einfach aussitzt. iTunes 11? Nicht einmal die Gerüchte klingen revolutionär. Und wenn’s keinen kompletten Abriss vom abstrusen Software-Jenga-Turm gibt, ist das bereits zu wenig.
Die zahlreichen Abhängigkeiten der ursprünglichen iPod-Musik-App, die auch heute noch unter Windows XP und Mac OS 10.5 läuft, scheinen nicht zu umschiffen. Zur gleichen Zeit schwinden jedoch zunehmend alle kleinen Ämter, für die iOS-Nutzer ihr iTunes früher einmal verwendeten. Ich persönlich habe nur noch ein einziges ToDo im Zusammenhang mit iPhone und iPad, das ich ohne iTunes nicht geregelt bekomme: der Sync von eigenen Filmen oder TV-Serien in die iOS-Video-App.
Ich übertrage keine Musik sondern nutze Spotify, oder iTunes Match. (Kindle-)Bücher kaufe ich direkt auf dem Gerät oder schicke (PDF-)Werke drahtlos an GoodReader. Internet-Radio nennt sich bei mir Podcast und kommt über Instacast. Für Bilder reicht mir Fotostream. iCloud kümmert sich um das Backup. Insofern sind Filme, falls nicht im iTunes Store ausgeliehen, mein letzter Grund für das Kabel.
Obwohl die Flüche nicht verstummen: durch die seltenere Benutzung meckere ich weniger. Vor zwei Jahren konnte noch niemand verstehen, warum Apple einem essentiellen iOS-Partnerprodukt so wenig Aufmerksamkeit schenkt. Immerhin fährt das iPhone die Konzerngewinne ein. 24 Monate später sind selbst verbitterte Kritiker weichgeklopft. Vielleicht überlebt die Software mit dem Musiknoten-Logo, die gar nicht mehr so viel mit Musik am Hut hat, durch ein paar Tweaks und Workarounds auch noch die nächsten zwei Jahre.
Eins ist klar: iTunes ist nicht die Zukunft. Wann genau diese jedoch beginnt und die Jukebox-App in ihre gerechtfertigte (?) Bedeutungslosigkeit kriecht, mag ich nicht raten. Unter OS X ließen sich die einzelnen Funktionen zwar auseinanderbrechen – unter Windows aber nicht. Wahrscheinlich steht ein derart gravierender Umbau aktuell auch in keinem Verhältnis. Unabhängig davon: Für Gelegenheitsnutzer funktioniert iTunes, die Software einer ganzen Generation, doch.
Oder etwa nicht?
In den Farbtopf gefallen? Procreate hilft.
Zwischen Version 1.5 und 1.6 von Procreate (3.99 €; App Store-Link) liegen exakt 300 Tage. Über 60 neue Funktionen zeigen, warum Apple sich dem Thema der Upgrade- beziehungsweise Update-Preise für (Mac-)App-Store-Software auf die eine oder andere Art und Weise widmen muss.
‘Scanner Pro’ träumt den Traum vom papierlosen Büro

Scanner Pro (5.49 €; universal; App Store-Link) erhält nach über 10 Monaten ein Update. Version 4.0 kommt erstmals als Universal-App, streift sich das (mittlerweile obligatorische) Retina-Grafikgewand über und verbessert die Technik seiner Bildanalyse. Mit einem ruhigen Händchen lässt sich Papiertext beeindruckend flott und in hoher Qualität digitalisieren.
Egal ob Rezept oder Rechnung: Die App des PDF-Experten ‘Readdle‘ produziert gut lesbare Dokumente, die anschließend in die vertrauensvollen Hände von Google Docs, Evernote oder Dropbox gegeben werden. Alternativ lässt sich das erstellte JPEG oder PDF mit anderen iOS-Apps, wie beispielsweise PDF Expert, öffnen und über Anmerkungen verfeinern. Speziell der Upload zu den Online-Diensten fiel in meinem Testlauf nach diesem großen Versionssprung noch sehr holprig aus.
Des Weiteren tut sich die App schwer zu erraten welchen Textblock der Benutzer mit seinem Foto ins Auge gefasst hat. Selbst klar getrennte Absätze müssen in den meisten Fällen noch manuell ‘eingezäunt’ werden. Gegenüber der iPhone-Version knipst die iPad-Software nicht mehrere Bilder in Folge. Insbesondere mehrseitige (Magazin-)Artikel oder Anschreiben, die man aufgrund ihrer kleinen Schriftgröße besser auf zwei Fotos verteilt, verarbeitet die iPad-Version nicht zeitsparend in einem Abwasch.

Seit Jahresbeginn schicke ich jede relevante Rechnung für die (Umsatz-)Steuer zu Evernote. Damit sortiere ich PDF-Belege schon von unterwegs aus meinem Posteingang und muss mich nicht mehr darum kümmern von wo (und wie) ich Zugriff auf die Buchhaltung habe. Größter Vorteil ist jedoch die Erkennungsmagie, die der Online-Dienst über die Datenbank streut um nach Schlagworten einzelne Datensätze wieder aufzuspüren. Insbesondere für Dokumente, die mit dem iPhone- und iPad-Scanner erstellt wurden, minimiert sich so die ‘Nachbearbeitungszeit’ erheblich.
Mit Scanner Pro will man nicht das Grundschulzeugnis seines Erstgeborenen für die Ewigkeit festhalten. Alles was jedoch ‘nur’ in leserlicher Form fürs papierlose Archiv bestimmt ist, lässt sich mittlerweile gut aus dem Handgelenk über die Kameras eines aktuellen iPhones oder iPads ablichten.
‘Drafts’ – digitale Klebezettel
48 Stunden habe ich mit mir gerungen, ob Drafts (0.79 €; App Store-Link) eine Erwähnung verdient. Auch nach einer textlastigen Presserunde durch die gängigen US-Blogs (1, 2 oder 3) fehlt mir noch immer der eine ‘Killer-Kaufgrund’. Vielleicht bedarf es bei dieser simplen Notiz-App aus dem Hause Agile Tortoise jedoch gar keinem Totschlagargument. Eventuell rechtfertigen die vielen kleinen Einsatzzwecke dieser ‘Post-it’-Zwischenablage eine Vorstellung?!


Drafts speichert Text-Entwürfe – kurze Geistesblitze, die Idee für den nächsten Tweet oder einen E-Mail-Gedanken. Liegen nicht nur wenige Sekunden zwischen dem Öffnen und Schließen der App, startet das Programm automatisch mit einem frischen Eintrag. Die Beiträge sind zu durchsuchen, synchronisieren sich jedoch nirgendwo hin. Eine für das iPad angepasste Software-Version existiert nicht.
Außer der Tastatur besitzt die iPhone-Software lediglich vier Knöpfe und einen Wort- sowie Buchstaben-Zähler. Das Schnellwahlmenü kopiert den Inhalt der aufgerufenen Info mit nur einem Fingerzeig, verschickt diesen per Mail oder schiebt ihn zu Twitter. So lassen sich zum Beispiel elektronische Briefe vorbereiten während der Posteingang frei bleibt. Apples Mail ist im Umgang mit ‘Entwürfen’ weiterhin zu verschachtelt und minimiert keine vorbereiteten Antworten. Über Drafts lassen sich flexibel mehrere Mail-Reaktionen anlegen.
Der Text-Expander-Support ist bereits vorbildlich; ein Dropbox-Sync wäre für die ‘Zwischendurch-Notizen’ nett.
Kein Frage: Die Alternativen zu Drafts sind zahlreich. Der 79-Cent-Vorteil versteckt sich im Gegensatz zu den Mitbewerbern, die auch irgendwie ‘Notizen’ festhalten (können), in seiner Leichtfüßigkeit.


