Der goldene Käfig

“Open and closed platforms are not intrinsically good or bad, but choice is certainly always a good thing.” tippte Jerry Brito für Time.com im vergangenen Herbst ins Internet. Apples umzäunte (App-)Welt, der ‘Walled garden‘, ist von Beginn an ein heißdiskutiertes Thema, da die Balance zwischen Sicherheit, Nutzer-Freiräumen, dessen Komfort und die Interessen der (Software-)Anbieter immer einen Kompromiss darstellt. Ausnahmslos.
Googles Ansatz, Software aus beliebiger Quelle zu installieren, wird dem iOS-Konzept regelmäßig als Missstand vorgehalten. Was im ersten Gedankengang komplett nachvollziehbar erscheint, läuft in der Praxis oft gegen die Wand. Klar, auch ich würde mir in einigen Situationen die Einschränkungen ersparen wollen. Aber wäre ich im Gegenzug auch bereit, mit Zeit und Mühe die damit unweigerlich zusammenhängenden Nachteile auszubügeln?
We recently came across a new piece of Android malware […] The malware was discovered on a third party marketplace (not the Android Market) and is bundled with a legitimate application for configuring phone settings. The number of infected devices able to generate revenue on any given day ranged from 10,000 to 30,000, enough to potentially net the botmaster millions of dollars annually if infection rates are sustained.
Zugegeben: “Million-Dollar Mobile Botnet“-Artikel von Antiviren-Buden für Smartphones sind mit extremer Vorsicht zu genießen, da dessen Geschäftsmodell langsam austrocknet. Regelmäßig ärgere ich mich über Pressemitteilungen und ‘Studien’ dieser Anbieter, die Ängste schüren und ‘Secruity-Pakete’ verkaufen wollen.
Insbesondere ‘IT-Medien‘ unterschätzen trotzdem gerne, wie wenig Lust viele Leute darauf haben, sich Gedanken um Viren, Trojaner, Würmer und Update-Kompatibilität zu machen. Was diesen Kunden entgeht, wenn man sich aufs offizielle Software-Angebote von Google oder den App Store beschränkt, kann ich für Android nicht beurteilen. Ein Vergleich mit der iOS-Jailbreak-Szene zeigt jedoch, was auf Apples Plattform vermisst wird. Mit ein paar Themes, (Schnellstart-)Gesten und Tethering-Lösungen – wenn wir Piracy und Emulatoren einmal ausklammern – fällt die Liste nicht sehr üppig aus.
Neben den zwei Stores für Download-Software der führenden Smartphone-Betriebssysteme deckt ein Webbrowser mit dessen Online-Anwendungen die verbleibenden Bedürfnisse ab.

Selbst das Enterprise-Umfeld scheint der administrativen Betreuung mittlerweile überdrüssig – selbst wenn unzählige Möglichkeiten zur (Software-)Individualisierung bereitstehen (würden).
Companies also have to go through a lengthy testing phase before letting a device access its networks, and it’s easier to qualify the iPad than each of the many Android tablets on the market.
Beachtlich ist, das Apple nur den minimalsten Aufwand betreibt, sich mit iOS im Firmenumfeld beliebt zu machen. Ein richtiger Schritt, wie die Windows-Sackgasse in den letzten Jahren demonstrierte.
Apple has succeeded with corporations without building a large sales force or a corps of consultants and field technicians. Wallach, who sold pharmaceutical-sales software for years before co-founding Veevo, says he has only dealt with one person at Apple who focused on his industry.
“Choice is certainly always a good thing” – auch wenn man sich manchmal dafür entscheidet, jemand anderen ‘entscheiden’ zu lassen.
Google scannt Android Market

Today we’re revealing a service we’ve developed, codenamed Bouncer, which provides automated scanning of Android Market for potentially malicious software without disrupting the user experience of Android Market or requiring developers to go through an application approval process.
Der Android Market bekommt einen Virenscanner. Genau genommen überprüft die Software schon seit vergangenem Jahr den Android-Programmkatalog und filterte bereits erfolgreich – auch wenn Google keine konkreten Zahlen nennt. Ebenso ohne Erklärung: Wie sah das Abwehrsystem gegen Spyware und Trojaner vor dem “new layer to Android security” aus? Da war doch hoffentlich mehr als “Permissions“, “Sandboxing” und nachträgliches Löschen im Einsatz, oder?
Egal. Dreh- und Angelpunkt der gesamten Diskussion mündet regelmäßig in der Kontroverse über die Software-Installation aus ‘unbekannter Quelle‘. Android kann’s, iOS nicht. Über das Für und Wider ist in den letzten Jahren zur Genüge debattiert worden und endete genauso häufig mit: Kein System ist fehlerfrei; es existiert keine Patentlösung. Vielleicht ist genau das aber gar nicht so schlecht, um nicht nur die Anbieter sondern auch ihre Nutzer zu mehr Aufmerksamkeit anzuregen.
Amazons Kindle im Weihnachtsgeschäft 2011
Amazon veröffentlicht seine Quartalszahlen für das (gewöhnlich ertragreiche) Weihnachtsgeschäft und landet damit akrobatisch auf dem Bauch – 17.4 Milliarden US-Dollar an Umsatz stehen 177 Millionen US-Dollar an Gewinn gegenüber.
Amazon’s profit for all of 2011 was $631 million. As a reminder, Apple made $13.06 billion in profit last quarter. Perhaps not a fair apples-to-apples comparison, but not exactly apples-to-oranges either.
Handfeste Zahlen zum Kindle gibt es nicht. Nein, die Aussage “millions of customers” mit substanzlosen Wachstumsraten (177-Prozent) zählen nicht. Hier fehlen jedoch nicht nur aussagekräftige Nummern sondern auch eine Unterscheidung zwischen den eBook-Readern (in mehreren Ausführungen) und dem Möchtegern-iPad-Konkurrenten ‘Fire‘, der in dieser ersten Hardware-Generation mit seinen ‘durchwachsen‘ (Presse-)Kritiken kein ernsthafter Apple-Gegenspieler ist.
Mit unbekannten Verkaufszahlen und nur geschätzten Vermutungen über hauchdünne Hardware-Margen lassen sich daher nur wenige sinnvolle Vergleiche zu den (beeindruckenden) iPad-Statistiken ziehen.
Aufmerksamkeit kommt aus einer anderen Ecke: Die Flurry-Statistiker zeigen großen Software-Appetit von Amazon-Kunden zu Weihnachten – auch wenn der Kindle nicht immer ganz fair spielte. Neben der quantitativen Anzahl an Applikationen, mit denen Amazon der koreanischen Konkurrenz die Butter vom Brot Christstollen nimmt, schreibt die Erhebung außerdem (erheblich) mehr profitable Bezahl-Downloads dem Kindle Fire zu.

From our analysis, we found that the Kindle Fire drove over 2.5 times more paid downloads to consumers than the Samsung Galaxy Tab. This shows that for tablets, the Amazon App Store can already deliver more direct revenue to developers than the Android Market.
Mit Blick auf die Web-Nutzung von mobilen Betriebssystemen zeichnet NetApplications in seiner Januar-Erhebung ein vergleichbares Bild.

The Galaxy Tab and Kindle Fire are not close to matching the iPad’s usage share, but are growing. The Galaxy Tab is at .42% mobile/tablet usage share and the Kindle Fire stands at .34% mobile/tablet usage share. The iPad maintains it lead in tablets at 23.97% mobile/table usage share.
Für Amazon hängt der Erfolg vom (stark) subventionierten Kindle am Umsatz, der über ihn verkauften digitalen Inhalte. Darüber steht er auch mit anderen Anbietern in Konkurrenz. Bei Büchern für die reinen eBook-Reader geht dieses Geschäft auf. Der Tablet-Markt dagegen scheint mit (mehr) Konkurrenz einen schwierigerer Einstieg zu liefern. Nachdem nun der erste Release(-Hype) und das (gewöhnlich ertragreiche) Weihnachtsgeschäft absolviert wurden, wird’s bis zum Herbst-(Hardware-)Update eine lange Zeit – insbesondere wenn sich ab dem Frühjahr neue iPad-Gesellschaft ankündigt.
Markentreue
Samsung amüsiert sich weiter über Apple-Kunden. Diesmal geht’s um ein ‘Turn-by-Turn‘-Feature, für das am iPhone (in Form einer Navi-App) extra gezahlt wird. Gleichzeitig unterstreicht die Konkurrenz-Kampagne, wie Apple sich immer noch von seinen Mitbewerbern absetzt: Das gesuchte Stichwort heißt ‘Brand loyalty‘.
Forbes widmete vergangenen Freitag einen Artikel dieser ‘Kundenzuneigung’ indem es am Beispiel von ZTE und Huawei zeigt, wie Billig-Telefone den Android-Markt fressen:
ZTE and Huawei demonstrated in the UK market last year just how little brand loyalty consumers have when they see a white label smartphone undercutting second-tier brands by 30-60%. [...]
LG, HTC, Motorola, Sony – their bad 4Q11 performances are just a prelude to a devastating 2012. It would not be surprising if Google opts to wind down Motorola’s handset operations sometime over the next two years and Sony bails out entirely.
Die New York Times erwartet sich von 2012 einen besseren Kosten- und Umsatzüberblick von Android, der ‘Nummer 1 unter den mobilen Betriebssystemen, mit dem Google nur wenig Geld verdient‘.
Part of the reason it is not a bigger revenue generator is that many of the 250 million Android devices that Mr. Page said had been activated are not phones or tablets, where people see ads sold by Google, but rather gadgets like low-cost GPS navigators.
Im OS-Zweikampf bleibt für mich Position drei, Microsoft, weiterhin von Bedeutung. ZTE-Manager Santiago Sierra behauptet gegenüber Trusted Reviews: Eine Windows-Phone-Lizenz kostet (sie) zwischen 18 und 24 Euro. Die Aussage widerspricht der bisherigen Annahme, die von 7 bis 11 Euro pro Gerät ausging.
Egal welcher Preisrahmen stimmt (vielleicht veranschlagt MS unterschiedlich hohe Lizenzkosten für verschiedene Hardware-Partner): Das Windows-Phone-Lizenzangebot scheint weiterhin defensiv ausgerichtet. Wann und ob ein ‘unmoralische Angebot‘ an HTC, Sony und Co. aus Redmond kommt, wird entscheidend von den Verhandlungen mit Mobilfunkpartnern abhängen, die die Geräte final verkaufen (müssen).
Googles Herausforderung mit Android

Google, on the other hand, gave device manufacturers exactly what they wanted with Android: Extreme flexibility and an open source license. That model is like crack cocaine for the likes of Samsung and HTC. […] Android has become so successful that Google has lost control of it. And this, in turn, means Android, as a brand, will have a significantly diminished value over time.
Charlie Kindel schießt mit “Fragmentation Is Not The End of Android” volle Breitseite auf Google, verliert dabei aber nicht den konstruktiven Ansatz aus den Augen. An diversen der aufgeworfenen Behauptungen kann (und sollte) man sich allerdings reiben, wie einige exzellente Kommentare dies tun.
Festzustellen ist: Hardware-Partner Samsung hält durch seine dominante Marktposition tonangebend viele der Erfolgsfaktoren des Betriebssystems in eigener Hand. Software spielt (vorsichtig ausgedrückt) eine untergeordnete Rolle und wird erst dann relevant, wenn Mobilfunkanbieter mit ihren schicken Logos und Zusatzprogrammen die Bühne betreten.
Google dagegen profitiert finanziell mit einem niedrigen zweistelligen Werbedollar (pro Nutzer / pro Jahr) vom OS sowie den ‘Social-Graph’-Informationen – zwei Aspekte, die den anderen Partnern komplett egal sind und damit ein zunehmend ‘herausforderndes’ Spannungsfeld bedienen.
Distimo-Jahresbericht: App-Umsätze im Vergleich

The Apple App store for iPhone generates about four times the revenue that is generated in the Google Android Market. [...]
Half of the revenue of the 200 top grossing apps in the Apple App Store for iPhone is now generated by freemium apps. This proportion is even higher in the Google Android Market where 65% of the revenue from the top grossing apps is generated by freemium apps.
Laut Distimo-Jahresbericht verzeichnen sowohl iPhone als auch iPad einen vielfach höheren (US-)App-Store-Umsatz als der konkurrierende Android Market. Die Zählung klammert allerdings Werbeeinnahmen aus. Genau diesem Thema dürfte zukünftig jedoch erhöht Aufmerksamkeit zukommen wenn wir neue Schnittstellen wie Apples Sprachassistent/in Siri in die Entwicklung einbeziehen.
These new interfaces put a lot of power into the hands of the UI creator, making them the new gatekeepers for information on the Web. That’s a huge benefit for big web brands that can strike up partnerships with the interface developer.
Siri überspringt klassische Suchmasken, die Google in den vergangenen Jahre als ‘Cashcow‘ dienten und in die Microsoft mit Bing bereits Milliarden investierte. Apples Ansatz: ‘Nutzer wollen nicht suchen sondern Antworten auf ihre Fragen.’ Dabei ist es egal ob diese aus einer Web-App oder einem installierten Programm stammen.
Bis Mitbewerber hier nachziehen, bleibt es lediglich eine Frage der Zeit. Als Voraussetzung sind dafür die täglichen 700.000 Android-Aktivierungen auf einem richtigen Weg. Der aktuelle App-Umsatz von Android-Software ist jedoch vergleichsweise enttäuschend. Zwei zentrale Frage lauten: Wie kompensiert Google das zukünftig weniger Suchanfragen über ihre zentrale Webpräsenz laufen und findet Apple eine Möglichkeit, Siri’s ‘Sprachsuche’ sinnvoll auf lokale App-Datenbanken auszuweiten?
Werbung ohne eigene Argumente?
Samsung kämpft hart um neue Kunden Aufmerksamkeit.
In an interview today Samsung Australia’s vice president of telecommunications, Tyler McGee, would not say how many sales Samsung missed out on as a result of Apple’s temporary ban on the Galaxy Tab.
But when asked whether the court action – which Apple launched after claiming Samsung “slavishly copied” its iPad – was the best marketing Samsung could hope for, McGee was under no illusions about the boost Apple’s case, and the subsequent media coverage, provided.






