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van Alex Olma
1. Mai 2015 – 10:12 Uhr

Die Uhr

Es war das Mobilfunktelefon, das die Funktion der Armbanduhr in den letzten Jahren kaperte und die klassischen Zeitgeber zu rein dekorativen Aufgaben am Handgelenk degradierte. Wer heute eine Uhr trägt, trägt sie nicht um davon die Zeit abzulesen. Uhren sind Sportgeräte, Schmuck oder Geldanlage, aber primär keine Zeitmessgeräte mehr.

Apples iPhone verkörpert als unverwechselbares Symbol das moderne Mobilfunktelefon – ein Smartphone. Es ist das Gerät, das der traditionellen Uhr ihre technische Finesse raubte. Alles was mit Zeit zu tun hat – vom Chronograph über die Mondphasen, der Stoppuhr bis zum Datum – macht ein modernes Telefon besser1. Die technische Finesse der althergebrachten Uhr besteht dieser Tage im Aufbau, mit seinen Miniatur-Rädchen, Sprungfedern und insgesamt der Kunst dieses Handwerks, das sie herstellt, pflegt und instand hält. Diese Leistung ist und bleibt außergewöhnlich; Uhrwerke bleiben unnachahmlich.

Es ist jedoch nicht mehr die reine Funktion, die Menschen in Uhren investieren lässt. Deshalb verspüre ich seit Jahren – genau genommen seit meinen Jugendtagen, keinen Reiz für eine Armbanduhr. Für mich war es immer ein zu großes Statussymbol, das zu wenig Mehrwert bot. Ich bleibe nie vor einem Juwelier mit einer Uhren-Auslage stehen; ich bewundere nie extravagante Armbänder und begeistere mich nicht an Ziffernanzeigen. Ich schaue keinen Uhren hinterher.

Ich war auch nie das Kind, das mit den Uhren von seinem Vater gespielt hat. Das soll nicht heißen, dass die Größe, das Gewicht und die Verarbeitung keinen Eindruck auf mich hinterlassen hätten. Das haben sie, daran erinnere ich mich.

Ich erinnere mich jedoch auch daran, das mir die klassische Uhr immer zu wenig konnte. Sie verlor als Spielzeug schnell ihren Reiz. Die Zeit abzulesen war nie etwas, für das ich langfristig einen Sinn gesehen habe. Während meines Studiums galt es sogar als schick keine Uhr zu tragen. Uhren waren immer für alte Leute.

IPhoneBlog de Apple Watch Steel

Deshalb hätte ich damit gerechnet, dass es zuallererst die Funktionen sind, mit denen Apple Watch mich umhaut. Die Funktionen als Computer, die Software, die Apps mit ihren Push-Benachrichtigungen. Genau das Zeug, was das iPhone damals von den Feature-Phones abhob.

Doch weit gefehlt. Die ersten Tage ist es die Uhr selbst, die mich begeistert. Als jemand, der mit Ausnahme von ein paar Fitnessbändern sein Handgelenk immer schmucklos hielt, ist es die Hardware, die ungeheure Lust ausübt. Sowohl das Gliederarmband wie auch das Lederarmband mit Schlaufe wirken auf mich, den Laien, wie…Luxus. Eine Klasse von Luxus, die für mich in anderen Gegenständen, die ich besitze, schwer vorstellbar ist.

Die Edelstahl-Ausführung der Watch fühlt sich mächtig an; die Präzision der Krone hatte ich irgendwie erwartet und wurde trotzdem überrascht. Die Taptic Engine ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal; es ist eines der besten Merkmale der Uhr.

IPhoneBlog de Apple Watch Steel Armband

Es kommt mir auch nach drei Tagen noch ein bisschen albern vor, aber ich bekomme nicht genug vom Dreh des Handgelenks, der dazu führt das Zifferblatt aufleuchten zu lassen. Über zwei Millionen Kombinationen sollen möglich sein wenn man alle 10 Watchfaces, Komplikationen und Farben einberechnet. Ich habe bereits zu viele Stunden mit der Gestaltung verbracht und halte es für absolut vorstellbar, je nach (gesellschaftlicher) Situation und/oder Stimmung, das Layout zu wechseln.

Ich glaube weiterhin nicht das Apple Watch primär eine Uhr ist, genau wie das iPhone nie in erster Linie ein Telefon war. Aber ich erkenne mittlerweile den Reiz an einer Armbanduhr, der bislang an mir vorbeizog. Vielleicht bin ich mittlerweile auch nur einer dieser alten Leute. Vielleicht musste nur einmal jemand das angestaubte Image, das in meiner Wahrnehmung Uhren anhaftet, abstauben. Vielleicht kann Watch OS 1.0 auch einfach noch zu wenig, weshalb der Fokus automatisch auf der Zeitanzeige liegt. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus allem.

Aber egal was es ist: Apple Watch ist in der Tat eine coole Uhr.


  1. Das hat natürlich seinen Preis: Das Smartphone nimmt nicht die privilegierte Position am Handgelenk ein und auch die Batterielaufzeit steht in keinem sinnvollen Vergleich. 

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