Phil Schiller’s offener Brief zur ‘Wörterbuch-Affäre’
von alex olma | 7 August 2009 | 10:47 Uhr

Phil Schiller wendet sich nach dem ‘Wörterbuch-Skandal‘ mit einer E-Mail an John Gruber. Der selbsternannte Daring Fireball-Chefredakteur hatte am Mittwoch die Geschichte über den ’steinigen App Store-Weg’ des Ninjawords Dictionary (1.59 €; App Store-Link) ins Rollen gebracht.
Phil Schiller, seines Zeichens ‘Senior Vice President of Worldwide Product Marketing’ im Hause Apple und auf einem der wenigen hochrangigen Sitzplätze direkt hinter Steve Jobs, äußerte sich zu den Verzögerungen und der hohen Alterseinstufung der Matchstick-Software.
Contrary to what you reported, the Ninjawords application was not rejected in the App Store review process for including common “swear” words. In fact anyone can easily see that Apple has previously approved other dictionary applications in the App Store that include all of the “swear” words that you gave as examples in your story.
The issue that the App Store reviewers did find with the Ninjawords application is that it provided access to other more vulgar terms than those found in traditional and common dictionaries, words that many reasonable people might find upsetting or objectionable.
[...]
Apple did not ask the developer to censor any content in Ninjawords, the developer decided to do that themselves in order to get to market faster.
Lassen wir ausnahmsweise die Argumente beiseite: Der Detailgrad und das perfide Auseinanderpflücken einzelner Wörter zeigt, wie verfahren die Situation ist. Manchmal wäre es angebracht, einen Schritt zurückzutreten und aus einer besseren Perspektive zu beobachten, das wir hier über einzelne Wörter in einem enzyklopädischen Verzeichnis sprechen. Einem Wörterbuch.
Ohne Frage: Texte müssen genau wie Bilder oder Video-Darstellungen Jugendfreigaben einhalten und gegen kein geltendes Recht verstoßen. Wenn jedoch eine hochrangige IT-Firmenleitung anfängt über einzelne Wörterbuch-Einträge zu diskutieren, auch wenn diese möglicherweise für einen gewissen Menschkreis als anstößig empfunden werden (man findet immer irgendjemanden, oder?), dann offenbart das die Tatsache, dass der Knackpunkt vielleicht ganz wo anders liegt.
Ich schätze die Transparenz, mit der Phil Schiller a) zu der Thematik Stellung bezog und b) zustimmte, sein Antwort zu veröffentlichen. TechCrunch formuliert diesbezüglich treffen: “[the letter] is a breath of fresh air after many months of near-silence from Apple“.
Auch wenn 98-Prozent der App Store-Anwendungen ohne jegliche Beanstandung im App Store landen. Die mehrwöchigen Genehmigungsprozesse betreffen eine größere Fanggemeinde, die oft ohne zwischenzeitliche Rückmeldung darauf hoffen muss ihre Anwendung veröffentlichen zu dürfen. Die fehlende Transparenz der Zulassung beschert nicht nur Unsicherheit bei der eigentlichen Entwicklung, sondern verhindert obendrein diekomplett Werbe- und PR-Planung.
Der Positivist in mir freut sich jedoch darüber, das sich bereits ein Verständnis für die derzeit vieldiskutierte App Store-Problematik, in der Apple-Chefetage entwickelt haben muss.
While we may not always be perfect in our execution of that goal, our efforts are always made with the best intentions, and if we err we intend to learn and quickly improve.







Ich freue mich ein wenig, solche Worte zu hören. Der Genehmigungsprozess gewann in den letzen Monaten immer mehr an “Eigendynamik” und Abstrusität. Wenn sich die zuständigen Personen der Problematik bewusst sind, ist das schonmal ein wichtiger und richtiger Schritt.
Hoffe ich zuminest.
Zitat:
[...] das wir hier über einzelne Wörter in einem enzyklopädischen Verzeichnis sprechen. Einem Wörterbuch.
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Du sprichst mir SOOO aus dem Herzen. Danke für den kritischen Beitrag!
Auch ich häng ja grad wieder in so einer abstrusen “Schleife” fest, und langsam kann ich echt nichmehr :-/
Es nervt, es ist dämlich und einfach nur Schikane hier und da…
Hoffen wir einfach dass sich die Herren “von oben” da endlich mal ein wenig mehr Mühe geben!
… bzw. ein bischen weniger Mühe
zumindest nicht, wenn’s darum geht zu detailiert zu schauen
@ao: ich lese dein blog eigentlich ganz gerne, was mich jedoch ziemlich nervt ist die unnötig abgehobene und komplizierte art zu formulieren, oft verbunden mit arroganz. paradebeispiel: ‘der selbsternannte daring fireball chefredakteur’. wtf? der typ macht halt daring fireball, und zwar alleine, punkt. eines der besten blogs die es zum thema apple und darüber hinaus gibt.
das ist als konstruktive kritik gemeint. fachlich finde ich dich ganz gut, insbesondere im vergleich zur deutschen konkurrenz.
jan
Ach, mit langweiligen Standardformulierungen macht Sprache doch keinen Spaß. Nenne mich ebenfalls ‘Chefredakteur’ und habe mich selbst dazu berufen
Meinst du nicht doch ‘Optimist’?
Den ‘Optimisten’ gibt es auch. Mein Duden kennt jedoch ebenfalls den ‘Anhänger des Positivismus’, einen Positivisten
[...] zwei Monaten im Apple-Zulassungsprozess. Soweit so ärgerlich. Und da sich die Firma aus Cupertino (fast) nie öffentlich über die Vergabe von Eintrittskarten zum iPhone-Verkaufspradies äußert, müssen [...]