Schweizer iPhone-Projektschule

von alex olma | 15. April 2010 | 11:01 Uhr

Die Schweizer Schule in Goldenau stellte am heutigen Morgen auf der Re:publica in Berlin ihr “iPhone-Pilotprojekt” vor, bei dem die Schüler und Schülerinnen für zwei Jahre von der Swisscom ein Apple-Telefon gestellt bekommen.

Projektschule Goldau.jpg

Das (3G-)Gerät ergänzt den klassischen Lernplan und schult die Kinder der 5. Klasse im Umgang mit neuer Technik, Medienkonsum und erweiterten Recherche-Möglichkeiten. Das Gerät kann während der Schulzeit und darüber hinaus im privaten Bereich genutzt werden. Das Projekt wurde im Vorfeld einvernehmlich in Kooperation mit den Eltern abgesprochen.

Der Feldversuch startete im Jahr 2009 und verzeichnet bereits nach dem ersten Jahre ausgeprägte Erfolge. Durchschnittlich verbrauchen die SchülerInnen pro Monat lediglich 20 Telefonminuten – die Datennutzung steht mit großem Abstand im Vordergrund. Die Ausgabe von Diktaten erfolgt per Podcast. Sprachsoftware hilft bei englischer und französischer Aussprache – über digitale Lernkarten lassen sich Vokabeln verinnerlichen und statistisch erfassen.

Die Geräte werden ohne Filter- oder Zensur-Software an die Kinder ausgegeben und die Energie der Lehrkräfte auf pädagogische Weiterbildung für Medienkompetenz verwendet. Ein gemeinsamer Vertrag zwischen Schülern, Lehrern und Kindern regelt die Eckpunkte.

Diese “moderne” Gestaltung des Lehrplans rief die Mobilfunkgegner in der Schweiz auf den Plan, die nach einem polemischen Fernsehbericht eine offizielle Beschwerde bei der Schulleitung einlegten. Daraus folgte eine absurde Rechtsstreitigkeit, aus der für die Lehrkörper eine Anklage auf Körperverletzung (Schlagwort: “Strahlenbelastung”) folgte, aber glücklicherweise abgewendet werden konnte.

Das iPhone konnte während seiner bisherigen Einsatzzeit in ganz verschiedenen Lehrbereichen Anwendung finden. Ein direkter (SMS-)Kontakt zum Lehrkörper für organisatorische Absprachen; die Kamera zum Erstellen von Kurzfilmen; digitale Notenblätter für den Musik-Unterricht oder das simple Zeit-Stoppen beim Sportunterricht wollen nicht mehr vermisst werden.

Aus den USA sind häufiger (private) Universitäten im Gespräch, die ihre Studenten mit entsprechendem Equipment ausstatten. Ehrlicherweise beginnt die technologische Sozialisation im Jahr 2010 nicht mit 20 Jahren sondern weitaus früher, weshalb dieses Schweizer Pilotprojekt ein sehr inspirierenden Blick für zukünftige Lehrmethoden darstellt.

http://www.projektschule-goldau.ch/das-iphone-projekt

  • http://twitter.com/choise choise

    “Das (3G-)Gerät ergänzt” – “die Kamera zum Erstellen von Kurzfilmen”
    oje oje, da hätte die Swisscom mal lieber ein 3GS spendiert. mit 3G Kurzfilmen werden die kleinen Schüler bestimmt nicht glücklich ;)

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Zum Startzeitpunkt gab es glaube ich noch kein 3GS – aber fragen wir doch mal die deutschen T-Mobile-Jungs nach einer Sponsor-Stellung…

  • Björn

    Apple und Swisscom freunen sich!

    Mir kommt dieser Blogeintrag allerdings erstaunlich unkritisch vor.
    Schließlich handelt es sich um eine Marketingkampagne, bei der ausschließlich Nutzen ohne jegliche pädagogischen Bedenken propagiert wird.
    Den Kids wird nicht mal eine Devicewahl ermöglicht, sondern es erfolgt eine Applekonditionierung in einer Entwicklungsphase, in der man überproportional für Beeinflussung und Prägung des eigenen Willens durch dritte empfänglich ist.

    Und das bezeichnet sich dann auch noch als Erlangung einer besseren (Medien-) Beurteilungskompetenz?!

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Kostenlose Leihstellungen? Ja. Marketingkampagne? Nee.

    Ich finde es einen großartigen (selbst initiierten) Erstversuch. Was ist die Alternative? Derzeit: Computerräume.

  • Sebbi

    So lange die Schüler dann trotzdem noch lernen wie man lernt und neugierig bleiben ist das ja ok, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass so ein iPhone (oder auch eigene Laptops) doch sehr ablenkend sind. Wenn es wir hier nur andere Werkzeuge ersetzt (Stoppuhr, Kamera, Karteikarten), dann ist das ja ok. Aber sobald damit (besonders mit Laptops) Unterricht gemacht wird ist mir das suspekt …

  • Björn

    Und Du meinst ernsthaft, dass Swisscom und Apple mal eben so ner Schule hunderte iPhones inkl. Folgekosten sponsorn und da keinen Marketinghintergedanke versteckt ist?

    Ich hab mir die Statements auf der verlinkten Seite durchgelesen.
    Dass die Initiatoren das abstreiten ist doch nicht weiter verwunderlich.
    Solche “Unterstellungen” werden tagtäglich durch Unternehmens-, Fraktions-, Instituts- und Ministerialsprecher zurückgewiesen aber die Berichterstattung bleibt glücklicherweise trotzdem häufig skeptisch (wie zum Beispiel beim Spiel mit dem Schweinegrippenimpfstoff).

    Aber wenn es sich um das Apple iPhone dreht, dann scheint die Skepsis manchmal auszusetzen.
    Oft auch zu Recht, aber doch nicht wenn es sich um die mediale Beeinflussung von Kindern dreht!

    Klar sind Computerräume scheiße und der Informatikunterricht ist heute immer noch nicht sonderlich vermittelnd, aber hier wird den Kids ein Kommunikationstool nahegebracht, welches wohl das mit einfachste und intuitivste ist, was die Menschheit kennt. Damit muss man aber nicht in der Schule beginnen! Selbst Menschen im Alter von 50 können ein iPhone bedienen.
    Das iPhone ist ein reines Gadget, welches mal überhaupt keine herausragende pädagogische Funktion besitzt, es sei denn man benutzt mal eine der kostenpflichtigen Cards-Applikationen zum Selbststudium.

    Wo ist also der Sinn und Zweck der Veranstaltung?
    SMS an den Lehrer? OMG! Wer will denn das??????
    Selbst wenn, wäre das ohne iPhone nicht möglich?
    Wie oft dreht man bitte einen Film im Unterricht?
    Wieso muss die bereits vorhandene Stoppuhr durch ein iPhone ersetzt werden?

    Ist doch klar, dass die Kids und Eltern nach dem Projekt nicht mehr auf das Gadget verzichten wollen und schon rechnet sich die Sache.

  • Ralli

    Ich würde mir wünschen, dass es ähnliches auch bei uns hier (hier bei mir, nicht in Deutschland) gäbe. Meine Tochter (8 Jahre) kann zuhause mit dem iMac umgehen, in der Schule sitzt sie am PC. Da wir (die Eltern) uns viel mit dem Thema mit ihr gemeinsam beschäftigt haben, behaupte ich mal, es ist bereits eine, wenn auch vielleicht aus kindlicher Sicht, gewisse “Medienkompetenz” vorhanden, was Internet betrifft. Nur weil bei uns zuhause überall das Apfel-Logo drauf prangert (iPhones, iMac, MBP…) ist keinerlei Affinität von ihr zu der Marke Apple festzustellen. Ihr ist es wirklich sche§$%& egal ob sie an einem PC oder Mac sitzt. Warum also nicht das iPhone? Nur weil es “einfach” zu bedienen ist, ist es nicht schlecht. Und wenn die Kinder rechtzeitig lernen, auch mit anderen Handys umzugehen, sehe ich auch nicht die “Gefahr” einer Heranführung der Kinder an die Marke Apple. Unsere Kleine hat übrigens kein iPhone, sondern ein “normales” Nokia, welches sie nur für “Notfälle” nutzt.

  • Tarroc

    Marketing mal hin oder her, der Informatik-Unterricht zur heutigen Zeit ist leider oft recht sinnfrei.
    Dann doch lieber Technik, die morgen tatsächlich auch genutzt wird. Dann passiert es auch nicht, dass ich Komilitonen Stoff für Referate vorbei bringen muss, weil sie keine Mail Adresse haben.
    Moderne Technik gehört in die Schule, sie gehört ja auch zu unserem Leben. Bedenken, dass die Kinder nicht mehr natürlich oder gerne Lernen würde ich an dieser Stelle auf Vieles, sicher aber nicht aufs iPhone schieben,

  • Mailinator

    Medienkompetenz am iPhone lernen? Mit Apple-Maulkorb? Das war ein Griff ins Klo liebe Schweizer.
    So züchtet man nur eine Generation heran die Zensur und Nutzerbevormundung für völlig normal hält.

    Der Artikel hätte außerdem wertungsfrei sein dürfen lieber Alex.

  • Mailinator

    Finde die Aktion auch ziemlich bedenklich. Die HJ war ja auch kein Vergnügungsverein sondern hatte ganz pragmatische Hintergründe.

  • Mailinator

    Hausaufgaben auf dem iPhone?

  • Pingback: iPad für alle Nutzergruppen « Nexialist

  • http://twitter.com/bavarianrebel Eberhard Sinner

    Gutes Beispiel für den Masterplan digitales Lernen in Bayern!

  • Björn

    Es ist doch total sinnfrei in der Schule die Gadgetbenutzung zu lehren.
    Das lernt jedes Kind nebenbei!
    Moderne, komplizierte Technik, die einen wichtigen Stellenwert in unserem Leben hat, muss im Unterricht vermittelt werden, das wird hier wohl keiner bestreiten. Struktur und Funktionsweisen von Computern, Zusammenhänge zwischen Sprache, Compiler und Maschine sind sicherlich von essenzieller Bedeutung.

    Aber das iPhone ist in dieser Hinsicht sicherlich kein Gerät, welches besondere Aufmerksamkeit verdient.

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