M! Games-Kolumne / August 2010

von alex olma | 30. Juli 2010 | 08:04 Uhr

Mgames1.jpg

Die vierte Auflage

Seit Apple vor drei Jahren das iPhone aus der Wundertüte zog, um der Mobilfunkwelt kräftig in den Hintern zu treten, haben 18 System-Updates die vier Geräte-Generationen erreicht. Mit dem aktuellen iOS 4.0 sortiert sich erstmals alte Hardware aus dem Software-Zyklus aus. Dem silbernen Metallrücken des iPhone Classic reicht die Puste nicht für eine erneute Frischzellenkur. Mit 36 Monaten Lebenszeit gehört damit die erste Generation zum alten Eisen und verbleibt bis zu ihrem Systemtotd auf Firmware 3.1.3.

Ein Jahr später streckte das iPhone 3G seine GPS-Fühler in die Luft und zieht im Gegensatz zu seinem Vorserienmodell mit auf den 4.0-Gipfel. Dort kommt es allerdings vollkommen ausgelutscht an. Multitasking oder farbenfrohe Hintergrundbilder bleiben dem lediglich 24 Monate alten UMTS-Strahlemann verwehrt. Das führte schon im Vorfeld der Ankündigung zu einem Aufschrei: Die für das Gerät abgeschlossenen Zweijahresverträge neigen sich hierzulande erst jetzt dem Ende ihrer Laufzeit entgegen. Was niemand erwartete: Nach der abgespeckten Systemaktualisierung fangen die Probleme erst an. Abstürzende Programme, Slowdowns und ruckelnde App-Store-Spiel empören ihre gebeutelten Eigentümer.

Da keine System-Downgrades vorgesehen sind, hängen Benutzer jetzt auf einer behäbigen OS-Version fest. Einige berichten, dass Apple sich nach langen Klage-Orgien schon zu Garantiefällen hat breitschlagen lassen. Aber das kann es doch nicht sein! Woher urplötzlich die Angst, alte Zöpfe abzuschneiden? Wenn es sich jemand leisten kann, Kunden mit Geräten vor die Tür zu setzen, die noch in diesem Jahr aktiv verkauft wurden, dann doch wohl Apple. Das iPhone 4 findet schneller einen Abnehmer, als es sich produzieren lässt. Wen kümmert da die Kundschaft von vorgestern?

Einbahnstrasse: Multitasking

Und dann war da noch die Geschichte mit dem iPad: Damit keine der geheimen Entwicklungen vor Fertigstellung des Gerätes an die Öffentlichkeit gelangt, arbeitet Apple intern mit streng getrennten Teams. Teilweise verschlingen ausgelagerte Entwicklermannschaften unglaubliche Geldbeträge, während sie gleichzeitig an ähnlichen Konstruktionen forschen – alles nur, damit das Gerüchte-Risiko möglichst klein gehalten wird. Dies führt in der derzeitigen Situation dazu, dass das iPad nicht auf den aktuellen Firmware-Zug aufspringt und am 3.2-Bahnhof gestrandet ist. Das iPhone 3GS und iPhone 4 profitieren von Hintergrundprozessen, die Spielstände aktueller Titel einfrieren. Damit ersparen sie beim plötzlichen Beenden der Anwendung dem Speicherstand seinen schweren Weg zum Datenfriedhof. Das iPad dümpelt dagegen auf einer eigenständigen – aber bereits ausgemusterten – Firmware nur hinterher. Unter diesem Missstand leidet vornehmlich die App-Store-Kategorie ‘Spiele’.

So vielversprechend ich den Ansatz hardwareübergreifender Aktualisierung lobte, derzeit verstrickt sich Apple doch in seinen Kompatibilitätsproblemen. ‘Multitasking’ ist rückblickend eine komplett verwirrende Funktionsbezeichnung für etwas, das aus Speichermangel jederzeit abgeschossen werden kann und mich bereits mehrere High Scores kostete. Nintendo und Sony wissen, warum auf ihren Konsolen nur ein Spiel zur gleichen Zeit läuft. Einziger Lichtblick: Mit iOS 4 hat Cupertino endlich seine interne Bilanzierung in den Griff bekommen, so dass auch iPod-touch-Besitzer kostenlos in iTunes auf den Update-Button drücken dürfen.

Nichtsdestotrotz: Es ist an der Zeit, die Falten aus der Wundertüte zu bügeln und eine klare Software-Richtung einzuschlagen.


~~~~

mgames2.jpg

Für die M! Games, das dienstälteste deutschsprachige Videospiel-Magazin, verfasse ich eine monatliche Kolumne zum Thema iPhone. Die Ausgabe 203 befindet sich ab heute am Kiosk. Über Feedback zum aktuellen Artikel würde ich mich sehr freuen.

  • http://twitter.com/FabianQnz Fabian

    Der Artikel findet einen schönen Mittelweg zwischen KISS (Keep it simple and stupid) und Nerdsprache. Der Inhalt fasst die aktuelle Situation gut zusammen und zeigt, dass Fanboys mitunter die Applekritischten Journalisten sind, weil sie eben Ahnung haben.

  • Helge

    tot sein – der Tod

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Ausgebessert!

  • Mike_111

    Meiner Meinung nach bisher der schlechteste Artikel für M! Games. Ziemlich einseitig nur aus Sicht einiger klagenden Kunden geschrieben ohne zu relativieren ob das was beklagt wird auch wirklich realistisch beklagendswert ist. Und selbst wenn es das sein sollte, ist es das dann auch im Vergleich zu anderen Geräten/Plattformen?

    Meine Kritikpunkte:

    1. und 2. Abschnitt:

    Dem iPhone 2G geht also die Puste aus, das iPhone 3G mit identischem SoC soll allerdings alle Software Features einer 2 Jahre jüngeren Generation bekommen? Multitasking mit 128MB RAM? Auf einem Gerät bei dem man für einige Apps das iPhone vorher neu starten muss um genug RAM freizumachen? Und lediglich 24 Monate alt? Das ist im Smartphoneland eine Ewigkeit. Welche anderen Smartphones bekommen überhaupt signifikante Updates noch 24 Monate nach Verkaufsstart? Soweit ich weiß die allerwenigsten.

    Abschnitt 3:
    Die schlechte Performance von iOS4 auf einigen (anscheinend nicht allen) iPhone 3G ist bedauernswert und da hat Apple einen sehr schlechten Job gemacht und hätte auch deutlich schneller reagieren sollen (wobei die Software Update Reaktionsgeschwindigkeit hier für Apple normal und nicht iPhone 3G spezifisch ist). Aber iOS4.1 bringt in der Hinsicht deutliche Verbesserungen mit sich wie die Beta zeigt. Mist gebaut ja, zu langsam reagiert auch, aber von im Regen stehen lassen kann wohl keine Rede sein.

    4. Abschnitt (iPad):
    iPhone OS 3.2 ist wie beschrieben ein separater Entwicklungszweig. Das der innerhalb von 3 Monaten mit iOS4 vereint werden könnte und im gleichen Zeitraum auch noch die iPad Anpassungen im iOS4 vorgenommen werden könnten war schon immer unrealistisch. Man schaue sich nur HTC an die laut eigenen Aussagen nach den Smartphone OS Herstellern selbst das größte Software Entwicklerteam haben und es trotzdem nicht mal geschafft haben ihren simplen Android Skin HTC Sense im vergleichbaren Zeitraum upzudaten. Sollte das iPad die iOS4 Features wie ursprünglich vermutet bis zum iPod Event im September erhalten (10 Wochen nach iOS4 Release für iPhone), dann wäre dies bereits realistisch gesehen eine gute Leistung von Apple. Zugegebenermaßen sieht es danach momentan nicht aus (iOS4.2 im November ist IMHO momentan der beste Tipp), aber möglich wärs noch. Mal abwarten. Aber die Tatsache das iOS4 JETZT noch nicht fürs iPad erhältlich ist kann nur jemand bemängeln der unrealistische Erwartungen hat oder keine Ahnung. Wünschen darf man sich aber natürlich alles.

    5. Abschnitt:
    Multitasking in iOS4 funktioniert sehr wohl, nur vielleicht nicht so wie es einige Leute vom PC her gewohnt sind. Smartphones sind aber keine PCs, das hat inzwischen sogar Microsoft eingesehen. Der entscheidende Unterschied ist hier dass nicht nur das Betriebssystem Multitasking unterstützen muss, sondern auch explizit die Apps. Apple kommt den Entwicklern hier auf halben Wege entgegen indem es einfache APIs anbietet die Save-state im RAM unterstützen und von Entwicklern ohne großen Mehraufwand implementiert werden können. Den Fall das Apps mangels Speicherplatz aus dem RAM geschmissen werden müssen die Entwickler dann allerdings selbst absichern, was wegen dem Aufwand vielerorts allerdings noch nicht geschehen ist. Meines Wissens nach könnten die App Enwickler allerdings zumindest beim Aufruf von Fast-App-Switching via Home Doppelklick eine Warnung einblenden falls sie kein persistent Save-State Implementierung haben. Also je nach Gesichtspunkt hat Apple entweder ungenügende Hilfsmittel bereitgestellt oder einige App Entwickler halten einfach nicht Schritt mit OS Weiterentwicklungen (obwohl sie theoretisch jetzt fast 4 Monate Zeit dafür hatten). Man stelle sich nur vor wie viel länger das ganze dauern würde wenn zuerst auch noch eine 3rd party Middleware an neue OS Features angepasst werden müsste…

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Danke für das umfangreiche Feedback. Sehr gute Argumentationspunkte, auch wenn ich einfach mal (bestimmt nicht komplett unberechtigt) meckern wollte. Das muss auch einfach mal erlaubt sein.

  • Sebbi

    Ist erlaubt, aber es ist nicht schuld des Betriebssystems, wenn ein Spiel seinen Zustand nicht abspeichert und auf diese “Multitasking” Funktion hofft, wenn in der Dokumentation klar darauf hingewiesen wird was passieren kann.

    Das verhalten bei Taskwechsel sollte einfach identisch mit dem beim Beenden des Programms sein. Spielstand speichern und beim nächsten Start dort weiter … darf man fragen welches Spiel das nicht so macht? ;-)

  • Mike_111

    IMHO ist das mit der Art der alles-oder-nichts Multitasking Unterstützung auch ein knallhartes Kalkül von Apple. Indem sie es allen so schwer machen Multitasking NICHT zu unterstützen (in Sache Erwartungshaltung der Benutzer), hoffen sie mehr Entwickler schneller dazu zu bewegen Multitasking KOMPLETT zu implementieren. Ansonsten gäbe es wohl eine Spezialbehandlung für Apps die überhaupt kein Multitasking unterstützen usw. (z.B. ausgrauen in der Fast-App-Switching Leiste oder App erst gar nicht anzeigen etc.). Aber bei dem Momentum das Apple momentan hat können sie es sich leisten auf sagen wir mal drei holprige (Multitasking User Experience) Monate zu setzen wenn dadurch fast alle wirklich benutzten Apps im gleichen Zeitraum zur kompletten Multitasking Implementierung gezwungen werden. Bei einem weniger harten, mehr abgestuften Multitasking Übergang hätte es vielleicht weniger User Experience Inkonsistenzen und Probleme gegeben aber dafür hätte der Übergang dann vielleicht 9 statt 3 Monate gedauert.

    IMHO langfristig gesehen die richtige Entscheidung. Denn Apples großer Vorteil und großes Ziel muss es immer sein alles und jeden so schnell wie möglich auf ein so modernes und einheitliches Niveau wie möglich zu bringen.

  • http://www.potatocows.com/ ChiefPotato

    Schöner Artikel. Mit der Multitasking Implementierung und auch damit iOS4 auch für 3g Geräte anbieten hat sich Apple das erste Mal richtig heftig verhaspelt was die iOS Geräte angeht und das das iPad einige speziifische OS features hat aber dafür eben immer noch nicht die aktuelle volle Version des Betriebssystems ist auch ordentlich falsch konzeptioniert.
    Als Nutzer ist es schon blöd, wenn das neueste gekaufte iPad Gerät immer noch auf ner alten Custom Generation de Betriebssystem rumgurkt, gleichzeitig das 3G Gerät dass dafür weit weniger geeignet ist dank schwächerer Hardware iOS4 dann aber drauf hat und dadurch dann jetzt auch wesentlich unbrauchbarer ist, da lahmer und absturzgefährdeter, als das älteste Gerät das man hat, ein iPod touch der ersten Generation.
    Für Entwickler ist es nochmal umso blöder, weil man jetzt zum Apps testen nicht nur idealewerweise ein Gerät jeder Generation haben sollte, sondern auch noch mehrere Geräte einer Generation mit verschiedenen Betriebssystemversionen. Die verhalten sich ja doch sehr viel unterschiedlicher inzwischen.
    Auch sehr ärgerlich wenn ein Spiel vorher nett lief auf einer Gerätegeneration und dann kriegt man nachher vielmehr Abstürze weil die Leute ihr Betriebssystem upgegradet haben.

    Ist ja schön, das Apple das Betriebssystem immer weiter entwickeln will, aber hey Leute, nicht überhastet weiteres Chaos produzieren, das meiste was mit OS 3.2. und 4 neu gemacht wurde wirkt weitaus weniger gut durchdacht und für die Geräte angepasst, als was man von Apple mit iOS Device Sachen gewohnt war.

  • Pingback: Gelöste Frage: Nachweis von Vermögen durch das Finanzamt? | Tipps und Hinweise zu Girokonten und mehr

  • http://www.potatocows.com/ ChiefPotato

    Ich habe den Artikel eher so aufgefasst, dass Alex sich dafür ausgesprochen hat, dass es ein Fehler war iOS4 auf (dafür zu schwach brüstigen) 3G Geräten auszuliefern, also für ein abschneiden alter Zöpfe dadurch dass die zu alten Geräte eben nicht das neueste Betriebssystem kriegen.
    Ich verstehe daher deinen Abschnitt “1. und 2. Abschnitt:” nicht.

    Auch sowas kann ich nicht zustimmen:

    Meiner Meinung nach bisher der schlechteste Artikel für M! Games. Ziemlich einseitig nur aus Sicht einiger klagenden Kunden geschrieben ohne zu relativieren ob das was beklagt wird auch wirklich realistisch beklagendswert ist.

    Für mich und sehr viele andere (siehe extrem viele Posts zu dem Thema rund ums Web) ist es realistisch sehr beklagenswert, wenn man ein Gerät hat; das upgradet und danach alles viel schlechter läuft und viel öfter abstürzt. Vor allem wenns keinen offiziellen Weg gibt wieder downzugraden.

    “Und selbst wenn es das rein auf das iPhone bezogen sein sollte, ist es das dann auch im Vergleich zu anderen Geräten/Plattformen?”

    Naja, einerseits gibts für andere Geräte oft gar keine Upgrades oder in viel unregelmäßigeren Abständen, also somit auch keine Betriebssystem weiten Verbesserungen, andererseits hat Apple mit der aktuellen Update Welle halt doch leider teilweise ordentlich danebengelangt.
    Ich persönlich finds viel besser, wenn es Updates gibt, aber halt für die Geräte, auf denen sie auch mindestens genauso gut laufen wie die Vorgängerversion und dann auch etwas besser ausgearbeitet und getestet.
    Re wie Apple im Vergleich zu anderen dasteht sind sich die meisten hier wohl recht einig, dass sie recht gut positioniert sind, als Gesamtpaket noch allen überlegen, auch wenn einige Android Geräte zwischenzeitlich doch einige Features kriegen, wo man neidisch rüberblickt (Mifi etc ohne Jailbreak).
    Dein Post zeigt aber schön, wieso es so schwer ist in der Tech Welt so nen Artikel zu verfassen: Einmal listet man mehr positive Punkte auf, dann ist man gleich ein Fanboy, das nächste Mal hat man doch ein paar mehr Kritikpunkte anzubringen und das ist dann auch zuviel des guten =)

  • Mike_111

    Meine Einleitung war auf den gesamten Artikel bezogen (iOS4, iPhone 2G, iPhone 3G, iPhone 3GS und 4, iPad, Multitasking) und nicht nur auf den iPhone 3G Abschnitt, den ich als einen von mehreren Punkten in diesem Artikel aufgefasst habe und nicht als DEN Hauptpunkt.

    Außerdem war es nicht mein Eindruck dass Alex sich ernsthaft dafür ausgesprochen hat dass das iPhone 3G von Anfang an nie ein iOS4 Update hätte bekommen sollen. Meine Interpretation war eher dass falls iOS4.0 wirklich im Nachhinein das beste ist was Apple für das iPhone 3G produzieren konnte, kann, wird und will, dass man es dann besser hätte sein lassen. Dem scheint aber nicht so zu sein, wie iOS4.1 beta zeigt. Dementsprechend war die mangelnde Performance und Stabilität in iOS4.0 fürs iPhone 3G wohl nur ein, wie von mir angesprochen allerdings sehr beklagendswerter, Ausrutscher nach unten und kein Endpunkt.

  • http://www.potatocows.com/ ChiefPotato

    Ok, ja das kann ich nachvollziehen. Muss mal das nächste Update ausprobieren, um zu sehen, ob das für mich auch wesentlich besser läuft bevor ich mein finales Urteil abgebe, obs ne gute Idee war oder nicht iOS4 auf 3G auszurollen.

Werbung

Wer eine beliebige iPhone-App im iTunes App Store über diesen Link kauft, seinen Mac mit Programmen aus dem Mac App Store bestückt oder ein Produkt seiner Wahl bei Amazon bestellt, unterstützt das iPhoneBlog mit einem kleinen Prozentsatz des (unveränderten) Kaufpreises.

Mok adn lang hell tr

Werbeplatz gefällig? -> KLICK.

Flattr verteilt kleine Mikrozahlungen, mit denen Ihr persönlich diesem Blog kleine Aufmerksamkeiten zukommen lasst. Über diesen Button; jeden Monat neu. Vielen Dank dafür!