[app] Zeit Online plus

von alex olma | 6. September 2010 | 19:11 Uhr

Die Zeit‘ veröffentlicht am heutigen Montag ihre erste App-Store-Anwendung, die die Wochenzeitung in digitaler Abo-Form gleichzeitig auf das iPad und iPhone befördert. Der kostenlose Download beinhaltet eine Heftprobe sowie den 5-€-In-App-Verkauf, welcher vier PDF-Dateien der (Print-)Ausgabe freischaltet. Nach einer “Einführungsphase” sollen 9 € fällig werden. Des Weiteren verlängert sich der (Programm-)”Nutzungszeitraum” um 30 Tage, in dem der Zugriff auf die Inhalte von ‘Zeit Online’ eingeräumt werden.

Vorweggeschickt sei: Das Angebot ist preislich fair nicht unfair. Die Ausgabe auf totem Baum kostet am Kiosk 3.80 €; die ePub-Version schlägt als Monatsabo mit 7 € zu. Wer sich für 6 Monate elektronisch verpflichten mag, zahlt hier lediglich 5 €. Warum das “E-Paper” nach der “Einführungsphase” fast 50-Prozent preiswerter ausfällt, bleibt ungeklärt. Die Preisdifferenz zur ‘klassischen’ Kombination aus Papier und Tinte trifft jedoch in einen vertretbaren Rahmen.

Unerfreulicherweise besteht mit dieser ersten (universal) iOS-Version keine Möglichkeit, laufende ePUB-Abos zu integrieren. Wer per In-App-Kauf sein Geld ausgibt, kann sich über einen internen Code insgesamt drei Geräte freischalten zu lassen, die das identische Abonnement konsumieren.

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Soviel zur neutralen Vorrede.

Die (ausführliche) Vorstellung dieser App-Store-Anwendung ist einzig der Tatsache geschuldet, das ich ‘die Zeit’ für ein wirkliches Qualitätsmedium dieser Tage erachte und dessen Beiträge sehr schätze. Aus technischer Perspektive verdient der zusammengeklopfte 5-Megabyte-Programmcode keine individuelle Aufmerksamkeit. Zu ‘uninspiriert’ und ohne kreative Ansätze dümpelt die Web-AppAnsicht aus einem Standard-App-Store-Baukasten im iPhone-Biotop.

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Wer mit einem iPad, iPhone oder iPod touch auf http://www.zeit.de surft, bekommt mit der mobilen Webseiten-Formatierung bereits ein identisches Angebot. Auch die am Donnerstag erscheinende Print-Ausgabe wird ohne zusätzliche ‘Verfeinerungen’ vor der Käuferschaft ausgekippt. Einzige Anstrengung: Die in PDF- und Text-Version aufgebrochene Darstellung der Beiträge.

Zwischen der reinen Buchstaben-Präsentation und einer bebilderten “Originalansicht” lässt sich mit unscharfen Knöpfen wechseln. Wer den Schritt zum Druck-PDF auf dem iPad wagt, findet nicht mehr den Schalter zurück zur Text-Abbildung. Artikel, die nicht über den Bildschirmrand hinausragen, vermissen den ‘Gummizug’, der die Multitouch-Fingersteuerung so intuitiv macht.

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Wer den kostenfreien Download angestrebt und sich bis zur “Demoausgabe” durchgewühlt hat, ist nach den ersten Minuten bereits ein Duzend Mal mit einem aufspringenden Pop-up-Fenster begrüsst worden. Dort steht: “Nutzungszeitraum abgelaufen”. Um es vorsichtig zu formulieren: Kein leichter Einstieg.

Warum es sich der eine oder andere trotzdem antut, spricht für die “Hurra-wir-lesen-noch”-Qualität, welche ich der ‘Zeit‘ nicht im Geringsten absprechen möchte. Trotzdem ist ‘die Verpackung’, und der damit zusammenhängende (Technik-)Auftritt, heutzutage deutlich gewichtiger als man es in dieser Branche womöglich wahrhaben möchte. Große Teile der Leserschaft sind wahrscheinlich noch Jahre davon entfernt, digitale Güter gedanklich so wertzuschätzen, wie eine Druck-Auflage im Briefkasten.

Wer ‘im Spiel’ bleiben möchte, tritt mit einem be- und durchdachten Angebot an seine Kunden heran. Der erste App-Store-Auftritt von ‘die Zeit’ wirkt eher ‘unbesonnen’.

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-> App Store-Link

  • tschocken

    also ich hab mir das gerade angeschaut und die Demo-Version der Ausgabe geladen. Verwundert war ich schon etwas, als ich, nachdem ich auf “Nur Text” geklickt habe, im Grunde nur ein PDF bekommen habe, ich dem ich umständlich rumzoomen muss. Für so was geb ich kein Geld aus.

  • http://apfelfunk.de SaschaW

    Ich finde es bedauerlich, dass man die Original-Ausgabe so verhunzt umgesetzt hat. Beim hohen Zoom sieht der Text einfach nicht mehr gut aus. Hingegen gefällt mir die Textversion sehr gut, wo jedoch die Bilder fehlen. Hoffe das die Macher hier deutlich zulegen. Momentan würde ich kein Abo lösen, weil die Umsetzung so schlampig ist. Wenn sich das jedoch legt, bin ich gerne dabei.

  • http://www.zeph4.de/ Karsten

    Ich glaube ja nicht mal, dass hier ein PDF hinterlegt worden ist. Wenn man auf ein Bild oder eine Spalte der Originalausgabe einen Doppeltapp macht, wird das Bild oder die Spalte nicht wie erwartet auf Breie (oder Höhe) des Bildschirms gezoomed. Sondern einfach unmotiviert irgendwohin. Bei einem PDF würde man wenigstens das korrekte Bild oder die Spalte erhalten.

  • Oliver

    Insgesamt ist das Bild der Verlagsbranche schon ernüchternd. Als brauchbar empfinde ich einzig die Spiegel-App, die mit einer Suchfunktion, dem Blättern über Artikel hinweg und dem Videodownload punkten kann (sowie brauchbarer Lesbarkeit).

    Dass brand eins und Time bislang nicht einmal in der Lage sind, die letzte Leseposition zu speichern, ist bezeichnend genug. Diese PDF-Viewer, die nach dem Springer-Verlag nun auch für die ZEIT angeboten werden, sind aber schlicht unwürdig.

    Ich erwarte ja nun kein wildes Innovations-Gezappel auf jeder Seite wie bei Wired oder Technology Review, aber das Zeug sollte schon ohne Schmerzen und Brechreiz lesbar sein.

  • http://malermeister.s24blog.at D. Muller

    Der eher schlechte Einstieg liegt wahrscheinlich im Zeitdruck, jetzt unbedingt mit den anderen mitziehen zu müssen, und dann können schonmal solche Fehltritte passieren. Aber ich bin mir sicher, dass “Die Zeit” da schon fleißig dran arbeitet, um den jetzigen Zustand schnell zu ändern.

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