von Alex Olma
8. Januar 2011 – 16:22 Uhr

[update] VLC Media Player fliegt nach 2.5 Monaten aus dem App Store

iPhoneBlog.de_Applidium.jpg

Eine Adaption des ‘VLC Media Players‘ der französischen Firma namens Applidium flog am heutigen Samstag aus dem Apple App Store – ganze zweieinhalb Monate war das Programm dort vertreten. Eine Beschwerde hatte der Franzose Rémi Denis-Courmont Anfang November eingelegt, weil die Open-Source-Lizenzbestimmungen, unter denen VLC seit dem Jahr 2001 entwickelt wird, seiner Meinung nach nicht mit den App Store-Beschränkungen zu vereinbaren sind.

Ein Statement des langjährigen VLC-Mitarbeiters ist auf ‘Planet VideoLAN’ veröffentlicht:

At last, Apple has removed VLC media player from its application store. Thus the incompatibility between the GNU General Public License and the AppStore terms of use is resolved – the hard way. This end should not have come to a surprise to anyone, given the precedents.

Unreflektierte Beissreflexe von Benutzern und Schlagzeilen-Tickern zeigen, dass die Grundproblematik nicht verstanden wurde. Ich habe Rémi Denis-Courmont vor zwei Monaten zum Interview in Helsinki getroffen und alles andere als einen iOS-feindlichen Nokia-Mitarbeiter mit Ambitionen zum Lizenz-Kreuzzug kennengelernt.

VLC steht unter zwei Versionen der GNU General Public License und hat innerhalb der letzten Dekade kostenlose Beiträge von mehreren tausend Menschen erhalten. Diese freiwillige Mitarbeit erfolgte explizit unter dem offen kommunizierten Lizenz-Regelwerk und wäre unter anderen Voraussetzungen so eventuell nicht entstanden. Über die expliziten Knackpunkte, welche zwischen diesem (GNU-)Open-Source-Projekt und einem Software-Vertrieb im App Store stehen, habe ich bereits einen Überblick versucht. Die Diskussion ist sicherlich alles andere als eindeutig und speziell in Hinblick auf die GNU-Lizenz problematisch.

Grundsätzlich – und ohne besseres Wissen – jedoch alle Lizenzbestimmungen und damit die Arbeit der unzähligen Helfer, die aus eigenem Antrieb an dem Projekt mitgewirkt haben und dies weiterhin tun, zu missachten, strotzt nicht gerade von Weitsicht.

Update

Rémi Denis-Courmont verliert ein paar mehr Worte auf http://planet.videolan.org/ und die von mir kritisierte TUAW-Berichterstattung ergänzt ihre vormals populistische Darstellung mit einem neuen Artikel, der weitaus mehr Hintergründe liefert.

When a software project chooses the GPL or other copyleft license, as opposed to a more open MIT or BSD style license, the developers are making a strong commitment to keep all derived works open. This commitment is not without cost, however.

  • Anonymous

    Der Source ist aber unter http://www.videolan.org/vlc/download-ios.html frei herunterladbar und erfüllt so m.E. die Bedingungen der GPL. *Zusätzlich* gibt (gab) es noch ein Binary im App Store.

    Naja, aber da gehen die Meinungen offensichtlich auseinander…

    • Dr.Evil

      Trotzdem ist es durch eine Art DRM (Itunes Konto) kopiergeschützt und das verbietet die GPL meines Wissens nach :)

  • lebennebel

    Ja die GPLv3 hat nen Absatz teil der DRM verbietet, ist halt zum selbst erhalt von freier Software wichtig und auch gut so, finde ich. Wie sieht das mit dem Mac App Store aus? Die digitale Quittung ist ja eigentlich kein DRM, wenn die software selber nicht checkt, oder sehe ich das falsch?

    • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

      Ich bin weit davon entfernt, dieses Lizenz-WirrWarr zu verstehen aber gerade was den Punkt (freie) ‘Verbreitung’ angeht (was definitiv ein Problem für VLC war), gestaltet sich der Mac App Store offener als der (iOS-)App Store.

      • Anonymous

        Du verstehst es nicht, schimpfst aber auf Leute die es ebenfalls nicht verstehen?

      • dermattin

        Ist das eine rhetorische Frage? Oder erkennst du den Unterschied zwischen Alex Kommentar und jenen von Denen, die blind drauf loskotzen, tatsächlich nicht?

    • Alex

      Wobei das DRM von Apple eigentlich keine Rolle spielen sollte, da das VLC-App ja auch als Open Source vorliegt. Damit kann jeder das App selbst kompilieren, kann es ändern, weitergeben usw.

      Außer der OpenSource-Fassung gibt es eben noch eine fertig kompilierte Binary. Die gibt es von Firefox auch, und auch bei Firefox kann man die Binary nicht mehr sinnvoll modifizieren/ändern. Dazu braucht es die Sourcen. Und die sind in beiden Fällen ja vorhanden.

      Der einzige Haken an der App ist, daß man die nicht von einem Gerät auf ein anderes direkt übertragen kann. Was für Paragraphenreiter wohl das Problem ist, aber in der Praxis natürlich keinerlei Relevanz hat, weil sich jeder das App ja dennoch kostenlos auf das Gerät laden konnte (naja, jetzt nicht mehr…)

      Insofern kann ich die ganze Aufregung nicht wirklich nachvollziehen.

  • Sebastian

    Auf wen bezieht sich der letzte Absatz? Die Leute die unqualifiziert drüber schreiben? Wird durch den sehr langen vorletzten Absatz nicht so ganz klar…

    • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

      Auf alle diejenigen, die (ohne besseres Wissen und ohne nach links und rechts zu schauen) auf ihr iPhone-VLC bestehen.

      • Sebastian

        Prima. So seh ich das nämlich auch.

        Das hört sich nämlich genau so an wie das Geschrei der Leute die der Ansicht sind, 20 Jahre alte Spiele müssten automatisch umsonst sein oder dass man seine Roms auch wenn man sie auf Modum im Schrank hat nicht einfach aus’m Netz laden darf oder dass das legitim ist.

        Ich mein nicht dass ich das nicht schon auch mal gemacht hätte, das Problem ist nur dass dann der Schritt zu “Free For All”, nämlich dem Hemmungslosen kopieren von Allem für Alles, nur noch ein sehr sehr kleiner ist.

        Man denke nur z.B. an das Verwenden von DD-WRT auf Routern von Firmen oder Codeteile von Open Source Software in kommerziellen Produkten.

        Wenn man jetzt nämlich VLC-Code einfach so über den Appstore bekommt, dann kann sich NIEMAND beschweren, wenn in Zukunft irgendwer irgendein Open Source Programm nimmt, und für 5 Euro in den Appstore packt, auch wenn er dazu keine Rechte hat. Denn das ist es ja, was da gerade passiert. Jemand nimmt den Code, übersetzt ihn für’s iPhone, und packt ihn in den Appstore.

        Das erinnert mich alles so extrem an Leute die rumkrakelen sie wollen endlich Mediacenter auf der XBox in den Kommentaren bei dreisechzig.net…

      • Alex

        Open Source bzw. freie Software darf i.d.R. durchaus verkauft werden. D.h. Du darfst z.B. alle möglichen Open Source-Programme und Tools auf eine DVD packen und die als Linux-Distribution verkaufen. Insofern wäre auch ein Preis von 5 EUR für ein Mobilfon-VLC kein Problem. Du musst nur eben Deine Zusammenstellung und Weiterentwicklung der Softare auch als Open Source anbieten (was im Fall von VLC ja geschehen ist). Und auch das Portieren auf eine andere Platform ist kein Problem. Du darfst das i.d.R. einfach so tun, solange das Ergebnis ebenfalls Open Source ist. D.h. es stört niemand, wenn Du VLC für das iPhone umsetzt. Und solange das über Cydia-Store nur an gejailbreakte Geräte verteilt wird, wird vermutlich niemand etwas auszusetzen haben. Auch nicht, wenn das was kosten würde. Nur im Apple-AppStore ist das ein Problem wegen des DRM. Es hapert hier an der direkten Weitergabe des Binaries von Gerät zu Gerät wegen des DRM (auch wenn das in der Realität über Cydia vermutlich deutlich schwieriger zu verteilen wäre, als über den AppStore, da VLC kostenlos angeboten wurde und damit jeder das App problemlos im AppStore bekommen kann. Statt das App direkt von Gerät zu Gerät zu kopieren, übermittelt man nur den AppStore-Link und holt es sich direkt im AppStore). Erst wenn das App im AppStore was kosten würde, dann hätte das echte Auswirkungen, und die Ideen hinter, bzw. die Philosophie von OpenSource und freier Software wären wirklich verletzt.

        Der Streit um den VLC kommt mir daher dann doch eher kleinkariert vor, bei dem die Prinzipien mehr zählen, als die Realität. Aber vermutlich muss man seine Lizenzen so streng verteidigen um sie dauerhaft durchsetzen zu können, auch wenn das in vielen Einzelfällen dann keinen wirklichen Sinn macht. “Kollateralschäden” sind vermutlich nicht zu vermeiden.

      • Alexander

        full ack.
        Das ist eher eine Rebellion gegen den geschlossenen und von Apple kontrollierten AppStore, der es nicht ermöglicht, Software einfach weiter zu geben und zu kopieren.

        Die wahren Verlierer sind die User, die nun nicht diese App nutzen und herunterladen können, da der Zugang zu dieser App unmöglich bzw. massiv erschwert wurde. Denn nicht jeder User kann die Sources selbst kompilieren und verfügt über einen Apple Dev Account um die Software auf sein iPhone/iPod kopieren zu können.

        Das entspricht wohl nicht dem Gedanken der GPL von freier und frei verfügbarer Software. Schade.

  • TheBino

    Ich kann das nicht nachvollziehen. Die Sourcen sind verfügbar. Das Programm kostet im AppStore keinen Cent. Jeder kann es herunterladen. Es werden vielleicht nicht alle Bestimmungen eingehalten, was die GPL angeht ABER es wird auch nicht explizit gegen eine verstossen: Will damit sagen, die Entwickler geben sich alle Mühe die Regeln einzuhalten.

    Mal davon abgesehen, dürfte VLC durch das iPhone / iPad wieder einen enormen Popularitätsschub erhalten haben.

    VLC ist für mich eine der KillerApps fürs iPhone / iPad.

    Grüsse Alex

    • Anonymous

      Warum? Was kann der VLC was andere Player nicht können?

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  • Anonymous

    Was soll der unqualifizierte Nokia-Vergleich?

  • lu

    wird zeit auf android zu wechseln! Diese ganzen Schikanen und Zensur kotzt mich an!

    • lu

      …wenn man hardware + OS für 600€+ kauft, sind dann Lizenzbestimmungen die mich und andere davon abhalten, eigene Softwareprojekte nach Belieben zu entwickeln und zu vertreiben, wenn sie weder Copyright, die Privatssphäre, noch persönliche Rechte verletzen überhaupt rechtsgültig oder mit gesundem Menschenverstand zu erklären?
      Es könnte ja durchaus Programme geben, bei denen ein Installationshinweis erfolgt, ala: “Die Installation des Programms könnte ihr Telefon beschädigen.” So, what. Ist doch meine Sache ob ich es mache!?

      • lu

        so, hab mich nochmal beruhigen können. verstehe ich richtig, das Apple den VLC rausgeworfen hat, weil das GNU Regelwerk festlegt, das unter diesem entwickelte Programme unter keinen Umständen vertrieben werden dürfen, wenn dazu eine Anmeldung erforderlich ist!?
        Apple, bzw. “Entwickler”firma mit der Aufnahme/Einstellung des VLC Players im App Store gegen die GNU Lizenzbestimmungen verstoßen hat?

      • lu

        …und/oder ist es so, dass wenn ich eine Kopie aus dem Appstore geladen habe, diese nach den GNU Lizenzbestimmungen eigentlich beliebig oft weiter verteilen können müsste.

        Den Knackpunkt aus dem Lizenzwirrwarr-Überblick (Link siehe Beitrag) mit Apple als kommerziellen Vertreiber verstehe ich nicht so recht.

        sorry das ich hier so nen Wind gemacht habe. Fühle mich als Iphone-User sowieso schon von Apple gegängelt und mir ist bei der News, unreflektiert die Hutschnur geplatzt.

  • http://www.vlc-download.de Axel Windhorst

    Ich hoffe die Android Version oder das App hält länger durch und wird nicht von Android verbannt. Für alle Sicherheitsbewußten, die Windows Version wurde gestern auf 1.1.9 geupdated: http://www.vlc-download.de

  • Pingback: Zweiter Anlauf unter frischer Lizenz: VLC für iOS – iPhoneBlog.de

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