von Alex Olma
8. September 2012 – 10:00 Uhr

Amazon flirtet weiter mit Film, Funk und Fernsehen.

Jeff Bezos präsentierte fehlerfrei. 72 Minuten abgeklärt und einsam auf einer großen Bühne, während die gesamte Technik-Welt zuschaute. Respekt! Nokia und Motorola sollten mal die Aufzeichnung des Kindle-Events studieren und dann hinterfragen wieso ihre Präsentationen so stolperten.

DirektJeff

Das Update für den mittlerweile einzigen wichtigen E-Ink-Reader war erwartet und bedarf bei einem Verkaufspreis von 120 US-Dollar keinem Review. Nee, ernsthaft: Das ‘Gadget’ kann man schon jetzt auf seinen (Weihnachts-)Wunschzettel schreiben (falls es noch nach Deutschland kommt), ohne das das Lesegerät ein Testlabor von innen gesehen hat. Hier macht niemand Amazon etwas vor. Klar, die Hardware mit mehr Pixeln (212 ppi) und einer aufs Display ausgerichteten Hintergrundbeleuchtung beeindruckt, könnte aber auch die Konkurrenz bauen. Es sind die Inhalte, mit denen Amazon seine monopolistische Position für digitale Bücher behauptet.

Zu hoffen ist, dass es die versprochenen Software-Neuerungen, wie beispielsweise die automatische Berechnung der verbleibenden Lesezeit anhand der individuellen Umblättergeschwindigkeit, auch in die iOS-Version schaffen. ‘Whispersync‘, zum Abgleich der Leseposition von Audio- und Textbüchern, wünsche ich mir ebenfalls und unterstreicht: iBooks, du hast aufzuholen!

IPhoneBlog de Kindle Fire

Nun gut. Kommen wir zum Fire, das Zweidrittel der Sendezeit Vorführung beanspruchte. Das Tablet ist bislang als Kiosk für Prime-Kunden erstklassig vermarktet, spielt jedoch nur mit zweitklassiger Soft- und Hardware. Als Gadget für das amerikanische Amazon-Schaufenster funktioniert es, auch wenn konkrete Verkaufszahlen nicht bekannt sind (die kommunizierten 22-Prozent im US-Tablet-Markt sind natürlich Quatsch). Ein iPad-Konkurrent ist das Fire nicht, lehnt sich jedoch verlegen in diese Richtung. Bislang besetzt es vorbildhaft die Kategorie ‘Media Tablet‘.

Das 7-Zoll-HD mit aggressiver Preismarke von 199 US-Dollar (ab 25. Oktober bei uns für 199 €) lässt alle generischen Ramsch-Androids im Regen stehen. Einzig und allein das Google Nexus 7 hat Chancen darauf, nicht überrollt zu werden. Auch Microsoft dürfte diese Klatsche vernommen haben, die mit ihrem ‘Surface‘ noch keine Preis- und Release-Versprechen machten. Das Zusage, ‘wir orientieren uns an der Konkurrenz‘, entwickelt sich mehr und mehr zu einer echten Herausforderung.

Das Kindle Fire HD setzt auf ein aktuelles aber bis zur Unkenntlichkeit modifiziertes Android-OS. Es bleibt durchaus lustig, das Googles eigenes Betriebssystem dafür mitverantwortlich ist, dass sich richtige Android-Tablets nicht verkaufen. Apple und Amazon kommen sich in der aktuellen Aufstellung nicht in die Quere. Apps sind nicht gleich Apps.

IPhoneBlog de Kindle Mail

If it sells well, developers will rally behind it and the Kindle Fire will start to get the same quality of tablet-optimized apps the iPad currently enjoys. No question.

Ob Amazon überhaupt in diese Richtung überlegt, darf man in Frage stellen. Eine ihrer größten Stärken scheint die Einschätzung der eigenen Möglichkeiten. Deshalb positioniert sich das Fire im niedrigen Preissegment, mit Reklame-Zwang* und Bing als Standardsuchmaschine.

Ein iPad Mini könnte die Dynamik vor Weihnachten noch einmal grundlegend umpolen. Aber so weit sind wir noch nicht. Amazon baut in der bewährten Kindle-Strategie sein Tablet im jährlichen Rhythmus weiter aus. Der Fokus liegt unmissverständlich auf Entertainment und nicht auf der Entwicklung einer neuen Computergeneration, wie sie das Retina-iPad anstrebt.

Jeff Bezos sagte über Apples Konkurrenz: “They’re gadgets and people don’t want gadgets anymore. They want services that improve over time”. Wie bereits betont: Er präsentierte am Donnerstagabend fehlerfrei.

* Update: Für 15 US-Dollar lässt sich die Werbung abschalten.

  • MYTHOSmovado

    Die einen nennen das abgeklärt, die anderen sagen dazu eingeschlafener Socken!
    Dagegen ist Tim Cook ja wie ein junges springendes Fohlen auf einer grünen Wiese! LOL

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P
  • http://www.androidradar.de/ Leif


    und nicht auf der Entwicklung einer neuen Computergeneration, wie sie das Retina-iPad anstrebt.”

    Dies schafft aber bisher keiner Ansatzweise. Da muss erst grundlegend etwas am OS verändert werden und mindestens die Möglichkeit geschaffen werden zwei Apps im 50:50 split laufen zu lassen wie es Samsung versucht hat aber auch noch dran scheitert. Am ehesten könnte man den Versuch wohl noch Asus zugestehen mit Keyboard Dock, fullsize USB und derartigen Dingen, aber auch hier fehlt der 50/50 Split. Fullscreen Apps sind einfach hinderlich wenn man etwas produktiv machen möchte.

    • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

      Wenn man die PC-Entwicklung rückverfolgt wäre ich im Moment ehrlich gesagt eher für ein Zweit-iPad um Multitasking zu betreiben. Habe mehrere Jahre lang zwei 17 Zoll Monitore nebeneinander betrieben bis die 24 Zoll Monitore rausgekommen sind.

      Wenn man annehmend darf dass das iPad Mini 7 Zoll sein wird dann kauft man sich zwei davon und schon hat man eine Multitaskinglösung… wenn man denn nicht aus jetzt schon mit dem Task-Switching zufrieden ist.

      Das Problem im Moment ist meiner Auffassung nach weniger die Bildschirmfläche als dass wenn ein Programm zu speicherintensiv ist wenn man zwischen drei Programmen hin und her wechselt der Speicher voll ist und das Programm quasi aus dem letzten Zustand neu gestartet wird. Ich seh das immer ganz gut wenn ich zwischen gReader und Chrome wechsle und dann zwischendrin die Podcast-App starte. Auf einmal muss die Seite in Chrome komplett neu aufgebaut werden, sprich ich warte wieder 15 Sekunden bis ich überhaupt sehe was ich da als letztes offen hatte. So kann kein Mensch multitasken.

      Bevor das in Android nicht geregelt ist kann ich gepflegt auf 50/50 Bildschirmsplitting verzichten. Entweder ist nicht genug RAM im Gerät oder das OS kann es nicht. Ich tippe eher auf’s RAM.

      • http://www.potatocows.com/,http://www.stimunation.com/ ChiefPotato

        Zu wenig Speicher hardwareseitig vorhanden ist eher immer weniger das Problem, zumindest bei den besseren der neuesten Geräte.
        Da hatten einige meiner älteren Rechner von vor einigen Jahren weniger Speicher und die konnten trotzdem schon voll Multitasken im Gegensatz zum iPad.
        Der Hauptunterschied ist dass bei den ARM Smartphones und Tabletts von Apple (und auch bei den meisten guten der Konkurrenz) seit der Zeit von wenig Arbeitsspeicher die (Arbeits)Speicherverwaltung so angelegt wurde, dass der Ansatz ist möglichst wenig im Ram zu halten und auch möglichst wenig VRam zu beanspruchen und folglich möglichst alles aus dem Speicher zu kicken sobald irgendwie ansatzweise möglich.

        Das wurde dann an mehreren Punkten so umgesetzt, dass nur eine App voll aktiv sein kann, Apps die zuviel Speicher beanspruchen mal eben vom System gekilled werden (das ist dann der automatische Exit zum Homescreen) oder z.B. die Apps in der Liste der “offenen” Apps im Hintergrund eine nach der anderen gekilled werden wenn Speicher benötigt wird oder auch solche Dinge wie das einige Apps wie Safari eben schonmal gerne Seiten neu laden statt alle im Speicher zu halten.
        Und anders als bei nem PC sind diese Grenzen die festlegen wieviel Speichernutzung zuviel ist halt nicht das Hardware Limit alleine sondern auch wesentlich mehr vom OS mitbestimmt, auf alten Geräten/OS Versionen wurde ne App zB teilweise schon bei 20-30 MB Speichernutzung gekickt obwohl das Gerät selber wesentlich mehr Speicher hatte.
        Man wollte eben einfach vermeiden, dass “essentielle” Gerätefunktionen wie telefonieren nicht mehr ordentlich laufen weil irgend eine App zuviel Speicher benötigt.
        Der Speicher ist eben oft garnicht wirklich voll, Apps kriegen aber eben nur ne bestimmte Menge ab weil sicher gestellt werden soll dass der Speicher möglichst oft eher nicht voll sein soll.
        Im Gegensatz zu nem PC wo man viel mehr des vorhandenen Speichers einfach nutzen kann ohne das das Betriebssystem sagt nö, bei dieser Version ist da Schluß für dich bei 20, 50,100 oder 250 MB.
        Das hat alles auch Sinn gemacht als die Geräte extrem wenig Ram hatten, macht halt jetzt immer weniger Sinn und macht natürlich auch echtes Multitasking kaum möglich wo man mehrere Apps gleichzeitig voll laufen hat und sich auch drauf verlassen können sollte dass die App jetzt nicht gerade alles schon geladene nochmal neu lädt weil ne andere App zwischendurch auch mal etwas Speicher gebraucht hat.
        Sieht man ja jetzt aktuell auch wieder an den neuesten Samsung Tabletts wo sie Splitplane Multitasking anbieten wollen, dass aber eben mit diesem Ansatz total halbgar wirkt wo wenn nur eine App wirklich aktiv im Speicher ist und richtig läuft dass immer erst ein paar Sekunden braucht bis die zweite App im Splitpane reagiert sobald man sie fokussiert.
        Immer noch wesentlich besser als beim iPad wo man garnicht zwei Apps gleichzeitig offen laufen sehen kann (außer via Jailbreak Cydia App) aber auch nicht dass was man will.
        Zumindest den Teil wo Apps komplett gekilled werden ohne dass der aktuelle Stand komplett gespeichert wird müsste man halt dann für echtes Multitasking reduzieren, wenn nicht gar den Ansatz komplett ändern sodass zumindest zwei Apps gleichzeitig komplett am laufen sein dürfen.
        Apple scheint mit dem aktuellen Ansatz ja aber hochzufrieden, wenn man sich betrachtet, dass sie eher diesen iOS Ansatz teilweise auf Mac OS portieren statt andersrum.

  • http://twitter.com/georg_ georg_

    ‘Whispersync‘, zum Abgleich der Leseposition von Audio- und Textbüchern, wünsche ich mir ebenfalls und unterstreicht: iBooks, du hast aufzuholen!”

    Also, wenn ich auf meinem iPad etwas mit iBooks lese und später in der UBahn iBooks auf meinem iPhone iBooks öffnen ist es genau an der Leseposition, wo ich aufgehört habe, auf meinem iPad zu lesen. Welches Problem meinst Du denn genau? Bzw. was geht bei Dir nicht?

    Kindl kann nur proprietäre Formate lesen und versteht kein epub. Das ist mein Killerargument gegen Kindl.

    • http://www.iphoneblog.de/ iphoneblog

      Minute 44 im Video beschreibt den Sync zwischen Audio- und Textbüchern.

  • http://www.potatocows.com/,http://www.stimunation.com/ ChiefPotato

    Apple hat mit dem iPad ganz klar eben gerade nicht vor die nächste Computergeneration zu erstellen.
    Das ist doch gerade der Punkt, dass sie anstreben etwas zu machen was nicht ein PC sein soll, weil es sich marketing technisch besser anhört nennen sie es Post PC, aber es ist doch klar, dass sie eben nicht vorhaben dass wirklich alle PC Nutzer keine PCs mehr nutzen weil das iPad wirklich die nächste Generation in dieser Kategorie wäre, nein, es soll eben ein Gerät sein, dass für Basis PC Anwendungen reicht und daneben hauptsächlich nen Fokus auf Konsum hat.Kann man an genug einfachen Beispielen nachweisen, wie z.B. dass man sich schwer tun wird auf dem iPad rübergesyncte Photo Alben zu editieren. Wenn selbst solche Basisdinge nicht ohne Rechner gehen, naja..Wos dann endgültig aufhört Sinn zu machen beim iPad von einer nächsten PC Generation zu reden ist wenn man die App Store Richtlinien durchliest und da Dinge drinstehen, die ganz klar verbieten Apps einzureichen die es erlauben zur Laufzeit Code zu compilen etc, also folglich kann man nichts einreichen dass es erlaubt neue Apps zu erstellen.Wäre also gar nicht gut für “die nächste Computer Generation” und deren App Auswahl wenn es keine herkömlichen Computer gebe auf denen man den Content/die Apps erstellen kann.Ist verständlich, dass in einem Blog wie diesem ein iPad in eine andere Kategorie als ein Kindle Fire gesteckt werden soll (den Fehler machen auch genug andere Blogs), unter den Nutzern würden aber trotzdem beide wohl bei den meisten Leuten für so ziemlich ähnliche Anwendungsfälle genutzt werden und somit genauso wenig oder viel (je nach Nutzertyp) nen Rechner ersetzen können oder nicht.
    Ob Apple jetzt den Fokus bei der Werbung mehr auf Apps legt und Amazon bei der Werbung den Fokus eher auf den Medien Konsum macht nicht soo viel aus wenn es bei beiden im wesentlichen das selbe Funktionsspektrum in Hardware und Software gibt als auch sehr ähnliche vordefinierte Beschränkungen im OS die sonstiges verbieten.
    Wenn man wirklich sehen will wie es aussieht wenn sich einer (egal ob schlecht oder nicht) an einer wirklichen nächsten PC Generation probiert, dann sollte er sich das Surface ankucken.

    So oder so, mal kucken ob Kindle Fire, Surface oder Google Nexus sich zur ordentlichen iPad Konkurrenz mausern was ordentliche Absatzzahlen angeht.

  • http://www.facebook.com/people/Martin-Ernst/100000710829284 Martin Ernst

    “Das 7-Zoll-HD mit aggressiver Preismarke von 199 US-Dollar (ab 25. Oktober bei uns für199 €) lässt alle generischen Ramsch-Androids im Regen stehen. Einzig und allein das Google Nexus 7 hat Chancen darauf, nicht überrollt zu werden.”

    Zwerge werden von Zwergwellen überrollt. Wie viele Multimedia Kindle wurden bisher wirklich verkauft? 3 Millionen? 5 Millionen?

    • http://www.sebbi.de/ Sebastian H.

      Wie viele Porsche 911 wurden verkauft? Ipad ist halt der Volkswagen … hehe ;-)

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P
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