Risikolos: Need for Speed™ Most Wanted

von alex olma | 31. Oktober 2012 | 17:53 Uhr

Need for Speed Most Wanted (5.99 €; universal; App-Store-Link) fehlt Persönlichkeit. Selbst nach drei Spielstunden kann ich die zehn (kurzen) Rennstrecken, auf denen unterschiedliche Asphalt-Disziplinen stattfinden, nicht auseinanderhalten. Markante Kurven oder spitz zulaufende Tunneleinfahrten, die sich ins Muskelgedächtnis einbrennen, fehlen. Computergesteuerte Straßen-Rowdies, die mit euch gemeinsam auf die Ziellinie zubrettern, ähneln Geisterfahrern und sind nur durch Nummern von einander zu unterscheiden.

Über den Polizeifunk krächzt es immer wieder die gleichen Phrasen – Straßensperre hier, Nagelbrett dort. Für Preisgelder, die mir das nächste Lizenzauto finanzieren, wiederhole ich unzählige Male den gleichen Rundkurs ohne dafür auch nur einen schulterzuckenden Kommentar aus den Reihen der Spielführung zu bekommen. Der Verfolgungsjagd fehlen mitreißende Renn-Buggy-Momente – alles fühlt sich abgekartet an.

IPhoneBlog de NFS Most Wanted

Soweit meine muntere Einleitung. Viel mehr ist an der großen EA-Franchise, umgesetzt von den ‘Real-Racing’-Firemonkeys, allerdings nicht zu kritisieren. Der Straßenschotter glänzt; die Lichtreflektionen der nächtlichen Metropole und die Feuerfunken, die euch beim Zusammenprall mit der Leitplanke um die Ohren fliegen, heben das Grafikniveau von iOS-Rennspielen auf ein selten gesehenes Level. Davor ziehe ich meinen Hut.

Im Gegensatz zu Most Wanted auf der Konsole schaukeln iPhone- und iPad-Piloten ihre Viper, ihren Hummer oder Porsche nicht durch eine offene Welt sondern nur über klassische Rennspiel-Rundkurse. Warum so wenig Mut?

Polizeistreifen nehmen keine Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden und kreuzen die Ideallinie hemmungslos. Die Kollisionsabfrage, die dazu führt einen Ordnungshüter ‘abzuschütteln’, funktioniert nur in bestimmten Winkeln. Die Crash-Begeisterung hält sich deshalb in Grenzen. Auch hier hätten mehr Burnout-Autorität gut getan.

Die zwei Steuerungsmodi funktionieren ohne Tadel. ‘Drifts’ leiten präzise eine langgezogene Kurve ein und die Nitro-Leiste für eine Extraportion Geschwindigkeit lässt sich fein dosieren. Das Gaspedal drückt für euch der Computer.

Mein Resümee lautet: exzellente Technik, risikolose Umsetzung. Trotz aller Kritik fordere ich jedoch keine Spielminute zurück. 6 Euro kaufen einen kurzweiligen Highspeed-Ausritt für Zwischendurch.

  • Sivi

    Wirklich schön und treffend geschrieben. Seit ich das Spiel geladen und ähnlich viele Spielstunden damit verbracht habe, komme ich mir irgendwie mittlerweile selbst schon zu anspruchsvoll vor. Technisch wirklich toll, fühlt sich das Spiel für mich irgendwie nach einem klassischen “Hm, da fehlt irgendwie was” an. Jammern auf hohem Niveau?

    Auch ich möchte keine Spielminute missen, weiß aber jetzt schon genau, dass das Spiel nicht lange auf meinem Device bleiben wird. Das ist doch irgendwie schade, oder? Nicht um die 6 Euro, die ich bereits jetzt voll ausgekostet habe, sondern eher um eine Lizenz, die mich seit vielen Jahren begleitet. Die (mittlerweile selbstverständlichen) In-App-Käufe runden einen irgendwie schalen Beigeschmack dann endgültig ab.

    Keine Frage, man muss nichts kaufen, aber wie du schon geschrieben hast, spielt man (im Gegensatz zu älteren PC-Titeln der Reihe) Strecken öfter durch, damit man sich einen neuen Boliden leisten kann. So richtig Spielfluss stellt sich da bei mir nicht ein, sondern eher ein dezenter, nicht laut ausgesprochener Hinweis, auf die “Abkürzung: InApp!”.

    Aber wie gesagt, das Spiel ist gut und vermutlich bin ich nur ein gealterter Spieler, der sich mit der Kurzlebigkeit, die ich bei diesem Spiel vermute, noch nicht so recht anfreunden kann.

  • http://twitter.com/ulukai uLuKaI

    Finde ich die Option nur nicht oder kann man die Autos wirklich nicht mehr “tunen”? Also stärkerer Motor, besseres Fahrwerk, Gewichtsreduktion etc? Das wäre ja echt schade dann :-(

    Naja, die Grafik macht schon einiges her, habe es mir auch mal geladen – obwohl es spätestens zu Weihnachten bestimmt um einiges billiger im Store angeboten werden wird. Hoffentlich lässt sich mit dieser schicken Grafikengine in Zukunft auch mal ein Open World Racer bauen. Dann wäre vieles erreicht.

    • http://www.iphoneblog.de/ iphoneblog

      Nee, Tuning flog. Aber man kann die Farbe der Wagen ändern…

      • http://twitter.com/ulukai uLuKaI

        Das mit der Farbe hatte ich auch gesehen, die stört mich selten und ist auch für das Gameplay uninteressant. Schade.

  • Thorwan

    Most Wanted ist wirklich ein Hingucker, insbesondere auf dem iPhone 5. Wie auch bei den Heimkonsolen-Versionen liegt der Fokus aber auch hier mehr auf dem asynchronen Multiplayermodus als auf dem Solospaß. Das Problem ist allerdings, dass dieser nicht über GameCenter oder OpenFaint läuft, sondern über Origin. Problem deshalb, weil kaum jemand eine sinnvolle Menge an Originnutzern (und gleichzeitig Rennspielfans) kennen dürfte, um wirklich den Multiplayermodus genießen zu können.

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