von Alex Olma
25. November 2010 – 11:37 Uhr

[update] Apple versucht App-Store-Masseneinreichungen zu unterbinden. Aktuelles Beispiel: Radio-Stationen

Erneut große Aufregung in App-Storehausen: Auf RadioMagOnline.com berichtet Jim Barcus, Geschäftsführer von Digital JukeBox, dass Apple 10 ihrer Radio-Anwendungen ablehnte. Das geschah laut seinen Aussagen am 10. November. Und auch danach sollen ‘many more‘ es nicht über den Genehmigungsprozess hinaus geschafft haben.

Seine ‘Beschwerde-Mails’ lassen die Gründe der Ablehnung weitgehend im Unklaren, da nicht zweifelsfrei aus seinen Beschreibungen ersichtlich ist, was als Zitat eines App-Store-Mitarbeiters gilt und auf welchen Paragraphen der App-Store-Richtlinien sich dabei gestützt wird. Das, was in der spontanen Beißreflex-Berichterstattung hängen blieb, ist ein Absatz, der zum Teil in Anführungszeichen (sprich: ein wörtliches Zitat) gestellt wurde:

On Nov. 10, 2010, we had 10 radio station apps rejected by Apple because Apple says “single station app are the same as a FART app and represent spam in the iTunes store” and Apple “will no longer approve any more radio station apps unless there are hundreds of stations on the same app.”

Das Problem ist hier natürlich die Verallgemeinerung, bei der ein aktueller Einzelfall zum ‘Massenproblem’ aufgeschaukelt wird.

Jim Barcus selbst führt den Absatz der Guidelines “2.20 Developers ‘spamming’ the App Store with many versions of similar apps will be removed from the iOS Developer Program.” in die Diskussion ein. Das lässt tief blicken, verrät aber nicht, wie viele (möglicherweise identischen) Anwendungen das Entwickler-Konto von ‘DJB Radio Apps’ übermittelte. Auf dessen Webseite zeigt sich ‘lediglich’ die Praxis, mit der ‘DJB Radio Apps’ Programme für Android, Blackberry und iOS produziert.

Here is what we need from you” führt an: Ein Logo, eine Streaming URL, 325 Zeichen Beschreibung sowie ein Facebook-, Twitter- oder MySpace-Link. Die ganz ‘individuelle’ App für $199.99 US-Dollar. Großartig!

Ein angebliches Argument der zuständigen App-Store-Review-Mitarbeiter (diesmal ohne Anführungszeichen) über “enriching end user experience” wird von Barcus mit der Information gekontert, dass man doch mehr als 37.000 Downloads pro Monat verzeichnen würde. Schlagfertig, aber am Thema vorbei.

iPhoneBlog.de_DJB.jpg

Natürlich ließ es sich die Geschäftsführung von Digital JukeBox nicht nehmen, den E-Mail-Account von Steve Jobs zu kontaktieren. Dessen Antwort “Sorry, but we’ve made our decision.” steht jedoch in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit den angeführten Vorwürfen. Das lässt sich ziemlich leicht recherchieren, wenn man die von Jim Barcus veröffentlichte Ausgangs-E-Mail einfach mal lesen würde…

Stichwort ‘gehaltvoll': Entgegen vielen Berichten, die über böse Apple-Machenschaften und den unschuldigen App-Store-Spammer schreiben, kommt ‘Your Tech Life’ mit “Apple vs the Radio Industry? Not Quite” zu substanziellen Schlüssen:

My own summary is that App developers submitting identical apps with just a logo/stream change under their own developer accounts are not looked well upon. [...] Moral of this story for Radio stations – be creative, own the rights, own the application submission.

Ohne Frage: Der App Store ist mittlerweile mehr als ein Vertriebskanal. Er ist ‘Show-Room’ und Präsentations-Plattform. Da möchte man Präsenz zeigen. Dann sollte man diesem Auftritt jedoch auch die entsprechende Zuwendung entgegenkommen lassen. ‘This American Life‘ liefert beispielsweise ein solches Stück Vorzeige-Software für ihre US-Radio-Show ab.

Radiosender, die nicht viel Geld in eine App-Store-Eigenentwicklung stecken wollen, sollten sich darauf besinnen, zuallererst den Stream ihres Rundfunksenders (komfortabel) auf mobilen Geräten anzubieten.

Vielleicht liege ich aber auch komplett falsch und ‘Single-Radio-Stations’ fliegen in den nächsten Wochen nach und nach aus dem App Store. Vorstellen kann ich mir dies jedoch nicht. Der App Store ist und bleibt mit seiner gezwungenen Regulierung ein schwieriges Pflaster. Gefangen zwischen Spam-Einsendungen und Wachstums-Druck. Dabei bezieht sich das aktuelle Beispiel nach meiner Interpretation jedoch nicht auf den Bereich Radio-Stationen sondern auf Firmen, die ein und dieselbe Programm unter verschiedenen Flaggen ins iTunes prügeln.

Update

Radioszene.de veröffentlicht eine telefonische Apple-Stellungnahme:

Apple wird keine Radio-Apps löschen oder den Zugang von Radio-Apps zum Apple-Store verweigern. [...] Apple bestätigte, dass identische Apps – welche von nur einem Entwickler bereitgestellt werden – nicht mehr aktiviert werden. [...] Die Regelung gilt auch für Zeitungen und andere Bereiche. Wird die App aber direkt vom Radiosender hochgeladen, stellt dies kein Problem dar. Auch können Radiosender über den eigenen Account mehrere Apps hochladen.

  • Silentfux

    Die sachliche Stimme im allgemeinen Empörungssturm. Find ich gut. Deswegen lese ich hier und bei Leo, statt bei macnotes und Konsorten. Dort wird zu oft erst gebasht, dann der Sache auf den Grund gegangen. Wenn überhaupt.

  • Anonymous

    Signed :)

  • Janis Becht

    Ich kann die Entscheidung seitens Apple vollkommen nachvollziehen. Kann sein, dass ich mir jetzt keine Freunde unter den Entwicklern mache, aber ist es denn nicht zu verstehen, dass Apple für eine gewisse Qualität sorgen will? Ich möchte auch lieber eine tolle App mit einer super Optik für alle Radiostationen haben, als eine große Vielzahl. Dafür gebe ich dann gern ein paar Euros aus! Ich glaube schon, dass Apple da einen richtigen Weg geht und in Zukunft nur noch sehr hochwertige Apps zulässt. Klar, die Entwicker wird’s nicht freuen, aber vielleicht ist es ja auch Ansporn, tolle Sachen zu entwickeln. Wir sehen doch das der Marktplace von Android zu einer Ramschbude verkommt. Apple will tollen Content!

  • http://twitter.com/carlitopalm carlito palm

    schon, schon. aber als user mag ich meine single-radio-station-app sehr gern: ich mags, wenn ich ohne großes einstellen, nur mit einem tap aufs vertraute sender-logo meine FM4-musik höre. gut und praktisch und schnell und nett anzusehen ist das schon! (okay die fm4-app kann auch noch die tracklist anzeigen und ist deshalb schon ein bisschen mehr als die beschriebene programmerln von der stange.)

  • Oliver

    Danke. Endlich mal jemand, der in der Lage ist zu reflektieren und nicht einfach kritiklos den Mist aus den anderen Blogs abschreibt. Rege mich schon den ganzen Tag über die Berichterstattung, aka Abschreiben, zu diesem Thema auf.

  • mec

    Hmmm,
    die nicht gegebene Einzigartigkeit einer App kann kein Ausschlusskriterium sein – das ist schon sowas wie Zensur finde ich. Wenn man das auf andere Bereiche überträgt, müsste Astra die Ausstrahlung der meisten Fernsehprogramme verweigern, weil die sich zu ähnlich sind – überall läuft der gleiche Müll von der Koch-Show bis zur Talentshow.
    Hier geht es nicht darum, ob ein Kiosk-Besitzer nebenan eine bestimmte Cola-Marke nicht verkaufen mag. Es geht um die Willkür eines Monopolisten, bestimmte Informationsquellen zuzulassen und bestimmte nicht. Auch die Entscheidung, ob nun besagte Radiostation eine journalistische Informationsquelle ist, hat nicht ein Monopolist zu treffen. Die Entscheidung trifft letztlich der Konsument mit seinem Download und seiner Bewertung im App-Store – allerdings schaut sich besagter Konsument auch klaglos die Koch- und Talentshows an. :-(

    Anders formuliert: Wenn das Recht genommen wird, sich Informations-Müll auf sein iPhone zu laden, dann ist das auch Zensur. Das ist dann doch deutslcih zu unterscheiden von dem Schutz vor technisch unzuverlässigen oder böswilligen Apps.

    • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

      Ernsthafter Vorschlag: Ein Button zeichnet ‘getestete Apps’ aus, ansonsten wird alles zulassen.

      Der ‘Zensur-Vorwurf’ stimmt, betrifft dann jedoch alle Teile des Netzes. Dein E-Mail-Provider zensiert auch Spam-Mails. Die müssten aber doch eigentlich das gleiche Recht auf einen Platz in deiner Inbox besitzen, oder?

      • http://www.potatocows.com/ ChiefPotato

        naja, den Spam Mail Vergleich find ich jetzt nicht passend, weil man da je nach Provider doch schon den Spam Filter ein-bzw. ausschalten kann und sogar die besseren Filter trainiert werden, nach und nach also eher die Arten von Mails ausfiltern, die man auch schon vorher mal als Spam markiert hat.
        Ist also im aktuellen App Store absolut nicht so, weil Apple da den Filter an/aus Knopf hat und auch die “Filter” Regeln setzt, nicht der End Benutzer.

        Ich fänds sinnvoll, wenns genau so nen “Spam Filter” für den Store gäbe, wie für Emails: Man kann als Nutzer einstellen, ob nur von Apple “approvte” Apps dargestellt werden, oder alle und dann kann man den Spam Filter auch individuell trainieren, dass es dann z.B. keine Apps mehr anzeigt, die “Fart” in der Beschreibung enthalten, wenn man das Wort geblacklistet hat oder genug Fart Apps als Spam markiert hat.

        Das wärs doch ;-)

        So wies jetzt läuft ist es ganz klar eine Zensur, es geht ja nicht nur drum, dass Apps, die einen Stream ziehen blockiert werden, es werden ja noch ganz andere Dinge blockiert, siehe bestimmter Content ab 18 oder auch etwas das zu sehr als Konkurrenz gesehen wird, wie z.B. mal ne Google App.
        Das Ganze ist auch eine mindestens zweischneidige Sache: Einerseits zeigt der Android Markt, als auch teilweise der App Store Markt, was passiert wenn zuviel Nonsens rausgehauen wird, die Preise sind im Keller (was sich letztendlich dann längerfristig oft auch auf die Qualität der Apps auswirkt) und für Entwickler als auch Nutzer ist es ein kaum überschaubarer Marktplatz. Andererseits ists halt auch schwierig, sobald der Platform Halter für alle Kunden vorschreibt, was denn nun genau Nonsens ist.
        Umso mehr, wenn sich diese Kriterien alle paar Monate zu ändern scheinen.
        Ich kann mich noch gut erinnern, wie ein paar der Apps, die jetzt nicht mehr als ok zählen vor ein paar Monaten noch von Apple gepimpt wurden. Jetzt will man grad mehr die Print Industrie auf dem iPad an Bord holen, wie siehts dann in nem Jahr aus, wenn es viele Print Mag Apps gibt, darf dann auch keine App mehr in den Store, weil sie nur eine einzelne Zeitschrift abbildet?

        Ich hab ja schon nen möglichen Ansatzpunkt oben angesprochen, andere Optionen wären z.B. dass man wie Microsoft auf der Win 7 Platform nur ne gewisse Anzahl von Free Apps pro Entwickler pro Jahr für lauf testet und approved, den Rest (falls sie kein in App Purchase haben) nur gegen Aufschlag.
        Das würde schonmal viel vom Wust und Abzock Programmen eliminieren.
        Dann noch (auch wie bei Win 7) ne Option für Demo Mode und Voll Version freischalten erlauben und sogar das ganze einfach umsetzbar machen, mit einem Api Aufruf. Dann gibts auch schon wieder viel weniger “Lite”, “Free” etc Versionen von Apps und wo, dann eher sinnvolle Versionen.

        Diese und andere Möglichkeiten “sinnvoller” den Wust an Apps einzudämmen fänd ich besser, als willkürlich nach aktueller Gusto für alle Nutzer zu entscheiden.
        Ich persöblich würd auch eher ne Radio App hernehmen, die entweder sehr viele Stationen drin hat, oder, wenn es nur eine featured, dann aber richtig, wie eben die American Life App, aber wie es einer der Kommentare unten zeigt, jemand anderes könnte es eben auch einfach gut finden, wenn er ein Icon drückt und dann einfach die eine Station hört, die er mag.
        Jedem das seine.

        So wie es aktuell ist, ist es re Regulierung so, als wäre es mit dem App Store bei einem Extrem, der Android Markt ist beim polaren anderen Extrem. Beides extremer Mist =)

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