[update] Verlagsbranche: “Good iPad, Bad iPad”

von Alex Olma | 6. Dezember 2010 | 21:27 Uhr

Horizont.net berichtet am gestrigen 06. Dezember, dass Apple einigen deutschen Verlagshäusern die Kombination aus einem Zeitschriften-Abonnement mit subventionierter iPad-Hardware zukünftig untersagt. Der Focus zitiert Hans-Joachim Fuhrmann vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger: “Wir hatten eine klare Zusage von Apple, dass die Verlage solche Pakete anbieten können”. Horizont.net schreibt: “Diese Erlaubnis habe das Unternehmen nun ohne Begründung zurückgenommen. Zu Details wolle sich Apple nicht äußern.”.

Auf Nachfrage vom iPhoneBlog.de bestätigte die Autorin des Artikels Bettina Neises, dass es sich um Kombi-Pakete von Hardware mit einem (mehrjährigem) Print-Abo handelt. Dem Online-Artikel fehlt diese eindeutige Aussage.

Sowohl Apple als auch der von Horizont zitierte Hans-Joachim Fuhrmann äußerten sich bislang nicht gegenüber dem iPhoneBlog. Update: siehe Aktualisierung unter diesem Artikel/Update-Ende Unklar bleibt, welche “klaren Zusagen” im Vorfeld stattfanden und welche Bundle-Angebot jetzt (angeblich) vom Gerätehersteller unerwünscht sind. Grundsätzlich lassen sich beliebige Produkte (beispielsweise als sogenannte ‘Kunden-werben-Kunden’-Prämie) an zahlungswillige Abnehmer weitergeben. Mit entsprechenden Subventionen dieser Produkte, gestaltet sich ein solcher Vertrieb jedoch weitaus rentabler.

via Horizont.net (Danke, piercyha!)

Das Handelsblatt bietet bereits seit einiger Zeit, gegen Zuzahlung von 100 Euro, das iPad für ein zweijähriges Jahresabonnement an. Über die gesamte Laufzeit schlägt das Abo mit 998 Euro zu Buche. Aktuell lässt sich das Gerät in Verbindung mit einem Zeitungs-Abo noch weiter bestellen. Eine Nachfrage an das zuständige Verlagshaus, ob die Prämie ‘iPad’ auch in Zukunft noch bereitsteht, blieb bislang unbeantwortet.

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Ob Apple generell ein Interesse daran hat, Hardware für Print-Angebote zu subventionieren, ist zumindest in Zweifel zu ziehen. Angeblich arbeitet die News Corporation von Rupert Murdoch eng mit Apple an einer täglichen Digital-Zeitung namens ‘The Daily’ für das iPad. Im gleichen Atemzug soll ein Abo-Modell für Apples Tablet in Startposition gebracht werden, das als “digitaler Knotenpunkt“, ähnlich dem Apple iBookstore, für diverse Zeitungen bereitsteht. Das ‘Kiosk-Modell’ wäre im Gegensatz zum Vertrieb über separate App-Store-Anwendungen, ein zentraler Anlaufpunkt für alle iOS-Kunden.

Apple bietet Verlegern derzeit mehrere Vertriebswege für ihre Veröffentlichungen. Dabei können die Inhalts-Anbieter eigenständig entscheiden, ob sie ihrer aktuellen Kundschaft einen kostenlosen oder kostenpflichtigen Zugang zur iPad-Version ermöglichen. ‘The Economist‘ (kostenlos; App Store-Link) ist eines der Vorzeige-Beispiele, die ihren aktuellen Print-Kunden – über einen individuellen Web-Login – auch gleichzeitig die digitale Ausgabe ‘gratis’ zur Verfügung stellen.

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Mit ‘Project‘ (kostenlos; App Store-Link), einem Magazin der britischen Virgin Group von Richard Branson, erreichte Ende November eine Publikation den App Store, die derzeit ausschließlich digital über Apples iPad vertrieben wird. ‘Project‘ bietet in Anlehnung an das Wired Magazin kombinierte Grafik-, Video- und Text-Inhalte. Neben ein paar Kinderkrankheiten in puncto Performance und Benutzerführung ist der Ausgabepreis von 2.39 € durchaus fair. Insbesondere wenn man die Qualität und Aufbereitung der Inhalte zugrunde legt. Diese unterliegen selbstverständlich persönlichen Präferenzen.

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Derzeit herrscht in puncto technischer Umsetzung noch ein erheblicher Lern- und Lehr-Effekt, sowohl auf Seiten der Produzenten aber auch Konsumenten, die zeigen müssen was sie annehmen und was nicht. Das App-Store-Programm des britischen ‘Guardian’ zeigt diesen ‘Ausprobier-Charakter’ exemplarisch: Die 3-Euro-Anwendung für den nativen Informations-Konsum läuft in naher Zukunft aus. “Version 2″ soll das Programm ersetzen und mit einem Jahres- und Halbjahresbeitrag von 3.5 Euro beziehungsweise 5 Euro belegen.

via guardian.co.uk

Update

Per E-Mail reicht Hans-Joachim Fuhrmann vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger dieses Statement nach:

Zur Klärung des Sachverhalts: Es geht nicht um das Einverständnis von Apple für die Koppelung der Tablets-Hardware mit einem Zeitungsabonnement. Es geht um die gemachte Zusage von Apple, dass interessierten Verlagen iPads in größerer Stückzahl zur Verfügung gestellt werden, um diese an ein Zeitungsabonnement gekoppelt im Markt unterzubringen. Diese Anlieferung höherer Stückzahlen wurde für uns völlig überraschend seitens Apple gestoppt. Die Gründe hierfür kennen wir nicht.

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