Apples iBooks-Author-Eula

von Alex Olma | 23. Januar 2012 | 14:34 Uhr

Leute, die sich über anderer Leute Aufregung aufregen, sind mir die Schlimmsten. Okay, dann wollen wir mal…

Ein einzelner Paragraph der iBooks-Author-Softwarelizenz erregt die Nation (1, 2, 3 und 4):

Wenn Sie für ein Buch oder ein anderes Werk, das Sie mit dieser Software generieren (ein „Werk“), eine Gebühr verlangen, dürfen Sie dieses Werk nur über Apple (z. B. im iBookstore) verkaufen oder verteilen, wobei diese Verteilung einem separaten Vertrag mit Apple unterliegt.

Um die ‘Empörung’ nachzuvollziehen ist es wichtig, Apples Entscheidung, seinen iBooks(!)-Lehrbüchern ein proprietäres Dateiformat aufzudrücken um nicht auf langwierige Standardisierungsprozesse zu warten, im Hinterkopf zu behalten. Dieser diskussionswürdige Umstand ist jedoch klar von der aktuellen Diskussion um das Lizenzregelwerk zu trennen.

Zugegeben: Die Übergänge gestalten sich fließend wenn man beachtet, dass die finale Entscheidung über eine Buchveröffentlichung, genau wie jedes iOS-Programm für den App Store, in Apples Händen liegt.

Soviel der einleitenden Worte…

IPhoneBlog de EULA

Die kompakteste Bloßstellung schrieb diesmal Sascha Segan für PCMag zusammen, der dem folgenden Absatz…

Fortunately, it doesn’t look like Apple owns the actual words of your book; it looks, to my non-lawyerly eye, that if you took the text out and reformatted it in a different app you could sell it elsewhere. But I’m not sure of that.

…die Überschrift “You Work For Apple Now” nachschob. Ja, ernsthaft.

Doch das Unverständnis ist nachvollziehbar: “Apple’s iBooks Author EULA Restriction is Dumb, Not Evil“. Zu bedenken ist: “All EULA’s are in place to benefit the service provider, not the end user“. An Beispielen, angefangen von Sony (“Don’t Sue Us“) über EA (“Origin wants to scan your PC“) bis Dropbox (“All Your Data Belongs to Us“) mangelte es – allein im Jahr 2011 – nicht.

Nicht falsch verstehen: Apple bezieht zurecht Prügel dafür, beim “Wir-versuchen-mal-wie-weit-wir-den-Bogen-spannen-können”-Spielchen mitzumischen. Dan Wineman, der initiativ die Diskussion ins Rollen brachte, veröffentlichte einen lesenswerten Update-Artikel, der mit besonders naiven Fragen “If you don’t like it, don’t use it!” oder “iBooks Author is free, so Apple deserves a cut.“) abrechnet.

Auch wenn’s (vermutlich!) wenig praktischen Unterschied macht: Apple ist gut beraten, diese Passage umzuschreiben beziehungsweise ‘breitgeklopfte’ Worte wie “work” zu spezifizieren. Nicht zuletzt deshalb, um auf den Schwerpunkt der eigenen Präsentation zurückzuführen.

So am I bothered by the iBooks Author EULA? No. But maybe that’s because I’ve been signing contracts with traditional publishers for so long. I’m fairly certain the terms of iBooks Author will change. But, whether it does or doesn’t change, I’m very excited about the future.

Ich bin ernsthaft gespannt, ob iBooks Author (kostenlos; MAS-Link) gemeinsam mit iTunes LP in einer traurigen Ecke stirbt oder den Startschuss für eine (überfällige) Revolution kommerzieller Lehrbücher einläutet.

  • http://twitter.com/ultimatemoe Moritz

    Ob das alles so in Steve’s Sinne ist..?
    Man könnte so ein Buch ja auch in einem Bundle mit einer Dummy-App verpacken und dafür geld kassieren.
    So als “Hey weil du unsere Produkt gekauft hast geben wir dir dieses Buch GRATIS dazu!”

    Grauzone? Oder rechtlich undenkbar?

    • Pupsi2000

      Welchen Sinn hätte es wenn etwas in Steves Sinne wäre? Es geht ja wohl hier immer noch darum, was für den Kunden am besten ist. Und geschlossener Müll zählt sicher nicht dazu.

  • Jens Krahe

    Ich hoffe letzteres. Ansonsten wird es keiner schaffen. Die Aufregung um die EULA verstehe ich auch nicht. Alternative ist es wie Adobe das Programm für mehrere TSD. €/$ zu verkaufen, was Geschäfsmodelltechnisch überhaupt keinen Sinn macht.

  • http://twitter.com/frankstohl frankstohl

    Also ich finde 
    iBooks Author schon mal klasse. So kann man von seiner Party, Urlaub etc. ein schönes digitales Buch mit Fotos, Filme und Text gestalten und schnell an meine Freunde mit iPad verteilen – der Rest bekommt es als PDF. Man muss also für jede Party keine Subdomain mit Homepage machen oder diese bei flickr… ach, es ist halt einfacher.

    Die iTunes-LP konnte ja keiner selbst erstellen, und die Verlage/Künstler haben wohl für diesen Mehrwert keine Lust/Geld, daher schlecht zu vergleichen.

  • http://twitter.com/simpson3x tweetNey

    Alex, vielen Dank für den Artikel!
    Die kommerzielle Nutzung einer Software wird doch in der Regel immer eingeschränkt. Dies ist auch bei Microsoft Produkten üblich. 
    Ich kann auch Apples Entscheidung nachvollziehen, dass der kommerzielle Vertriebsweg von iBooks ausschließlich über den App-Store stattfinden soll. Bei Apps für die iOS-Geräte sieht das doch auch nicht anders aus oder gibt es dort einen Vertriebsweg jenseits des App-Stores? 

    • http://twitter.com/ultimatemoe Moritz

      Wenn du ein “Enterprise Unternehmen” bist dann kannst du Apps, die du selbst entwickelt hast, auf iOS Geräten deiner Firma over-the-air installieren. Ohne den Weg über Apple und ihr App-Kontroll Center.
      Aber um deine Frage einfach mal präzise zu beantworten: Nein. Du kannst keine Apps außerhalb des AppStores erwerben.

  • http://twitter.com/michaelseidl Michael Seidl

    Mal ernsthaft: iTunes LP ist klasse!
    ;)

  • Alex

    Der übliche Apple-Deal (30% für Apple, 70% bekommt der Autor) ist verglichen mit dem, was bei normalen Verlagen für den Autor rausspringt (dürftige 1%-3%), vermutlich durchaus verlockend für viele kleinere Autoren. Da spielt die kleinere Reichweite u.U. dann auch keine so große Rolle mehr. Und Unkosten gibt es auch keine.

    Und wenn ich das richtig verstehe, kann ein Autor immer noch seine Inhalte mit anderen Tools verarbeiten, und damit das Buch auch anderweitig vertreiben, zusätzlich zu dem Buch welches er mit iBooks-Author layoutet hat, welches ausschliesslich über Apple verkauft werden kann. Insofern sehe ich da eigentlich gar keine Einschränkungen. Ausser vielleicht, dass das über Apple vertriebene Buch viel interaktiver sein wird, als alle anderen Versionen.

    • http://twitter.com/simpson3x tweetNey

      Den Vorteil, dass das iBook interaktiver ist als bei der Konkurrenz wird Apple bestimmt nicht lange halten können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Amazon den Markt für eLehrbüchern kampflos Apple überlässt, schließlich betrifft das direkt Amazon’s Kerngeschäft. Vielleicht werden dann auch die iBooks “freier”, denn eine Kindle-App gibt es ja für fast jedes System.

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

    Guter Artikel zum Thema. Vor allen der Link über Dropbox!

    Wobei mir dann einfällt: gibt’s hier eigentlich keine Möglichkeit, neutral +1 zu drücken (hab Flattr-Abo laufen, wäre doppelt gemoppelt)? Ich will meine Daten nicht an die Telekom, Vodafone oder O2 weiterge… ach nein halt ich meinte Facebook 

    ;-)

    SCNR

    Ich such mal nach nem Anwenderneutralen “Like” Button, wär auch was für mich…

  • Pingback: daily essence…. vom 24.01.2012 | meinekleineApfelkiste.de

  • Andreas Heßler

    Ich finde die Beiträge in den letzten Monaten immer undurchsichtiger. Dem einfachen Leser wird oft nicht klar, um was es geht. Es fehlt an einfachen Worten in den Blogbeiträgen, die beschreiben, um was es geht. Oft wird nur polemisiert ohne dem Leser Hintergrundinformationen zu geben, was denn nun inhaltlich das Thema ist. Dies lässt sich oft nur schwer herauslesen. Wir Leser haben nicht das Hintergrundwissen, welches Du, lieber Alex, hast. Daher ist mir bei meinen, nunmehr seit dem Original iPhone, täglichen Besuchen Deines Blogs immer unwohler zumute, da ich immer mehr den Faden zu verlieren scheine. Früher gab es noch immer eine nette und hilfreiche Erklärung am Anfang eines jeden Posts, damit man auch weiss, was nun, durchaus fachlich kenntnisreich, die Hirnzellen anregen soll. Das vermisse ich seit geraumer Zeit. Ich hoffe auf mehr Klarheit in Zukunft.

    Gruß Andi

    • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

      Danke fürs Feedback. Hast du die vier einleitenden Links zum Artikel gesehen?

      • Andreas Heßler

         Die habe ich gesehen, Danke.
        Es geht mir eher um die allgemeine Schreibweise der Artikel, die einfacher gehalten werden können und nicht um die Themenauswahl. Ich lese gern hier, aber wenn ich bei jedem zweiten Artikel das Gefühl habe, dass ich irgendwas verpasst habe, weil ich nicht verstehe um was es geht, dann ist das schade für mich. Natürlich verlange ich keine simple BILD-Zeitungssprache und es muss auch nicht heissen ‘Back to the roots’, aber ein paar einfachere Worte bringen mich in meiner Freizeit, in der ich deinen Blog nun schon seit ein paar Jahren lese, deutlich weiter, da das dann wirklich für mich Information und Entspannung in einem ist. Nur meine 2 cents. Braucht man sich ja nich gleich drauf aufhängen. Nich wahr Pupsi? :)

      • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

        Alles klar – Kritik ist angekommen und aufgenommen.

    • Pupsi2000

      Das liest sich jemand einfach selbst am liebsten. Polemik trifft es sehr gut.

  • Pingback: Apple ändert iBooks-Author-Eula – iPhoneBlog.de

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