Chrome schwimmt in fremde Gewässer

von Alex Olma | 2. Juli 2012 | 15:02 Uhr

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Chrome ist der derzeit beste Desktop-Browser – deshalb verwende ich ihn am Mac. Unter iOS stößt er Safari nicht vom Thron weil er sich a) nicht als Standard-Browser konfigurieren lässt und b) keinen Zugriff auf die (Javascript-)Nitro-Engine hat. Zwei Einschränkungen, die Apple verantwortet.

Google schreckten die Limits nicht ab, weil sie es sich gar nicht leisten können den iOS-Auftritt abzusagen:

Apple steht nach dem Debakel um Google Voice unter Beobachtung – nicht nur durch die FCC. Ein App-Store-Ausschluss kommt daher nicht in Frage – insofern er überhaupt erwünscht ist. Aufgrund der Plattform-Dominanz, insbesondere für das iPad, ist es nicht unrealistisch anzunehmen, dass Apple in Zukunft gezwungen wird seine Standard-Browser-Einstellung zu öffnen. (Mediale) Aufmerksamkeit durch eine Software-Ablehnung spart man sich, auch wenn am vergangenen Wochenende die oberen Chartplätze vom bunten Strandball besetzt wurden.

Und außerdem: Die Optik von Chrome (kostenlos; universal; App Store-Link) kommt aufgeräumt, die Karteikarten-Navigation ist durchdacht, die Webseiten-Wechsel-Wischgesten sind intuitiv und der Tab-Sync gestaltet sich bequem. Damit ist der Google Browser eine Bereicherung; in erster Linie für Apples Betriebssystem iOS.

  • http://twitter.com/Appblogger_de Appblogger.de

    Das Problem mit dem Standardbrowser lässt sich ja per Jailbreak lösen. Besonders fragwürdig finde ich aber die Kritik in Sachen Nitro-Engine. Natürlich lässt sich der Performance-Nachteil in theoretischen Benchmarks nachweisen und ist auch wirklich riesig. In meinem Test etwa 2218ms zu 9069ms.

    http://www.appblogger.de/2012/06/29/googles-chrome-ist-test-ein-mobiler-browser-der-begeistert/
    Aber ich nutze Chrome jetzt seit einigen Tagen in der Praxis und kann kaum bis gar keinen Unterschied in der alltäglichen Nutzung festellen, was die Geschwindigkeit angeht.

    Die Syncmöglichkeiten und die Bedienung machen Chrome aber so gut, dass Apple lange ackern muss, um Chrome auf meinem iPhone wieder vom Thron zu stoßen.

  • jamesblond

    “Chrome ist der derzeit beste Desktop-Browser”

    Coole Ansage für eine der größten Datensammler App, die es derzeit gibt…

    • http://www.facebook.com/s.chnilo Danilo Mielniczek

      Es geht bei dieser Aussage sicherlich nicht um die Datensammelwut, sondern um die Grundfunktion die ein Browser dem Nutzer bietet: Internetseiten schnell und nach Normvorgaben anzeigen. Ich kenne Chrome selber nicht, da er mir allein schon optisch überhaupt nicht zusagt und ich damit nicht “leben” könnte, bin mir aber sicher, dass er seine Aufgabe besser macht als Firefox & Co.

      • Alex

        Naja, in der Regel geht es bei solchen Aussagen wie “bester Browser” gerade nicht um dem Umgang mit den Normvorgaben, sondern nur um “Sympathie”, Marketing, große Namen, usw. Die meisten User die solche Aussagen tätigen, kennen i.d.R. kaum andere Browser als Safari und die üblichen Verdächtigen auf dem PC . Die Normvorgaben erfüllen die meisten Browser ausreichend gut, als dass das für den normalen User irgendwie relevant oder gar erkennbar wäre. Die “Sympathie” ist irgendwie eine Mischung aus Optik (Chrome sieht aufgeräumt aus, Firefox nicht), Beliebtheit, Bekanntheit des Herstellers und seinen anderen Produkten (Google-Suche hat doch noch den besten Ruf). Und was andere dazu sagen, beeinflusst natürlich auch.

        D.h. solche Aussagen fussen fast immer auf Emotion, nicht auf Fakten. 
        Das merkt man als Entwickler ja auch gelegentlich, wenn man einem App. Mal eine optische Überarbeitung gegönnt hat, die gut ankommt, empfinden viele User das App dann auch als schneller und flüssiger, obwohl sich diesbezüglich. nichts geändert hat. Aber große Namen verstärken den Effekt noch deutlich. Darauf hat MS ja oft erfolgreich gebaut, frühzeitig Produkte ankündigen, um damit die Kunden davon abzuhalten auf Konkurenzprodukte zu setzen, die schon verfügbar waren.

        Objektiv betrachtet kann der Chrome nur eine Sache, die z.b. Safari nicht kann: Abgleich der Einstellungen, Bookmarks usw. (was dummerweise auch ein Problem sein kann, mir ist es schon mehrfach passiert, dass Chrome auf dem iPad mir mitten in der Sitzung die aktuellen Tabs mit denen von vor ein paar Minuten ersetzt hatte, weil offensichtlich der Sync irgendwie nicht geklappt hatte). Die Tab-Verwaltung sieht zumindest auf dem iPhone schöner aus. Aber sonst ist Chrome noch minimalistischer als der schon minimalistische Safari. Kein Vollbildmodus, keine Downloads, keine Leseliste, umständlicher Zugang zu Bookmarks und hat all die künstlichen Beschränkungen, die Apple den Apps von Dritten auferlegt (wie das nicht-flüssige Scrolling beim Web-View, einige nicht freigeschaltete Features der Web-Engine, bei denen andere alternative Browser dann doch schon lange alternative Lösungen eingebaut haben). 

        D.h. für reines  Surfen ohne Extras macht Chrome zumindest auf dem iPhone eine gute Figur, aber dennoch würde mir da viel zu viel fehlen. Auf dem iPad, wo man doch ernsthafter im Web unterwegs ist, wäre mir der Chrome vollkommen nutzlos. Ich brauche eine Download-Möglichkeit, Werbe-Filter, Upload-Möglichkeit und einiges mehr.

        Fazit: das Label  “bester Browser” ist für jeden was anders. Und wird meist vollkommen losgelöst von objektiven Fakten vergeben.

  • Micha

    So schön Chrome auf iOS ist, aber ein Feature vermisse ich. Reader aus Safari!

  • http://twitter.com/MarkusZoppelt Markus Zoppelt

    Vielleicht noch eine kleine Anmerkung, was die Benutzung von Javascript-Bookmarklets (z.B. von Instapaper) angeht: Wenn man es auf die Webseite anwenden will, einfach in die Adresszeile die ersten Buchstaben des Lesezeichens eigeben (z.B. “Read…”). Wenn man dann das “Read Later” Lesezeichen anklickt, erfüllt es seinen Zweck, wie gewohnt.

  • Joschka

    ich habe mich inzwischen so sehr an den readermodus vom Safari gewöhnt das ich voller Elan Chrome benutzen wollte und nach dem Uten Artikel wieder beim Safari war. Gerade in den heutigen Werbelandschaften von websites ist das für mich als Hauptsächlich Artikelkonsumenten eine der killerfeatures. Hoffe das Chrome da auch bald was anbieten kann. Sonst bleibst für mich nur die Möglichkeit von meinem Windows PC auf der Arbeit die offenen Tabs zuhause weiterzuarbeiten.

  • http://twitter.com/Ahti333 Lukas S.

    Was ich bei Chrome auf iOS sehr vermisse ist die Suche in Seiten (“de.wik” in die Omnibar eingeben, tab drücken und schwupps, ein Wikipedia-Suchfeld). Imho das beste Feature von Desktop-Chrome.

  • Linuxuser1

    Mein Browser auf dem PC ist und bleibt Firefox. Egal wie langsam der ist und wie oft der bei Webseiten mit Flash abstürzt. Firefox hat alle Addons die ich brauche, ist OSS und wird nicht von einer Firma entwicklelt die ihr Geld mit Nutzerdaten verdient.

  • Leif Sikorski

    Wobei die Nitro Engine zumindest beim Vergleich von Chrome zu Safari auf dem iPad wohl keinen großen Unterschied macht. Bisher habe ich zwar nur Vergleichsvideos gesehen, aber dort war im Bereich von Millisekunden mal der eine und mal der andere etwas schneller.

    Die Möglichkeit einen anderen Browser, eMail Client, Keyboard oder was auch immer als Standard definieren zu können wäre aber wirklich wünschenswert.

    • Alex

      Wenn es um Marketing-Begriffe wie Nitro geht, setzt bei Vielen offensichtlich das Denken aus. Da hat man bei einem Benchmark mal gesehen, dass mit Nitro JS-Berechnungen mehr als X mal so schnell sind, und meint der komplette Browser musste dann auch X mal schneller sein. Und ohne das zu testen werden dann Kritiken verfasst “Browser XYZ kann kein Nitro nutzen, ist also langsam, bleibt man besser bei Safari”, oder so ähnlich. Dass bei normalen Seiten der JS-Anteil minimal bis nicht vorhanden ist, und nur dieser JS-Anteil beschleunigt wird, sieht offensichtlich niemand. Z.B. Wenn man das iphoneblog nimmt, da sind 95% der Zeit zum Laden der Seite reine Download-Zeiten, 4,9% der Zeit macht das rendern, die restlichen 0.1% gibt’s ein bisschen JS-Voodoo mit den Kommentaren. Und nur diese 0.1% kann Nitro beschleunigen. Das fällt also nicht ins Gewicht. (die Zahlen sind natürlich fiktiv, entsprechen aber doch irgendwie der Realität). Und dann wartet eine Seite dann auch zu nahezu 100% der verfügbaren Prozessorzeit auf Eingaben des Nutzers, der durch Nitro auch nicht beschleunigt werden kann…

      Es gibt nur ganz ganz wenige Seiten, die soviel JS nutzen, dass Nitro tatsächlich einen Unterschied macht, und das sind Benchmarks, und ggf. JS-basierte aufwändige Spiele, die vereinzelt als Demo auftauchen und zeigen sollen, dass man dafür kein Flash braucht.

  • Chris
  • http://twitter.com/SebSemmi Sebastian Semmler

    was mich am meisten stört, dass die Problem mit Chrome on iOS von den großen US Apple Bloggern wie Gruber und Dalrymble nicht angesprochen werden… auf theloopinsight.com gab es heute sogar einen Post, in dem angedeutet wird, Google hat schlampig gearbeitet und nicht den Blick auf die Details gehabt.

    Im gleichen Atemzug habe ich mir heute die US-Podcasts angehört, in denen die neue Podcast App gelobt wird, während die deutschen Podcasts die vollkommen auseinandergenommen haben… es kotzt mich an.

    Danke Alex für deine immer wieder kritischen Beiträge!

    • Markus (motu90)

      Die Amerikaner haben nicht mehr viel(e Firmen), die sie loben können. Da liegt die Messlatte halt mal niedriger…

  • http://www.appleoutsider.de/ AppleOutsider.de – Sebastian P

    Hier is ja gut was los :-)

    ” Die Optik von Chrome kommt aufgeräumt”

    daher

  • http://twitter.com/der_jan der_jan

    Heißt der Laden nicht FCC?

    • http://www.iphoneblog.de/ iphoneblog

      Danke, mein Fehler.

  • http://twitter.com/pa721ck PA721CK

    Irgendwie fehlt da noch Google Docs für iOS- oder hab ich da was verpasst… :(

  • http://www.eraser.org B. Braun

    Mit Jailbreak kann man mittlerweile Chrome als Standardbrowser unter iOS setzen

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