Amazon wirbt nicht irreführend mit dem Begriff ‘Appstore’

Wie sich bereits im untersagten Eilverfahren abzeichnete, scheitert auch in der Hauptverhandlung Apples Klage gegen Amazon über den Begriff ‘Appstore‘, der laut einem US-Gericht nicht als irreführende Werbung gewertet wird. Ein großer Sieg ist das jedoch nicht. Es stehen weiterhin eine Handvoll Anschuldigungen aus Cupertino gegen den Online-Händler aus, darunter der Vorwurf der Markenrechtsverletzung.
Apple asserts that its APP STORE offers many more apps than Amazon’s does, and that the apps are “seamlessly integrated” with all Apple devices. However, there is no evidence that a consumer who accesses the Amazon Appstore would expect that it would be identical to the Apple APP STORE, particularly given that the Apple APP STORE sells apps solely for Apple devices, while the Amazon Appstore sells apps solely for Android and Kindle devices.
Auch wenn dieser Entscheidung die Signifikanz fehlt, erscheint mir die Dokumentation wichtig. Der Kampf um den (nach meiner Auffassung) generischen Begriff ‘App Store‘ ist aktuell ähnlich bedeutend wie Microsofts hart erkämpfte Bezeichnung ‘Windows‘ – sagt Apple.
In a none-too-subtle dig at its longtime rival, Apple points in part to Microsoft’s own defense of one of its most valuable trademarks.
“Having itself faced a decades-long genericness challenge to its claimed WINDOWS mark, Microsoft should be well aware that the focus in evaluating genericness is on the mark as a whole and requires a fact-intensive assessment of the primary significance of the term to a substantial majority of the relevant public,” says Apple in the filing. “Yet, Microsoft, missing the forest for the trees, does not base its motion on a comprehensive evaluation of how the relevant public understands the term APP STORE as a whole.”
Apples (kostenlose) ‘App der Woche’
In case you missed it, Sonic & @Sega All-Stars Racing is our #FreeAppoftheWeek. Download yours today. tw.appstore.com/jmy
— App Store(@AppStore) June 18, 2012
@AppStore existiert seit Januar 2011 und empfiehlt seinen aktuell 1.035.427 Verfolgern seitdem iOS-Software. Vor vier Wochen schlich sich der Hashtag #FreeAppoftheWeek in die Tweets des offiziellen Apple-Accounts.
Eine Ankündigung oder eindeutig identifizierbare Vermarktung dieser Entwickler-Deals erfolgte bis jetzt nicht. Nach dem dritten (regelmäßigen) Hinweis (bislang für die Titel ‘Cut the Rope: Experiments‘, ‘Snapseed‘ und ‘Sonic & Sega All-Stars Racing‘) scheint dieses Angebot – zwischen ‘Editors’ Choice‘ und anderen (Gratis-)Promos – von dauerhafter Natur.
Sollte dem so sein, und die Domain-Registrierung “freeonappstore.com” untermauert das, kupfert Apple hier clever von Amazon ab.
Amazons ‘Fire’ lernt laufen
Grafik: Distimo
Distimo zeigt: Amazons Appstore funktioniert erst, seitdem es in Amerika das Kindle Fire gibt. Die Überraschung: 42 der Top-110-Anwendungen für die 7-Zoll-Entertainment-Maschine erwirtschafteten über die Weihnachtsmonate mehr Geld als seine Software-Verwandten im alteingesessenen Android Market.
Entgegen Google und Apple hält Amazon weiter seinen Daumen auf der Preisschraube für digitale Inhalte, die er ohne Entwickler-Rückfrage nach oben oder unten setzt. Einspruch scheint unerwünscht: Am heutigen Morgen löscht der Onlinehändler mehrere tausend Kindle-Bücher des Bestands der ‘Independent Publishers Group‘, der sich gegen “vorteilhaftere Verkaufsbedingungen” zugunsten des Versandhauses (!) wehrte.
Amazons Plattform gründete sich im Android-Revier, wildert seitdem jedoch hinterrücks an alle Ecken dieser Länderei. Das Kindle Fire daher nur als ‘ein Modell‘ unter diversen Android-Tablets zu bezeichnen, ist komplett unangemessen. Trotz gleicher OS-Wurzeln stellt das ‘Fire’ eine eigene Gerätefamilie dar.
Amazons Android-Appstore startet in Deutschland
Unter Android gibt es ein ganzes Bündel an verschiedenen App Stores. Neben Googles offiziellem ‘Market’ existieren Download-Stores spezialisiert für Porn, verstoßenen Videospiel-Emultoren und Cracked Apps. Das ist kein Geheimnis, auf iPhones mit Jailbreak ähnlich und … schlicht ‘diesem Internet’ geschuldet.

Screenshot: research2guidance
Einen von diesen Drittanbieter Stores betreibt Amazon. Dessen ‘Appstore‘ startete im März in den USA und ist seit dem gestrigen Montag teilweise auch international – darunter Deutschland – verfügbar. Wer diese acht einfachen Schritte zur Installation durchführt und die 1-Click-Option einschaltet (direkt vom Android-Telefon aus), kann sich mit der täglich ‘Gratis-App‘ eindecken.
Amazon bestätigte den internationalen Rollout (noch) nicht. Das ist nicht nachlässig sondern lediglich ein Anzeichen dafür, wie ‘unbedeutend’ dieses Angebot derzeit ist – nicht aus Nutzerperspektive sondern aus Sicht von Amazon selbst. Der Online-Versandhändler setzt alles auf sein kommendes Tablet. Weil ernsthaft: Wie viele ‘normale’ Nutzer installieren sich den Shop über die aufwendige Anleitung?
‘Appstore’-Namensstreit stoppt Software-Entwickler

Apple und Amazon streiten weiter um den Begriff ‘Appstore’. Neuste Entwicklung: Amazon informiert seine Entwickler aus Deutschland, dass aufgrund des aktuellen Verfahrens keine neuen Android-Anwendungen aus hiesigen Landen angenommen werden.
We wanted to notify you of a recent change to your Developer Portal account; for the time being, we are not accepting new app submissions from developers located in Germany. We have been forced to impose this restriction due to a legal action filed by Apple in Germany seeking to prevent us from using the term “appstore.”
Amazons Appstore, der aktuell durch eine aufwendige Installation belustigt, ist offiziell noch nicht außerhalb der USA veröffentlicht.
Für mich ist nachvollziehbar, welchen Wert ein exklusives Namensrecht auf den Begriff hätte – sowohl als Gütesiegel aber auch auf breiter Front im allgemeinen Sprachgebrauch. Trotzdem sind die juristischen Scharmützel albern. Gefährlich wird’s, wenn dadurch Software-Entwicklungen aufgehalten werden.
Microsoft, HTC, Nokia und Sony Ericsson kämpfen gegen Apples EU-Marke ‘App Store’

Microsoft verklagt Apple, Apple verklagt Amazon und Amazon verklagt Apple. ‘Stein des Anstoßes’ ist die simple Wortkombination ‘App Store‘ oder auch ‘Appstore’ geschrieben, die Apple in Europa als Marke eintragen ließ. In den vergangenen Tagen schlossen sich HTC, Nokia und Sony Ericsson den juristischen Sperenzchen von Microsoft und Amazon an.
“Today’s filings by HTC, Nokia, Sony Ericsson, and Microsoft, like Amazon’s recent action, demonstrate the breadth of opposition to Apple’s unsupportable claim of exclusivity,” a Microsoft representative said in a statement.
Natürlich bleibt an keiner Stelle unerwähnt, dass Steve Jobs höchstpersönlich die anderen Marktteilnehmer als ‘App Store’ bezeichnete. Dies geschah in der Telefonkonferenz zur Erläuterung der Geschäftszahlen im vierten Jahresquartal 2010.
In addition to Google’s own app marketplace, Amazon, Verizon, and Vodafone have all announced that they are creating their own app stores for Android. So there will be at least four app stores on Android, which customers must search among to find the app they want, and developers will need to work with to distribute their apps and get paid. This is gonna be a mess for both users and developers.
Ob eine solche Äußerung den Ausschlag für eine juristische Beurteilung geben kann, weiß ich nicht. Was ich dagegen weiß: Dieses ganze Spektakel ist großer Quatsch. Von allen Seiten.
Die Wort-Zusammensetzung ‘App Store’ soll zu generisch sein? Ein Microsoft-Sprecher verglich dies gegenüber CNet mit einem ‘Toy Store’ oder ‘Book Store’.
‘App store,’ like ‘toy store’ or ‘book store,’ is a generic term that should continue to be available for everyone to use for stores that sell apps.
Klar. Aber wer erinnert sich nicht an die guten alten Zeiten, in denen Microsoft um das Warenzeichen ‘Windows’ kämpfte – weil es “Kunden schützt“. Die gesamte ‘Trademark’-Liste aus Redmond führt weitere Schmankerl im Programm: Internet Explorer, Freelancer oder Backstage. Facebook versucht seit letztem Jahr die Worte ‘like’, ‘wall’, ‘poke’ und ‘face’ zu sichern.
Das Spiel um Namensrechte scheint mittlerweile soweit aus allen Rudern gelaufen zu sein, dass man als großer Konzern gezwungen ist, mitzuspielen. So kommt es zumindest mir als Laie vor.
Was jedoch keine Zuschreibung von Markennamen ändert, ist dessen umgangssprachliche Bezeichnung. Außerdem bezweifle ich, dass die Wortwahl ‘Android App Store’ – anstatt ‘Android Market’ – dem Apple Geschäft großflächig schaden würde.
Klar ließe sich argumentieren, dass neue Nutzer die Unterschiede nicht mehr auseinander halten können. Aber um genau dies zu vermeiden, würde ich als Unternehmen selbst auf ‘eindeutigere’ Bezeichnungen setzen. Warum wird aus ‘App Store’, ‘iBookstore’ und ‘iTunes Store’ eigentlich kein einheitlicher ‘Apple Store’?
Aber wahrscheinlich würde auch dann irgendwer, irgendwen irgendwie verklagen.
“This is not something that the general public needs to get bent out of shape about,” said Jessica Stone Levy, a Denver-based trademark lawyer. “This is really corporate maneuvering.”
The greater concern among Silicon Valley observers is the vast amount of time and money that these companies are spending in trademark proceedings that may amount to little more than gamesmanship. Rather than fighting over little words, the innovators of the Information Age could be busy, well, innovating.
Remember, it’s just Amazon!
Apple räumt in einer kleinen Galerie, unter der treffenden Bezeichnung ‘Apps for iPhone‘, prominenter Software ein Plätzchen Apple.com-Werbefläche ein. Die kostenfreien Reklame-Bemühungen sind nur ein minimaler Ausschnitt des Repertoires an automatischer Vermarktung, die mit einer App-Store-Veröffentlichung einhergehen. Als weitere Promo-Werkzeuge bedient sich Apple bislang der ‘Feature’-Darstellung im Store oder zaghaften Twitter-Bemühungen.

Der Amazon ‘Appstore for Android‘, seit der letzten Woche offiziell gestartet und bereits pünktlich mit einer Markenklage von Apple überzogen, experimentiert mit einem richtig netten ‘Testlauf’. Für US-Besucher blendet sich ein ‘Test-Drive-Now’-Menüpunkt auf der Webbrowser-Seite ein, die ein Simulator-Fenster startet. Darin spielt der potenzielle Käufer bereits mit dem Mauszeiger vor, was später die Finger auf den mobilen Geräten übernehmen sollen. Ganz ernsthaft: ‘Daumen hoch!’
Erwirbt man eine App über Amazon ist diese automatisch auf allen Geräten verfügbar, die mit diesem Benutzerkonto versehen sind. Es ist also keine zusätzliche Synchronisation notwendig sondern lediglich ein direkter Download auf dem jeweils kompatiblen (!) Gerät. Die Hardware-Vielfalt aus dem Android-Lager, die (zwangsläufig) bei einer heterogenen Geräte-Aufstellung zum Tragen kommt, ist an dieser Stelle besonders deutlich sichtbar.
Bislang ist der Amazon Appstore nur für US-Kunden mit entsprechender Adresse und passender Kreditkarten-(1-Klick-)Zahlungsmethode verfügbar. Ich habe die US-Umstellung meines Kontos und die ‘Installation’ in der letzten Woche ausprobiert und wohl rund zwei Monate meiner Lebenszeit für diesen Stress eingebüßt. Die ‘8 Schritte‘ zur Store-Installation grenzen an Kunden-Verspottung. Da der offizielle (Konkurrenz-)’Market’ das zweite Mitbewerber-Geschäft nicht führt, erfordert die Installation die Geräte-Option “Downloads aus unbekannter Quelle zuzulassen“. Wer sich mit dem Betriebssystem auskennt, findet im Anschluss des Prozedere zurück zu dieser Einstellung und deaktiviert sie wieder. ‘Otto-Normal-Kunde’ wird den Schalter jedoch nicht nie wieder umlegen und dürfte daher mit seinem Gerät ab sofort recht ‘aufgeschlossen’ durchs Netz surfen.
Möchte man Apples Store-Politik (zur Abwechslung) einmal gutgemeint auslegen, könnte genau dies der Knackpunkt sein. Ohne Frage: Es wäre klein Problem, eine ähnliche Option für ‘Software-Installationen aus dem Netz’ zuzulassen und damit der ‘Pro-Kundschaft’ erheblich mehr Freiheiten einzuräumen. Doch was passiert, wenn so ‘ein Amazon’ ankommt, und mit Sprüchen wie “Remember, it’s just Amazon” ein riesiges Einfallstor aufreißt?
Auch mir geht die Entwicklung des App Stores teilweise viel zu träge. Wie lange hat es beispielsweise gedauert, bis der Store anhand des Benutzerkontos erkennt, dass eine App, die nicht installiert aber bereits gekauft wurde, mit dem Button ‘Installieren’ statt ‘Kaufen’ ausgezeichnet wird?
Nichtsdestotrotz: Speziell im direkten Vergleich mit den anderen digitalen Einkaufsgeschäften hat sich der Apple App Store über die letzten 2.5-Jahre als vertrauensvolle Marke etabliert. Kunden investieren immerhin (wieder) Geld in Software. Aus dieser singulären Perspektive lässt sich sogar der Streit um die ‘App-Store’-Namensrechte nachvollziehen.



