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van Alex Olma
15. September 2008 – 23:56 Uhr

[app] Podcaster

„Nomen est Omen“ – der Name ist ein Zeichen!

Wer nur ein einziges Mal in der letzten Woche ein Browser-Fenster vor der Nase hatte, wird bei der iPhone-App Podcaster aufhorchen. Viele Meinungen zum Verbot des Programmes von Apple wurden dazu geäußert. Diese wollen und können wir hier nicht ganz unter gehen lassen – aber entgegen aller Meldungen – soll ein Blick auf die eigentliche Applikation stattfinden. iPhoneBlog-Gastautor Micky hat das getan. 

Ein Podcatcher also, mit dem man unterwegs – abseits von Mac oder Windows-PC – „over the air“ Podcasts anhören oder downloaden kann. Egal ob über Edge, 3G oder WLAN. Leider hat Apple die Applikation für den AppStore abgelehnt, doch der Entwickler Almerica hat mir freundlicherweise mittels „Ad Hoc“-Distribution ein Exemplar zukommen lassen. Doch dazu am Schluß des Artikels noch ein paar Worte.

Was kann Podcaster? Im Hauptmenü hat man die Auswahl zwischen 3 Wiedergabelisten:

Bild1.PNG

Unter „My Podcasts“ sieht (und hört) man die zur Zeit abonnierten Podcasts. Hier lassen sich auch neue Podcasts hinzufügen, entweder durch Suchen in einem Podcast-Verzeichnis oder den Import eines XML-Feeds über die Feed-URL. Mit ein paar Verrenkungen ist auch der Import der in iTunes abonnierten Feeds möglich. Empfehlungen für besonders beliebte oder neue Podcasts kann man sich zusätzlich anzeigen lassen: 

Bild2.PNG

Wenn man möchte, kann man sich einen Podcast auch direkt auf das iPhone herunterladen – standardmäßig wird gestreamed. Beim Abspielen wird alles unterstützt, was das iPhone sonst so mit seinen beschnittenen limitierten Quicktime-Fähigkeiten wiedergeben kann. Ein Klick auf das Download-Symbol (rechts unten im folgenden Bild) lädt die Episode herunter. Diese ist dann unter „Downloads“ abspielbar – auch wenn man Offline ist. Nette Funktionalität am Rande: Der Download wird automatisch wiederaufgenommen, wenn man zwischendurch mal die App verlassen hat oder telefoniert.

Bild3.PNG

Ein paar Minuspunkte gilt es anzubringen:

  • Die App schmiert ab- und zu ab und man landet urplötzlich im Springboard. Manchmal bedarf es auch zwei Startversuchen…diesbezüglich muss der Autor noch nachbessern!
  • Wenn es klingelt und man den Anruf annimmt, wird die App beendet. 
  • Wenn man aus Versehen einen Podcast abonniert, den das iPhone nicht abspielen kann (z.B. .ogg-Dateien), dann landet man wieder sang- und klanglos im Springboard.

Alles in allem aber ein Programm, wie ich es mir schon lange gewünscht habe – und da bin ich sicher nicht allein…

Umso unverständlicher, das Apple die Applikation mit der Begründung „duplicates iTunes functionality“ abgelehnt hat. Der Podcaster dupliziert eben nicht die iTunes Funktionalität. Er tut etwas, was iTunes nicht kann: Podcasts auch hören (und downloaden) zu können, wenn man unterwegs und längere Zeit nicht in der Nähe des heimischen Desktop-iTunes ist. Manche Menschen machen Urlaub oder sind auf Dienstreise. 

Außerdem finde ich es nicht tragbar, dass man einen Entwickler, der vielleicht Monate von Arbeitszeit investiert und an alle aufgestellten Regeln gehalten hat so vor den Kopf stößt. Es soll Menschen geben, die mit dem Programmieren Geld verdienen wollen müssen. Regulierungen solcher Art darf man als geschlossene Plattform vornehmen, diese sollte jedoch nicht ‚unvorhersehbar‘ sein – das beschädigt nicht nur die Entwicklungs-Plattform „iPhone“, sondern trifft auch die Kerngemeinde kleiner Entwicklungsstudios.

Let’s be clear: forbidding “duplication of functionality” is forbidding competition. The point of competition is to do the same thing, but better. Worse, Apple hasn’t even said which functionality is off-limits. I’m not arguing about what’s legally or morally right in some abstract. I’m talking about common sense — talented developers are looking at what is going on with the App Store and choosing not to write iPhone apps, out of the fear that their efforts will be for naught. If good developers are afraid to write software for your platform, it is a problem.

John Gruber – Daring Fireball

Die Applikation „kostet“ $9.99, auch wenn der Entwickler auf seiner Website darauf hinweist, dass er sie nicht verkauft, sondern eher eine ‚Spende‘ erwartet. Der Podcaster kommt dann per E-Mail. Die angehängten zwei Dateien zieht man sich in iTunes, und synchronisiert anschließend auf sein iPhone – kein Jailbreak notwendig. Dieser „alternative Distributionsweg“ ist allerdings nicht unbegrenzt gangbar, da die Anzahl der „Ad-Hocs“ begrenzt ist.

Logo.PNG

-> http://www.nextdayoff.com/

* Große Diversität im iPhoneBlog-Redaktionsteam. Micky unterstützt uns mit diesem Beitrag zum ersten Mal. Vielen Dank dafür.

***

ao: Einen kurzen Kommentar kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen… 

Schön, dass jemand einen ‚alternativen‘ – wenn auch sehr begrenzt einsetzbaren – Distributionsweg gewählt hat. „Heres to the crazy ones“ – ihr wisst schon. Schön, dass man nicht sofort auf den Jailbreak-Zug aufgesprungen ist. Der Effekt würde ausbleiben. Schön, dass wir endlich ein zurückgewiesenes Programm haben, das sich nicht durch Ulk – sondern echte Funktionalität – ausweist. Schön, dass aufgezeigt wird wie die iPhone-Standard-Software verbessert werden könnte. Schön, dass man eine ‚vollwertige‘ Spende von $9.99 verlangt und so sein eigenes Programm nicht abwertet. Schön, dass sich Programmierer beschweren. Man dürfte sich jedoch auch nicht über Abwanderungen zu anderen Plattformen beklagen.

Kreative Apps braucht das iPhone und keinen Einheitsbrei. Es wäre nur ein kleiner Schritt für Apple…

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