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van Alex Olma
18. Oktober 2017 – 13:23 Uhr

Das iPhone 8 und iPhone 8 Plus

Eins vorweg: Es fühlt sich verdammt komisch an zu wissen, dass ich bereits in 2 Wochen erneut ein Notizblatt in Ulysses anlege, aus dem später wieder ein längerer iPhone-Artikel wird. Dieser Doppelschlag, ein iPhone 8 (Plus) im September und ein iPhone X im November, ist…sonderbar.

Keine Frage: Die Produktionskapazitäten für das iPhone X scheinen deutlich eingeschränkt. Das exakte Ausmaß, dass die Lieferzeiten verraten werden, bleibt abzuwarten. Und trotzdem: Apple feiert in dieser iPhone-Saison einfach zweimal. Warum auch nicht: Sie haben kein Problem damit wenn sich unterschiedliche Produkte aus eigenem Haus gegenseitig kannibalisieren – „it‘s almost by design1.

Das klappt aber nicht immer: Vergleichbar eng wie in diesem Jahr lagen in der iPhone-Geschichte nur das iPhone 5s und 5c zusammen. Das 5c scheiterte an seinem Image, weil es nur als Apples zweitbestes Telefon wahrgenommen wurde. Und ja, es war technisch unterlegen, verdankte den Misserfolg aber allem voran der Wahrnehmung, dass man sein Geld hier nicht in das Top-Modell investiert (sondern sich nur das „billigere“ iPhone leisten kann).

Ich habe keinen Zweifel daran, dass das iPhone 8 und 8 Plus dieser Gefahr genauso ausgesetzt ist, allerdings sehen die Vorzeichen – vier Jahre später – signifikant anders aus.

Ganz offen und ehrlich: Ich habe wirklich keine Ahnung, wie wir in zwei oder drei Jahren auf das iPhone 8 (Plus) zurückblicken. Genau das macht dieses Jahr, und diesen iPhone-Doppelschlag, aber auch so spannend.

Klar ist: Mit jedem neuen iPhone versucht Apple ein bestmögliches Erlebnis zu verkaufen, dass die Bestandskunden zum Upgrade anregt oder die Android-Switcher wechseln lässt. Inzwischen erstreckt sich die Preisspanne für diese Erlebnisse von 300 Euro (iPhone SE) bis zu 1300 EUR (iPhone X). Es gibt keinen S-Zyklus mehr; es gibt nicht mehr das eine iPhone-Modell, das jeder kauft. 2017 ist tatsächlich ein Jahr, dass komplett aus dem alten Rhythmus springt.

Apple entschied sich diesmal nämlich nicht nur das iPhone 7 (Plus) aktiv weiterzuverkaufen, sondern auch das iPhone 6s – und in ausgewählten Märkten, darunter Deutschland, sogar das iPhone 6. Es ist deshalb nur begrenzt sinnvoll die Neuerungen und Vorzüge des iPhone 8 mit den Features eines iPhone 7 zu vergleichen. Schon deshalb, weil die meisten Upgrade-Zyklen weiterhin im zweijährigen Vertrags-Takt der Mobilfunkanbieter tanzen. Sprich: Kunden vom iPhone 7 sind in diesem Jahr noch nicht Upgrade-berechtigt. Und wer als Enthusiast wirklich jedes Jahr ein neues iPhone kauft, der wird in diesem Jahr zum iPhone X greifen.

Als potenzielle Interessenten für das iPhone 8 sehe ich deshalb jeden, der aktuell ein iPhone 6s oder älter benutzt, beziehungsweise von einem Android-Smartphone ins iOS-Ökosystem wechselt. Idealerweise zahlt man bei einer Vertragsverlängerung – und mit einer verpflichtenden Laufzeit – keine Unsummen als Preis für das Gerät obendrauf. Denn machen wir uns nichts vor: Letztendlich kommen die meisten Smartphone-Verkäufe genauso zustande. Verfügbarkeit spielt eine Rolle; der monatliche Grundpreis ist wichtig und die meisten Smartphones werden subventioniert zusammen mit Mobilfunktarifen erworben.

Aber auch abseits dieser Bürokratie spielt das iPhone 8 keinen Platzhalter für das iPhone X. Man darf auch nicht den Fehler begehen und das ähnliche Gehäusedesign als eine Art Sicherheitsnetz verstehen, falls der komplette Hardware-Neubeginn mit dem iPhone X schiefläuft. Das iPhone 8 und 8 Plus demonstrieren Schwerpunkte, die die natürliche Weiterentwicklung der iPhone-Serie zeigen. Außerdem konzentrieren sich beide Telefone auf Funktionen, die das iPhone X nicht (mehr) bietet: einen größerer Plus-Bildschirm, Touch ID oder die Gehäuse-Kompatibilität mit Hüllen, Docks und anderem Zubehör.

Apple verkauft pro Jahr über 200 Millionen iPhones; über 800 Millionen Apple-Telefone sind insgesamt in Verwendung. Das sind eine Menge Kunden mit unterschiedlichen Bedürfnissen und verschiedenen Preisvorstellungen. Ich bin mir sicher, wir müssen uns in den nächsten Jahren darauf einstellen, dass Apple eher mehr als weniger iPhone-Modelle aktualisiert. Die ‚One-size-fits-all‘-Strategie, die so fantastisch übersichtlich und verständlich in den ersten 10 Jahren funktionierte, hat in diesen Größendimensionen ausgedient.

Verzeiht mir die lange Einführung, aber die Positionierung des iPhone 8 und 8 Plus im derzeitigen Line-up ist in diesem Jahr ein zentraler Aspekt dieser Geräte. Aber nun ab zum eigentlichen Telefon.

Die Kamera

Der zentrale Kaufgrund für ein neues iPhone ist und bleibt das Kamerasystem. In diesem Jahr spiegelt das Datenblatt nur unzureichend wieder, wie viel mehr Kamera im iPhone 8 (Plus) steckt – selbst im Vergleich mit dem iPhone 7 (Plus). Der langsame „4fach-LED True Tone Synchronblitz“ versucht die Beleuchtung des Blitzes mit dem tatsächlichen Umgebungslicht in Einklang zu bringen. Das Ergebnis: Anstelle von kalkweißen Gesichten im Vordergrund und einem pechschwarzen unkenntlichen Hintergrund, bekommt man nun Fotos, die natürlicher ausgeleuchtet sind und trotzdem noch die Atmosphäre der Umgebung einfangen.

Fotografieren mit Blitzlicht sollte zwar weiterhin eine absolute Ausnahme bleiben, aber der Kamerablitz produziert nun nicht mehr komplett inakzeptable Erinnerungen.

Eine sichtbare Neuerung betrifft HDR, eine Kamerafunktion die mit iOS 4.1 eintrudelte und sieben Jahre später, jetzt mit dem iPhone 8, nun erstmals standardmäßig eingeschaltet ist. Das heißt aber nicht, dass das iPhone jedes Foto in HDR knipst. Das Feature wird eher „intelligent“ zuschaltet. Diese Aufnahmen sind anschließend deutlich in der Fotobibliothek mit dem Schriftzug HDR gekennzeichnet. Handelt es sich um ein Live Photo, kann man den Unterschied zwischen einem HDR-Bild und der Nicht-HDR-Aufnahme in einer kurzen Animation direkt nach dem Wischen zum nächsten Foto erkennen.

Apples Porträtmodus startete im letzten Herbst als Beta, die damals jedoch noch links und rechts angeeckt ist. 12 Monate später hat sich das Potenzial entfaltet: Einige meiner absoluten Lieblingsfotos aus dem letzten Jahr sind mit dem Porträtmodus entstanden – insbesondere wenn genügend Licht vorhanden ist.

Für Porträtlicht, das diesjährige Upgrade für den Porträtmodus, hege ich ähnlich große Hoffnungen. Noch braucht es ganz bestimmte Fotobedingungen, damit das Feature richtig zieht. „Bühnenlicht“ und „Bühnenlicht Mono“ sind ausserdem Kandidaten, die nicht nur nach den idealen Umständen suchen, sondern auch das richtige Motiv. Apple packt hier ein „Pro-Feature“ in seine Standard-Kamera-App. Die Bedienung ist zwar kinderleicht, Porträtlicht braucht aber Übung und Interesse an Fotografie.

Ich finde das bemerkenswert, weil man nicht auf eine substanzlose Spielerei setzt, die vielleicht eine lustige Demo abgibt. Porträtlicht ist eine ernstzunehmende Funktion für Fotografie. Wir werden uns auf noch mehr von diesen Effekte durch ‚computational photography‘ in Zukunft freuen dürfen. Es ist für Smartphone-Kameras ein zentraler Weg vorwärts mit dem die Telefone ihre physikalischen Größenlimits – gegenüber Spiegelreflexkameras und spiegellosen Kameras – ausgleichen.

Andere bemerkenswerte Specs: 4K-Video mit 60 Frames in der Sekunde sowie 240 Frames in 1080p. Beides ist nur dank dem A11 Bionic Chip möglich. Ich bleibe bei meiner alten Faustregel: „Wenn du Kids hast, sind alleine die besseren Fotos, die das jährliche Update der Kamera mitbringt, ein neues iPhone wert.

Die Prozessorleistung

Der Geschwindigkeitsvergleich mit dem MacBook Pro ist zur Genüge durchgekaut. Entscheidend ist, was zum signifikanten Performance-Sprung (bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf) innerhalb von nur 12 Monaten geführt hat. Wieso rockt Apples A11 Bionic Chip gerade alles und jeden weg?

Die simple Antwort: Apple baut seine eigenen Chips, die einzig und alleine nach ihren eigenen Bedürfnissen konstruiert sind. Dazu gehört, dass der A11 beispielsweise physikalisch größer ist als die besten Qualcomm-Steine, die in anderen Highend-Smartphones verbaut werden.

Apple lizensiert dafür von ARM eine sogenannte „Architecture License“, die ihnen das Recht einräumt komplett eigene ARM-CPUs zu bauen und dafür obendrein einen entsprechenden Befehlssatz zu entwickeln. Apples erster 64-Bit-Prozessor im iPhone 5s überraschte die gesamte Industrie. Schlussendlich dauerte es zwei Jahre, bis die Konkurrenz aufschloss. Der A11 ist ein Hexa-core-Prozessor, der zwei hochperformante Kerne (Codename: Monsoon) neben vier energiesparenden Kernen (Codename Mistral) laufen lässt und bei Bedarf alle sechs Cores zusammenschaltet.

Apple schluckt die Kosten für die höheren Ausschussraten, die ein größerer Chip mit größerem Speicher bedeutet, erzielt dafür aber auch eine Leistung, die mit Chips von der Stange nicht zu erreichen ist. Google hat ähnliche Ideen; ansonsten lässt sich aber kein anderer Smartphone-Hersteller seine Chips maßschneidern.

Apple’s CPUs are big and in this game, big means expensive. According to a 2016 report by the Linley Group, the Hurricane cores in the Apple A10 are “about twice the size of other high-end mobile CPUs”. Even the smaller Zephyr cores are much larger than their low-power counterparts, “nearly twice as large as Cortex-A53.” The key here is that Apple sells smartphones, not chips. As a result, it can afford to make the SoCs more expensive and recoup the money in other places, including the final retail price.

ARM and Qualcomm, however, are in the chip selling business. ARM does the CPU core design for Qualcomm (and others like MediaTek) and Qualcomm designs the chips, which it in turn sells to handset makers like Samsung, Sony, LG, etc. ARM needs to make a profit. Qualcomm needs to make a profit. All the OEMs need to make profits. The practical result is that Qualcomm can’t afford to make overly expensive processors or OEMs will start looking elsewhere.

Android Authority | Gary Sims

Wireless Charging

Apple ist einer der letzten Hersteller, die „Kabelloses Laden“ ausprobieren. Apple ist allerdings auch der Hersteller, der durch die schiere Anzahl seiner Telefone den größten Einfluss auf die Verbreitung einer solchen Technik liefert.

Allerdings bin ich recht unbeeindruckt: „Wireless Charging“ ist langsam, bringt deutlich Wärme auf die Glasrückseite und steht in keinem guten Preisleistungsvergleich zu Fast Charging. Bereits ein 12W-iPad-Netzteil pumpt etwa die Hälfte einer Batterieladung in 30 Minuten ins Telefon. Das hilft im Alltag tatsächlich.

Bitte nichts falsch verstehen: Ich bin sehr froh darüber, dass Apple sich dem Qi-Standard angeschlossen hat (und nicht ihr eigenes Ding macht). Und es gibt Situationen, da ist es sicherlich bequemer das iPhone einfach abzulegen als einzustecken. Ums auszuprobieren habe ich mir von IKEA für 13 Euro das RÄLLEN-Ladepade in meinen Schreibtisch eingelassen 2. So sieht man zwar kein Kabel, aber natürlich führt noch ein solches Kabel zur Steckdose. Nach einigen Wochen mit der Ladeplatte im Schreibtisch kann ich sagen: Dort ist sie für mich relativ überflüssig.

Insgesamt sehe ich Qi-Charging als Übergangstechnologie. Die Technik ist langsam, nicht so effizient wie das Aufladen per Kabel (wenn man den 12W-Netzstecker benutzt) und bietet nicht wesentlich mehr Komfort.

True Tone

Interessant war, dass das 9,7” iPad Pro zuallererst einen True-Tone-Bildschirm bekam. Eineinhalb Jahre später ist die Technik, die die Displayfarbe graziös der Umgebung anpasst, auch im iPhone.

Es sind weiterhin sehr feinfühlige Farbwechsel, die man nur im direkten Vergleich mit einem Display ohne True Tone tatsächlich erkennt. Wenn sich die Augen daran aber einmal gewöhnt haben, ist es schwer sich wieder zu entwöhnen. Abends, auf der Couch oder im Bett, habe ich aufgrund von diesem Feature oft das iPad dem iPhone vorgezogen. Der Unterschied ist unaufdringlich aber deutlich – ganz anders als ‚Night Shift‘, das den Bildschirm bis zur Unkenntlichkeit verfärbt.

Das Gehäuse

Nilay Patel nannte das iPhone 8 die vierte Generation des iPhone 6. Ich finde das fair, wenn man diese Beschreibung aufs Gehäusedesign bezieht – was er definitiv tut3. Die gläserne Rückseite gibt dem Telefon ein angenehmes Gewicht – eine leichte Schwere, die sich hochwertig anfühlt. Außerdem ist die neue Rückseite griffiger als der Aluminiumrücken seiner Vorgänger.

Das Design funktioniert sowohl ohne als auch mit Hüllen. Ich mag Apples Leder Case – insbesondere die neuere Version mit den Aluminium-Knöpfen. Aktuell benutze ich die Farbe „Kosmosblau“. Je nach Tagesform trage ich das 8 Plus mit Hülle oder komplett ohne Case.

Die neue „Gold“-Farbe würde ich eher als einen retro Cremeton beschreiben, der definitiv trendy aussieht. Dem iPhone X bleibt diese Farbe im Moment noch vorbehalten. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich das im nächsten Jahr – vielleicht schon im Frühling – ändert. Derzeit ist diese Gehäusefarbe aber ein Alleinstellungsmerkmal vom iPhone 8 und 8 Plus.

Beide 8er-Modelle gibt es in den Speichergrößen 64 GB und 256 GB. Kein anderes iPhone zuvor startete mit einer größeren Minimalkonfiguration. Nach der langjährigen Kritik, die Apple für seine 8 GB- und 16 GB-Modellen zurecht einfuhr, ist Apple in nur 2 Jahren jetzt bei 64 GB im unteren Einsteigermodell angekommen. Das ist erfreulich.

Fazit

Unterm Strich steht: Apple feiert zurecht in diesem Herbst zweimal. Das iPhone 8 und 8 Plus verfeinern einen bereits exzellenten Vorgänger. Kein anderes Smartphone ist (auch nur annähernd) so schnell. Durch diese Leistung profitiert insbesondere das Kamerasystem im Plus-Modell. Der erstmals komplett selbst entworfene Bildprozessor bietet für Fotos einen höheren Dynamikumfang und weniger Rauschen in dunklen Situationen. Sprich: Die Kamera knipst bessere Bilder.

‚Partner in crime‘ ist selbstverständlich iOS 11, das auf einem iPhone 8 (Plus) von Beginn an flüssig und stabil läuft. Sowohl dem Betriebssystem, als auch einigen modernen App-Store-Apps, merkt man deutlich die zusätzliche Luft an, die der Prozessor nun nach oben bietet. Und alles was mich schneller arbeiten lässt (oder zumindest effektiver prokrastinieren), ist mir mein Geld wert. Das Leben ist einfach zu kurz um es mit schlechter Technik zu vertrödeln.


  1. Phil Schiller‘s komplettes Zitat: „It’s not a danger, it’s almost by design. You need each of these products to try to fight for their space, their time with you. The iPhone has to become so great that you don’t know why you want an iPad. The iPad has to be so great that you don’t know why you why you want a notebook. The notebook has to be so great, you don’t know why you want a desktop. Each one’s job is to compete with the other ones.“ 
  2. Mit dem Lochsäge-Set FIXA für 5 Euro haben selbst meine zwei linken Hände das hinbekommen. 
  3. Das Video von The Verge ist ohnehin eines der besten Reviews zum iPhone 8 und 8 Plus. 
17. Oktober 2017 – 0:32 Uhr

„WPA2 ist angeschlagen, aber nicht gänzlich geknackt“

Zwei Sicherheitsforscher zeigen, wie sie auf Grund von Fehlern im WPA2-Protokoll verschlüsselte Daten zwischen einem Access Point und Client einsehen können. WPA2 ist das mittlerweile fast überall genutzte Protokoll für die Verschlüsselung in Funknetzen und soll Angreifer daran hindern, Daten durch einfaches Belauschen der Funkübertragung zu erschnüffeln. Durch den KRACK getauften Angriff könnten Angreifer etwa persönliche Informationen mitschneiden oder Daten manipulieren.

Heise Security

Zumindest in den Betas von iOS, macOS, tvOS und watchOS ist die Schwachstelle bereits ausgemerzt. Entscheidend ist aber nicht nur der Patch, sondern wie viele Nutzer und Nutzerinnen ihr jeweiliges Betriebssystem dann auch auf dem neusten Stand halten.

Laut aktuellen Hochrechnungen läuft iOS 11 nach einem Monat auf der Hälfte aller aktiv verwendeten iPhones und iPads.

16. Oktober 2017 – 13:14 Uhr

„DxOMark Smartphone Ratings: Explained!“

Feine Erklärung von Marques Brownlee, der sich bei seiner Analyse der DxOMark-Bewertungen deutlich erkennbar zurückhält und nicht noch schärfere Worte findet.

Die „Referenz-Tests“ von DxOMark erinnern mich an Videospiel-Reviews, in denen Magazine ihre Gesamtwertung in Grafik, Sound, Gameplay und Hunderte von anderen vermeintlich messbaren Unterkategorien verschachteln. Das ist kompletter Irrsinn, wie Eurogamer bereits vor drei Jahren aufschrieb. Ihre Bewertungen lauten seitdem: ”Recommended, Essential oder Avoid“. Die eigentliche Einschätzung findet jedoch im Text statt. Verrückte Idee!

Und dieses Art von Gutachten ziehe ich persönlich jeder Punktewertung vor. Wie es richtig geht, haben für die Kamera im iPhone 8 beispielsweise Austin Mann oder Stan Horaczek gezeigt.

13. Oktober 2017 – 10:11 Uhr

#075 – die iCloud-Familienfreigabe

Alles, was ihr jemals über Apples Familienfreigabe wissen wolltet, habe ich nicht in dieses Video gequetscht. Aber ich beantworte in knapp 8 Minuten eine ganze Menge von Fragen, die zum ‚Family Sharing‘ aktuell noch einmal hochgekocht sind, seitdem es mit iOS 11 die Möglichkeit gibt seinen iCloud-Speicherplatz darüber zu teilen.

Vorweggenommen sei: Viel hat sich seit iOS 8, als die Familienfreigabe initial eingeführt wurde, nicht geändert. Aber seht selbst.

Hier die 40-Sekunden-Vorschau zur achtminütigen Episode:


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12. Oktober 2017 – 10:58 Uhr

Apple Watch Series 3

Das Regelwerk für Elfmeter beim Fußball ist präzise abgesteckt. Der Strafstoßschütze darf seinen Anlauf verzögern, aber dabei nicht komplett abstoppen. Ab dem Moment, in dem er schussbereit mit einem Fuß neben dem Ball auftritt, ist keine Unterbrechung der Ausführung mehr erlaubt. Das gilt sonst als unsportliche Täuschung.

Schaut man sich Hunderte von Foul-Elfmetern an, sieht man aber keine einheitliche Ausführung, sondern eine bunte Bandbreite von stotternden Tempowechseln beim Anlauf, abrupten Körpertäuschungen oder ein schlagartiges Bremsen um als Schütze den Torwart zu überlisten.

Etwa so wie der Anlauf eines Elfmeterschützen – mit seinen vielen kleinen und hakeligen Ungereimtheiten, fühlt es sich nach drei Jahren an von der allerersten Apple Watch auf die neue Series 3 zu wechseln. Plötzlich merkt man die kleinen Ruckler, die unrunden Animationen und den fehlenden Flow.

Shocked Face With Exploding Head”-Emoji hier einfügen.

Die Apple Watch Series 2 fiel bei mir im letzten Jahr aus: GPS und das schwimmfeste Design waren für mich persönlich – jemand der täglich aufs Laufband im Fitnessstudio springt, aber nicht bei Regen durch den Wald joggt – kein Grund für ein Upgrade. Die Series 3 ist ihren Preis bereits einzig und alleine durch den Geschwindigkeitsgewinn der Hardware wert – insbesondere für alle Apple-Watch-Käufer der ersten Uhr. Es fängt mit Kleinigkeiten an: Die Series 0 stottert jedes Mal wenn ich den vierstelligen Code zum Entsperren eingebe. Nicht kräftig, aber nervig ungleichmäßig, mit der Hun­derts­tel­se­kun­de einer Verzögerung – irgendwo zwischen der zweiten, dritten oder vierten Zahl im Sperrcode.

Signifikanter werden die Unterschiede wenn ich Siri meine Sprachbefehle zurufe oder Watch-Apps öffne. Mit der Series 3 ist der Flaschenhals nicht mehr die Hardware, wie in den Jahren zuvor.

Zugegeben: In drei Jahren verlangte Apple durch tiefgreifende Änderungen in watchOS einiges an Mühe von seinen App-Entwicklern. Apple krempelte große Teile des Konzepts, dass die Uhr prägt, um. Hinzu kommt: Erst jetzt, 30 Millionen verkaufte Uhren später, erzielt Apple eine Reichweite, die nicht mehr zu ignorieren ist (obwohl für LTE-Konnektivität noch einmal extra nachgearbeitet werden muss).

Inzwischen ist die Perspektive für den Computer am Armgelenk aber deutlicher zu erkennen: watchOS 1 und 2 wussten nicht so recht wohin; watchOS 3 war ein grundlegender Neubeginn und watchOS 4 feilt an Details. Beispielsweise liegt nun deutlich mehr Fokus auf der digitalen Krone. Wo man früher mit dem Finger über den kleinen Bildschirm gewischt hat, gilt heute die Empfehlung für den Drehknopf an der Gehäuseseite. Gleiches gilt für die Seitentaste, die zu den zuletzt aufgerufenen Apps springt. Das ist wesentlich nachvollziehbarer als das Freundeskarussell mit seinen Scribbles und Herzschlägen aus watchOS 1 und 2, aber auch im Gegensatz zum Dock aus watchOS 3 eine erhebliche Verbesserung. Es ist also nicht nur die reine Hardware-Power, sondern die Kombination aus schnelleren Prozessoren und neu strukturierten Abläufen in der Benutzung.

Der Akku meiner Series 0 hält auch nach drei Jahren noch einen kompletten Arbeitstag durch. Wenn ich allerdings schon morgens um sieben Uhr aus dem Haus gehe und erst gegen neun oder zehn Uhr wieder Zuhause bin, wird es knapp. Wenn dann noch Workouts stattfinden und viele Benachrichtigungen eintreffen, kapituliert die Uhr.

Series 3 – ohne LTE – hält an gewöhnlichen Tagen, mit einstündigen Workouts, ausgiebigen Fragerunden an Siri und zahlreichen (iMessage-)Chats, grundsätzlich 36 Stunden. Bei dezenter Nutzung verzichte ich für Kurztrips, mit nur einer Übernachtung, sogar darauf das Ladekabel einzustecken.

Doch klar ist: Wer fünf Stunden wandern geht oder aufs Fahrrad steigt und dabei dauerhaft die Uhr mitlaufen lässt, braucht eher früher als später Strom – auch ohne LTE. Kurze Zwischenladungen – während man duscht oder frühstückt, reichen dafür schon aus. Die Apple Watch muss keinesfalls über eine komplette Nacht am Ladegerät hängen.

LTE-Konnektivität ist ein Thema, das signifikant die Akkulaufzeit beeinflusst – logisch. Ich hätte schon heute gerne darüber ausführlicher geschrieben, muss das jedoch noch aufschieben bis ich im November wieder in Deutschland bin. In Finnland gibt es noch keinen Mobilfunkpartner, der es mir ermöglicht die Uhr in meinen Mobilfunkvertrag aufzunehmen. Die Reise nach Deutschland ist jedoch schon gebucht und ich reiche dieses Kapitel entsprechend nach.

Doch abseits der technischen Specs, wie beispielsweise der Akkulaufzeit unter LTE-Bedingungen, kann man sich schon jetzt „die neue Freiheit“ vorstellen. Und ja, es erscheint mir im Jahr 2017 abwegig das Haus komplett ohne iPhone zu verlassen – selbst für den kurzen Supermarkt-Einkauf oder den einstündigen Besuch im Fitnessstudio.

Die Apple Watch mit LTE verspricht, dass ich alle meine iMessages auf die Uhr bekomme (und in den selten Fällen, in denen noch telefoniert wird, darüber Gespräche führen kann). Für alle anderen Push-Benachrichtigungen muss das iPhone – eingeschaltet und online – irgendwo (auf der Welt) liegen. Es dient weiterhin als Mittelsmann für diese Informationen. Und das schränkt die Unabhängigkeit der Uhr ein.

Und deshalb sollte man die LTE-Konnektivität richtig verstehen: Sie gibt der Apple Watch mehr Souveränität, bleibt vorerst aber ein Satellitengerät. Sie nimmt dem iPhone Aufgaben ab, in denen sie besser als das Telefon ist (Benachrichtigungen, Fitness-Tracking, den Mac entsperren, Steuerung von HomeKit-Geräten, Taschenlampen-Funktion, etc.).

Absolut beeindruckend ist die Qualität der Lautsprecher, die Apple in dieser geringen Gehäusegröße unterbringen konnte. Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, installiert mal Shazam (universal; Laden) auf der Uhr, lasst die App einen Song erkennen und spielt dann über die Uhr einen kurzen Ausschnitt des Musiktitels an.

Von den guten Lautsprechern profitiert in der Series 3 unter anderem auch Siri, die Antworten auf Fragen jetzt nicht nur anzeigt, sondern auch ausspricht. Das ist besonders hilfreich weil man Siris Reaktion nicht mehr abwarten muss. Siri plärrt los, sobald sie bereit ist. Die Zeiten, in denen wir mit Geduld aufs Handgelenk geschaut haben, während Siri nach Antworten sucht, sind vorbei.

Apropos draufschauen: Der rote Punkt auf der digitalen Krone unterscheidet das LTE-Modell vom Nicht-LTE-Modell. Ich störe mich nicht optisch am roten Punkt; ich fand ihn schon auf der alten Edition ganz schick. Mir missfällt, das er zwangsläufig ein Statement nach außen kommuniziert: „Sieh an, das ist das schicke LTE-Modell der Uhr.“ Der rote Punkt raubt der Apple Watch ein bisschen ihr Understatement, dass sie bislang so makellos feierte.

Apropos Design: Apples Watchband-Portfolio ist in nur drei Jahren enorm gewachsen. Aktuell trage ich ein gewebtes Nylon-Armband zum Sport und ein klassisches Lederarmband (PRODUCT RED) überall anders. Ich hatte bislang keine Chance die neuen Sport-Loop-Bändern länger zu tragen. Ich habe sie nur kurz anprobiert, und sie haben dabei keinerlei Reiz in mir ausgelöst, eins davon besitzen zu wollen – insbesondere zum veranschlagten Preis von 59 Euro. Weiterhin erstklassig (und universell einsetzbar) bleiben die Sportarmbänder.

Unterm Strich steht: LTE-Konnektivität ist das Feature, an das wir uns in einigen Jahren zurückerinnern, wenn wir über die wichtigen Meilensteine der Apple Watch sprechen. Mobilfunk in der Uhr ist nicht nur ein evolutionärer Schritt.

Oder wie Jeff Williams es auf der Keynote formulierte:

This has been our vision from the very beginning, and we believe built-in cellular makes Series 3 the ultimate expression of an Apple Watch. Now you can go for a run with your Apple Watch and still be connected, you can leave your phone when you go to the beach or just run a quick errand, and it’s really nice to know you can be reached if needed while staying in the moment.

Wie für viele revolutionäre Schritte aber üblich, weiß man sie erst rückblickend zu schätzen. Und das hat seinen Grund: Die beschränkte Akkulaufzeit bei LTE-Nutzung, die fehlenden Mobilfunkvertragspartner und die weiterhin strenge Kopplung ans iPhone sind zur Zeit echte Unannehmlichkeiten, die man sich nicht schönreden muss. Andererseits muss man aber auch kein Visionär sein, um zu wissen wohin die Reise bei derart lösbaren Aufgaben führt.

Und wenn man es im Moment noch erträgt, neben der Uhr auch weiterhin sein iPhone einzustecken, ist Apple Watch Series 3 ein in allen Bereichen signifikantes Upgrade. Es gibt wirklich keinen Tag mehr, an dem ich ohne Uhr aus dem Haus gehe.

11. Oktober 2017 – 14:00 Uhr

„OxygenOS von OnePlus sendet Nutzungsverhalten an den Hersteller“

Das Betriebssystem OxygenOS des chinesischen Smartphone-Herstellers OnePlus sendet intransparent sensible Daten über das Nutzungsverhalten an das Unternehmen. Dieses „Überwachungsfeature“ des Betriebsystems lässt sich nicht in den regulären Optionen des Smartphones ausschalten. Käufer der Smartphones wurden auch nicht darüber aufgeklärt.

Netzpolitik.org

Genau genommen überträgt OnePlus zwei Datensätze: In der ersten Übertragung stehen Informationen welche Software auf dem OxygenOS-Telefon installiert ist, wie lange man individuelle Apps verwendet oder welche Funktionen man innerhalb dieser Software benutzt. Unter -> Einstellungen -> Erweitert -> „Join user experience program“ kann man diesen Informationsfluss abdrehen.

Die zweite Übertragung beinhaltet Daten wie die Serien-, IMEI- und Telefonnummer sowie die MAC- und WiFi-Adresse. Diese Datenübertragung lässt sich mit Bordmitteln nicht unterbinden.

OnePlus weist auf ihre Datenerhebung lediglich in den Nutzungsbedingungen hin und trennt nicht zwischen statistischen Geräteinformationen und persönlichen Daten, bei dem das Nutzungsverhalten direkt einem individuellen Telefon zugeordnet werden kann.

Oder kurz: Ich habe ein OnePlus 3 zu verkaufen verschenken.

10. Oktober 2017 – 15:24 Uhr

iOS 11: Apps aufräumen

Ein 4.7” und 5.5” iPhone fassen maximal 15 Homescreen-Seiten. Auf jede Homescreen-Seite passen 24 Ordner. iOS erlaubt 135 Apps pro Ordner.

Ich glaube, wir sind uns alle einig: Das iPhone bietet eindeutig zu viele potenzielle Plätze für Apps…(die man mit iOS 11 aber nun wenigstens flott sortiert).

9. Oktober 2017 – 15:21 Uhr

Wallpaper-Mods erzeugen einen komplett weißen iOS-Homescreen

Ihr erinnert euch noch an den komplett schwarzen iOS-Homescreen? Das war ein Bug, der sich unter iOS 11 nicht mehr ausnutzen lässt. Trotzdem ist es weiterhin möglich durch ein richtiges Hintergrundbild seinen Homescreen (minimal) zu modifizieren1. Beispielsweise kann man seinen App-Ordnern oder dem iOS-Dock die graue Transparenz entziehen und so die Illusion von einem komplett weißen Homescreen erzeugen.

Diese (und diverse andere) Hintergrundbilder – für das Spielkind in uns – finden sich auf der japanischen Webseite Mysterious iPhone Wallpaper beziehungsweise über @heyeased.


  1. Alle Änderungen erfolgen selbstverständlich ohne Jailbreak oder andere invasive Modifikationen. 

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