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van Alex Olma
26. Februar 2010 – 12:29 Uhr

M! Games-Kolumne / März 2010

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Unterbelichtet

Die iPhone-Firmware 2.0 spülte im Sommer 2008 eine systemweite Screenshot-Funktion auf alle Apple-Telefone. Durch gleichzeitiges Drücken der Home- und Einschalttaste friert der aktuelle Bildschirminhalt kurz ein und speichert ein Foto ins Archiv der Bibliothek. Mit Begeisterung beglücke ich seitdem Familienangehörige und Freunde mit digitalen Abzügen meiner iPhone-Mattscheibe. Bravourös gemeisterte “Super Monkey Ball”-Levels, farbenfrohe “Plants vs. Zombie”-Kriegsschauplätze oder neue Outfits meiner “Spore”-Kreatur dürfen in keiner Familien-Fotodatenbank fehlen.

Neben all dem Schabernack bewirbt jede versendete Bildschirmkopie auch die abgelichtete iPhone-Software. Unzählige Impulskäufe gingen zulasten meines iTunes-Kontos, weil ich im Netz über eine abgedrehte Bildschirmaufnahme gestolpert war. Aus diesem Grund findet sich derzeit Namco-Bandais Trommelparty “Taiko no Tatsujin” im viralen Werbe-Wirbelsturm wieder. Für die rhythmischen Schlagpartituren verwendet man gewöhnlich seine zwei Zeigefinger. Seitdem jemand die zwei menschlichen Drumsticks gegen essbare Presswürste austauschte und dies im Internet dokumentierte, lässt sich der weltweite Ansturm auf den japanischen App Store nur noch schwer bändigen. Das Resultat nach wenigen Tagen: endlose Foto- und Video-Interpretationen, eine Bestplatzierung in den App Store-Charts und unbezahlbare Kundenwerbung.

Warum zeigen sich Nintendo, Sony und Microsoft in puncto Screenshot-Erstellung so zugeknöpft? “Halo 3”, “Singstar” oder EA‘s “Fifa 2010” lieferten mit ihren Aufzeichnungsfunktionen der Spielinhalte bereits gute Ansätze. Leider blieben diese Versuche eine Ausnahme: Anstatt meine olympische Rekordzeit bei “Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen” in einem eindeutigen Bild zu verewigen, soll ich unzählige Worte aufwenden, um den Medaillenerfolg mit meinen Freunden zu teilen? Nö.

Geknipst, aber nicht gespeichert

iPhone-Spielmomente lassen sich vorBILDlich festhalten, überspielen, verschicken oder sogar in eine Datensicherung aufnehmen. Qualvoll vermisse ich diese Sorgfaltspflicht für Spielstände. Drei Berührungen mit dem Finger reichen aus, um Anwendungen vom iPhone zu tilgen. Damit einhergehend verabschiedet sich jedoch auch der komplette Spielerfolg in ein düsteres Datengrab. Bitte was? Ein Spiel fängt man nicht einfach so von vorne an!

Das Apple-Betriebssystem muss sich die Frage gefallen lassen, warum ich viele Stunden in ein “GTA Chinatown Wars” versenken soll, wenn sich der Fortschritt anschließend nicht dauerhaft speichern oder übertragen lässt? Wer zieht mehrere Nächte durch ein Point’n’Click-Abenteuer wie “Baphomets Fluch”, wenn man danach seinen iPod touch nicht mehr an den kleinen Bruder ausleiht, weil dessen Tollpatschigkeit sich in einem Spielstand-Mord manifestieren könnte?

Im Jahr 1988 gab es in “Super Mario Bros. 3” auf dem NES keine Speicherfunktion. Wer das letzte der knapp 90 Level entdecken wollte, musste ohne Spielstand auskommen und das Modul bis zum finalen Bowser-Schloss in der angeschalteten Konsole belassen. 22 Jahre später, im Zeitalter von Online-Speicherplatz und standardisierten Export-Möglichkeiten, stelle ich die Ernsthaftigkeit von Videospielen und deren ,Konsolen‘ in Frage, die so etwas nicht nutzen wollen, können oder dürfen.

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Für die M! Games, das dienstälteste deutschsprachige Videospiel-Magazin, verfasse ich eine monatliche Kolumne zum Thema iPhone. Die Ausgabe 198 befindet sich seit heute am Kiosk. Über Feedback zum aktuellen Artikel würde ich mich sehr freuen.

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