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van Alex Olma
2. Juli 2010 – 18:28 Uhr

M! Games-Kolumne / Juli 2010

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Das Drehmoment

Die Apple-Entwicklerkonferenz WWDC drängelte sich in diesem Jahr sicherlich nur zufällig auf den 7. Juni – einen Termin, der exakt sieben Tage vor dem Beginn der altehrwürdigen Spielemesse E3 lag. Die Ankündigungen aus San Francisco dürften auf dem Pilgerweg ins Los Angeles Convention Center von dessen Teilnehmern mit Interesse aufgenommen worden sein. Apple nennt sein diesjähriges Hardware-Update „iPhone 4“ und bestückt dessen Innenleben mit ausgetüftelten Bausteinen. Unter dem Aluminiumrahmen schuftet der gleiche A4-Prozessor wie im iPad. Seite an Seite kämpft er dort mit dem PowerVR SGX-Grafikchip und treibt die Pferdestärken in ein Dutzend Rennboliden, die in ,Real Racing HD‘ gleichzeitig auf den Rundkursen beschleunigen. Mit 960 x 640 Bildpunkten auf 3.5-Zoll lässt er seine mobilen Konkurrenten Nintendo DS (256 x 192 Pixel) und Sony PSP (480 x 272 Pixel) wie klobiges Kinderspielzeug dastehen. Bleibt die Frage: „Spielst du noch oder lebst du schon?“

Die reine Bildschirmauflösung ist nicht einmal der beeindruckendste Fakt: Die Pixeldichte, des als ,Retina-Display‘ bezeichneten Bildschirms übertrumpft mit 326 ppi (Punktdichte pro Zoll) die Darstellungskraft von menschlichen Augen. In der Qualität eines Laserausdrucks schmiegen sich in Zukunft Texte von Point’n’Click-Abenteuern an meine Netzhaut – Vorfreude ist angebracht! Konkurrenz-Pluspunkt aus Entwicklersicht: Für hochauflösende Menü-Optionen und Schrifteinblendungen muss keine Codezeile neu verbogen werden. Die über 225.000 erhältlichen Apps bekommen auf dem neuen Gerät eine unaufgeforderte Frischzellenkur. Lediglich viermal höher aufgelöste HD-Zeichnungen sollte die jeweilige Entwicklerschmiede noch einmal aus Photoshop exportieren.

Alles in Bewegung

Im iPhone 4 dreht sich ein Gyroskop, ein Kreiselkompass für die drei räumlichen Achsen, der eine exakte Positionsbestimmung im Raum ermöglicht. Demonstriert wurde das 3D-Klötzchenspiel ‘Jenga’, bei dem der Spieler um sein iPhone tanzt und so einen Blick auf die verschiedenen Turmseiten erhascht. Die Technikdemo läuft seitdem in meinem Oberstübchen; ich grüble über das Potenzial. Surrende Laserschwert-Duelle und isometrische ,Marble Madness‘-Kopien brauen sich als Gedankenspiele zusammen. Wie das Gehüpfe des Anwenders um sein Telefon herum zu interpretieren ist, muss mathematisch nicht verstanden werden: Das Framework ,CoreMotion‘ liefert simple Positionsdaten an den Programmcode. Nintendo rüstete im letzten Jahr mit mit dem Aufsteck-Dübel Wii Motion Plus zwar die Wii für eine genauere Lagebestimmung nach, lässt seine Entwickler jetzt jedoch ohne einheitliche Schnittstelle durch die unterschiedlich beschleunigten Dimensionen straucheln. Das Ergebnis zeigt sich in einer höchst wechselhaften Präzision der Bewegungserkennung. An das iPhone 4 stelle ich da höhere Ansprüche.

Und sonst? Fast nur Randbemerkung ist der bevorstehende Start des Apple-eigenen Reklamenetzwerks ‘iAd’, das zukünftigen Spielentwicklungen unter die Arme greift. Die Videotelefonie ,FaceTime‘ mit Frontkamera basiert auf offenen Standards, die in Zukunft auch von Third-Party-Anwendungen reichlich Verwendung finden dürfte. Apropos Reichtum: Aus der Facebook-Scheune trottet eine ,Farmville‘-Portierung mit potenziell 70 Millionen aktiven Spielern in Richtung App-Store-Universum.

Die für mich eindrucksvollste Ankündigung bleibt jedoch, das diese ,Spielereien‘ alle keine abgedrehten Zukunftsvisionen mehr sind, sondern ab dem 24. Juni im Handel stehen.

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Für die M! Games, das dienstälteste deutschsprachige Videospiel-Magazin, verfasse ich eine monatliche Kolumne zum Thema iPhone. Die Ausgabe 202 befindet sich ab heute am Kiosk. Über Feedback zum aktuellen Artikel würde ich mich sehr freuen.

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