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van Alex Olma
26. Juli 2010 – 9:24 Uhr

Rückfragen (und Antworten) zum ‚iPhone-4-Schnelltest‘ der ‚Stiftung-Warentest‘

In der letzten Woche stieß ich auf einen „Schnelltest“ zum iPhone 4 der deutschsprachigen Stiftung Warentest. Die ’scharfe‘ Wortwahl der Verbraucherschutzorganisation regte zu sieben Rückfragen an. Diese beantwortete sein Chefredakteur Andreas Gebauer jetzt per E-Mail.

Antennenpanne.jpg

Sehr geehrte Redaktion der Stiftung-Warentest, Sehr geehrter Herr Gebauer,

ich habe mir ihren „Schnelltest“ zum iPhone 4 durchgelesen, der unter dieser Adresse Online einsehbar ist:

Antennenpanne beim iPhone 4: Test entblößt Apple

Dazu habe ich einige Fragen, deren Antworten ich gerne ihm Rahmen meiner Berichterstattung unterbringen würde.

Gebauer: Sehr geehrter Herr Olma, hier die Antworten auf Ihre Fragen. Da Sie Blogbetreiber und anscheinend eingefleischter Apple bzw. iPhone-Fan sind, verstehe ich, dass Sie die aktuellen Ereignisse bedauern. Trotzdem muss die Stiftung Warentest bei aller Begeisterung über innovative Produkte, die auch hier herrscht, auch über Schwachstellen berichten dürfen. Dazu gehören beim iPhone nunmal hoher Preis, Anmeldung und eben jetzt die Empfangsprobleme. Hier die Antworten im Einzelnen:

1) Sie schreiben im Einleitungssatz: „Plötzlich abgebrochene Gespräche auf einem neuen 1 000 Euro-Handy […]„. Das wirft bei mir die Frage auf, wie der von Ihnen errechnete Preis von 1.000 Euro zustande kommt ? In egal welchem Tarif der Telekom ich suche, lässt sich hier ’nur‘ ein Maximalpreis von 399.95 € ermitteln. Da das Gerät offiziell nicht anders in Deutschland zu erwerben ist, verwundert mich ein solcher „Handy-„Preis als Pressekollege sowie Verbraucher.

Gebauer: Leider gibt es in Deutschland keinen offiziellen Preis für das iPhone ohne Vertrag. Die 1.000 Euro bezogen sich auf ein importiertes iPhone – es gibt auch billigere Angebote, die dann aber oft keine Geräte zur Verfügung haben oder lange Lieferzeiten bedingen. Genauso finden Sie auch Anbieter, die das Handy für 1.300 Euro verkaufen. Da die Preise für vertragsfreie iPhones stark schwanken, sind die 1.000 Euro nur als ein Daumenwert zu verstehen, der aber nicht allzu weit von der Realität entfernt ist. Die von Ihnen zitierten 399,95 Euro bei T-Mobile enthalten noch keine Vertragsgebühren. Für zwei Jahre Complete XS-Tarif kommen noch einmal 598,80 Euro hinzu plus 24,95 Euro Aktivierungsgebühr. Ergibt 1.023,70 Euro. Da lagen wir mit unserem 1.000-Euro-Handy gar nicht schlecht.

2) „Besitzer eines iPhone 4 klagen immer wieder über plötzlich unterbrochene Gespräche.“ Klagen die Benutzer bei Ihnen (vermehrt) darüber direkt oder auf welche Angaben beziehen Sie sich hier genau? Als offizielle Quelle sind mir lediglich, die von Apple genannten Support-Anfragen bekannt, die mit 0.55-Prozent (von 3 Millionen Käufern) eher niedrig erscheinen.

Gebauer: Eine der ersten Meldungen zum Thema war in Deutschland bei heise.de zu lesen. Die Netze in Deutschland sind stärker, die Probleme in den USA selbst deswegen wohl größer. Es gibt sie aber unbestreitbar – subjektiv empfunden und auch objektiv gemessen. Sonst gäbe es jetzt nicht die Aktion von Apple, kostenlos eine Schutzhülle zur Verfügung zu stellen.

3) „Ein ähnliches Phänomen [Anmerkung des Autors: hier ist wohl der Empfang gemeint] lässt sich auch bei Radios beobachten: Wer die Antenne anfasst, hört nur Rauschen und Knacken.“ Liegen Ihnen zu dieser Behauptung Testergebnisse vor?

Gebauer: Diesen Effekt kennt nahezu jeder aus eigener Erfahrung. Dieses Beispiel dient nur zur Verdeutlichung.

4) „Der Test im Labor bestätigt dies: Schon wenn ein Finger den Antennenschlitz an der unteren linken Ecke berührt, sinkt der Empfang beim iPhone 4 um 90 Prozent.“ Ich wäre wiederum sehr an den genauen Testergebnissen interessiert. Die von Ihnen später erwähnte „Partnerorganisation Consumers Union“ berichtet im „Consumer Reports“ von einem Abfall bei einer Berührung um 20 Dezibel. Bei einem Messbereich zwischen -51 und -121 lassen sich die von Ihnen proklamierten 90-Prozent nicht in mathematischen Einklang mit den Testwerten bringen. Beziehen sie sich eventuell auf einzelne Signalbalken? Wie fällt ihre Meinung zur 4.0.1-Aktualisierung aus, die einen anderen Algorithmus verwendet?

Gebauer: Die Dezibelskala ist definiert über den dekadischen Logarithmus mit dem Vorfaktor 10 (deshalb dezi): dB=10*log(Leistung/Ausgangsleistung). Nimmt die Leistung gegenüber der Ausgangsleistung um 90% ab, entspricht dies minus 10 dB; bei 99% minus 20 dB. Bei 25% Dämpfung ergeben sich gerade Mal minus 1,25dB. Da die Dezibelskala von vielen falsch interpretiert wird, haben wir unsere Angaben in prozentualen Änderungen gemacht, wobei wir nicht die Extremwerte (99%) sondern die mittleren Rückgänge der Sendeleistung (90% bzw. 25%) im Artikel erwähnt haben. Stiftung Warentest hat außerdem eine weitere Methode ins Spiel gebracht (die 2D-SAR-Messung), um die Ergebnisse von Consumers Union zu bestätigen.

5) „Die Stiftung Warentest hat die Sendeleistung von zwei weiteren Smartphones gemessen. Auch bei ihnen sinkt der Empfang bei direkter Umklammerung des Gehäuses. Jedoch nur um 25 Prozent.“ Um welche Geräte handelt es sich dabei?

Gebauer: Mittlerweile haben wir noch weitere Handys zum Vergleich herangezogen. Darunter die Geräte, die Steve Jobs in seiner Vorführung verwendet hat. Klar ist, dass die Antennenfunktion durch Berührung bei allen Handys beeinflusst wird. Beim iPhone 4, welches ja mit neuer, revolutionärer Außenantenne angepriesen wurde, sind die Einbußen bei Berührung aber deutlicher als bei allen anderen von uns untersuchten Handys. Der propagierte technische Fortschritt führt also in diesem speziellen Fall im Alltag zu einem Rückschritt für den Nutzer und hierin liegt auch unsere Hauptkritik.

6) „Die Empfangsprobleme des iPhone 4 werden im Netz und medial seit einigen Wochen diskutiert. Zuletzt berichtete die amerikanische Partnerorganisation der Stiftung Warentest, Consumers Union […] Dies war möglicherweise der letzte Anstoß für die von Apple am Freitagabend mitteleuropäischer Zeit veranstaltete Pressekonferenz.“ Verschwiegen bleibt: Consumer Reports zeichnet das iPhone 4 außerdem zum besten Smartphone seiner Klasse aus, nicht wahr?

Gebauer: Es ist richtig, dass Consumer Reports vor Entdeckung der Antennenprobleme das iPhone empfohlen hatte. Aktuell tut die Organisation das aber nicht mehr, s. etwa hier oder hier direkt bei Consumer Reports.

Stiftung Warentest.jpg

7) Aus ihrem Archiv unter der Stichwortsuche „iPhone“ tauchen 21 Treffer zum Thema auf. In acht Überschriften erscheint dabei die direkte Bezeichnung „iPhone“. Diese ‚Headlines‘ lauten wie folgt: „Antennenpanne beim iPhone 4: Test entblößt Apple“, „Handys: iPhone bringt Licht und Schatten“, „Handys: Alternativen zum iPhone“, „Smartphones: Android vor iPhone“, „Apple iPhone 3G: Sinking in the rain“, „iPhone im Schnelltest: Schön teuer“, „Apple iPhone: Schön teuer“ sowie „EU: Geprüfte iPhones“.

Meine Frage: Existiert eine Differenz zwischen Ihrer (allgemeinen) Berichterstattung zum Apple-Telefon sowie dem generellen Nutzer-Interessere, das wohl zweifelsfrei als ‚populär‘ bezeichnet werden darf? Wie erklären Sie sich, die so gut wie nicht existente Rücklaufquote (die Telekom weist aktuell Lieferzeiten von neun Wochen auf) bei einem solch gravierenden Problem?

Gebauer: Natürlich handelt es sich um ein interessantes und innovatives Produkt. Die Stiftung Warentest widmet sich ihm deswegen mit der gebührenden Aufmerksamkeit. Und nennt dabei eben auch die Schwachstellen (s.o.)

Über eine zeitnahe Antwort würde ich mich sehr freuen und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Alexander Olma

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Es ließen sich mit Sicherheit noch viele Argumente gegenseitig austauschen. Ich bedanke mich an dieser Stelle jedoch vorerst für die zeitnahe Beantwortung der aufgeworfenen Diskussionspunkte von Seiten der Redaktion und überlasse deren Interpretation meiner werten Leserschaft.

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