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van Alex Olma
12. Februar 2014 – 12:47 Uhr

Bluetooth-Kopfhörer mit User Interface: der Parrot Zik

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Design

Ich bin auf den Parrot Zik – erhältlich ab 260 Euro (Affiliate-Link) – durch sein Design aufmerksam geworden. Die französische Firma, bekannt durch seine iOS-Drohne, setzt mit diesem Bluetooth On-Ear-Kopfhörer ein optisches Statement. Das kann man lieben oder hassen, keinesfalls aber langweilig finden.

Die ovalen Kopfmuscheln wirken einer Bang & Olufsen-Produktion entsprungen – so seriös, so erwachsen. Die zwei Metallbügel jedoch, die sich einseitig um die Ohrwärmer schwingen und diese fast schweben lassen, stehen dazu in einem sehr modernen Kontrast. Die Aufhängung entspricht so ganz dem Image, das Parrot mit seinen Quadrocoptern genießt.

Wer nur schaut und nicht anfasst, wundert sich über die gigantischen Löffel am schmächtigen Bügel. Einmal aufgesetzt, weicht die Verwunderung: Die Ohrhörer sind erwartungsgemäß schwer (330g), verblüffen allerdings mit einer phantastischen Balance.

Beide Schaumstoffpolster umklammern die Ohren so kräftig, dass kein Sound entweicht, ohne dabei aber einzuengen. Ich kann die Zik für viele Musik- und Podcast-Stunden kontinuierlich auf den Ohren tragen.

Technik

Software ist die bessere Hälfte von Hardware. Parrot demonstriert dieses Credo in allen seien Produkten und liefert auch für die Zik, die sich über Bluetooth ans iPhone oder iPad klemmen, eine 'Audio Suite' (kostenlos; universal; App-Store-Link), die den Kopfhörer tuned. Die Einstellungen umfassen Equalizer-Optionen, aktive Geräuschunterdrückung und einen 'Konzerthallen'-Mode, der Stereo-Sound aus unterschiedlichen Entfernungen simuliert. Alle Optionen sind nachvollziehbar aufbereitet. Selbst Audio-Amateure (wie ich) können damit die unterschiedliche Tongestaltung live feinjustieren.

Über die App spielt man auch Software-Updates ein, legt eine Standby-Periode fest oder schaut auf die Batterielaufzeit. Exakt diese Features braucht im Jahr 2014 jeder Kopfhörer, der mit einer sich rasant weiterentwickelnden Smartphone-Welt Schritt halten möchte.

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Mehr Technik steckt im Kopfhörer selbst, der mit einer geschulten Design-Devise – nur konsequent – auf hässliche Buttons verzichtet. Eine PLAY-Taste oder ein Rädchen für die Lautstärke sucht das Auge vergeblich. Der Zik besitzt in der rechten Hartschale ein kapazitives Touch-Bedienfeld, das auf euren Fingerzeig reagiert. Streicht man aufwärts, nimmt die Lautstärke der Musik zu. Ein waagerechter Fingerstrich von hinten nach vorne überspringt den aktuellen Song. In Castro, meinem derzeitigen Podcast-Client, hüpft die Wiedergabe 30 Sekunden nach vorne. Ein einzelner Fingertipp nimmt eingehende Anruf entgegen. Nur Siri lässt sich nicht ohne Griff zum iPhone aufrufen.

Letzte (gelungene) Spielerei: Der Kopfhörerbügel merkt, wenn ihr ihn absetzt und pausiert dann automatisch die Musikwiedergabe. Spürt das Kunstleder am Bügel sowie an der Ohrhörern anschließend wieder Haut (ja, ihr könnt den Zik lässig um den Hals tragen ohne die Wiedergabe anzustoßen), gehts danach genauso unaufgefordert wieder weiter.

Klang

Ein Klinkenkabel liegt bei, einen Unterschied in der Soundqualität gegenüber der kabellosen Übertragung konnte ich nicht feststellen. Da man ohne Bluetooth-Verbindung auch die bequeme Konfiguration, die Klangprofile und die Option zum Ein- und Ausschalten von 'Noise-cancellation' verliert, ist das definitiv keine Option. Der Zik drängt förmlich darauf ohne Kabel benutzt zu werden1.

Einzig und allein eine geringere Verzögerung, beispielsweise für Filme oder Spiele, leistet der Line-In (180ms gegenüber 60ms). Aber auch über BT lief jedes Video(-spiel) auf meinem iPad und iPhone nahezu (lippen-)synchron.

Ich maße mir weiterhin kein fachkundiges Urteil über Höhen, Tiefen und Bässe an – dazu fehlt mir schon der Mitbewerbervergleich. Der digitale Signalprozessor entzieht dem iPhone jedoch Klänge, die in meiner unprofessionellen Wahrnehmung sehr weit vorne mitspielen – insbesondere für drahtlos übertragenen Sound.

Oder um es mit den Worten von Lou Reed zu sagen, der Werbeperson für die Zik spielt und auch eine eigene Equalizer-Einstellung beisteuert: "I know the way I like things to sound".

An der Qualität der Geräuschunterdrückung zweifle ich keine Sekunde. Der Unterschied ist deutlich hörbar. Nicht nur Stimmengewirr in einer vollen Einkaufsstraße (Findet die mal in Finnland!), aber auch Babygeschrei, das hier im Haus derzeit sehr populär ist, ließ sich deutlich dämpfen, ohne entscheidende Einbußen beim Klang.

Hinzu gesellt sich eine deutlich komfortable Reichweite, die mir auf unseren 70 Quadratmetern Wohnfläche, im Zusammenspiel mit einem 5s, noch keinen Aussetzer bescherte.

Unbequem ist dagegen, dass der Zik sich jeweils nur an ein einziges Gerät koppelt. Wer häufig seine Kopfhörer mit verschiedenen iPads oder Macs verbindet, wird diese Idee mit dem Zik schnell wieder verwerfen.

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Praxis

Ein paar einzelne Praxishinweise sind mir in den letzten vier Wochen, in denen ich die Zik jetzt ausschließlich verwendet habe, aufgefallen.

  • Der Bluetooth-Kopfhörer bootet beeindruckend schnell. Selbst aus dem Kaltstart ist es nicht möglich schneller sein iPhone zu entsperren und eine Musikwiedergabe zu starten. Der Kopfhörer ist sofort einsatzbereit.
  • Mit oder ohne Brille: die Klanggeber drücken mir an keiner Stelle. Zu ergänzen bleibt jedoch, dass der perfekte Sitz nur dann gewährleistet ist, wenn das Stereo-Pärchen auch auf beiden Ohren sitzen. Wer sich gerne eine der beiden Seiten hinters Ohr klemmt, beispielsweise um aufs Baby zu horchen, nimmt einen wackeligen Sitz in Kauf.
  • Der wechselbare (!) Akku, der sich hinter der magnetischen Abdeckung im linken Löffel versteckt, hält (je nach Einstellung und Gebrauch) locker über fünf Spielstunden. Aufgeladen wird über Micro-USB; es nervt das kein Warnton bei niedrigem Akkustand ertönt. Einen Blick auf die iPhone-App, die den Batteriestand anzeigt, hat man nicht immer.
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Verdict

Das Design macht den Unterschied. Man kann diese Kopfhörer nicht falsch aufsetzen. Man kann nicht Links und Rechts vertauschen, da die Schallwandler nur zwei Ausrichtungen besitzen.

Zum Design gehört auch die Software. Sie spart nicht nur unästhetische Knöpfe an der Hardware (die nur unauffällig auf der Bügel-Oberseite ein Logo besitzen), sondern vereinfacht auch komplexe Einstellungen wie den Equalizer, der in der Praxis einen gigantischen Unterschied macht.

Die Geräuschunterdrückung, ermöglicht durch vier integrierte Mikrofone, ist ein echter Gewinn. Von dem Konzert-Mode, der verschiedene Audio-Positionen imitiert, bin ich nur mäßig angetan. Der Unterschied ist ohne Frage zu hören, katapultiert das Musikerlebnis jedoch nicht in andere Klangwelten.

Der Zik passt ins Apple-Zubehör-Spektrum, da er nicht nur langweiliger Kopfhörer, sondern auch ein bisschen Körperschmuck ist. Er traut sich stylish zu sein und damit nicht jedem gefallen zu müssen. Durch seine Größe bringt er Distanz zwischen euch und die Außenwelt. Ich mag das sehr. Ich mag den Parrot Zik sehr.


  1. Es ist jedoch möglich, den Zik an einem Mac über Klinkenkabel zu betreiben und per Bluetooth seine Einstellungen vom iPhone aus vorzunehmen.

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