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van Alex Olma
29. September 2014 – 9:12 Uhr

Das iPhone 6 und 6 Plus

Zehn volle Tage hatte ich nun mit dem iPhone 6 und 6 Plus. Zehn Tage, an denen ich nicht geschlafen habe und mir nur für schnelle Mahlzeiten und andere Blogartikel eine Auszeit von den neuen Telefonen gönnte. Oder anders gesagt: „(I’ve Had) The Time of My Life.“

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Vorweg geschoben sei: Dieser Beitrag schließt an meine Ersteindrücke von Dienstag an. Ich bemühe mich, die dort aufgeschriebenen Erfahrungen hier nicht noch einmal zu wiederholen.

Die zwei Sechser nach 10 Tagen

4.7- oder 5.5-Zoll? Eine weltbewegende Frage! Zum jetzigen Zeitpunkt ist darüber alles gesagt, jedes Wort geschrieben und die Debatte bis ins letzte Detail diskutiert worden; jeder Vorteil und jeder Nachteil sind abgewogen. Und irgendwie sind wir alle so schlau wie vorher, oder?

Androiden loben regelmäßig ihre Auswahl an unterschiedlichen Geräten. Ein Dickes mit ganz viel Batterie, eins zum Klappen oder eins mit zwei SIM-Karten. Apple bietet erstmals zwei iPhones an, beide im Premium-Segment, ohne klare Abstufung, und die Leute verzweifeln.

Letzten Freitag war mein Tag der Entscheidung. Bis dahin bespielte ich beide Telefone mit der identischen Software, schleppte sie überall gemeinsam hin und wechselte meine Aufmerksamkeit fair (was technisch übrigens erstaunlich gut funktioniert). Schon am Mittwoch zeichnete sich ab, dass ich mir Gründe zurechtrückte, den größeren Plus-Screen aus der Tasche zu ziehen.

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Beide Bildschirme sind exzellent. Die unterschiedliche Auflösung, 326 ppi gegenüber 401 ppi, ist in der Praxis für mich nur eine Datenblatt-Argument. Viel entscheidender ist, wie meine Augen die Screens empfinden. Und auf dieser Skala lüstern sie unbestreitbar nach iOS auf 5.5″. Es fühlt sich wie ein natürlicher Instinkt an das Größere zu wollen. Der Bildschirm ist so gut, mir war nach dem neuen Maximum, obwohl sich das iPhone 6 vertrauter anfühlt. Und gewöhnlich greife ich (wir?) zum Vertrauten.

Vertraut bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch nicht, und das war mir Dienstag beispielsweise noch überhaupt nicht klar, dass ich keins der Telefone nur mit einer Hand bedienen kann. Beim 5s stützt mein kleiner Finger gewöhnlich das Gerät nach unten ab, wie in einer Autohalterung. Bei beiden neuen Geräten liegt mein kleiner Finger in einer solchen Position auf dem Lightning-Anschluss auf, der durch die Abrundung aber hervorsteht. Das ist nicht sehr angenehm, weshalb ich beide iPhones nun im Kung-Fu-Griff komplett umgreife und schon deshalb nicht mehr mit dem Daumen in jede Ecke reiche.

Die letzten zwei Jahre haben uns gelehrt: Das 5(s) lässt sich perfekt mit nur einer Hand bedienen. Und Apple warb zum Release exakt damit. ‚Thumb‘ zeigte im 30-Sekunden-Spot einen Daumen, der sowohl in Höhe wie auch Breite das iPhone abtastet. Apple erklärte 4-Zoll damals zum ‚Common sense‘. Wer so ein Statement wagt, und zwei Jahre später kein neues 4-Zoll-Gerät mehr anbietet, muss sich nun belächeln lassen. Wer darüber jedoch heute scherzt, lachte auch damals über den nur kleinen Display-Zuwachs. So dreht sich jeder die Argumente, wie sie einem passen.

Apple nicht ausgenommen. Ohne Samsung und Co. hätte wir vielleicht nie die neuen Bildschirmgrößen gesehen. Vielleicht. Vielleicht folgen 4.7- und 5.5-Zoll aber auch nur eine ganz natürlich Entwicklung, an der Apple über Jahre gearbeitet hat?

Dass diese beiden Telefone nicht erst in den letzten 12 Monaten entstanden, sondern gewöhnlich in längeren Zyklen geplant werden, halte ich ebenfalls für ‚Common sense‘.

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Keiner bestreitet, dass Apple die Hardware für ein großes iPhone bereits vor Jahren hätte produzieren können. Nicht in der heutigen Materialqualität, mit der Wucht des neuen Kamerasensors oder einem 64-Bit-Prozessor, der mit weniger Arbeitsspeicher (1 GB) die Konkurrenten links überholt. Hardware hätte es aber trotzdem gegeben, keine Frage.

Die Abstriche hätten wir in der Software gesehen. Keine seitlichen Wischgesten, kein Autolayout und App-Store-Entwickler mit Kopfschmerzen. iPhone 6 und 6 Plus waren in dieser Qualität, in der Soft- und Hardware ineinandergreifen, erst dieses Jahr möglich. Erst seit diesem Jahr liegen alle Puzzleteile in Position.

Wirklich alle Puzzleteile?

App-Store-Software, die bislang nicht für große Bildschirme angepasst wurde, ist ein Graus. Jeden Morgen nach dem Aufstehen führt mich mein erster Gang in den App Store um mir die Frage zu beantworten: „Sind neue Updates verfügbar?“ Und jeden Morgen überraschten mich bislang eine Handvoll neuer Apps, die über Nacht optimiert und gestreckt wurden – von Fantastical 2 über Instapaper bis Twitterrific 5. Es wird noch ein Weilchen dauern bis sich die Triple-A-Apps nicht nur anpassen, sondern tatsächlich die zwei großen Bildschirme ausnutzen; sich neue Konzepte für den extra Platz überlegen.

Die aufgeblasene Darstellung mit der wir uns derzeit rumschlagen, ist kein schöner Hack. Aber es ist ein Hack auf Zeit; vergleichbar mit dem ersten Halbjahr nach dem iPhone-5-Release.

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Beide neuen iPhones sind flacher als das 5(s). Dadurch fühlen sie sich weniger kompakt an, leichtfüssiger. Das ist ein wesentlicher Unterschied um die ohnehin großen Telefone nicht monströs erscheinen zu lassen. Ein Modell ‚Weniger-flach-mehr-Akku‘ testete Apple mit Sicherheit ausführlich. Und wahrscheinlich wurde es zurecht abgelehnt. Ein 5s in der linken und ein 6 Plus in der rechten Hand geben einen ganz guten Eindruck warum es wichtig war, dünner zu werden. Nicht nur das Gewicht ist hier entscheidend, sondern auch wie massiv und drall sich das Telefon anfühlt.

„Aber warum überhaupt größer?“

Eine mittlerweile unnötige Frage, wie die erfolgreichen Verkäufe der konkurrierenden Geräte in diesen Dimensionen zeigen. Man kann ganze Abende mit der Diskussion darüber verbringen, warum XXL-Smartphones mittlerweile ein Trend sind. Warum wir heute viel weniger telefonieren. Schlussendlich ist das aber alles egal, weil sie gekauft und geliebt werden.

Eine dagegen zulässige Frage: „Warum nicht auch ein neues iPhone mit 4-Zoll?“

Die Antwort ist wahrscheinlich simpler als es einigen Kunden lieb ist: Apple scheint sehr glücklich mit seinem 5s. Nein, sie sind sogar zufrieden mit ihrem 5c (auf der jetzigen Preisstufe), sonst wäre seine Lebenszeit nicht verlängert worden. Beide Telefone (plus die Auslaufmodelle) verkauften in den letzten neun Monaten zusammengerechnet 130 Millionen Einheiten. Sie führten die Charts der besten Smartphones über den gesamten Zeitraum an. Warum sollte Apple hier auswechseln?

Und das wird die ganz einfache Antwort sein, warum es kein iPhone 6 (mini) mit 4-Zoll in diesem Jahr gibt.

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Strich drunter.

Meins ist das 6 Plus – zumindest für das nun folgende Jahr. Nächsten Herbst mag es mit der iWatch Apple Watch und den (schon in Kürze) neuen iPads wieder ganz anders aussehen. Umstände und Setups ändert sich, egal ob man im einjährigen oder (wie die meisten) im zweijährigen Rhythmus kauft.

Das Smartphone ist mittlerweile das zentralste unserer Geräte – der ‚digitale Hub‘ unserer Generation wenn man so will. Es ist auch der persönlichste aller Computer. Apple bietet dieses Jahr nicht ein, sondern zwei Premium-Versionen davon an. Ein Luxusproblem? Klar. Und trotzdem darf man sich mit der Frage quälen, welchen man davon ‚in sein Leben lässt‘.

10 Millionen Telefone, damals 1% vom Mobilfunkmarkt, wollte Apple mit dem iPhone Classic in seinem ersten Jahr (2007 / 2008) loswerden. iPhone 6 und 6 Plus reißen diese Zahl mittlerweile am ersten Verkaufswochenende.

Sieben Jahre ist eine lange Zeit, zugegeben. Speziell für Technik. Und trotzdem ist es erst das zweite Mal, dass sich die Bildschirmgröße der iPhones ändert. Rückblickend war der Sprung von 3.5- auf 4-Zoll klein. Apple fühlt sich dieses Jahr in einer Position, den Leuten mehr zuzumuten. Das beginnt bei den Kunden, erstreckt sich aber auch über Entwickler, dessen Einfluss Apple nicht unmittelbar in der Hand hat. Das Ökosystem scheint jedoch stabil genug, dass sich Apple darauf verlassen kann, Software angepasst zu bekommen. Dieses Privileg gehört ihnen alleine; kein Samsung, HTC oder Sony kann das in einer vergleichbaren Geschwindigkeit und Qualität von den so wichtigen Dritt-Apps behaupten.

Apple sagt gewöhnlich: „Springt!“ und die Entwickler fragen: „Wie hoch?“ Obwohl man einen derartigen Wechsel auf gleich zwei neue Displaygrößen nicht als selbstverständlich hinnehmen darf, ist auch klar: Jedes Mittel um noch mehr iPhones zu verkaufen, ist gleichzeitig auch ein Bestreben für mehr Neukunden von Software.

Die Balance ging in den letzten Jahren auf. Es wird auch dieses Jahr wieder klappen. Zukünftig werden die Unterschiede zwischen iPhone- und iPad-Apps verschwimmen und sich dann komplett auflösen. In Zukunft wird nach Bildschirmgröße unterschieden und nicht mehr nach Gerät. Die neuen iPhones schließen vorerst die bisherige Lücke zu den iPads.

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Nach 10 Tagen zurück zum iPhone 5s fühlt sich komisch an. iOS scheint auf den neuen Geräte so viel erwachsener geworden zu sein. Für alles was man damit gewöhnlich macht. Games sind so viel besser; Fotos so viel wuchtiger und das Web drückt dir seine Information so viel direkter auf die Augen.

Kleiner ist für mich nach 10 Tagen erst einmal keine Option mehr.

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