iPhoneBlog.de iPhoneBlog.de
van Alex Olma
29. Dezember 2014 – 23:31 Uhr

Ein gesetzliches Rückgaberecht für Apps!?

IPhoneBlog de Terms and Conditions New

Apple änderte die Verkaufsbedingungen für den iTunes Store. Nicht erst heute, sondern bereits am 16. Dezember. In der neuen Fassung, die nur für EU-Stores gilt, ist von einem 14-tägigen Widerrufsrecht für digitale Downloads die Rede. Darin heißt es:

Widerrufsrecht: Wenn Sie Ihre Bestellung rückgängig machen möchten, können Sie sie binnen 14 Tagen nachdem Sie die Quittung erhalten haben ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Apple empfiehlt, alle Stornierungen – einschließlich App-Rückgaben – über diese Webseite mit dem Menüpunkt „Problem melden“ abzuwickeln. Eine Option, keinen Grund für die Stornierung anzugeben, wie es das Widerrufsrecht verspricht, existiert dort jedoch (noch) nicht. Update: Für Apps, die etwas kosten, gibt es diese Option. Ich habe das gestern wohl übersehen. /Update

Schon lange konnte man so Apps zurückgeben, die beispielsweise (technisch) nicht funktionierten. Apple zeigte sich bei der vollständigen Rückerstattung (keine Gutschrift!) in allen mir geschilderten Fällen sehr kulant. Ich habe in sechs Jahren App Store eine einzige Anwendung (aus Testgründen) zurückgegeben, konnte sie danach aber weiter verwenden, allerdings keine Updates einspielen und auch nicht noch einmal neu kaufen. Der Entwickler trug bislang die finanzielle Differenz zwischen seiner 70-Prozent-Beteiligung und der 100-Prozent-Rückerstattung an den Käufer.

Knackpunkt der Neuformulierung ist jedoch diese Passage:

Ausnahme zum Widerrufsrecht: Sie können eine Bestellung für digitale Inhalte nicht widerrufen, wenn die Lieferung mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung und Ihrer Kenntnisnahme, dass Sie dadurch Ihr Widerrufsrecht verlieren, begonnen hat.

Was hier als Lieferung bezeichnet wird, ist der Download der App, der (bekanntlich) direkt nach dem App-Einkauf startet. Unter iOS existiert also keine (zeitliche) Unterscheidung zwischen Bestellung und Lieferung.

Laut neuem EU-Widerrufsrecht, das seit Juni 2014 gilt und wahrscheinlich der Auslöser für Apples sprachliche Ergänzung ist, muss eine Ausnahme zum Widerrufsrecht jedoch ausdrücklich bestätigt werden – beispielsweise durch das Setzen eines Häkchens. Ob es dafür ausreicht, einmal generell die neuen Bestimmungen abzunicken und damit auf sein Widerrufsrecht für alle kommenden App-Downloads (der nächsten Monate) zu verzichten, ist mir unklar. Hat überhaupt schon jemand die neuen AGBs im App Store vorgesetzt bekommen? Ich wurde bislang noch nicht danach gefragt.

Verbraucherschutz ist wichtig, ein 14-Tage-Rückgaberecht auf Apps scheint übermotiviert. Das finanzielle Risiko, dass der Nutzer mit dem Kauf einer iOS-Software unter 10 Euro eingeht, steht für mich in keinem Verhältnis zum Aufwand der Rückabwicklung und der juristischen Intransparenz. Fehlerhafte oder inkompatible Software natürlich ausgenommen.

Die pessimistische Annahme, dass eine solche Regelung großflächig ausgenutzt werden würde, teile ich nicht. Wer so vorgeht, greift doch eh zur Piraten-Kopie anstelle sich durch sein App-Store-Profil mit auffällig vielen zurückgegebenen Apps bloßzustellen, oder?

  • Franz

    Wenn es seit dem 16.12. bekannt war, warum hast du dann nicht darüber geschrieben, sondern jetzt erst, nachdem es andere gemacht haben? An sich ja nichts wildes, nur warum lässt du dann (mal wieder) die Quelle bzw das via weg? Das ist also deine gestern noch von dir selbst gelobte Arbeitsweise?

    • JesterLewis

      Ist das jetzt wirklich kritikwürdig?

    • Ja, es gab bereits einige nette Leser, die mir regelmäßig Hinweise dieser Art vorab reinreichen. Ich habe in diesem Fall darauf gewartet, das Apple diese Änderung den Nutzern aktiv vorlegt. Das ist nach meinen Infos bislang noch nicht geschehen.

      Nachdem gestern viel über das Thema geschrieben wurde – leider auch viel Quatsch – entstand dieser Beitrag, der eher ungewöhnlich für mich, auch eine gezielte Frage stellt.

  • Also ich habe kurz vor Weihnachten eine App zurück gegeben und habe davon nichts gemerkt. Habe bereits vorher Apps zurück gegeben und die wurden ohne jede Nachfrage erstattet. diesmal hat mich eine nette Dame penetrant über 4 Mails hinweg darauf hingewiesen ich solle doch erstmal mit dem Entwickler kontakt aufnehmen, wenn ich sie aber wirklich zurückgeben will, solle ich doch antworten.

    Fand ich ziemlich anstrengend diesmal und bin dann auch leider etwas ausfallend geworden, da es wirklich genervt hat. In den Bildern zu der App wurden Sachen suggeriert, die dann nicht umgesetzt wurden.
    Ja im Beschreibungstext stand es auch anders, aber ich hab die App dann trotzdem gekauft. Selber Schuld? Ja vllt, aber trotzdem sollte das zurückgeben von Apps einfacher werden.

    Ich würd mir sowas wie im Playstore wünschen. Die 15 Minuten würden mir völlig reichen. Es gab schon so einige Apps die ich zurückgegeben hätte, wenn ich diese 15 Minuten gehabt hätte.

    Der Aufwand den ich bei Apple betreiben muss, sind mir die paar Groschen dann meist nicht Wert.

    Andererseits würde ich auch viel mehr Apps ausprobieren und wahrscheinlich auch mehr kaufen, wenn ich die Möglichkeit hätte diese kurz zu testen.

    • Schupunkt

      Den letzten Punkt kann ich genau so unterschreiben. Bei mir ist es auch so das ich häufiger Apps nicht kaufe, wenn ich nicht einschätzen kann ob sie mir was bringen, da mir der Aufwand zu groß ist sie bei nicht gefallen wieder zurück zu geben.
      Ich hoffe das Apple da vielleicht doch mal bei Google anschaut…

    • 15 Minuten Rückgabezeit reichen völlig um zu sehen, ob eine App komplett daneben ist oder nicht.

  • Pingback: Versehentlich eingekauft | iScout Blog()

  • Mr. Higher

    Ein großflächiges Ausnutzen in der von dir geschildert Art sehe ich zwar auch nicht als Gefahr, aber eine mögliche Manipulierung der (Musik-)Charts könnte ich mir durchaus vorstellen.

Social

Abonnement

iPhoneBlog präsentiert wöchentlich neue Videos über App-Store-Apps und einen täglichen Ideenaustausch im privaten Slack-Kanal. Noch nicht dabei? Werde Abonnent.

Du hast schon einen Account? Login.

Support

App Store

Wer eine beliebige iPhone-App im App Store über diesen Link kauft, seinen Mac mit Software aus dem Mac App Store bestückt, ein Produkt seiner Wahl bei Amazon bestellt oder meinen Flattr-Button drückt, unterstützt das iPhoneBlog mit einem kleinen Prozentsatz des (unveränderten) Kaufpreises.

Archiv

Gastfreundschaften