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van Alex Olma
26. Dezember 2016 – 17:46 Uhr

AirPods — typisch Apple.

Zwei oder drei kompakte Anmerkungen zu Apples AirPods.

Touchtasten sind (meistens) Mist. Richtige Knöpfe kosten Platz und Gewicht. Hätte Apple zwei Lautstärkeschalter an den AirPods (irgendwie) integrieren können? Ja. Wäre der Kompromiss zu groß? Ja.

Wenn ich auf meine persönlich Kopfhörer-Nutzung schaue, wähle ich grundsätzlich die zwei Lautstärkeknöpfe am iPhone. Nur selten nutze ich die Tasten direkt am Kopfhörer. In der (Hosen-)Tasche ist das Telefon nämlich immer zu erreichen – ein iPhone außer Reichweite kommt selten vor. In den wenigen Fällen, in den das iPhone tatsächlich nicht zur Hand ist, nutze ich die Apple-Watch-Komplikation Louder! (0.99 ) um mit einem einzelnen Fingerzeig (und einem Dreh an der Digital Crown) die Lautstärke aufzudrehen. Das ist für mich praktischer als jeder Lautstärke-Kippschalter, der direkt an einen Kopfhörer klebt bzw. an einem Kopfhörerkabel baumelt.

Amüsante Randnotiz: Lautstärketasten an Kopfhörern sind eine relativ neue Idee. Zu iPod-Zeiten hatten wir alle noch überwiegend Kabelkopfhörer, die komplett ohne Fernbedienung auskamen. Erst mit kompakten In-Ear-Ohrsteckern und Bluetooth-Headsets etablierten sich die Funktionstasten.

Apple AirPods fallen zurück auf die Steuerung per Telefon und Uhr, springen gleichzeitig aber auch in die Zukunft indem sie verstärkt auf die Siri-Sprachsteuerung setzen.

Keine Frage: Der Sprachbefehl „Volume Down“ ist derzeit noch Quatsch. Doch denken wir ein paar Jahre weiter: Ohne die typische Verzögerung, die Siri im Moment noch braucht, und eine 100-prozentige Erkennung, wirkt eine Lautstärkeänderung per Sprache gar nicht mehr so abwegig.

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Und deshalb ist die Lautstärkesteuerung per Sprachbefehl derzeit noch keine akzeptable Option.

AirPods sitzen bei mir super-sicher. Trotzdem bleiben Einzelberührungen mit der Handfläche oder den Fingern nicht aus. Und deshalb kann die Einzelberührung nicht mit einer Funktion belegt sein.

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AirPods sind glatt. Ich hätte mir einen griffigen Gummiring gewünscht.

Apples erste iPod-Kopfhörer, das Mondgesicht-Modell, hatte einen Gummirand. Jahre später zerbröselte bei vielen der Exemplare diese Umrandung. Für die Griffigkeit war das Detail jedoch hervorragend. AirPods könnten eine solche (besser fassbare) Zone am Kopfhörer-Stamm gebrauchen. Eine wirkliche Gefahr, dass die AirPods aber purzeln, besteht in erster Linie beim Aus- und Einsetzen zwischen Ladecase und Ohr.

AirPods stecken nicht in den Ohren, sie hängen.

Ich gehöre zu einer Gruppe von Menschen, bei denen Apples kabelgebundene EarPods nicht in den Ohren steckenbleiben. Die beim iPhone 7 beigelegten Lightning-EarPods waren mein letzter erfolgloser Versuch mit dieser Kopfhörerform. Wenn ich nicht (nahezu) bewegungslos am Schreibtische sitze, halten die dem iPhone beigelegten Kopfhörer nicht in meinen Ohren.

Mit den AirPods dagegen spaziere ich ungebunden durchs Haus, die Natur und den öffentlichen Nahverkehr. Übertriebene Kieferbewegungen rütteln die Ohrstecker nicht aus meinen Ohren. Ein noch in der U-Bahn akzeptiertes Headbanging schafft es ebenso nicht die Kopfhörer aus meinen Ohren zu schleudern. Die Verantwortung für den festen Sitz schiebe ich auf das fehlende Kabel.

Kein Kopfhörer mehr ohne W1 Chip.

Der Gerätewechsel zwischen einem iPhone, iPad, der Apple Watch und dem Mac ist das mit Abstand beste Feature. Ich habe in der vergangenen Woche mehrmals täglich zwischen zwei iPhones, einem iPad sowie dem Mac meinen Arbeits- und Entertainplatz getauscht. Mein Kopfhörer zog anstandslos mit. Nie war ein nerviges Entkoppeln oder ein zeitraubendes Pairing notwendig. In der besagten Woche habe ich nicht ein einziges Mal das Bluetooth-Menü gesehen. Traumhaft.

Wer ausschließlich nur ein iPhone und ein Pärchen an Kopfhörern bei sich trägt, dem entgeht eine der Hauptfunktionen der AirPods.

Kopfhörer rein; Musik raus. Zieht man einen der AirPods aus seinem Ohr, pausiert die Wiedergabe. Setzt man den Ohrstecker nicht wieder zeitnah ein, spielt die Musik auch nicht automatisch weiter. Dann muss man umständlich nach dem iPhone tasten, den Dopple-Tap der AirPods mit Play/Pause belegt haben oder sich mit dem Sprachbefehl „Play“ an Siri wenden. Das ist eine komische Situation.

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Garantiert ohne Kabelbruch und mit Einzel-Ohr-Tragekomfort.

In vielen meiner vergangenen Kopfhörertests habe ich die jeweiligen Ohrwärmer darauf abgeklopft ob sie sich einseitig tragen lassen. Das wurde nicht selten belächelt. Doch ich stehe zum Ein-Ohr-Setup – einfach um zu hören was um mich herum passiert.

Die zwei AirPods lassen sich nicht nur separat benutzen, sondern wechseln clever vom Stereo-Mode auf eine Mono-Wiedergabe. Das zahlt sich spätestens bei Hörbüchern oder Podcasts aus, bei denen unterschiedliche Stimmen nach links und rechts abgemischt sind. Im Mono-Mode verliert man so keine Informationen.

Ich brauche es bestimmt nicht explizit zu erwähnen, aber die zwei AirPods lassen sich natürlich ganz romantisch teilen – fürs gemeinsame Musikhören in der Bahn oder einer Lieblingsserie unter der Bettdecke.

Verlustgefahr? Ich wünschte, ich könnte das AirPods-Case piepsen lassen.

Ich bin nicht besonders besorgt die kleine weiße Box zu verlegen, aber ich empfände es als nette Ergänzung das Gehäuse über die Uhr oder das iPhone zu lokalisieren.

Und wo es hier gerade ums Ladecase geht: Auch wenn das Plastikgehäuse essentieller Bestandteil der Kopfhörer ist, und ich deshalb eine gewisse Qualität erwarte, schlägt die kleine Schachtel (mit magnetischer Klappe) alles was ich in den letzten Jahren bislang an traurigen Tragetaschen und Beuteln von anderen Kopfhörern so gesehen habe.

Old School Apple Magic

Die AirPods sind ein typisches Apple-Produkt. Sie ecken an und sie begeistern. Der W1-Chip, der es ermöglicht kinderleicht zwischen seinen iPhones, iPads und Macs zu wechseln, funktioniert wie beworben. Für einen belebten Kopfhörermarkt wünsche ich mir das Apple seinen Chip an andere Hersteller lizenzieren würde.

Der W1-Chip ist nämlich nicht nur ein exzellentes Verkaufsargument für das iPhone, sondern hebt die AirPods auch klar von anderen Kopfhörern ab – ein durchaus zweischneidiges Schwert.

Die AirPods konkurrieren nämlich beileibe nicht um alle Kunden. Jemand der auf langen Flugreisen Noise-Cancelling-Kopfhörer braucht, greift hier nicht zu. AirPods wollen auch nicht der Kopfhörer sein, der sich als Mitbewerber für die dicken Polster der On-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer anbietet. Fürs Klassikkonzert im eigenen Zuhause will man keine AirPods.

AirPods nehmen in ihrer ersten Generation vielmehr den alltäglichen Kopfhörergebrauch ins Visier. Sie klingen ausreichend gut für alles was man ihnen im Alltag vorwirft – von Musik bis Podcasts. Mit 180 Euro sind sie noch (lange) nicht im Mainstream angekommen. Aber man stelle sich einen Kopfhörermarkt vor, in dem die AirPods dem iPhone beiliegen. Bis 2020 wird das passieren.

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