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van Alex Olma
15. Februar 2017 – 17:33 Uhr

Apple verklagt seinen Chip-Hersteller Qualcomm

iPads mit „Wi-Fi + Cellular“-Konnektivität kosten je nach Speicherkapazität zwischen 50 und 150 Euro mehr als das reine Wi-Fi-Modell. Der Grund sind unter anderem Patentlizenzen für den verbauten Funkchip.

Funkchip-Lieferant für Apples Tablet, aber auch Apples iPhone sowie die meisten andere Smartphones, ist Qualcomm, die aufgrund von unfairem Wettbewerbsverhalten und fragwürdigen Vertragsbedingungen zum Jahresauftakt von der US-Handelskommission FTC verklagt wurden. Apple zog mit einer eigenen Klage drei Tage später nach.

Die Prozesse könnten detaillierte Einblicke in die Kostenstruktur und das Geschäftsgebaren geben mit der Qualcomm Lizenzzahlungen für seine Patente erhebt. Die Vorwürfe aus den Klageschriften (PDF-Link) wirken jedenfalls erdrückend. Qualcomm soll seine monopolähnliche Position mit über 80-Prozent Marktanteil für CDMA- und LTE-Chips wettbewerbswidrig ausgenutzt haben. Unter den Vorwürfen finden sich Klassiker wie Bestechung („Qualcomm allegedly bribed Apple into not making a WiMAX iPhone“), zweifelhafte Vertragsklauseln für Geschäftspartner, denen untersagt wird kartellrechtlich gegen Qualcomm vorzugehen, sowie die Verletzung von branchenüblichen FRAND-Pflichten.

Qualcomm errechnet die Gebühren für seine Chip-Lizenzen auf der Grundlage des Verkaufspreises für ein finales Produkt. Steigt beispielsweise der durchschnittliche Preis für ein iPhone, so wie im letzten Quartal, weil das Plus-Modell mit seinen zwei Kameras beliebter war, verlangt Qualcomm dafür mehr Geld (obwohl der Baseband-Prozessor-Hersteller nichts mit der iPhone-Kamera zu tun hat).

Nachvollziehbar wäre eine anteilige Berechnung der Lizenzgebühren für die tatsächlich verbauten Chips, so wie Apple es vorschlägt.

For many years Qualcomm has unfairly insisted on charging royalties for technologies they have nothing to do with. The more Apple innovates with unique features such as TouchID, advanced displays, and cameras, to name just a few, the more money Qualcomm collects for no reason and the more expensive it becomes for Apple to fund these innovations. Qualcomm built its business on older, legacy standards but reinforces its dominance through exclusionary tactics and excessive royalties. Despite being just one of over a dozen companies who contributed to basic cellular standards, Qualcomm insists on charging Apple at least five times more in payments than all the other cellular patent licensors we have agreements with combined.

via Ars Technica

Einen detaillierten Rückblick auf die komplette Geschichte von Apple und Qualcomm – „the Most Powerful Apple Supplier Ever“ – empfehle ich.

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iFixit: iPhone 4 Verizon Teardown, Februar 2011

Das iPhone 7 war Apples erstes Telefon seit 2011, das mit der Qualcomm-Exklusivität für Funkchips brach. Zukünftig könnte Intel noch größere Produktionskapazitäten übernehmen; oder Apple holt mit einem eigenen Chip das Thema komplett zu sich.

Die Klage ist jedenfalls unmissverständlich: Qualcomm steht zukünftigen Apple-Produkten im Weg.

  • Maurice

    Beim Gedanken daran, dass Apple sich über Lizenzgebühren anderer beschwert legt mir ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen 😂

    • peter mueller

      Sie beschweren sich nicht über Lizenzgebühren anderer, sondern darüber woraus sich diese berechnen.

      • Thomas Peterson

        Das könnte man auch über die Speicher Upgrade Preise von Apple sagen :D

      • Alex

        Dann lies den Beitrag noch einmal und überlege ob Deine Aussage nicht doch Unfug ist.

        Kleiner Tip: Wie berechnet sich die Lizenzgebühr für Qualcomm ?

    • Hast du den Text gelesen?

      • Maurice

        Das schon, aber ich interpretiere das eben so. „Es kostet was es kostet“ und Apple will das nicht bezahlen. Ähnlich geht es uns doch auch mit Apple-Produkten – nur können wir uns nicht groß beschweren und die Preise hinnehmen 😊

      • Jakob

        Anderen Text als ich gelesen?

      • Maurice

        Ich denke nicht – bzw. hoffe es nicht 😊

        Aber grundsätzlich ist doch klar, dass jeder aus seiner Situation das meiste* rausholen will. Ob es nun Apple ist (bei denen man wirklich hinterfragen sollte, ob die Lizenzgebühren die 50 – 150 Euro Mehrkosten rechtfertigen – wohl kaum) oder eben Qualcomm. Im Endeffekt will jeder etwas von Kuchen abhaben und leittragend sind wie immer die Kunden, die den ganzen Spaß finanzieren sollen.

        Und wegen der Monopolstellung – da könnte man (weit entfernt natürlich) auch Apple Vorwürfe machen, dass die ihre Monopolstellung bei iOS-Endgeräten schamlos ausnutzen und Geräte mit 200 – 300% Marge** verkaufen 😂

        (*Money, **so grob über den Daumen gebrochen – Herstellkosten eines iPhone 7 = 261 Euro)

      • Wie hat Apple mit 18-Prozent Marktanteil eine Monopolstellung?

      • Maurice

        „…bei iOS-Endgeräten…“ 😊

        Wenn ich iOS als mobiles System nutzen will, kann ich mir kein Gerät eines anderen Herstellers kaufen. Ich muss zwingend die Preise zahlen, die Apple fordert…

        PS: sollte ja nur im entfernten aufführen, dass auch Apple nicht ganz ohne Monopol dasteht 😉

      • Das hat aber nichts mit einem Monopol zu tun.

  • zoma

    und das macht dann 100 euro aus?

    • Geschätzt werden zwischen 10 und 20 US-Dollar. Die genauen Beträge sind nicht bekannt (weshalb ich die Formulierung „unter anderem“ verwendet habe).

    • Alex

      Tja, was macht wohl die anderen 100€ aus? Kommst du nicht selber drauf?

    • Maurice

      Strafgebühr 😂

  • Malte

    Ich finde sowohl das Gebahren von Qualcomm als auch das von Apple in diesem Kontext ganz interessant. Ob und wer sich hier „unfaires Wettbewerbsverhalten“ vorwerfen lassen muss bleibt übrigens abzuwarten, genauso die Antwort auf die Frage, ob sich hier nur, wie so häufig, ein Lizenznehmer über die Lizenzmodelle des Lizenzgebers beschwert, um den Preis zu drücken, oder ob hier tatsächlich eine kartellrechtliche Problematik und vielleicht wettbewerbwidriges Verhalten von Qualcomm vorliegt. Aber ganz niedlich anzusehen, wie gerne Apple in allwissender Voraussicht schon im Vorfeld beigesprungen wird…

    • Wird spannend ja. Mal sehen ob die Klage der US-Handelskommision eingestellt wird oder Qualcomm diese Liste fortführt:

      – 2014: FTC investigated Qualcomm business practices.
      – February 2015: Qualcomm paid $975M fine in China.
      – December 2015: European Union accused Qualcomm of abusing market power.
      – December 2016: South Korea antitrust regulator fined Qualcomm $854M for „unfair practices in patent licensing.“

      • Malte

        Ja, genau, spannend. Großkonzerne sind selten gleichzeitig kleine Unschulds-Lämmchen, schon gar nicht, wenn sie sich über Jahre „erfolgreich“ dem Wettbewerb stellen – oder eventuell eben gerade nicht. Wer dabei besser als der andere in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird entscheided dann oftmals die gebuchte PR-Maschine und manchmal ist das Image ist für das Geschäftsmodell auch einfach nicht entscheidend. Jedenfalls hat so ein kleines Kämpfchen durchaus unterhaltungswert.

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