von Alex Olma
22. Mai 2013 – 11:35 Uhr

Apples Kartenproblem. Die Lösung: Alle gegen Google.

Das neue Google Maps, derzeit nur auf Einladung und im Desktop-Browser, ist verspielt und nicht weniger als beeindruckend. Ich hab's ausprobiert.

DirektMaps

Im Vorfeld der anstehenden WWDC erinnert Daniel Jalkut (MarsEdit) an die zentralen Probleme mit Apples Karten. Einer davon ist und bleibt, dass der Button "Problem melden" keine Auswirkungen zeigt. Oder wie viele eurer Änderungen sind bislang beachtet worden?

In order for Apple’s customers to continue “reporting a problem” with Maps, they need to feel that their reports are having some impact. They need to feel respected. Ideally, good reports would lead to timely corrections on a mass level that would benefit all other iOS users. Anecdotally, this is not happening.

Respect The Crowd

Das Problem ist jedoch größer als mein kleiner Kiosk in Helsinki, der (auch nach acht Monaten noch) auf der falschen Straßenseite verkartet ist. Apples (fahrlässige) Nichtbearbeitung nährt eine Kultur, die die potenzielle Teilnahmebereitschaft abwürgt. Und genau diese gilt es eigentlich anzukurbeln.

Google ackerte bereits über fünf Millionen 'Street View'-Meilen ab; Nokias HERE Maps beziehen Daten von Logistikunternehmen wie UPS, die pro Jahr 3.3 Milliarden Meilen bereisen und trotzdem liefern oft erst die lokalen Check-Ins von Foursquare und Co. die wirklich hilfreichen Datenpunkte.

Als Googles Bernhard Seefeld in der letzten Woche die I/O-Bühne betrat, zeigte er ein Foto der anwesenden Zuschauer, das er erst wenige Minuten zuvor mit seinem Nexus geschossen hatte, dem Moscone Center und der Veranstaltung aber bereits im Maps-Katalog zugeordnet war.

Exzellent einerseits, zunehmend gruselig auf der anderen Seite.

Vic Gundotra ließ in einem Nebensatz zum neuen Auto-Fotoeditor auf der Entwicklerkonferenz fallen, dass sich die Mountain-View-Server in den letzten zwei Wochen mal kurz durch alle Bilder aller Nutzer auf Google+ filterten. Das Motto: Erst machen, dann Bescheid sagen aber nie fragen.

In diesem Zusammenhang ist das anmerkenswert weil Apple und Google speziell aus Gründen betreffend der Privatsphäre getrennte Wege gehen. Berichtet wurde: Google wollte mehr Nutzerdaten aus den ehemaligen iOS-5-Karten quetschen (von einer permanenten Latitude-Ortung war beispielsweise die Rede). Apple war jedoch nicht bereit diese persönlichen Informationen zu teilen. Als Druckmittel hielt Backend-Lieferant Google seine Vektorkarten und (gesprochene) Fahranweisungen zurück.

Diese Gespräche laufen nicht erst seit letztem Jahr auseinander. Und es ist nicht davon auszugehen, dass die getrennten Wege sich in naher Zukunft wiederfinden.

IPhoneBlog de Google Maps Browser

Nun gut. Google Maps hält also eindeutig die überlegende Hand beim Kartenspiel. Die Ansage auf der I/O war dazu unmissverständlich:

"Google Maps for iPhone is sleek, simple, and let’s not forget, accurate."

Daniel Graf

Da Google jedoch auf die iOS-Hardware angewiesen ist (immerhin sind es iPhones und iPads die den Traffic erzeugen), schreitet das 'Katz und Maus'-Spiel voran1.

Damit ist die derzeitige Situation, in denen iOS-Nutzer aus zwei sehr gute Kartenanbietern wählen, zufriedenstellend. Sich aber langfristig darauf zu verlassen, wäre kurzsichtig.

Apples Chance, abseits der finanziellen Übernahme diverser Check-In-Navi-Dienste, liegt in der eigenen Firmenpolitik. Ein Schulterschluss mit Open-Source-Projekten wie den OpenStreetMaps, zur gemeinschaftlichen Datenpflege, die über den Aufruf ein 'Problem zu melden', hinausgeht. Das Kartengut aktiv mitzugestalten um es im Wikipedia-Stil wieder der Community zurückzugegeben, würde Apple Maps sehr flott auf Augenhöhe katapultieren.

Die lizenztechnischen und juristischen Details sind dafür keine leichte Aufgabe. Der firmeninterne Kulturwechsel ist allerdings die größere Herausforderung – selbst wenn ein freies Gegengewicht zu Google Maps, aufgesetzt als positiver Konkurrenzkampf, schon alleine durch die positive Presse zu rechtfertigen ist.

Durch die Smartphone-Dominanz befindet sich Apple in einer privilegierten Position, überhaupt in diese Richtung zu denken. Ob sie's tun? Nein. Aber das Gedankenspiel war's (mir) wert.

So what are we doing? We’re putting all of our energy into making it right. And we have already had several software updates. We’ve got a huge plan to make it even better.

Tim Cook


  1. Google Maps fürs iPad kommt im Sommer.
  • Roman

    was ich nicht verstehe, warum sprichst du von:

    Da Google jedoch auf die iOS-Hardware angewiesen ist (immerhin sind es iPhones und iPads die den Traffic erzeugen)

    und von

    Durch die Smartphone-Dominanz befindet sich Apple in einer privilegierten Position

    worauf bezieht sich das? Android-Marktanteile sind ja weltweit deutlich über iOS und auch der Trend schaut wenig anders aus. Warum sollte Google das so wichtig sein?

    • http://www.iphoneblog.de/ iphoneblog

      Ich beziehe mich…

      a) auf die Statistiken welche mobilen Geräte wirklich genutzt werden (http://www.iphoneblog.de/2012/09/06/iphones-und-ipads-surfen-im-web/)

      …und beschreibe mit b) das ein iOS-Update auf einen Schlag viel mehr Geräte gleichzeitig erreicht.

      Das Android-Wachstum und die quantitativen Marktanteile ziehe ich dabei keineswegs in Zweifel.

      • Marco Köck

        a) Also mal abgesehn davon, dass die Kartenbenutzung nichts mit der Webbenutzung zu tun hat….

        b) …. hat wie wir wissen das Update der Google Maps App (wie wir aus http://www.iphoneblog.de/2013/05/17/die-nexus-user-experience/ wissen) nichts mehr mit irgendwelchen Systemupdates zu tun.

      • Leif Sikorski

        Eben. Gerade bei den Phones spielt das iPhone eine untergeordnete Rolle, erst recht wenn man bedenkt dass diese Aufgabe eine weltweite Angelegenheit ist. Google hat da einen guten Job geleistet und früh genug in die Kategorie investiert, die anderen tapsen nun hinterher. Bing ist von den reinen Karten noch ganz okay, aber Street View stellt die anderen, auf Grund seiner Nützlichkeit, in den Schatten. Und während diese nun versuchen aufzuholen.arbeitet Google bereits an Indoor Maps und PhotoSpheres.

        Wenn man möchte dass die Nutzer mithelfen Karten zu verbessern dann muss man es spielerisch verbinden, so dass diese dafür auch einen sofortigen Gegenwert erhalten. Sei es durch Spiele wie Ingress, coole Features wie PhotoSpheres oder nützliche Funktionen in Social Networks,. Aber nicht durch einen Button “hier kannst du etwas melden, sofern du dich langweilst”.

      • Christof

        Gerade die Luftbildaufnahmen von Bing sind meiner Meinung nach Google Street View in gewisser Weise (Schneller Überblick) überlegen.

  • cemderin

    Vielleicht übernimmt Google ja Apple, dann wäre jedenfalls das Problem vom Tisch: http://neue-rheinpresse.de/wirtschaft/apfel-gegen-suchmaschine-google-und-apple-wollen-sich-gegenseitig-kaufen

  • Marco Köck

    was Maps anbelangt steht es wohl nach der Kartokalypse 5:0 für Google – Waren wir hier in Wien froh, als endlich die Google Maps App wieder da war.

  • Herrschacht

    WOW. Ich möchte in Zukunft selbst bestimmen welche Maps-Anwendung ich auf meinem iPhone nutze!

  • ChiefPotato

    Ja, als Gedankenspiel so nett, dass man es sich wünschen würde, dass Apple sich plötzlich öffnet und gar mit der Open Source Fraktion zusammen arbeitet zum Wohle aller.

    Das wäre klasse, und re wie Apple bisher handelt in den letzten paar Jahren dann eindeutig als Seriously thinking different now bezeichenbar.

    Aber wie du richtig sagst, leider extrem unwahrscheinlich solange Apple noch die Verkaufszahlen bzw Gewinnmargen hat.

    Ich werde hier ja gerne von ein paar Leuten immer in die Apple Basher Android Fanboy Ecke gestellt (diese Leute scheinen nicht zu merken, dass ich mindestens genauso viele iOS Geräte wie Android Geräte habe und alle Seiten lobe als auch bashe wo es Sinn macht ), da wollte ichs nur mal ansprechen weil passend:

    Yup, das neue Google Maps auf Desktops ist wirklich extrem schick, und Google Maps allgemein extrem viel besser als Apple Maps, aber da stimme ich dir komplett zu, Google hat für mich persönlich auch zu wenig Einsicht was den Punkt angeht “extrem creepy” oder “echt nicht ok, selbst wenn man nicht mit tinfoil hat rumläuft”.
    Ich bin extrem für Innovation und echt nicht ein tinfoil hat Kandidat, aber Google geht da oftmals zu weit an ein paar Stellen, was einfach an dem Punkt erreicht ist wo Daten erstmal erhoben und teilweise editiert werden etc und wenn überhaupt dann der Nutzer erst hinterher gefragt wird.
    Bei der Google IO waren sehr viele sehr schicke Sachen dabei, auf technischer Front als auch Integration und Features der Services sind sie da Apple und anderen teilweise um ein Jahrzent voraus.
    Aber ja, bei solchen Punkten wie das von dir angesprochene mal eben schonmal die neuen Effekte automatisch auf die ganzen hochgeladenen Bilder angewendet ohne Nutzer vorher zu fragen, bei sowas steigt bei mir dann auch ein merkwürdiges Gefühl hoch für nen Moment.

    Ist in dem Punkt nur ne Kleinigkeit und das Resultat war sogar schick, aber ne, echt nicht ok in der Art des Zustandekommens.
    Google Glass find ich an sich auch ne tolle Sache, aber da ist es ein ähnliches Problem, Google scheint nicht klar zu sein, dass viele Leute es nicht als tolle Sache ansehen wenn die Default Haupt Nutzungs Option erstmal ist alles auf die Google Server hochzuladen was man aufnimmt/fotografiert (egal ob man das dann da als public flagged oder nicht).

    Also ja, an dem Ende sind leider sowohl Apple als auch Google mies, nur aus sehr unterschiedlichen Gründen.
    Apple, weil sie so wenig mit anderen kollaboriern wollen, dass sowas wie ne Open source Coop oder anderes was das Datenmaterial besser machen würde höchst unwarscheinlich ist, im “besten” Falle wohl noch Aufkäufe von zig mehr Firmen in der Richtung absehbar (bis zu dem Punkt wo die Verkäufe/Gewinne zu schlecht werden)
    Google, weil sie in einigen Fällen halt erstmal die Daten einsammeln und danach nachfragen oder die Option aus zu opten dann erst anbieten, wenn überhaupt.

    Ist so ähnlich wie jetzt mit der Xbox One: Beim Kinect 1 fand ich das Voice Control und Cam Nutzungs Zeug O K, man konnte es nutzen wann man wollte und abstöpseln/deaktivieren wenn mans nicht wollte.
    Jetzt bei der Xbox One siehts so aus als würds enforced werden das Ding dauern connected und an zu haben. Dazu noch enforced Internet Connection wo das Ding mindestens einmal am Tag nachhause telefonieren MUSS.

    Es ist eine Sache wenn man was nutzen kann und es total Sinn macht es zu nutzen, ne andere Sache wenn solche Dinge enforced werden.

    Sorry, aber n enforced Televisor der mich nonstop in meinem Wohnzimmer aufnimmt, der sogar an ist wenn die Konsole aus ist (man müsste also die Konsole komplett abstöpseln) ist echt nicht cool.

    (Abgesehen davon das alles was da gezeigt wurde wofür der Kinect benutzt wird mich auch eher abgeturned hat)

    Als Tech Enthusiast als auch als Entwickler hole ich mir trotzdem so oder so die meisten Geräte (ja, egal ob ich als Apple oder Android oder sonst was Fanboy abgetsempelt werde =) ), aber ja, als Otto Normal Verbraucher kommt dann schon irgendwann für die meisten der Punkt wo man sich überlegen muss wieviel welche Art von Creep Faktor zu viel ist.
    Leider gehen sowohl Apple als auch Google als auch MS in creepy Richtungen zur Zeit, blos alle auf ne andere Art :I

    Als Nutzer schluckt man das meiste solange der Komfort und die positiven Seiten in der Nutzung noch überwiegen, aber bei einigem kann man sich schon wundern.

  • Lennart

    Bei google werden Meldungen schnell umgesetzt.
    Adressänderung gemeldet, am nächsten Tag ruft google maps beim Unternehmen an und fragt, ob’s stimmt und ändert es. Keine 24h zwischen Meldung und Änderung!

  • Sebastian Trende

    wow

  • Pingback: Offline, Indoor und auf iPads: Google Maps 2.0 – iPhoneBlog.de

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