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van Alex Olma
26. April 2010 – 7:50 Uhr

Informations-Krümelmonster

Das iPad ist eine Medienkonsum-Maschine, kein Schöpfungs-Automat! Zu diesem landläufigen Urteil gelangten zumindest einhellig die ersten Reviews und persönlichen Benutzer-Erfahrungen. Aus prominentem Mund habe ich den „consuming not producing“-Ansatz zum letzten Mal von Jeff Jarvis auf der diesjährigen re:publica gehört. Der ‚BuzzMachine‘-Journalist sprach über die Verabschiedung der Privatsphäre und streifte das Thema „iPad“ sicherlich nur zufällig.

Einige Tage zuvor produzierte er ein nicht unpopuläres „Reboxing„-Video, das als Gegenbewegung der „Generation: Unboxing“ gilt. Trotz Fanboytum schickte er seine neue Hardware an Apple zurück. Leitgedanke: kein Anwendungsfall! Für Businessinsider schrieb er die Kritik ein bisschen ausführlicher auf: „The iPad is retrograde. It tries to turn us back into an audience again„.

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Ich persönlich möchte niemandem einem iPad-Verwendungszweck aufzwingen, vorschlagen oder auch nur nahelegen. Ich bin immer noch der Meinung, das sich jeder seinen eigene Anwendungs-Legitimation suchen, konstruieren, erarbeiten oder ausdenken muss. Trotzdem scheinen sich die Fronten bei diesem Thema zu verhärten. Abseits der Technik-Diskussion wird die Frage nach einer „Nützlichkeit“ ins Rampenlicht gezerrt – im Jahr 2010 eine ziemlich abstruse Vorstellung.

Als mich das letzte Mal jemand zweifelnd anschaute, wieviel meiner Zeit ich hinter einem Computermonitor ‚verbrenne‘, hatten wir noch die D-Mark und Praxis Dr. Hasenbein lief in den Kinos. Damals wurden ähnlich haltlose Retorikfragen in den Raum gestellt: „Spielst du da wieder ein bisschen rum?“ oder „Wann machst du das Ding aus und fängst an zu arbeiten?“.

Wer erinnert sich noch, wie oft das Diskussions-Fass um die „Computer-Produktivität“ aufgemacht wurde? Zur Jahrtausendwende fanden die tickenden Rechenzwerge zwar eine weite Verbreitung in Firmen und privaten Haushalten, akzeptiert waren sie jedoch nur zu ‚Arbeitsstunden‘ – wenn man etwas „(er-)schaffen“ wollte musste.

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Wie sich die Geschichte innerhalb der letzten Jahre doch verändert hat.

Nachdem ‚in den ersten Tagen‘ ein paar verrückten „Klowandbeschmierern“ ihre Gedanken in ein vermeintlich anonymes Datennetz pinselten, sind die Haarspitzen der heutigen Gesellschaft durchfärbt von Facebook bis YouTube. Man muss sich schon auf eine sehr lange Suche begeben, um jemanden zu finden, der „dieses Internet“ als „sonderbar“ abtut oder die Zeit für Netzwerk-Pflege als ‚Verschwendung‘ betitelt.

Trotzdem schwappt eine enorme Skepsis über die (Wissens-)Ufer, wenn urplötzlich ein Gerät ohne „strebsame“ Tastatur in den Läden steht. Ich führe dies zwar immer noch auf die fehlende „Identifizierbarkeit“ zurück, bin jedoch auf der anderen Seite auch erschrocken, wie viel Vorbehalt in Bezug auf die Zeiteinteilung anderer Menschen stattfindet. Wer, außer einem selbst, möchte entscheiden wo die Grenzen von ‚produktiver‘ Zeitgestaltung beginnen, und wo der Privatnutzen anfängt. Ist eine solche Unterscheidung im Informationszeitalter überhaupt noch angemessen?

„Privatsurfen am Arbeitsplatz“ – eine immer noch absurde Vorstellung von Arbeitgebern, die Informationskanäle seiner Angestellten in erwünschte Bahnen zu lenken. Positive Effekte wie (Kontakt-)Bildung für die Berufstätigkeit werden vorsätzlich erstickt. Mein simpler Argumentationspunkt ist: Die Bezeichnung „Arbeit“ ist nicht mehr so eindeutig definiert wie vielleicht noch vor 20 Jahren, was auch für seine „Arbeitsgeräte“ gelten sollte.

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Als schöne und abwechslungsreiche Verkörperung genau dieser Diskussion lassen sich die „iPad-Celebrities“ der letzten Woche nennen. Durch die YouTube-Trommel gedroschen wurden: Die verwirrte Katze Iggy, eine 100-jährige Großmutter, eine weibliche Turntable-Rockerin und ein chinesischer Star-Pianist.

DirektLang

via fscklog

Zum Synthesizer-Mädel Rana Sobhany kommentierte John Gruber in gewohnter Art und Weise süffisant: „Apparently she didn’t get the memo that the iPad is not a creative tool, and is just for consumption.

Mike Elgan kommt für die Computerworld unter der sehr bezeichnenden Artikelüberschrift „Why the iPad is a creativity machine“ zu folgendem Fazit: „Yes, the iPad is closed. It’s OK to hate the iPad, and prefer other devices. But don’t say it can’t be used for the creation of content. It’s just not true.“

In diesem Sinne wünsche ich einen ‚produktiven‘ Wochenstart – wie auch immer dieser aussehen mag.

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