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van Alex Olma
16. Juli 2010 – 22:38 Uhr

Apples Pressekonferenz zur iPhone-Signalanzeige: Ein Event von den Medien, für die Medien

Spannender Abend soweit.

Press.jpg

-> July 16 / Press Conference

Apple äußerte sich am heutigen Freitag, drei Wochen nach dem Verkaufsstart des iPhone 4, zur hinreichend dokumentierten Empfangsproblematik. Unter dem Strich steht dabei: Andere Telefone besitzen diese Schwäche auch; unsere Beschwerdequoten sind niedrig und trotzdem gibt es für alle iPhones ein kostenfreies ‚Case‘.

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Im Kleingedruckten steht zusätzlich: Für bereits erworbene Bumper wird das Geld zurückerstattet; unzufriedene Kunden können (AT&T-)Verträge auflösen und den vollen Geräte-Kaufpreis innerhalb der ersten 30-Tage erstattet bekommen; eine Rückrufaktion oder Design-Veränderungen sind (vorerst) nicht geplant; ‚Cases‘ von Drittherstellern bekommen keine Erstattung und eine Korrektur der Signalanzeige ist mit dem bereits gestern ausgerollten 4.0.1 geschehen.

Soweit, so erwartbar.

Spannend dagegen waren die eigenen Angaben zur Rücklaufquote von iPhone-4-Besitzern, die explizit zu diesem Thema vorgenommen wurden. 0.55-Prozent (unter einem Prozent) der iPhone-Kunden sollen AppleCare bezüglich dieses Themas kontaktiert haben. Aus den Angaben geht nicht hervor, ob diese über die Telefon-Hotline oder einen Apple Store verliefen und ob sich dies nur auf Kunden der bezahlten Extra-Garantie bezieht (Update: Jobs erklärt im Video, dass es sich um generell alle AppleCare-Anfragen handelt). Im Vergleich zum 3GS-Start, für dessen Angabe ich die gleichen ‚Kundenkriterien‘ wie beim jetzigen iPhone-4-Kauf erwarte, belief sich die Quote auf 6-Prozent. Diese statistische Angabe soll bereit unter dem gängigen Industrie-Standard gelegen haben.

Nach AT&T-Zahlen unterbricht das iPhone 4 mehr Gespräche als das iPhone 3GS. Im Durchschnitt ist dies jedoch nur weniger als ein Gespräch aus 100 im Vergleich mit dem 3GS.

Apple - Antenna Design and Test Labs.jpg

In den ersten drei Verkaufswochen gingen drei Millionen iPhones in fünf Ländern über die Tresen. Apple kommt mit seiner Produktion der Nachfrage nicht hinterher. Die Telekom erhöhte vor zwei Tagen die Hardware-Verfügbarkeit auf neun Wochen. Nichtsdestotrotz fand die Signalschwankung in den Medien eine mehr als dominante Abbildung, weshalb Apple zu dieser Pressekonferenz laden musste.

Neben den oben beschriebenen ‚Lösungsansätzen‘ diente die Veranstaltung hauptsächlich dazu, einen Strich unter die jammernde Presselandschaft zu machen. Wie groß der Druck auf den Aktienkurs, der für kurze Zeit nach dem ComsumerReports-Beitrag absackte, war, zeigt die Herangehensweise in der Vergangenheit. Steve Jobs wollte mit seiner „Just-avoid-holding-it-in-that-way„-E-Mail einen viel zu schnellen Schlussstrich unter die Beschwerden setzten, kippte an dessen Stelle jedoch nur Benzin in die lodernde Glut.

Das schriftliche Statement zum Algorithmus für die falsch berechneten Empfangsbalken half auch nicht weiter. Ein nett animiertes YouTube-Video macht dann doch eher die Runde als detaillierte Angaben über Dezibel-Bereiche.

Und so fiel diese Presseveranstaltung als Lehrstunde vom großen Zampano gegenüber der Presse aus. Tabellen zeigen, das auch Konkurrenzgeräte an „Antennen-Performance“ einbüssen (können). Die extra eingerichtet Apple-Webseite http://www.apple.com/antenna/ erläutert (mit Videos), warum Signalbalken abfallen. Ein $100 Millionen (!) teurer Testraum wurde gezeigt, um zu veranschaulichen, wie ‚ernst‘ man das Problem nimmt.

Apple - Smartphone Antenna Performance.jpg

Alles eine große Show, die von den Medien initiiert wurde und Apple nun mit den eigenen Waffen zurückgeschlagen wird. Die Berichterstattung des Bloomberg– und Wall-Street-Journal-Artikels, die darüber erfahren haben wollten, das „ein Problem“ schon länger bekannt sei und geflissentlich ignoriert wurde, nannte Jobs übrigens „total bullshit“. Auch Gizmodo wurde mit einem Seitenhieb erneut gestreift.

You know, sometimes web sites buy stolen prototypes and put them on the web. And we don’t like that.

Während die bereits als Stream erhältliche Presseveranstaltung viele Phrasen von „We love our users“ erhält, bleibt eine Aussage der Q&A-Session (nicht im Video) markant für mich:

We’ve been around for 34 years… haven’t we earned the credibility and the trust of the press? I think we have that from our users. I didn’t see it exhibited by some of the press as this was blown so far out of proportion.

Jobs hat diese Veranstaltung, die nur aufgrund der umfangreichen Presseberichterstattung zustande kam, gestunken. Und irgendwie kann ich seinen Ärger verstehen. Auch wenn es eine Fanboy-Perspektive ist: Wer unzufrieden mit seinem iPhone 4 ist, gibt es zurück. So einfach ist das. Für wen die – sehr unterschiedliche wahrgenommenen – Signalschwankungen ein ‚Killer-Kriterium‘ sind, gibt das Gerät zurück. Was nicht geht, hat ConsumerReports.org gezeigt: Das iPhone als bestens Smartphone wählen aber keine Kaufempfehlung aussprechen, ist inkonsequent.

Bis zum 30. September will Apple weiter eruieren. Nächsten Dienstag folgen die Geschäftszahlen für das Quartal 3. Ich bin sehr gespannt darauf, wie viele von dem Angebot der Rückgabe Gebrauch machen. Dies wäre nämlich ein praxisnaher Wert zu bestimmen, wie schwer das Problem wirklich wiegt.

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