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van Alex Olma
27. September 2013 – 12:08 Uhr

Das 5s

Fortschritt geschieht evolutionär; alle 5s-Features sind bedeutend.

Die Kamera, der A7, der M7 und Touch ID lösen reale Alltagsprobleme. Präferenzen fallen zwar unterschiedlich aus, die vier (auch von Apple) unterstrichenen Funktionen des neuen Flaggschiff-Telefons aus Cupertino sind jedoch ohne Diskussion eine (erhebliche) Verbesserung für alle Kunden. Oder wer argumentiert gegen schärfere Fotos, realistischere (Games-)Grafik, mehr Akkulaufzeit und höhere Sicherheit?

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Apples Produktpräsentationen sind kurios, weil nicht nur die Choreographie bis auf den letzten Satz sitzt, sondern weil selten Aussagen fallen, die sich später als falsch oder grob getrickst herausstellen. Das 5s, so wie es am 10. September vorgestellt wurde, steht seit letzten Freitag in den Läden. Angefangen von der Fotoqualität, über die Prozessor-Power bis zum Versprechen über die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit vom Fingersensor, entspricht das neue iPhone seiner vorangestellten Diashow.

Natürlich: Die Wortwahl von Cook, Schiller und Federighi ist überzogen; die Grafiken sind wohlwollend ausgesucht. Das nennt sich Marketing und gehört zum Medienzirkus. Die Vorstellung lenkt jedoch nicht davon ab, dass ich diese losen Gedanken auch ohne Hardware zwischen meinen Fingern hätte zusammenschreiben können (ohne komplett daneben zu liegen).

Das 5s ist so gut, wie es vermarktet wird. Das 5s ist ein so gutes iPhone, wie Apple es im Jahr 2013 bauen kann. Auch deshalb spaltet man dieses Jahr zum ersten Mal die Produktgruppe der Telefone in ein Pro- und ein Consumer-Smartphone – ähnlich der bewährten MacBook-Strategie. Das Produkt iPhone ist für Apple mittlerweile gut genug. Gut genug, um zwei Geräte aus einer Kategorie mit unterschiedlichem Fokus zu tragen.

Die Unterteilung geschah nicht wahllos, so wie es Samsung macht, sondern mit einem exakt abgesteckt Feature-Umfang. Niemand sollte überrascht sein, wenn die diesjährigen 5s-Merkmale im nächsten Jahr in das kleinere Modell wandern.

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Beginnen wir im Herzen. Der A7 tritt die Nachfolge des A6, Apples ersten eigenen Prozessor, an. Apple lizenzierte nicht wie in den Jahren zuvor direkt von ARM, sondern entwickelte die Mikroarchitektur in Eigenregie (über eine ARM-Architekturlizenz). Apple bewarb dies nie, den Kunden interessiert das auch nicht. Die Bedeutung dieser Unabhängigkeit ist allerdings nicht zu unterschätzen, wie der A7 als erster ARM-Consumer-Chip mit 64-Bit-Architektur (und ARMv8-Befehlssatz) jetzt zeigt.

Der neue 'System-on-a-Chip' ist nicht nur abwärtskompatibel, sondern stellt gleichzeitig zukunftssichere Weichen ("ARMv8 is a clean break designed for today’s world — and the future."). Wer 'von der Stange' kauft, ist mindestens abhängig von den Zeitplänen anderer1.

Neben Spielen, die sich bereits vereinzelt der neuen Grafikpower bedienen, ist es im Moment vorrangig die Kamera, die den A7 glühen lässt. Ihr erinnert euch an die zweisekündige Verzögerung bei HDR-Aufnahmen am iPhone 5? Das 5s lächelt darüber nur müde. Zwischen Fotos mit mehrfacher Belichtung und einfachen Aufnahmen ist kein Unterschied messbar.

Im 'Burst-Mode' ist es nicht nur die pure Geschwindigkeit mit dem ein 5s Serienbilder abfeuert. Beeindruckend ist die anschließende Bilderauswahl, die der A7 augenblicklich bereitstellt um den (technisch) besten Schnappschuss aus hunderten von Aufnahmen herauszufiltern. Ist der Vorschlag gut genug, wandern die restlichen Aufnahmen in die Tonne. Alleine diese Software-Umsetzung verprellt für Amateure jede DSLR. Niemand wühlt sich später am Rechner durch ein Dutzend identischer Fotos um die geringste Unschärfe aus einer Momentaufnahme zu klamüsern.

Ein gleiches Bild zeigen 'Slo-Mo'-Videos, für die man lediglich ein oder zwei Mini-Filme verlinken muss, um dessen Appeal zu demonstrieren. Das Feature ist schon jetzt ein Selbstläufer.

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Stichwort Laufen. Dem M7, meinem Geheimkandidaten für sinnvolle Hardware im 5s, ist nach der ursprünglichen Vorstellung wenig hinzuzufügen. Abgesehen von ein paar aktuellen (No-Name-)Ausnahmen (ARGUS, Strava Run, etc.) startet der stromsparende Co-Prozessor ohne Software-Demo. Das Apple prominent Nike+ Move ankündigt, die App dann aber zum Release der Hardware nicht im iTunes-Store steht, ist ungewöhnlich (und war so sicherlich nicht geplant). Der Chip scheint zwar generell eine Option für Drittanbieter-Programme, eine populäre Vorstellung verbleibt bei Apple aber nie ohne Demo.

Deshalb lässt sich im Moment lediglich festhalten, was bereits alle Reviews zuvor festhielten: Der M7 ist ein Co-Prozessor mit großem Potenzial.

Das Entwickler dies ausschöpfen, steht außer Frage. iOS ist das einzige Betriebssystem (nicht nur mobile Betriebssystem), dessen Hardware innerhalb von Tagen einer Update-Aufforderung folgt. Das ist nicht nur nett oder bemerkenswert, nein, das ist ein Killer-Feature. Seit Jahren spricht die Klickstrecken-Presse von einem "iPhone-Killer" ohne zu beachten, dass nie alleine die Hardware gewinnt.

Ein M7 ist nicht schwer zu verschrauben; eine breite Software-Unterstützung macht den Unterschied. Genau deshalb ist bereits jedes meiner iPhone-Programme kompatibel zu iOS 7 (wenn auch optisch noch nicht angepasst), und deshalb gibt es bis heute keinen dieser besagten "iPhone-Killer".

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Schließen wir mit Touch ID, dem Sensor im Homebutton, der als das Feature im 5s zurecht bereits viel Aufmerksamkeit genoss. Jason Snell findet die passende Metapher, nach der ich bislang suchte.

But for the rest of us, the point of Touch ID is not to create unbreakable security against all attackers. It’s to make iPhones more secure overall by making it easier for users to lock their devices. Consider why Apple added Time Machine to OS X: Not enough computer users were backing up their systems. The barrier to setting up a backup was simply too high. So Apple created software that made doing so easier, allowing users to plug in a hard drive and then click just one button to start a backup regimen.

Macworld.com

Das beste Sicherheitssystem ist das, das man tatsächlich nutzt. Bislang schützt ein vierstelliger PIN unsere Daten.

Fazit

Für Jahre betitelt Apple sein aktuellstes Telefon als das "beste iPhone jetzt". Zurecht, so auch dieses Jahr (wir vergessen das nur regelmäßig, weil wir den Kontext aus den Augen verlieren).

Trotzdem lässt mich nach einer Woche das Gefühl nicht los, hier mehr in der Hand zu halten als nur ein jährliches Upgrade. Die Steigerung im Bereich Kamera, Prozessor, Zusatz-Chips und (Touch-ID)-Sensor sind Features von morgen schon heute. Zukunft, die ein paar Jahre zu früh kommt2.

In einem neuen Gehäuse-Design hätte Apple seinen Highend-Computer im Hosentaschenformat mit Sicherheit nicht (nur) als 5s betitelt. Der Sprung ist diesmal größer, grundlegender. Und das, obwohl die Fortschritte evolutionär bleiben.


  1. Die Übernahme von P.A. Semi im Jahr 2008 dürfte in diesem Zusammenhang als eine der wichtigsten Investitionen von Apple gelten.
  2. Deshalb schreibt man Reviews nicht von technischen Datenblättern ab, sondern nach Benutzung der Hardware, mit der ich in diesem Fall exakt eine Woche verbrachte.

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