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van Alex Olma
26. Januar 2014 – 14:23 Uhr

Reingehört: Beats Music

IPhoneBlog de Beats Music

Die Anmeldung

Beats Music wollte mich doch. Der vorerst nur in den USA gestartete Streaming-Dienst akzeptierte meine Anmeldung trotz 'falscher' Geoposition. Warum? Weil mich Beats per E-Mail selbst einlud.

Zum Hintergrund: Den Start-Hype schürten Dr. Dre und Co. unter anderem mit einer Voranmeldung für den persönlichen Nutzernamen. Im Dezember hatte ich als iPhoneBlog (natürlich!) dafür Interesse angemeldet. Über den Link, den die Einladungs-Mail enthielt, war mein Herkunftsland plötzlich kein Thema mehr.

Netter Nebeneffekt: Einmal registriert, braucht es im Moment1 keine amerikanische IP-Adresse um die Musik-Streams auch bei uns zu empfangen.

Die App

Der erste Eindruck, selbstverständlich direkt über die iPhone-App, ist exquisit. Das Design ist verspielt aber übersichtlich. Es gibt eine Menge an Bildschirm-Elementen zu bewegen und anzutippen. Einige Links schlängeln sich durch einen Dschungel aus Playlisten und Künstler-Biographien bis tief ins App-Layout. Über Shortcuts springt man jederzeit bequem zurück auf die Hauptseite.

Die Musik-Cover genießen viel Platz auf dem Telefon-Screen, treten bei der Wiedergabe jedoch in den Hintergrund. Anstelle der CD-Grafik malt ein Kreisdiagramm die verbleibende Spielzeit des aktuellen Songs bildschirmfüllend auf. Wer innerhalb des Titels spult, fühlt sich so wie ein DJ an Plattentellern.

Beats Music lehnt sich iOS 7 an, bewahrt jedoch eine ganz persönliche Note, abseits allgegenwärtigen Unschärfe-Effekten und dünnen Schriften. Die iPhone-Software stellt bereits im ersten Anlauf seine Konkurrenz in den tiefsten Schatten. Spotify wirkt wie eine schlecht abgemischte Hinterhofband gegenüber diesem Rockstar-Auftritt.

Zugegeben: Beats Music zeigt bislang noch kein iPad-Layout und verschob bereits die App für Windows Phone auf einen unbestimmten Zukunftstermin. Aufgrund des ersten Ansturms, der dazu führte, dass man die Neuanmeldungen abklemmte, schwitzten die Server. Die 'Connection Errors' schlagen sich bereits deutlich in den App-Store- und Play-Store-Bewertungen nieder.

Die Musik

Handverlesene Wiedergabelisten sind für den Songkatalog mit über 20 Millionen Titeln, die als 320kbps-MP3s streamen, versprochen. Für Zuhörer wie mich, ohne tiefgreifendes Musik-Verständnis, ist das ein Traum. Die Auswahl erfolgt nach Genre, Highlights oder 'Sentence', ein Feature, bei dem man seinen aktuellen Musikgeschmack nach einer (Alltags-)Situation beschreibt ("I'm IN BED & Feel Like DANCING with MY INNER CHILD to OLD SCHOOL HIP-HOP"). Über jeden Wege erhielt ich Wiedergabelisten, die mir gut gefielen.

Durch den dominanten Fokus auf die Zusammenstellung der digitalen Musikstücke fühlt sich der Katalog verlesener, irgendwie ausgewählter an.

Den namenhaften Künstlern, die sich hierfür nach Aussage von Beats verantwortlich zeigen (Trent Reznor + Team), fehlt jedoch eine entsprechende Bühne für ihre Arbeit (hinter der Bühne). Auch ich würde mir hier mehr 'Gesicht' zu den Song-Kompositionen wünschen, die gerade meine Stimmung steuern.

You don’t see the names, let alone images, of the Beats Music DJs – just playlist bylines like “Beats Hip-Hop,” which could just as easily have been made by one person as the next (which could actually be part of the reason to keep the names vague).

Eliot van Buskirk | Evolver.fm

Sein eigenes Profil schärft man durch das Verteilen von Herzchen für Songs, die man liebt. Die App lernt (hoffentlich) daraus. Aus diesem Ersteindruck nach wenigen Tagen lässt sich das noch nicht erkennen.

Natürlich lassen sich auch eigene Wiedergabelisten zusammenschieben oder klassisch ein bestimmtes Album anspringen. Wer hätte es gedacht…

Die Idee

Beats Music kostet nach sieben vierzehn Test-Tagen Geld. Vielleicht bleibt das 'Sentence'-Feature gratis, grundsätzlich verlangt der Dienst aber 10 US-Dollar pro Monat. Keine Kompromisse also. CEO Ian Rogers stören Werbeunterbrechungen. Das finde ich sympathisch, genau wie die faire Auszahlung an Indie-Musiker, die kaum ihre (kleinen) Finger in die (großen) Geldtöpfe von Spotify und Co. stecken.

We are also proud to be the only service that pays all our content creators equally. Nobody apart from iTunes has ever paid indie labels the same as major labels.

Beats Music Support

IPhoneBlog de Beats Music b

Der Ausblick

Es ist bereits eng im Musik-Streaming-Business. Ob ein ausschließlich bezahltes Angebot noch Platz neben Spotify, Rdio, Pandora, iTunes Radio, Google Music, Xbox Music oder Rhapsody findet, bleibt zu beweisen. Ich bezweifle das ja. Aber hey, Beats versteht es zu 'hypen'. Die Beats-Ohrwärmer, technisch eher durchschnittliche Kopfhörer, erfreuen sich als Fashion-Accessoire unglaublicher Popularität.

Dass dieser Musik-Streaming-Dienst ohne komplexe Abo-Strukturen auskommt, ist erfrischend. Die (für mich wichtige) Sonos-Integration läuft bereits im Startland. Eine Desktop-Software vermisse ich deshalb nicht. Die Webbrowser-Version reicht als Plan B, wenn kein Telefon zur Hand ist, aus.

Beats Music erscheint mir mit seiner hervorragenden iPhone-App, dem Aufwand, der in Playlisten investiert wird sowie der Absage an die Werbeindustrie als hochwertiges Produkt. Ob für diese Qualitäten jedoch eine ausreichende Anzahl an Kunden bereit ist zu zahlen, oder die Geschichte schlussendlich auf eine Querfinanzierung hinausläuft ("Kauf dir Beats-Kopfhörer und höre ein Jahr Beats Music gratis"), wird spannend zu beobachten.

Ebenso interessant bleibt, wann Jimmy Iovine die internationalen Lizenzen für Beats Music einsammelt. Apple scheint mit iTunes Radio, das für 25 Euro pro Jahr die Werbung zwischen den Songs entfernt, als Platzhirsch im Musik(-Kauf-)Markt, hier vor ein paar verschlossenen Türen zu stehen.


  1. Ich bin mir sicher, irgendwelchen Rechteverwaltern wird dieser schlimme Fehler bald auffallen. Sollte der Musikstrom nur noch über ein VPN zu mir strömen, muss ich die neu gewonnene Freundschaft leider unverzüglich kündigen.

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