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van Alex Olma
20. September 2014 – 15:10 Uhr

Neuinstallation statt Backup-Wiederherstellung? So habe ich mein iPhone 6 Plus frisch aufgesetzt.

Frisch installieren oder Backup einspielen? Technisch mag es keinen Unterschied geben, zumindest dann wenn das aktuelle OS problemfrei läuft. Aber auch alleine ums Gefühl geht es dabei nicht. Eine komplette Neuinstallation hält uns den Spiegel vor: Wie viele unbenutzte Apps schleppe ich mit mir herum? Ist meine Passwort-Bibliothek auf dem aktuellen Stand oder wäre es an der Zeit ein paar wichtige Logins neu abzusichern?

Das klingt anstrengend, birgt aber auch Vorteile. Wer neu installiert, setzt die einmal erteilten Berechtigungen seiner Apps zurück und kann nach dem erneuten Download abermals entscheiden welche Software was darf.

Und obwohl es dann diverse Kleinigkeiten neu einzustellen gibt, spart man sich das Aufräumen vom alten Krempel. Es ist das Umzugsphänomen, das einen vor die Frage stellt: Behalten oder wegwerfen? Nicht schön, eher anstrengend, aber wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, ab und an auch befreiend.

IPhoneBlog de iPhone 6 Plus

Bevor es noch philosophischer wird, hier ein paar Eckpunkte meiner (gestern durchgezogenen) Neuinstallation von einem iPhone 6 Plus, die in zwei Stunden erledigt war.

  • Vorweggeschickt sei: App- und Datei-Downloads beliefen sich bei mir auf zirka 3 GB. Ohne großzügiges Tarifpaket ist ein flottes WiFi zur Ersteinrichtung Pflicht. Ebenso sollte man sein altes Gerät im Anschlag halten um Apps autorisieren zu können oder plötzlich aufspringende Passwort-Dialoge in der Datenbank des ausgemusterten Gerät nachzuschlagen.
  • Mit dem iCloud-Account wandern Basisdaten wie Erinnerungen, Safari-Lesezeichen, Kalendereinträge, das iCloud E-Mail-Konto und die Adressdatenbank aufs 6 (Plus). Bereits der iCloud-Schlüsselbund muss mit einem anderen Gerät, beispielsweise einem Mac oder dem alten iPhone, abgenickt werden. Alternativ kann man den iCloud-Sicherheitscode bereithalten.
  • Die ersten drei Apps, die ich nach dem Setup-Prozess installiere sind Authy (kostenlos; universal; App-Store-Link), Dropbox (kostenlos; universal; App-Store-Link) und 1Password (kostenlos; universal; App-Store-Link). Authy, die 2-Faktor-Authentifizierung-App, entsperrt Dropbox, das wiederum meine 1Password-Datenbank beheimatet. 1Password ist für die diversen Kennwörter und Logins der App-Store-Apps unverzichtbar.
IPhoneBlog de 1PW Copy

Nach rechts wischen kopiert das Kennwort in die Zwischenablage. Das spart ein paar Sekunden.

  • Nächster Schritt: Die im App Store geführte Einkaufsliste durchgehen und essentielle Anwendungen laden. Die neusten Apps stehen oben; Old-Time-Favorites, die bereits lange gepflegt werden, sind dementsprechend weiter unten aufgeführt. Hier sucht man besser. Es ist jedoch zu empfehlen in der persönlichen ‚Gekauft‘-Liste zu suchen und nicht im App Store selbst. Die Trefferquote der Suche ist hier wesentlich höher. Wer einen noch größeren Ordnungswahn verspürt, kann durch eine Wischgeste nach links einzelne Apps dauerhaft ausblenden (ich halt das aber für Zeitverschwendung).
  • Die systemweiten Logins für Twitter und Facebook sind grundlegend um sich in bestimmten Apps anzumelden. Wer für Facebook die zweistufige Bestätigung nutzt, muss über Facebook.com ein individuelles Kennwort erzeugen.
IPhoneBlog de Amazon Login

Kleine Tipphilfe: E-Mail-Adressen durch Kurzbefehle abkürzen.

  • Der Rest ist Fleißarbeit: Copy & Paste von Account-Infos zwischen 1Password und den jeweiligen Apps. Priorität hat meine 1Password-Favoritenliste, die bereits die wichtigsten Konten führt. Ich werfe außerdem alle Apps, die nicht direkt auf meinem Homescreen ein Plätzchen finden, in einen Ordner (da ich Spotlight als App-Launcher benutze). Zu guter Letzt darf man sich diversen Kleinigkeiten widmen (verschiedenen Tastaturen, der automatischen Bildschirm-Sperre, weiteren Mail-Accounts, das Koppeln von Bluetooth-Kopfhörern, der Einstellung ‚Bewegung reduzieren‘, der systemweiten Textgröße, das Löschen des alten iCloud-Backups, etc.). Viel davon erledige ich jedoch erst dann, wenn ich in den kommenden Tagen darüber stolpere1.

Alt, unwichtig aber bitte noch nicht löschen!

Das ausgemusterte Telefon kann jetzt jedoch noch nicht zurückgesetzt werden. Aus Podcast-Apps wie Castro, die kein eigenes Account-System mitbringen, sollte man seine Podcast-Abos exportieren. Threema jongliert mit Backup IDs um den Account auf ein anderes Gerät umzuziehen. Aus Authy sind alle zukünftig alten Geräte auszutragen und Apps wie DiskAid (der Nachfolger iMazing funktioniert bei mir nicht) exportieren SMS als PDF-Backup oder die Audiodateien der Visual Voicemail2.

Und Fotos?

Ich bin derzeit in der luxuriösen ‚Fotobibliothek Zero‘-Position. Alle paar Tage schiebe ich über die Mac-App Image Capture (‚Digitale Bilder‘) meine neuen Schnappschüsse auf den Desktop. Die Tugend ist aus der Not geboren: Aperture ist eingestellt; iPhoto für den Mac lebt bis zum Release von Photos auf geborgte Zeit; iPhoto für iOS läuft unter iOS 8 überhaupt nicht mehr und Fotostream hat (gelockerte) Limits (Vorhaltzeit: 30 Tage; ersetzt ausdrücklich kein Backup!). Bis Apple das Komplettpaket wieder schnürt, und mich auch auf iCloud Drive umsteigen lässt, sichere ich manuell.

Lohnt der Aufwand?

Betont sei: Das Wiedereinspielen eines verschlüsselten (!) iTunes-Backups ist okay. Es ist wesentlich schneller und erzeugt den (beinahe) haargenauen Urzustand. Das ist bequem, anwenderfreundlicher und gewöhnlich die klare Empfehlung. Beim Einspielen von iCloud-Backups ist zu beachten, dass man sich in der Regel in alle Apps neu einloggen muss. Und Nutzer von Google Authenticator (kostenlos; App-Store-Link) halten ihre Backup-Codes oder ein funktionierendes Alt-Gerät bereit.

Wer jedoch nicht das Umzugsunternehmen beauftragt (um die schlechte Metapher weiterzutreiben), das 1:1 alles in der neuen Wohnung wieder im identischen Stil aufbaut, sondern selbst Kisten schleppt, bekommt zu seinem neuen Gerät auch ein neues iPhone. Der gefühlte Frischefaktor bleibt bei einer Neuinstallation hoch, weil alles etwas anders aussieht, an einem anderen Platz sitzt und noch ein bisschen falsch konfiguriert ist.

Darauf muss man keine Lust haben. Wer es jedoch wagt oder wagen muss, weil er durch einen Geräteverlust unfreiwillig neu anfängt, findet in meiner Auflistung vielleicht ein paar Dinge, die Zeit bei der Ersteinrichtung sparen.


  1. Eigene Klingeltöne erreichen das iPhone nur über iTunes (oder GarageBand); genau wie Videos oder Musik für die iOS-Standard-Apps. 
  2. Spielstände in Games sind leider immer noch ein Problem, insofern diese euren Fortschritt nicht über ein Account-System verwalten oder in die iCloud schieben. 

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