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van Alex Olma
6. April 2015 – 12:58 Uhr

5 Jahre iPad

Seit 2010 kaufe ich mir jedes Jahr einen neuen Computer – häufiger als jemals zuvor. Die Laptops und Desktop-Rechner in den Jahren davor hielten im Schnitt immer 24 bis 36 Monate. Seit fünf Jahren muss es alle zwölf Monate ein neues Arbeitsgerät sein – ein iPad.

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Das iPad rebootete für mich die bisherige Computergeschichte. Es setzte sie auf eine gewisse Art zurück. Hardware-Version 1.0, der gebogene Silberrücken, war zu seiner Zeit ‚magisch und revolutionär‘, rückblickend aber natürlich nur der erste (große) Schritt in seiner Evolutionskette, die bislang neun Geräte umfasst. Als damals die eigenen Finger zum ersten Mal das Glas berührten, sprudelte mein Kopf mit Ideen. Das Potenzial, das hinter dieser Scheibe schlummerte, schien endlos1.

Mittlerweile steht das iPad in seiner Klasse alleine. Man kann andere Tablets kaufen, aber keinen wirklichen Mitbewerber finden. Ein Surface (Pro) 3 sieht sich eher auf Augenhöhe mit einem MacBook, ein Amazon Fire ist in erster Linie ein Bildschirm für Filme und Bücher aus dem Amazon Store. Ein Nexus 9 oder Samsung Tab 4 sind weitgehend Android-Telefone mit größerem Bildschirm. Das iPad avancierte in wenigen Jahren zur allgemeinen Bezeichnung einer ganzen Produktkategorie, so wie der iPod stellvertretend den Namen für alle MP3-Player trägt.

Ausschlaggebend für das Image ist die Software aus dem App Store, die das iPad bis heute differenziert. Kein anderes Gerät hat ein Pixelmator, ein GarageBand oder ein Ulysses. Gesund ist das nicht. Ich wünsche mir Konkurrenz auf Softwareseite. Ich wünsche mir umwerfende Apps auf anderen Tablets, die Apple aus ihrer bequemen Position zwingt das iPad stärker vom iPhone zu trennen. Ich wünsche mir, das Apple die Türen für Entwickler weiter aufstößt, um das iPad deutlicher als PC-Alternative zu platzieren.

Wo ist der Split-Screen-Mode? Wo ist der schnellere Multitasking-Screen? Wo ist die systemweite Tastatur-Unterstützung, der drucksensible Bildschirm, der Mehrbenutzer-Login? Wo sind die Upgrade-Preise, die die Entwicklung komplexer Software dauerhaft finanziert?

Es ist an der Zeit, die Boxhandschuhe auszuziehen und auch den iPad-Nutzern zuzutrauen, sich ihre Fäuste nicht blutig zu schlagen. Ich fordere keinen Experten-Mode, aber ich denke man kann visierten Anwendern mehr geben und trotzdem die Bedienung einfach halten.

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Ich arbeite unheimlich gerne unter Mac OS. An meinem Schreibtisch sitze stehe ich an einem Cinema-Display, der an einem MacPro aus dem Jahr 2009 hängt. Mein Powerbook G4 mit 400 MHz aus dem Jahr 2001 läuft immer noch – unter 10.5, Leopard. Selbst diese alten Geräte erlauben mir Dinge, die auf dem iPad heute noch unvorstellbar sind.

„Kann ein iPad meinen Laptop ersetzen?“ ist deshalb seit fünf Jahren die zentrale Frage. Es ist seit fünf Jahren aber auch die falsche Frage, weil sie impliziert, dass wir heute noch genauso arbeiten wie vor 15 Jahren. An nur einem Arbeitsplatz, Vollzeit, an Geräten ohne Simkarte und mit unveränderten Computerbedürfnissen.

Die Limitierungen von Windows und Mac OS fallen uns oft nicht mehr auf, weil wir sie verinnerlicht haben. Wir sitzen untätig für zwei geschlagene Minuten vor unseren Computern während sie hochfahren. Wir partitionieren Festplatten, installieren (Grafik-)Treiber, leeren virtuelle Mülleimer.

Fünf Jahre hat es gedauert bis durch die Bank weg verstanden war, dass man bestehende Software nicht einfach aufs Tablet portiert, dass Touch-Bedienung nicht die Computermaus ersetzt. Selbst Adobe und Microsoft haben mittlerweile nicht nur erkannt, das Software fürs Tablet neu erdacht werden muss, sie feiern es sogar. Word und Excel, Comp CC und Slate sind inzwischen Highlights im iPad-Software-Angebot.

Ein vollständiges Photoshop schafft es vielleicht nie2 aufs Tablet. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Finger nicht effizienter arbeiten wenn man auf die Abstraktionsebene der Computermaus verzichtet. Im Jahr 2010 fragten wir: „Was kann das iPad nicht?“ Fünf Jahre und 260 Millionen Geräte später erreichen wir endlich die Fragen: „Worin ist es gut?“ und „Für wen ist es gut?“

Fünf Jahre ist es jetzt her, das Apple die klare Trennung zwischen Mac OS und iOS zog und mit Continuity nun langsam beginnt die verbindenden Brücken zu bauen. Rückblickend war die harte Zäsur, die die Post-PC-Ära etablierte, die richtige Entscheidung. Der sanfte Übergang, so wie in Windows RT versuchte, fuhr brutal gegen die Wand. Das kostet Microsoft Zeit und Vertrauen. Der (Denk‑)Fehler in Bezug auf das iPad war, dass wir uns die Post-PC-Ära grundsätzlich ohne PCs vorgestellt haben.

Das iPad ist so reizvoll, weil es jedes Jahr mehrere Stufen nach oben springt. Weil jedes Jahr neue Dinge möglich werden, die vorher nicht funktionierten. Ein iPad Air 2 hat neben dem Namen kaum noch Gemeinsamkeiten mit einem iPad 2 – beide Geräte trennen aber lediglich dreieinhalb Jahre.

Und genau deshalb muss es für mich seit 2010 jedes Jahr ein neuer Computer sein – ein iPad.


  1. Die deutsche Technikpresse gab sich traditionell eher so…meh: Chip.de, Computerbild, Golem.de, ZDNet, etc.. 
  2. Nie = in einem überschaubaren Zeitrahmen. 

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