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van Alex Olma
2. Juni 2016 – 8:48 Uhr

Das iPhone SE

Das iPhone SE ist wie ‚Sex mit der (oder dem) Ex‘: Man weiß, was man bekommt. Man weiß, dass dieses Tête-à-Tête nicht für länger bestimmt ist, aber für den Moment fühlt es sich verdammt gut an…

Okay…okay, Alex.

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Dieser Artikel sollte sich eigentlich ganz von alleine schreiben. Wer ein iPhone 5(s) besitzt, kennt auch das SE. Neue Technik im alten Gehäuse, oder?

Denkste.

After spending a couple of days looking at the SE, what has become clear is that this is not your typical Apple release. There are relatively few new parts, but that hardly means there is no innovation. As is the genius of Apple and its fearless leader, Mr. Cook, it is the combination of all the right parts that make a successful product. Taking the old and the new, and finding just the right, cost-effective balance, is no easy feat.

Apple iPhone SE Teardown

So stelle ich mir eine fundierte Hardware-Analyse vor.

Das Chipworks-Team beschreibt wie Apple neue und alte Bauteile mischt. Das SE ist ein Aufgebot an Komponenten, die wir schon im iPhone 5s, iPhone 6 und iPhone 6s gesehen haben. Recycling wäre dafür eine zu negative Beschreibung. Vielmehr ist es eine Zusammenstellung aus Bauteilen, die es ermöglicht Apples Qualitätshöhe zu erklimmen, die (selbst gesetzte) Marge einzufahren und trotzdem den Verkaufspreis bereits zum Start deutlich zu drücken. Das SE ist das erste iPhone, das direkt günstiger zu haben ist.

Viele dieser alten bekannten Komponenten, so wie das Mikrofon oder die Stromversorgung, dürften seinen Kunden völlig egal sein. Wie viele Käufer wissen, dass Apple den brandneuen (wesentlich schnelleren) SSD-Speicher verbaut, lässt sich wahrscheinlich im Kopf zusammenzählen. Trotzdem ist es ein Upgrade, das heimlich die Produktqualität nach oben schraubt und jeder bemerkt. Auch wenn viele Kunden nicht genau den Finger darauf legen können: Wenn Apps schneller installieren oder flotter Daten wegschreiben, hebt das insgesamt die Produktqualität. So schlägt das SE in einigen Tests nicht nur das iPhone 6s (und läuft dabei zwei Stunden länger), sondern in ausgewählten Disziplinen auch Samsungs diesjähriges Flaggschiff.

Der neue Komponenten-Mix wirft die Frage auf, ob Apple sich hier sogar einen Spielraum erarbeitet hat, der es erlaubt das SE (oder ein nachfolgendes Modell) zukünftiger sogar noch günstiger anzubieten?

Das soll hier und heute zwar nicht das Thema sein, aber der Blick in die Zukunft, den das SE mit seinem kleinen Bildschirm und seinem günstigeren Einstiegspreis einläutet, ist für mich einer der interessantesten Aspekte am Frühjahrs-Telefon.

„It’s a classic.“

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Alle sprechen zuerst über den Bildschirm, den kleinen 4-Zoll-Bildschirm. Ich bin mir jedoch sicher: Wer sich für dieses Telefon interessiert, wägt ebenso alle anderen Design-Unterschiede gegenüber der 6er-Serie ab – bewusst oder unbewusst. Das SE kommt beispielsweise ohne Kamerahügel aus. Der Standby-Knopf an der Stirnseite ist besser positioniert. Die Rundungen sind griffiger und immer wieder war von dem langsameren Touch-ID-Button zu lesen, der weniger häufig – aus Versehen – den Bildschirm entsperrt.

Zwei Dinge dazu:

  • Ich habe mich mittlerweile nicht nur an den Kamerahügel gewöhnt, sondern mich mit ihm angefreundet. Er gibt dem 6(s) eine Orientierung wenn man danach in der (Hosen-)Tasche fummelt. Mit der seitlichen Position der Standby-Taste im 6(s) werde ich dagegen auch nach 1,5 Jahren nicht warm. Mir passiert es zu regelmäßig, dass ich beim Umgreifen gleichzeitig Volume+ drücke und damit das Kommando an die Standby-Taste unterdrücke. Das SE, das ich mit nur einer Hand komplett umgreife (um dann mit dem Zeigefinger direkt auf dem Standby-Knopf zu landen), fühlt sich sofort vertraut an.
  • Touch ID im iPhone 6s, die zweite (bedeutend schnellere) Generation des Fingerabdrucksensors, ist ein Feature, das man leicht für gegeben ansieht. An die flinke Entsperrung muss man sich gewöhnen, danach will man aber nicht mehr zurück. So etwas wie einen ‚zu schnellen Login‘ gibt es nicht. Find’ ich.

Die gesamte Verarbeitungsqualität ist umwerfend. Das geschulte Auge weiß, dass das hier kein 7000er-Aluminum-Gehäuse ist, wie es im 6s zum Einsatz kommt. Mit der kompakten Größe ist dieser Unterschied aber deutlich schwieriger zu fühlen.

Ich liebe die gedrungene Bauart. Die Knöpfe sind klicki und die Ecken kantig. Für mich besitzt das SE – respektive das iPhone 5(s) – das bislang beste iPhone-Design seit 2007.

Das Sondermodell

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Wie viele hochwertige (!) Android-Smartphones kennt ihr, die heute noch neu in der 4-Zoll-Größe erscheinen?

Apple wettet mit dem SE auf bestehende iPhone-Kunden, die von einem 5(s) upgraden und nimmt außerdem Neukunden ins Visier. Eine seiner zugeteilten Aufgaben ist es, Kunden ins Ökosystem zu ziehen. Kunden, die – so wie die letzten Jahre gezeigt haben – danach nicht mehr auf ein anderes Betriebssystem wechseln (und obendrein vielleicht noch eine Watch, ein iPad oder einen Mac kaufen).

Das SE ist Apples Bestrebung mehr Android-Kunden zu gewinnen. Die derzeitige Situation ist nämlich ein wenig festgefahren: Android-Telefone stoßen kaum in den Premium-Markt (600 Euro+) vor; iPhones bekommen keinen Fuß in die Tür der Mittelklasse-Smartphones (ab 300 Euro).

Bereits das iPhone 5c trat diesen Versuch an, verkaufte sich dabei vernünftig, scheiterte aber (auf ganzer Linie) an seiner zugeteilten Aufgabe:

Ben Thompson has rightly pointed out that part of the problem with the iPhone 5c was that it marked the buyer as having bought the “budget phone”. The SE eliminates this issue by looking like a former top-of-the-line phone. It’s cooler, after all, to be driving a five-year old BMW than a brand new Toyota. But in tech, that only gets you so far. Old is old. You’re going to look behind the times carrying around a phone that appears several years old, even in Brooklyn.

iPhone SE: The Long-Term Outlook

Mein Gefühl sagt: Das derzeitige SE ist für eine Laufzeit von zwei Jahren bestimmt – ohne Speedbump-Update. Hält die Nachfrage bis ins nächste Jahr an, hat diese Smartphone-Nische bei Apple gute Zukunftsaussichten.

Das SE kommt in den bekannten Lackierungen Silber, Gold, Space Grau und Roségold. Mich wundert, dass Apple sich hier nicht pompöser ausgetobt hat. Nach Weiß und Schwarz, den Farben des iPhone 5 und 5s, hebt sich das SE zwar ab, erreicht aber nicht die (allseits beliebte) Farbvielfalt eines 5c.

Drück mich. Drück mich aber nicht zu fest.

Ich vermisse 3D-Touch. iOS 9 setzt die neue Interaktionsebene zwar noch sehr beschränkt und uneinheitlich um, trotzdem ertappe ich mich regelmäßig dabei App-Icons oder Links auf dem SE kräftig zu drücken – drücken zu wollen.

Ohne 3D-Touch vermisst das SE heute noch nicht viel, könnte sich aber mit den nächsten zwei iOS-Versionen über das fehlende Feature ärgern. Ich hege nämlich die große Hoffnung, das 3D-Touch seinem begrenzten ‚Peek & Pop‘-Alter bald entspringt.

Apropos ärgern: Warum das SE die rückseitige 6s-Kamera (inklusive 4K-Videos) bekommt, aber bei der alten Front-Knipse mit 1.2 Megapixel bleibt (das iPhone 6s verzeichnet 5 Megapixel und 720p-HD-Video), will ich nicht verstehen.

I’m a small small phone in a big big world.

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Exakt zwei Monate trage ich nun das SE mit mir herum. Zwei sehr aufschlussreiche Monate, die für mich unterstreichen warum iOS auf 4.7- beziehungsweise 5.5-Zoll einfach besser funktioniert.

Ich telefoniere wenig nie und ich bin nicht viel unterwegs – zwei Merkmale, die das SE wahrlich meistert. Ich lese, schreibe und schaue jedoch konstant auf dem iPhone. Für mich stellt der größere Bildschirm damit den besseren Kompromiss da.

So handlich, griffig und kompakt sich das SE anfühlt, so groß ist leider auch der Unterschied zum 6s-Plus-Display. Alles fühlt sich gedrängt an. Nur dreieinhalb Tweets passen auf eine Tweetbot-Bildschirmseite. Auf der geschrumpften Tastatur vertippe ich mich regelmäßig. Nach zwei Monaten schließe ich fehlende Übung aus.

Kurzum: Mit 5.5-Zoll fühle ich mich produktiver. 4-Zoll wirken im direkten Vergleich ein wenig verspielt.

Having said that…

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Die wenigsten 6- und 6s-Kunden stehen überhaupt vor dem hier aufgeworfenen Vergleich. Im Durchschnitt wird alle zwei bis drei Jahre ein neues iPhone gekauft und nicht bereits nach 1,5 Jahren. Wer nie auf das große 6(s) gewechselt ist, vermisst daher weder den großen Bildschirm noch 3D-Touch. Für jemanden mit iPhone 4(s) oder 5(s) ist das SE ein schlicht fantastisches Upgrade (Apple Pay, Kamera, A9-Prozessor, etc.).

Unterm Strich steht: Apple baut das beste 4-Zoll-Smartphone. Diese Größe muss man mögen, sie definiert dieses iPhone. Ich persönlich bleibe bis Herbst beim iPhone 6s Plus.

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