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van Alex Olma
4. Juli 2016 – 15:51 Uhr

Die Kopfhörer der Zukunft

Revolution braucht Evolution. Einer der nächsten evolutionären Schritte ist der Verzicht auf den Klinkenanschluss im iPhone.

Während einige Nachteile sofort auf der Hand liegen („Searching for a good reason to remove the headphone jack“), muss man sich für eine langfristige Einschätzung die Frage stellen, wohin sich das iPhone entwickelt. Deshalb bin ich gespannt, wie Apple im Herbst argumentiert und uns den Anfang dieser neuen Geschichte verkauft.

Meine Vermutung: „Die Zukunft kommt ohne Kabel aus. Hier ist ein Pärchen unserer neuen kabellosen EarPods.“

Liegen diese Modelle dem nächsten iPhone bei, ist das Thema Klinkenanschluss abgefrühstückt maximal abgefangen. Ließe sich der Preis für solche Kopfhörer gleich in den iPhone-Verkaufspreis einarbeiten, nimmt das den Wind aus vielen Segeln, die schon jetzt für einen Sturm der Entrüstung gesetzt sind.

Für realistischer erachte ich jedoch beigelegte Lightning-EarPods – die kabellosen Modelle kosten extra. Das Problem dieser Kombination: Es widerspricht a) der erzählten Geschichte über die kabellose Zukunft und verpasst b) die Chance mehrere Millionen von Kunden ins Ökosystem zu ziehen. Drahtlos bedeutet nämlich nicht zwangsläufig Bluetooth. Vielleicht sind Apples neue Ohrenstecker abwärtskompatibel zu Bluetooth, aber funken mit einem eigenen Chip (der die gängigen Problemen vom umständlichen Koppeln, einem Gerätewechsel sowie der Stabilität der Verbindung in den Griff bekommt).

Eine der obersten Apple-Prioritäten ist und bleibt die anhaltende Kundenzufriedenheit1, auch wenn das bedeutet in einem evolutionären Schritt ein paar alte Zöpfe abzuschneiden. Der Wechsel vom 30-Pin-Connector auf Lightning war kurz unbequem und anschließend ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegen Micro-USB. Niemand argumentiert heute mehr gegen den Lightning-Anschluss.

Das Problem: Ein Technologiewechsel wie dieser lässt nur eine begrenzte Übergangsphase zu. Verbleibt die Klinke im Telefon, sieht sich niemand gezwungen umzudenken. Lightning- und Bluetooth-Kopfhörer haben auch deshalb noch nicht abgehoben, weil sich die Kopfhörer-Industrie keinem Druck ausgesetzt sah technisch bessere Modelle zu günstigeren Preisen zu bauen. Warum auch? Kunden haben danach nie gefragt.

iPhoneBlog.de_Immer_noch_Klinke

Die Produktvision fürs iPhone ist entscheidend. Wie platziert sich das Telefon neben den anderen Apple-Geräten in den kommenden Jahren?

Die Details fehlen uns allen noch, aber der Blick auf vier Plattformen, die Apple derzeit unterhält, lassen bereits Ideen erkennen. Schon jetzt sind zwei ihrer vier Plattformen, watchOS und tvOS, klinkensteckerlos. iOS und macOS sind es noch nicht, aber wir scheinen uns dem Punkt zu nähern, an dem genau das ein Problem wird.

Wie viele Millionen Apple-Watch-Käufer haben beispielsweise noch nie einen drahtlosen Kopfhörer mit ihrer Uhr verbunden (um das iPhone beim Joggen Zuhause zu lassen), weil sie schlicht keine Bluetooth-Kopfhörer besitzen?

Wann ist genau das keine simple Unbequemlichkeit mehr, sondern verhindert aktiv die Entwicklung? Apples ist keine Firma, die sich gerne in der Position wiederfindet, in der sie abhängig von einem Zubehör ist. Apple ist keine Firma, der es egal ist bestimmte Geräte und Features nicht bauen zu können, weil ihre Kunden nur Kabelkopfhörer besitzen.

Das iPhone stand lange Zeit alleine in Apples Produktmittelpunkt. Das iPad und die Watch ergänzen jedoch zunehmend Funktionen oder machen bestehende Funktionen besser. Über den Klinkenanschluss zu sprechen und nur das iPhone im Blick zu haben, ist zu kurz gedacht. Der Wechsel von kabelgebunden zu kabellos besitzt nicht nur das Potenzial eine Brücke zwischen mehreren Geräten zu schlagen, sondern auch zusätzliche Sensoren und eventuelle ganze Mikrocomputer im Ohrstecker unterzubringen.

Schauen wir auf die deutsche Firma Bragi und ihre ‚The Dash‘. Es ist beeindruckend viel Technik, die sie mit überschaubaren 3.5 Millionen US-Dollar an Gesamtkapital fürs Ohr anbieten. Was ist wohl mit einer Kriegskasse wie der von Apple möglich?


  1. „Zufriedene Kunden“ kaufen auch das nächste iPhone. 

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