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van Alex Olma
14. Februar 2017 – 16:23 Uhr

Werbung für Apple Music – ohne Werbung.

Ich persönlich habe kein Interesse an Carpool Karaoke (Trailer) oder Planet of the Apps (Trailer) – Apples neuen Hollywood-Lernprojekten. Ihre Motivation den Fuß in die Tür von Videoproduktionen zu bekommen, ist aber allemal interessant.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Apple ein TV-Bundle zum Start seiner TV-Box geplant hatte (so wie es die Gerüchteküche damals auch behauptete). Der Deal kam nicht zustande, weil es Kino und TV noch zu gut geht (und Apple gewiss sehr spezifische Vorstellungen über das Aufgebot an Sendern und Shows hatte).

Das verwundert nicht: Selbst die Musikindustrie brauchte einige Jahre bevor sie bei Apples iTunes-Angebot zuschlug und die CD in 99-Cent-Songs aufspaltete.

Nobody know this. The first time we went to the music guys to do the iTunes Store, we worked with them for three or four month. After three of four month they told us to go away. We came back a year later. And than it took us another eight month to get this deals done.

Eddy Cue, 2017

Schnitt, 15 Jahre später. Apple Music tritt im Juni 2015 dazu an Spotify zu überholen – ohne werbefinanzierte Preisstufe. Das werbefinanziert Modell läuft ihnen a) gegen die Firmenpolitik und b) gibt Macht aus der Hand. Ziel ist nämlich so viele zahlende Konsumenten wie möglich aufzulesen, um ihren Hebel in Bezug auf Content-Deals zu verlängern.

Heute bezahlen gerade einmal 100 Millionen Kunden und Kundinnen für Musikstreaming; Apple vereint ungefähr 20 Millionen davon. Damit lässt sich nichts hebeln oder dealen.

‚Original Content‘, so wie ihn Netflix vor vier Jahren mit House of Cards startete, ist der Anreiz für ein Abo und bietet für Apple die Möglichkeit seine Inhalte auf seine Hardware anzupassen (keine Ads, On-Demand-Streaming, internationale Verfügbarkeit, Sync über alle Geräte, etc.). Eingekaufte Shows, insbesondere wenn man nicht in einer marktbeherrschenden Stellung ist, lassen genau dies nur eingeschränkt zu. Man werfe einen Blick auf die Liste der lizenzierten Serien und Kinofilme, die sich jeden Monat aus Netflix zurückziehen.

Anders als Spotify ist Apple in der bequemen Position sich Künstler, Marken und große Namen leisten zu können. (Zeitexklusive) Alben wie dem von Drake oder Frank Ocean sind Promos für Apples Musikstreaming. Die Adaption von bekannten TV-Konzepten wie Carpool Karaoke oder Shark Tank…sorry, Planet of the Apps, schlagen in die gleiche Kerbe.

Die Übernahme von Beats im Jahr 2014 – insbesondere Jimmy Iovine – zeigt den Wert dieser Talentakquise wiederholt. Jimmy Iovine ist der Name, der immer und immer wieder in diesem Zusammenhang fällt.

Iovine verstand bereits vor Jahren, als Beats noch selbst Musikstreaming anbot, dass ein solcher Dienst nicht nur für zahlende Kunden zugänglich ist, sondern allem voran auch „benutzerfreundlich“ für den Künstler oder die Künstlerin sein muss.

We have to make it user-friendly to the artist. They have to be able to build businesses on it. They have to be able to have the information who is using their music, where they are… That has to become a business for the artist as much as communicating with their fans. Right now, they (music services) have all the information and the artist have no information.

Jimmy Iovine, 2013 (ab 35:00)

Apple Music erfüllt alle Voraussetzungen um Kunden_innen und Künstler_innen (im großen Stil) zusammenzubringen und abseits der eigentlichen Songs und Alben neue Geschäftsfelder aufzureißen. So baut man Plattformen.

Für Apple ist Apple Music ein neuer Werbekanal für iPhones, iPads und Apple TVs.

The strategy lesson from Apple and Beats is this: Look for opportunities to build platforms connecting consumers with value-adding complementors. (Think a “connect-ing business”, and not a “connected business”.) Capture value through bundling with the platform that will buy you hyper-growth driven by network effects and insurmountable competitive advantage.

Michael Vakulenko | „To understand Beats you need to understand Lady Gaga

  • Maurice

    „…Apple Music erfüllt alle Voraussetzungen um Kunden_innen und Künstler_innen (im großen Stil) zusammenzubringen…“ nur schafft es das nicht.

    Dass Apple kein Talent für Soziale Plattformen hat, haben sie damals schon mit iTunes Ping gezeigt. Nix wars mit dem „absolut amazing“ Service, der Künstler und Nutzer zusammenbringen sollte 😎

    Und was macht Jimmy Iovine außer große Reden schwingen? In meinen Augen nichts, was die Konkurrenz (Spotify) nicht schon seit Jahren besser macht. Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass Apple mit Apple Music jeden Monat Verlust* fährt. Klar können sie sich das leisten, nur wie lange wollen sie das noch 😉

    (*Aufgrund der teuren Exklusiv-Deals)

    Carpool Karaoke & Planet of the Apps mögen ihre Zielgruppen finden. Aber diese Shows als Anreiz für Apple Music zu positionieren? Denk nicht, dass das aufgehen wird 🙃

    Ich finde es dennoch gut, dass man als Nutzer die Auswahl hat, welchen Streaming-Service man nutzen will. So bleibt wenigstens etwas Bewegung im Markt und die Preise bleiben halbwegs stabil 😊

    • peter mueller

      Zum Thema Verlust: Spotify steigert mit der Anzahl der Nutzer den eigenen Verlust. Die werbebasierte Variante trägt schlicht nicht. Bin gespannt, wie lange sie das durchhalten.

      • Maurice

        Ich frag mich sowieso, wie sich das ganze Thema rechnen kann. Wir versucht solange durchzuhalten, bis man der letzte auf dem Markt ist und dann beginnt der große Reibach mit steigenden Abogebühren?

    • Es geht nicht um „Soziale Plattformen“, sondern um neue Geschäftsfelder für Künstler/Künstlerinnen und um den Verkauf von iDevices.

      https://medium.com/@mvakulenko/to-understand-beats-you-need-to-understand-lady-gaga-e334de3da6d2#.2rr6wr658

      • Maurice

        Hab deinen Text „…Kunden & Künstler zusammenzubringen…“ so verstanden – das war ja damals auch die Idee hinter Ping 😊

  • Thomas Peterson

    Ich glaube Amazon geht gerade steil.
    Wie viele sich gerade den Echo bestellen um damit Prime Music zu spielen.

    Selbst meine Eltern haben jetzt so ein Ding oO

  • Ugur

    Das der Deal für Apple nicht zu Stande kam liegt nicht hauptsächlich daran dass es TV und Kino noch zu gut ginge, sondern zu einem sehr großen Teil daran dass Apple, wenn mans unfreundlich sagen will in der Content Industrie, wenn mans freundlicher formulieren will unter den meisten Kreativen inzwischen recht verhasst ist.

    Über wie sich zunehmend mehr App Store Entwickler verschaukelt fühlen wenn man sich anschaut wie der App Store nicht vebessert wird wurde ja schon oft genug genug gesagt über die Jahre. Motto: Free to play shitfest implicitly enforced auf iOS App Store, für iPad Pro Apps immer noch keine ordentliche Ecke, Apple Watch immer noch ohne richtigen eigenen Store, Apple TV immer noch mit dem Modell 99% der Apps gleich niemals zu zeigen. Ja, da macht man sich Freunde bei den Entwicklern..

    Was Serien und Film Content als auch andere Anbieter mit an Bord holen angeht, naja, da kommt eben offensichtlich Apple’s arrogante Art auch nicht mehr so gut (man erinnere sich an News darüber wie es einigen aufgestoßen ist wie da Apple Higher Ups da arrogant ohne Schuhe und Socken beim Bewerbungs Gespräch mit Inudstrie Funktionären ankommen etc)

    Bei Apple Musik machen da inzwischen auch nur noch viele mit weil ihnen kaum eine bessere Alternative bleibt aktuell, dass heißt aber nicht dass das alle Künstler jetzt so toll finden.
    Viele haben es eben doch noch nicht vergessen wie Apple damals als sie die kostenlose Trial Phase für Apple Music gestartet haben mal eben im Hintertürchen mit den Labels abgemacht hatten dass die Künstler während dieser Trial Phase garnichts kriegen.
    Klar, super, gib dein Ganzes schaffen für Lau her rein für Apple’s Gewinn.
    Klar wurde dass dann nach Aufschrei einiger namhafter Künstler doch wieder geändert, aber ja, sowas werden sich die meisten über Jahre merken und dann auch nicht langfristig bei Apple bleiben sobald sich halbwegs eine bessere Option bietet sind da viele weg.

    Zeitschriften, Zeitungen, Lehrbücher etc, wieviele in wie vielen Bereichen sind da Apple’s Hype pushes nachgegangen und dann bitter enttäuscht/links liegen gelassen worden sobald sich Apple das nächste Pet Project gepickt hat?

    Bezüglich TV/Film/mehr App und Dienst Anbieter Support dafür kriegen andere das ja zumindest in US hin, Roku etc hat ja zB Amazon als auch zig andere mit dabei die Apple nicht hat.

    Apple verscherzt es sich mit so vielen in der Kreativ Industrie in den letzten paar Jahren, dass da viele nur genau so lange dabei bleiben solange es nicht ne ansatzweise bessere Option für sie gibt, aber von Tolle Plattform für Künstler kann da absolut keine Rede mehr sein für die große Mehrheit.

  • zoma

    20 millionen ist tatsächlich sehr wenig. Amazon hat schon 66 millionen. der imfang ist zwar geringer, der preis aber auch

    • Amazon selbst gibt keinerlei Zahlen raus. Es ist daher schwer zu sagen wie viele Leute den Musikdienst nutzen.

  • Ich bin froh das damals der Anfang gemacht wurde mit iTunes legal Musik erwerben zu können. Alles andere, auch die Streamingdienste sind Folge davon das jemand eine ordentliche Plattform auf die Beine gestellt hat. Doch dann hat sich Apple zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht und hat den Streaming-Markt verpennt, das wieder aufzuholen wird eine Weile dauern. Was die Kunde – Künstler Beziehung angeht ist das derzeit eine Einbahnstraße, ein Pinterest für Musiker ohne Interaktion mit den Fans.

  • Schupunkt

    Solange mir diese neuen Serien beim Musikhören in der App nicht ständig vor den Latz geknallt werden, kann Apple gerne so viel Schrott produzieren wie sie wollen. Nerven sie mich damit aber beim Musikhören, hab ich Apple Musik schneller gekündigt als den lieb sein dürfte.
    Denn dieser ganze Casting-Mist geht mir tierisch auf den Keks!

  • Frank

    Ich war von Beginn an Mitglied bei AppleMusic und habe mich diesen Monat dazu entschlossen, zu Spotify zu wechseln, und stelle auch die anderen Apple Dienst auf den Prüfstand.

    Ich bin gewechselt, weil mir Spotify von der Bedienbarkeit besser gefällt, weil ich eine vernünftige Integration ins Amazon Echo habe (die selbst Amazon Musik nicht so gut hin bekommt) und weil ich versuche der Marktmacht von Apple etwas entgegen setzten zu müssen.

    Ich denke es ist wichtig, dass Dienste wie Netflix und Spotify erhalten und eigenständig bleiben und nicht alles vom Geld von Amazon und Apple kaputt gemacht wird, weil sie schlicht den längeren Atem haben.

  • Ganz davon einmal abgesehen das ich ohnehin ein gespaltenes Verhältnis zum Musikstreaming habe, bevorzuge ich Spotify.

    Zum einen weil es einfach viel mehr Freunde nutzen (Familienfreigabe, Playlists teilen), zum anderen weil es einfach besser zu bedienen ist.

  • Micky Roth

    Carpool Caraoke läuft doch auch auf Youtube, oder?
    Wie will man damit Leute auf Apple Music ziehen?

    • Ist ein neues Format. Nur teilweise mit James Gorden und auch nicht ausschließen nur im Auto.

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