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van Alex Olma
26. März 2019 – 15:33 Uhr

„A billion pockets“: Apples März-Event 2019

Apples gestriges Event hatte ein entscheidendes Problem: Nichts scheint fertig. Abgesehen von den immer noch auf vier Regionen eingeschränkten Apple News+-Service, der mit iOS 12.2 in den USA, UK, Kanada und Australien direkt startete, jonglierte Tim Cooks Team am gestrigen Abend lediglich mit Ankündigungen, nicht mit fertigen Produkten:

Hier die vier Standbeine des Events und ihre versprochenen Termine:

  • Apple TV Channels ➝ Mai
  • Apple Card ➝ Sommer
  • Apple Arcade ➝ Herbst
  • Apple TV+ ➝ Herbst

‚TV Channels‘ ist von allen Ausblicken, die in der knapp zweistündigen Keynote gegeben wurden, für mich der zahnloseste Tiger: Apple verpackt hier lediglich Film- und Fernsehangebote von anderen Anbietern – ohne Bundle, ohne spezielle Angebote, aber auch ohne großen Mehrwert gegenüber den einzelnen App-Downloads. Und wie bereits im Vorfeld klar war: Abwesend ist hier der Katalog von Netflix.

Sprich: So richtig relevant wird die ‚TV App‘ erst im Herbst, wenn Apple seine eigenen Shows mit in den Mix kippt. Die Teaser der Hollywood-Persönlichkeiten waren kein Feuerwerk, aber sie waren auch nicht schlecht. Mit dem bewussten Verzicht auf Trailer, die die Veranstaltung unnötig gestreckt hätten, war es ein hochkarätiges Staraufgebot, aus dem man aus Sicht der Präsentation nicht viel mehr hätte herausholen können. Die Vorstellung von Apple TV+ erinnerte mich so ein bisschen an eine Oscar-Verleihung.

Vermisst wurden konkrete Aussagen zum Preis von Apple TV+ und vollständigen Angaben zum tatsächlichen Star(t)aufgebot. Wie viele Shows schaffen es in die Erstaufstellung? Welche Filme sind neben den gezeigten Highlights noch im Programm? Sprechen wir primär über klassische Spielfilme, TV-Serien oder auch Dokumentationen?

Es fällt (mir) schwer sich auf etwas zu freuen, dass keinen Preis hat und keine Antworten auf die Fragen „Wie funktioniert das?“ oder „Was bekommt man?“ bereithält.

Speziell in den letzten 45 Minuten trug die Präsentation obendrein arg viel Pathos auf. Das Intro für Oprah war so derartig hochgesteckt, dass dessen Erwartungen wirklich niemand hätte erfüllen können. Und das war ein Grund, warum die Show nicht auf einem Höhepunkt endete.

Insbesondere blieb für mich aber eine zentrale Frage unbeantwortet: Warum produziert Apple eigene Filme und Shows? Tim Cook erwähnte mehr als einmal, dass sie etwas „beizutragen“ hätten, ohne dabei aber konkret auf ihre Leistung einzugehen.

Zugegeben: Das präsentierte Assemble aus Schauspieler:innen, Regisseur:innen und Musiker:innen findet sich nicht ohne das entsprechende Kleingeld zusammen. Und vielleicht ist „Storytelling“ – die Finanzierung der Erzählung von guten Geschichten – ein legitimer Beitrag um in diesem Geschäft mitzumischen. Verständlich wurde mir dies aus der gestrigen Präsentation jedoch nicht. Und vielleicht hängt das ebenso mit dem Umstand zusammen, dass das alles noch nicht fertig ist?!

Apple Arcade

Eins vorweg: Apple Arcade trägt von allen gestrigen Ankündigungen den besten Produktnamen!

Ihr Gaming-Abo für bezahlte Premium-Titel ist die Antwort auf einen App-Store-Trend, der Apple nicht in den Kram passt. Es ist eine Art Eingeständnis, dass man die ganzen Schlumpftaler und Diamantensäcke aus der ‚Free to Play’-Kultur nicht gerne ins Rampenlicht rückt. Apple hat eingesehen, dass man selbst Geld in die Hand nehmen muss – selbst zu einem Publisher werden muss – um das Ruder hier herumzureißen.

Mehr wissen wir aber nicht. Die bunten Trailer und das stilvolle B-Roll-Material hielten nur eine kurze Liste mit bekannten (Firmen‑)Namen bereit – wieder ohne Preis, und wieder ohne Aussage was das für andere (Indie‑)Entwickler bedeutet, die nicht Teil von dem exklusiven ‚Arcade-Club‘ sind. Kein klassischer Videospiel-Publisher wäre mit einer derartig unkonkreten Präsentation – beispielsweise auf der E3 – durchgekommen.

P.S.: Und trotzdem bin ich ernsthaft gespannt auf die „exklusiven Titel“, die Apple Arcade verspricht.

Apple Card

Apple Card sieht cool aus – ohne Frage. Es ist jedoch die Integration in iOS, die den Unterschied zu den meisten anderen Kreditkarten ausmachen wird.

Einige Funktionen, die Apple gestern für Apple Card demonstrierte, konnten bereits andere Banken in ihren Apps abbilden (Sortierung von Ausgaben in Kategorien, Chat-Kommunikation, etc.), andere Feature sind wiederum direkt ans Betriebssystem gebunden. „Daily Cash“ ist im Gegensatz zu abstrakten Punktekonten und intransparenten Bonusprogrammen eine erfrischend ehrliche Idee für Gutschriften.

Und trotzdem bleibt Apple Card selbstverständlich eine Kreditkarte, für die auch Zinsen sowie Zahlungsmodalitäten gelten, und die obendrein von einem nicht sehr ehrwürdigen Kreditinstitut ausgegeben wird.

Goldman Sachs prüft übrigens die Möglichkeit einer „internationalen Verfügbarkeit“, mit der ich aber nicht zeitnah rechne.

Unterm Strich bleibt: Alle vorgestellten Services erforderten viele Verhandlungen, Absprachen und Deals im Vorfeld, die keinen Platz auf der Showbühne haben. Diese Gespräche liefen größtenteils über mehrere Jahre, bevor man überhaupt mit der Arbeit an den eigentlichen Produkten begann – und weit bevor man diese dann der Öffentlichkeit zeigen konnte.

Es war tatsächlich „a very different kind of event“, so wie Tim Cook sagte, weil Apple bei jeder einzelnen Dienstleistung auf Partner angewiesen ist und nicht selbst alle Fäden in der Hand hält. Wer Apple kennt, weiß wie sehr sie den Überraschungsmoment zelebrieren und wie konservativ ihre Ausblicke auf zukünftige Produkte sind. Aus dieser Perspektive, mit derartig vielen „moving parts“, ist es sicherlich beeindruckend wie alle diese Dienstleistungen auf ein paar Monate genau terminiert wurden.

Für den Konsumenten ist das alles aber ziemlich egal. Er und Sie bleiben mit Eindrücken von einem Event zurück, das mehr Fragen als Antworten aufwarf. Und das kann kein zufriedenstellendes Ergebnis sein.

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