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van Alex Olma
22. September 2020 – 15:14 Uhr

Das iPhone SE (2020)

Der folgende Artikel ist knapp 6.000 Zeichen lang. Um ihn zugänglicher zu gestalten, habe ich ihn eingesprochen. Für Abonnenten von #one habe ich die Audiodatei zusätzlich in den persönlichen RSS-Feed eingestellt.

Smartphones sind keine Geldanlage; in Smartphones investiert man nicht. Die Rechnung für den Kauf eines neuen iPhones ist daher simpel: Wie viel Nutzen bekomme ich über welche Laufzeit bei welcher Qualität? Und aus dieser Perspektive ist das iPhone SE (2020) ein verdammt guter Deal – so wie es vor vier Jahren bereits die erste Generation war.

Aber beginnen wir von vorne.

Das neue SE hätte für Apple zeitlich im April kaum besser aufschlagen können. Die Pandemie streute Unsicherheit. Ein 400-Euro-Smartphone passt in solchen Zeiten besser ins Budget, als ein Telefon für einen vierstelligen Eurobetrag.

Und in dieser gehobenen Preisklasse finden sich mittlerweile nicht nur iPhones: Auch die Flaggschiffe von Samsung, Huawei, Google, OnePlus, Sony und Microsoft zogen preislich auf Augenhöhe.

Das iPhone SE tritt aber keinesfalls in Konkurrenz mit Smartphones, die zu Dumpingpreisen angeboten werden; es greift jedoch den Second-Hand-Markt an. Das neue SE ist ein besserer Deal als sein Geld in ein bereits gebrauchtes iPhone zu stecken. Ältere iPhones erzielen nämlich erstaunliche Gebrauchtpreise.

Bei so einem Vergleich schaut man auf die neue Auswahl an Gehäusefarben, die Performance des A13 Bionic Chips1 sowie die runtergenudelte Akkuleistung von einem Gerät aus zweiter Hand.

Und nur der Vergleich mit iPhones aus der „Homebutton-Generation” zählt: Das SE bedient eine Zielgruppe, die bei einem iPhone mit Homebutton verbleiben möchte. Die Zielgruppe für das iPhone SE (2020) sind ehemalige Android-Kunden_innen und jemand der zuvor ein iPhone 5, 6, 6 Plus oder iPhone 7 benutzt hat.

Für mich persönlich ist der größte Stolperstein nicht die Hometaste, sondern die dadurch bedingte Menüführung. Ich vermisse die modernen Wischgesten, die Apps schließen oder wechseln. Mein Muskelgedächtnis hat das Reinwischen des Kontrollzentrums von der unteren (eckige!) Bildschirmkante einfach vergessen. Und auch die Tastatur fällt auf der kompakten 4,7-Zoll-Bildschirmgröße überraschend beschränkt aus.

Ansonsten ist die Abmessung aber super. Das Telefon ist „pocketable” und die Bedienung benötigt oft nur eine Hand. Meine Benutzung des SE über die letzten Monate hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob ich auch für das nächste iPhone die größte Bildschirmdiagonale möchte. Meine Hand erreicht nicht nur die obere Bildschirmecke, sondern umschließt quasi das ganze Gerät2. Es ist ein ungewohntes aber sehr angenehmes Gefühl.

Auch die Bildschirmqualität geht völlig in Ordnung. Setzt man mir die Pistole auf die Brust, greife ich immer zum OLED-Screen. Die Unterschiede zum LCD-Bildschirm dürften die meisten Leute jedoch übersehen – insbesondere weil True Tone, gute Helligkeitswerte und der große P3-Farbraum unterstützt werden.

„Tap to Wake” vermisse ich dagegen wirklich. Auch nach zweieinhalb Monaten, die ich jetzt bereits mit dem SE verbringe, tippe ich regelmäßig auf den Bildschirm und erwarte, dass der Screen aufwacht.

Die rückseitige 12-Megapixel-Kamera besitzt lediglich ein Weitwinkelobjektiv, hat aber die Möglichkeit Porträtfotos zu knipsen. Apples Kamera-App erkennt dafür Menschen; mit Halide und anderen App-Store-Anwendungen gibt es diese Bokeh-Bilder auch für Tiere und Gegenstände.

Der Kamera fehlt ein Nachtmodus, ist in punkto Videoaufnahmen jedoch so gut wie seine größeren Brüder – lediglich „Audiozoom” und ein erweiterter Dynamikbereich in höheren Frameraten fehlt. Die Qualität der Videos bleibt ein echtes Alleinstellung von Apples iPhones gegenüber anderen Smartphones.

Die Frontkamera des iPhone SE vermisst „Smart HDR”. Sein Gesicht bekommt man zwar hübsch ins Bild, einen bilderbuchblauen Himmel dahinter fängt man gleichzeitig jedoch nur schwierig ein.

Mit Apples A13-Chip bekommt das iPhone SE jedoch die „Neural Engine” aus dem Phone 11 (Pro). Dieser Prozessor für maschinelles Lernen hilft nicht nur bei der Erstellung von Fotos, sondern auch bei der anschließenden Bearbeitung. Dieses iPhone ist einfach schnell.

Die Batterielaufzeit ist dagegen eine Enttäuschung. Mit gelegentlicher Nutzung kommt man zwar gut über einen Tag, aber ohne Zwischenladen (oder einen Akku-Pack) werde ich bei meiner (intensiven) Nutzung bereits nervös.

Der Hingucker sind die Farben; mein weißes Modell rockt. Und ich liebe das zentrierte Apple-Logo auf der Rückseite.

Das neue SE ist jedoch kein spannendes iPhone. Dafür ist es schnell, zuverlässig und es verspricht seine Leistung für viele Jahre. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass man aus Versehen sein Gerät zerschmeißt, bevor man es aus Gründen der Performance wechselt. Wir sprechen hier über eine garantierte Lebenszeit von vier oder fünf Jahren – allesamt mit offiziellen Software-Updates.

Das ist in erster Linie dem A13-Chip zu verdanken. Dieser Prozessor wird schneller sein als die Flaggschiffe von Samsung und Co aus dem nächsten Jahr. Wichtig wird die Performance jedoch erst im Jahr 2024 oder 2025, wenn dieses Telefon immer noch benutzt wird / benutzt werden kann.

Deshalb bin mir auch sicher: Apple belässt dieses Modell unverändert für viele Jahre im Verkauf. Für sie ist es ein strategisches Gerät. Es richtet sich an Switcher und an Einsteiger, ist aber keinesfalls eine „Spar-Version” von einem iPhone. Die Abgrenzung zu den teureren Modellen – iPhone XR und iPhone 11 – ist nachvollziehbar und bietet als Gesamtpaket ein fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kurzum: Das iPhone SE (2020) ist ein technisch hervorragendes Smartphone zu einem noch besseren Preis im traditionellen Design.


  1. So, yes, a $400 iPhone SE bests a $3,000 top-of-the-line MacBook Pro in single-core CPU performance.” 
  2. Das iPhones SE zählt die Abmessungen von einem iPhone 8 und kann dessen große Auswahl an Hüllen und Cases nutzen. 

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