‘My Frame’-Rauswurf und Steve Jobs Antwort zur konstanten App-Store-Kritik

von alex olma | 2. Juni 2010 | 13:15 Uhr

Nachdem ich mir die, mittlerweile auszugsweise verfügbaren Videoausschnitte der D8-Konferenz mit Steve Jobs zu Gemüte geführt habe, gilt es doch noch einmal auf eine Nachricht von Gestern detaillierter einzugehen.

Wie an dieser Stelle bereits Erwähnung fand, warf Apple die Anwendung ‘My Frame’ aus ihrem App Store, weil sie angeblich einen “eigenen Desktop erzeugt”. Diese Aussage stammt nicht von einem ungeschulten App-Store-Mitarbeiter, der das wankelmütige Regelwerk für Zugangsgenehmigungen versuchte eigenständig zu interpretieren, sondern von Jobs persönlich. Zumindest antwortete sein E-Mail-Account mit den Worten: “We are not allowing apps that create their own desktops. Sorry.”.

Der sympathische My-Frame-Entwickler Russell Ivanovic antwortete auf meine E-Mail um Mitternacht aus der australischen Zeitzone und ließ den Tipp springen, das die bemängelte Anwendung sich erst sukzessiv aus den länderspezifischen App Stores zurückzieht. Dadurch konnte ich die 1.59 € noch im deutschen Store loswerden und mir einen persönlichen Eindruck des Programms verschaffen.

Alles, was es zu der (durchaus netten) Bildschirmschoner-App zu sehen gibt, hier in einem formlosen Video (mit Country-Musik-Untermalung).

DirektFrame

Ein bisschen ein- und abgetaucht in der Thematik, fällt ein Blog-Beitrag vom Shifty-Jelly-Entwicklerteam auf, dem unter anderem Ivanovic angehört, und der sich Mitte April schützend hinter den Apple-Genehmigungsprozess stellte.

Der Artikel Die öffentliche E-Mail “Sorry Media, But Apple Isn’t Evil” beschäftigt sich mit “Spam-Apps”, bei denen hunderte von Bikini-Anwendungen nacheinander eingereicht werden. Apple schiebt diesem ‘Treiben’ seiner Meinung nach zurecht einen Riegel vor.

Zu dieser Zeit lautet das Fazit des Beitrags:

I love the app store and the amazing hassle-free distribution it provides and I only really have a few niggling concerns with how Apple has dealt with us, as developers.

Shifty Jelly.jpg

Ich empfinde das (zurecht) viel diskutierte App-Store-Thema ebenfalls als sehr ambivalent und je nach Gemütslage unterschiedlich (schlimm). Bei vielen (herausgearbeiteten) Einzelfällen fasst man sich an den Kopf und votiert ohne Nachzudenken für die App-Store-Revolution im ‘Che Guevara’-Stil.

Im pragmatischen Alltag fällt es auf der anderen Seite jedoch nicht mehr wirklich auf, wie bedenkenlos und sorgenfrei man jede Software auf seinem Mobiltelefon installiert. Das Smartphone serviert, die ansonsten schon ausreichend komplizierte IT-Welt, ein kleines Häppchen leichter. Keine Lizenzschlüssel, keine Kompatibilitätseinschränkungen und keine Konfigurationshindernisse. Glücklich eingesperrt, aber mit weitem Auslauf.

Manchmal vergesse ich, dass dies früher (und heutzutage auf anderen Plattformen) alles ganz anders und grausamer war. Zumindest für diesen Ansatz in eine neue Richtung zolle ich Apple uneingeschränkten Respekt.

Genau dieses Argument, über die “Bemühungen” von Apple, stolpert Steve Jobs jedoch mit zahlreicher Häufigkeit. “We’re trying to make great products…” wirft die Frage auf: Wo hört kontrollierte Anstrengung auf, und wo beginnt kontrollierende Überprüfung.

flurry.jpg

Das lässt sich in vielen Fällen nicht durch schwarz-weiße Brillengläser auseinander sortieren. Eine Publikumsnachfrage zum Statistikdienstleister Flurry und dem Reglement über auszuwertende (Benutzer-)Daten, fasst es ziemlich gut zusammen.

Flurry liefert ein Framework, das App-Store-Entwickler in ihre Anwendung schrauben können, um damit Nutzerdaten wie die Art des Gerätes, die (Geo-)Position und Software-Version auszuwerten. Über solche Drittanbieter-Apps tauchten am Anfang des Jahres entsprechende Hinweise auf neue Geräte-Generationen auf, die sich mit einer noch nicht veröffentlichten iPhoneOS-Version vom Cupertino-Campus meldeten.

Wie Jobs richtig zu hören bekam, ist es für Entwickler natürlich wichtig zu wissen mit welchen Versionen und auf welcher Hardware ihre Software verwendet wird. Das Gegenargument der unfreiwilligen (und unbewussten) Weitergabe von Benutzerinformationen zieht jedoch genauso.

Obwohl sich Jobs-Antwort im folgenden auf die Flash-Diskussion bezieht, finde ich sie auch für die App-Store-Thematik sehr treffend:

Things are packages. Of emphasis. Some things are emphasized in a product. Some things are not done as well in a product. Some things are chosen not to be done at all in a product. And so different people make different choices. And if the market tells us we are making the wrong choices, we listen to the market.

We are just people running this company. We are trying to make great products for people. We have at least the courage of our convictions to say we don’t think this is part of what makes
a great product. Were going to leave it out. That is what a lot of customers pay us to do. [...] If we succeed they are buy them. And if we don’t, they won’t.

  • Pingback: Hotelbewertungen auf dem iPhone | SMS-Berg.de

  • http://twitter.com/SPeitsch Sebastian Peitsch

    “And so we have to at least the courage of our convictions to say
    we don't think this is part of what makes a great product.”

    Der Satz ist glaube ich zwei in Einem von Steve. Er wollte glaube ich sowohl “We have to at least have the courage” “of our convictions to make us say” “we don't think this is part of a great product”.

    Einfach weil ich aus meinem Englisch-Gefühl heraus nicht denke, dass “the courage of our convictions” ist ein richtiger Ausdruck. Ich kenne “having the courage to do sth.” or “sth. making sone to do sth.”.

    Also im Endeffekt steht da: wir müssen den Mut haben dass uns unsere eigenen Überzeugungen dazu bringen, Dinge nicht in ein Produkt einfließen zu lassen. Sprich der Markt darf uns nicht diktieren, was wir in unser Produkt packen, sondern wir müssen aus unserer eigenen Überzeugung heraus in der Lage dazu sein, gewisse Dinge nicht in ein Produkt einfließen zu lassen.

    Dafür bezahlen die Leute uns.

    Textdeutung Ende :-)

    Dafür bezahlen die Leute halt Apple. Das Problem das ich sehe ist aber auch, dass z.B. die Firewire-Schnittstelle in manchen Produkten erst wegrationalisiert wurde, in anderen dann aber wieder eingefügt wurde. Steve spricht hier zum einen von Schnitten, die gemacht werden sollten, oft aber nicht gemacht werden (frag mal einen gewissen c't-Redakteur mit Abkürzung as nach dem A20 Gate bei Intel-Prozessoren ;-) ). Wie eben zuerst die 5,25″ Diskette abzuschaffen, dann die 3,5″ Diskette etc. etc. Wäre die Cd in einem anderen Format als die DVD so hätte Apple möglicherweise auch hier schon bald den Rotstift angesetzt. Abwärtskompatibilität ist manchmal echt eine Crux, trotzdem aber bin ich bisweilen irritiert darüber. Ich habe in den letzten 10 Jahren Urlaubsvideos auf 4GB Bändern (Dat) gemacht. Die muss ich jetzt langsam in den PC portieren weil ich sonst alsbald nicht mehr dazu in der Lage sein werde. Meine Kamera hat Firewire, das neue G73 Notebook aber nicht, und auf dem Markt existieren keine Kameras mit Bändern mehr, alles ist umgestellt worden auf DVD-RAM oder DVD-R in 8cm Größe oder gar schon komplett auf Flash-Speicher. Sicherlich ist es vom Design-Standpunkt eine nette Sache, was Apple tut, aber wenn ich zum Beispiel auch an das iPhone denke und die absolute Unmöglichkeit, selbst den Akku zu tauschen (und die Tatsache, dass ich dadurch auf eine maximale Benutzungsdauer von 3 bis 5 Jahren festgelegt werde, obwohl ich hier noch Handys liegen habe die 10 Jahre alt sind wie mein treues Siemens S25, das immer noch funktioniert).

    Es hat einfach alles einen gewissen Beigeschmack. Es wirkt bisweilen so, dass “Design-Entscheidungen” getroffen werden, um gewisse Lizenzgebühren nicht zahlen zu müssen, um die Leute dazu zu bringen, dass jeweils neueste Produkt zu kaufen. Eine gewisse Art des Protektionismus.

    Gestern habe ich das ADAC-Magazin in den Händen gehalten. Dort wird davon gesprochen, dass manche Autofahrer für den Wechsel einer Xenon-Lampe bisweilen den ganzen Scheinwerfer auswechseln lassen müssen, weil der Hersteller des Fahrzeuges (Kaufpreis: 70.000 Euro) nicht dazu in der Lage ist, das Einzelteil “Xenon-Lampe” zu liefern, sondern die ganze Steuerelektronik mit austauschen muss. Das sind auch Dinge, die nicht gehen, und ich finde so langsam muss Apple wirklich irgendwer die Grenzen aufzeigen. Es kann nicht sein, dass sie keine anderen Desktops oder Mail-Programme zulassen, weil sie selbst ein Mail-Programm im Gerät haben oder selbst einen Browser etc. pp. Letzteres hat sich inzwischen geändert, aber nur weil alle aufschreien wie doof. Das kann es doch nicht sein. Und die Diskussion mit dem Gawker-Redakteur ist da noch so eine Sache. “Save us from porn”. Ja hallo? Wenn ich 18 Jahre alt bin darf ich doch bitte selbst entscheiden, was auf meinem Gerät landet oder nicht. Und wenn ich eine Hardcore-pr0n-App auf dem iPad haben will, dann soll man dies bitte auch ermöglichen. Es ist doch einfach lächerlich wenn so langsam jedes Apple Consumer-Gerät als verlängerten Arm der Moralvorstellungen der US-Amerikaner betrachten kann bzw. der Art Medien zu konsumieren, wie es Disney am liebsten hätte.

  • Oliver

    “Save us from porn. Ja hallo? Wenn ich 18 Jahre alt bin darf ich doch bitte selbst entscheiden, was auf meinem Gerät landet oder nicht. Und wenn ich eine Hardcore-pr0n-App auf dem iPad haben will, dann soll man dies bitte auch ermöglichen. Es ist doch einfach lächerlich wenn so langsam jedes Apple Consumer-Gerät als verlängerten Arm der Moralvorstellungen der US-Amerikaner betrachten kann bzw. der Art Medien zu konsumieren, wie es Disney am liebsten hätte.”

    Es wird hier immer wieder vergessen, dass jeder die Möglichkeit hat Safari zu öffnen und sich anzuschauen, was immer er will!
    Dass Apple bestimmte Inhalte als Distributor nicht vertreiben möchte kann ich verstehen. Ich nehme mal an, dass beispielsweise Nintendo auch kein wirkliches Interesse daran hätte Porn Apps auf der Wii zu vertreiben. Ähnlich dürfte es sich mit der Xbox und Play Station verhalten. Auch bin ich mir nicht sicher, ob Nokia sich in ihrem Store als Porno Vertrieb betätigen möchte. Soviel zur Zensur: iPhone / iPad sind Geräte von Apple, sie sind der Betreiber des Stores. Sie bestimmen die Regeln. Solange sie nicht anfangen bestimmte frei zugängliche Inhalte aus dem Netz via Safari zu blocken, kann hier von Zensur keine Rede sein.
    Auf der anderen Seite: Die MyFrame Geschichte: So etwas geht gar nicht. So sehr ich damit konform gehe, dass Apple die Inhalte des Stores kontrolliert – aber so geht das nicht. Wie schon 1000x gesagt: es müssen klar definierte Regeln her, was in dem´n Store darf und was nicht. Wir Entwickler brauchen Planungssicherheit, sonst wird das Entwickeln von Apps zum va banque Spiel, das eine Indie Entwickler schnell m al seine Existenz kosten kann.
    Also, her mit klaren Regeln betreffen des Review Prozesses. Oder, eine Möglichkeit vorab das Konzept einer App einzureichen.

  • http://twitter.com/scartoffel Lucas

    Auf was für einem Dock stehtn dein iPhone?

  • Prana

    Was ist denn das für eine iPhone Dockingstation in dem Video?

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog
  • http://twitter.com/SPeitsch Sebastian Peitsch

    Gutes Argument. Du hast Recht, es steht jedem Porno-Anbieter frei, eine HTML-Anwendung zu stricken mit h264-Videos. Das Problem dabei ist wohl aber der “Ease of Use”. Ich persönlich habe schon viel Geld im Appstore gelassen, weil der Checkout so einfach ist.

    Nur ist das Gerät halt keine Spielkonsole und ich finde da hakt der Vergleich etwas. Aber nur etwas, nicht viel. Ich habe einfach das Gefühl dass es einen Unterschied gibt aber die XBox ist ja auch von Microsoft und Inhalte haben einen Jugendschutz. Aber wenn man sich die Problematik bei Premiere/Sky anguckt… da gibt's ne PIN und die surfen auch auf Rasiermessers Schneide, das System nicht verboten zu bekommen.

    Von daher stimmt es wohl, eigentlich sollte man (oder ich mich) da nicht beschweren.

  • http://twitter.com/SPeitsch Sebastian Peitsch

    Guck mal ein paar Einträge früher. Er hat es vorgestellt. 40 Euro. Zu teuer ;-)

  • Askdgdkas

    Im pragmatischen Alltag fällt es auf der anderen Seite jedoch nicht mehr wirklich auf, wie bedenkenlos und sorgenfrei man jede Software auf seinem Mobiltelefon installiert. Das Smartphone serviert, die ansonsten schon ausreichend komplizierte IT-Welt, ein kleines Häppchen leichter. Keine Lizenzschlüssel, keine Kompatibilitätseinschränkungen und keine Konfigurationshindernisse. Glücklich eingesperrt, aber mit weitem Auslauf.
    —-

    Öhm,eine open source oder freeware Programm kann man auf dem iphone(ipad nur benutzen wenn man sich bei Apple anmeldet.
    Das ist alles andere als einfach.

    Genau genommen hat Apple sich für die komplizierteste Möglichkeit entscheiden.
    Ich bin froh das es auf dem pc nicht so umständlich ist gute Software zu installieren.

  • Prana

    Ich meine eigentlich die iPhone Dockingstation! :) Weiß jemand wie die heißt?

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog
  • Mailinator

    Apple schmeißt reihenweise politische Karikatur-Apps aus dem Store und alles was man hier dazu sagt ist “alles halb so wild”?

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Nö. So habe ich das nicht gesagt.

  • Guest

    meine güte, wenn ihr lauter schwachsinnigen müll auf einem taschencomputer, dessen wichtigste funktion weiterhin das telefon ist, installieren wollt und weiterhin ein hobby sucht, kauft euch doch die wahnsinns “alternativen” windoof mobile basis und hört endlich auf mit dieser sinnlosen freiheitsdiskussion.

    ich wünsche mir die zeiten zurück, wo sich die welten mac user, mit denen die ihren scheiss toaster über rs schnittstelle ansteuern müssen, nicht überschnitten haben.

    3/4 der iphone user sind doch weiterhin zu blöde, um damit umgehen zu können, wenn es komplett offen wäre.
    aber he, lieber frei und sich als beispiel mit den lustigen viren rumärgern, die ab werk auf den neuen karten des samsung was auch immer fons rumzuärgern.

    merkt euch doch endlich mal:

    ich habe kein hobby, ich habe einen mac!!!!

    was ist da bloss so schwer dran zu verstehen???????

  • http://com.noizee.de NOiZEE

    Ich muss doch immer wieder mit Erstaunen feststellen, wie wertvoll dein Blog für mich geworden ist. Nicht nur deine tollen Beiträge bei @bitsundso begeistern mich, auch die Artikel, die du hier verfasst sind voll von tollem Inhalt, der einfach Spaß macht, zu lesen! Du hast einen weiteren treuen Leser gewonnen, der dich gerne weiterempfiehlt :)

  • http://www.iphoneblog.de iphoneblog

    Das ist sehr nett. Freut mich :)

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