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van Alex Olma
11. November 2013 – 9:32 Uhr

Das iPad Air

Was gibt's eigentlich noch groß zu schreiben? Die Testberichte zum iPad Air schwärmen einvernehmlich; kein anderes Tablet in der 10-Zoll-Liga empfiehlt sich auch nur annähernd auf Augenhöhe. Wird das so bleiben? Ich hoffe nicht. Aber klar ist: Auch dieses Jahr definiert das iPad erneut den sogenannten Tablet-Markt.

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Drei Jahre nachdem Steve Jobs mit der ersten Ausführung einer ganzen PC-Generation die kursändernde Vision vor Augen führte, ist die Hardware dort angekommen, wo sie keine Kompromisse mehr eingeht.

[…] the iPad Air is “finally” a full-sized iPad without compromises. It has a gorgeous display, excellent battery life, it’s powerful, and, of course, it’s very lightweight and easy to hold.

Shawn Blanc

Das Air wuchs in nur 3½ Jahre zu einem in jeder Hinsicht ausgereiften Computer. Gegenüber dem iPad 3, dem ersten bedeutenden Retina-Tablet, vervierfachte sich die Geschwindigkeit bei gleicher Batterielaufzeit. Apples Akku-Angabe mit zehn Stunden bleibt auch diesmal konservativ. Prozessorschonendes Websurfen und Schreibmaschinen-Tätigkeiten kitzeln eine zusätzliche Laufzeit in Spielfilmlänge aus dem Gerät. In meiner ersten Woche mit dem Air steckte ich insgesamt dreimal das Kabel an – bei überdurchschnittlicher Nutzung.

Apple betonte auf seinem zweiten Herbst-Event mehrmals, dass dieses Geräte viele Jahre in der Entwicklung verbrachte. Und es fühlt sich tatsächlich kompletter als seine Vorgänger an.

Über den A7, Apples neusten iOS-Prozessor, der bereits im 5s steckt, titelte Anandtech trocken aber erschöpfend:

I won't go through all of the results here again, but it's safe to say that the iPad Air is the fastest ARM based tablet on the planet at this point.

Anand Lal Shimpi

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Ungefähr ein Drittel an Gewicht verlor der Unibody, der dieses Jahr ins Design des iPad mini schlüpft. Das ist ohne Frage federgewichtig, vermisst aber den Wow-Effekt, den das iPhone 5 im letzte Jahr etablierte. Selbst heute bin ich noch ab und an überrascht, wie schwerelos das 5s in der Hand liegt, wie mühelos es sich aufheben lässt.

Beim iPad Air hat sich die neue Normalität beim Gewicht von unter 500 Gramm bereits noch einer Woche ins Muskelgefühl eingearbeitet. Der gigantische Sprung, der sich hier aus Ingenieurskunst versteckt, wird nur im direkten Vergleich mit dem Vorjahresmodell deutlich.

Eindeutig vergleichbar ist jedoch die stumpfe Umrandung, die bei 10-Zoll erheblich geschmeidiger in der Hand liegt als die kantige 2012er-Ausführung. Nicht nur die Größe, sondern auch der Formfaktor des Minis gefiel seinen Käufern. Das Air kopiert an der richtigen Stelle.

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Viele Worte sind über die einhändige Nutzung geschrieben worden. Ich halte das Gewicht der (noch flacheren) Flunder diesbezüglich jedoch als einen falschen Indikator. Schon die schiere Größe, die eine Unwucht erzeugt, disqualifiziert den Messwert. Das 4-Zoll-iPhone bewertet man auch nicht daran, wie gut man es mit zwei Händen halten kann. Die Stärke von einem 10-Zoll-Tablet liegt nicht in seiner Nutzung mit nur einer Hand.

Die eigentliche Frage, die hinter der Diskussion steht, lautet: iPad Air oder iPad mini? Die Entscheidung braucht zwar noch ein paar Wochen bis es das Retina-Mini tatsächlich in den Verkauf schafft, aber die Antwort ist leichter als man denkt. Bestehende iPad-Besitzer werfen einen Blick auf ihre erste Homescreen-Seite. „Welche Apps liegen dort und auf welcher Größe funktionieren sie besser? Vergesst Tragen und Transportieren, schaut auf die Software!

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Mehr Kleinigkeiten.

Mono verwandelte sich in Stereo – die einseitige Positionierung der Lautsprecher rund um den Lightning-Anschluss lassen sich aber trotzdem noch zu einfach verdecken. Das Doppel-Mikrofon zur besseren Geräuschunterdrückung, in meinem Fall für FaceTime-Gespräche, liefert eine minimale aber hörbare Qualitätsverbesserung.

Kritik? Na logisch! Das einsame Gigabyte an Arbeitsspeicher quäkt noch nicht heute; ein Upgrade auf beispielsweise 2 GB verspräche jedoch mehr Zukunftssicherheit. Mit ein bisschen Software-Perspektive ist das nicht nur eine theoretische Diskussion.

An Arbeitsspeicher zu sparen scheint mir ohnehin unklug – sowohl in Bezug auf die finanziellen Kosten wie auch die technischen Limits. Apple verbrannte sich hier bereits mit vorangegangenen Geräten die Finger. Die tatsächlichen Gründe für ihre erneute Sparsamkeit würden mich interessieren.

Beim Thema Speicherplatz sind die Ursachen klar: Die gestaffelten Preisstufen, von mageren 16 GB auf bis zu wuchtige 128 GB, errechnen einen erheblichen Teil der Gewinnmarge, die die Geräte finanzieren.

Und trotzdem ist die ganz kleine Version, in Zeiten von App-Store-Games auf Konsolen-Niveau und HD-Videos nicht mehr zu empfehlen. Ich hätte mir gewünscht, diese Empfehlung von Apple diktiert zu bekommen (mit einem 32 GB-Einsteigermodell).

Fazit

"Was gibt's eigentlich noch groß zu schreiben?"

Meine (rhetorische) Frage zum Artikel-Auftakt lässt außer Acht, dass das iPad Air ein komplett neues Kapitel für den Personal Computer aufschlägt. Die Hardware ist inzwischen so weit, das sie aus dem Rampenlicht tritt und uneingeschränkt der Software die Bühne überlässt.

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Das ist neu. Exakt vor einem Jahr war es die Hardware des iPad IV, die noch sehr prominent im Scheinwerferlicht stand – nicht ausschließlich positiv. Zwar verdoppelte Apple die CPU-Performance, das lediglich sechs Monate zuvor veröffentlichte iPad 3 schürte jedoch die Befürchtungen, mit dem Frühlings-Gerät bereits als ausgemustert zu gelten.

Software, die das iPad IV voll auslastet, erschienen nie. Es blieb allerdings das Gefühl, dass der verschobene Release-Rhythmus die Geschwindigkeit, in der Apps und Games nach dem Maximum streben, überschattete.

Hinzu kam das Mini, das aus Performance-Sicht weit hinter seinem größeren Bruder blieb (und im direkten Verkaufsvergleich vermutlich großartig abschnitt).

All dies ändert sich in diesem Jahr. Die Geräte werden sich nur in ihrer Bildschirmgröße unterscheiden und der App-Store-Software mit A7-Chip und 64-Bit-Architektur den Performance-Himmel weit aufreißen.

Das iPad Air ist damit der größte Abenteuerspielplatz den Apple bislang für Softwareentwickler gebaut hat. Und genau darüber wird es in den nächsten Wochen und Monaten viel zu schreiben geben.

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